Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 18.

Mittwoch, den 25. Januar.

1899

liegen bleibst! Das bitt' ich mir aus. Das kann ich doch

( Nachdrud verboten.) wohl noch verlangen, daß meine Anordnungen respektirt

Herrn Bickendrath's Pensionäre. werden." Roman von O. Eugen Thossan.

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und das

Wenn er erst über die Mauer rüber war ging ohne übertriebene Schwierigkeiten dann war er so gut wie im Hause. Denn die Hinterthür nach dem Hofe blieb regelmäßig offen. Er brauchte dann blos noch die Stiefel auszuziehen und sich in Strümpfen geräuschlos die Treppe hinauf zu schleichen. Emil wagte nicht zu flatschen, wenn er vielleicht auch manchmal Lust dazu hatte. Frize hätte ihn auch ohne Umstände todtgeschlagen, maufetodt. Wenigstens sagte er ihm das, als er eines Abends erst nach zehn antam, und Emil dummdreift fragte, ob Herr Zickendrath um den langen Urlaub wußte.

Frau Zickendrath ergab sich, abermals seufzend, in ihr Schicksal.

Was sie nur hat?" grübelte er. Sie wird doch dem Burschen nicht aus der Patsche helfen wollen. Sie hat doch zulegt selber eingesehen, was an ihm ist."

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So lagen sie noch über eine halbe Stunde und horchten, und feiner muckste sich. Da es ging schon start auf eins wurde vorsichtig auf die Klinke der Hinterthüre gedrückt. Mit einem Sah war Frau Zickendrath aus dem Bett. Aber ein wüthendes Du bleibst liegen!" von Seiten ihres Mannes scheuchte sie wieder in die Kissen zurück. Dann erhob er sich so fir, wie es sein Zustand erlaubte.

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Draußen wurde noch einmal probirt; dann, als der Ver­Snurren, und plößlich ergriff der Ausgesperrte wie in einem Wuthanfall die Klinke und zerrte mit aller Macht daran herum, daß die schütternde Thür wie verrückt in ihrem Rahmen herumsprang und mit ihrem Getöse das schweigsame Haus erfüllte. r

Das ging so eine Weile ganz gut. Bis Herr Zickendrath such wieder fruchtlos blieb, hörte man ein dumpfes ärgerliches wieder einmal ein Karbunkel befam. Der alte Herr zeigte plötzlich eine auffallende Neigung, dergestalt wieder auszuschlagen. Das kommt vom guten Leben," sagte er selbst. Es ging jezt wirklich ganz gut und man leistete sich mehr, als man seit langem gewohnt gewesen war. Aber der Mensch soll nicht üppig werden. Nun mußte er das gute Leben in dieser Art an seinem Leibe büßen. Es war ja nicht weiter gefährlich, nicht einmal sehr schmerzhaft. Aber das Dumme war, daß er, weil er nicht ſizen konnte, fast den ganzen Tag im Bett Warte... tarte!" Weiter brachte er nichts heraus. liegen mußte. Und da ihm sonst nichts fehlte, so machte Dann humpelte er, so schnell er's vermochte, auf den Flur. ihn das nervös und unruhig, so daß er die halbe Nacht nicht Den starken Stock, der während seiner Bettlägerigkeit immer schlafen konnte. am Stuhl lehnte, nahm er mit, er wußte selbst nicht, ob mehr als Stüße oder mehr als Waffe.

Einen Augenblick stand Herr Zickendrath wie vom Donner gerührt. Dann klapperte er mit den Zähnen vor maßloser Erregung.

Vor Angst erschauernd setzte sich Frau Zickendrath im Bette hoch. Sie hörte, wie ihr Mann den Riegel zurückschob und öffnete. Und nun erwartete sie, daß sich ein Mords­spektakel erheben mußte. used to

Sein Bett stand nahe am Fenster, und das Fenster ging dicht neben der Hinterthüre auf den Hof. Und eines Abends, als er so dalag, hörte er plöglich ein Geraschel in den Stachelbeerbüschen, die längs der Gartenmauer wuchsen, und ein dumpfes Aufschlagen, als ob etwas von der Mauer herabgefallen wäre. Gleich darauf aber ging leise, leise die Aber es blieb Alles still. Nur ein paar ganz kurze halb­Hofthüre. laute Worte wurden gewechselt, die sie nicht einmal verstand. Dann stampfte der Ausbleiber unbehelligt die Treppe hinauf, und Herr Zickendrath kam zurück. Seine Frau hatte unter­dessen Licht gemacht. Ihm war das garnicht recht und er warf ihr einen strafenden Blick zu. Aber zum Sprechen langte es nicht. Er blieb mitten zwischen den Betten stehen, fuchtelte mit dem Stock und schnappte nach Luft.

Da wurde es mit einem Schlage hell in ihm. Ei Du verwünschtes Käsekeilchen, das war einer von den Jungen! Und wer es war, blieb für ihn außer allem Zweifel. Er konnte indessen nicht schnell genug aus dem Bette kommen, um den Missethäter abzufassen. Aber das Handwerk sollte ihm gelegt werden. Warte nur, Du Spigbube, ich will Dich lehren, über die Mauer steigen und ins Haus schleichen wie der Marder auf den Hühnerstall.

Er war wohl gang betrunken?" fragte seine Frau und sah ihm angstvoll in das verzerrte Geficht.

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Am nächsten Tag sagte er zu niemand ein Wort von Ben meinst Du denn eigentlich?" herrschte er sie an. seiner Entdeckung. Aber als es Abend wurde, travelte er Nun, Johannes Oder war er's nicht?" mühsam aus seiner Falle und wandelte nothdürftig bekleidet Natürlich war er's," sagte er, nun mit einem Mal in in der Küche umher, deren Thüre immer offen stand. Und gleichgiltigem Ton. Du hast es also gewußt, daß er draußen richtig, in dem allgemeinen Rummel, der auf den Schluß des war?" Abendbrotes folgte, verließ Frize das Haus, nach seiner Nun ja, gewiß. Er war schon ein bischen angetrunken Meinung natürlich unbemerkt. beim Abendbrot. Und wollte mit Gewalt noch einmal weg. Mit grimmiger Befriedigung froch Herr Zickendrath Ich habe mir den Mund fusselig geredet. Aber er war nicht wieder in sein Bett und lag und wartete. Es schlug neun, zu halten. Und Du weißt ja, bei Schmidt's, nicht wahr? und Manni verschloß die Hausthüre. So lange war es den Man darf nicht viel fagen. Der Alte steht immer seinen Schülern erlaubt, auszugehen. Was nun noch tam, war Jungens bei. Und verlieren mag man sie doch nicht. Wenn Kontrebande. Frize war selbstredend nicht zurückgekehrt. Es er nicht geklappt ist, ist es ja auch egal." wurde zehn, es wurde elf, Mitternacht noch immer nichts. Herrn Zickendrath's Spannung stieg aufs höchste. Er Er zitterte unter seiner Decke. Ich glaube, ich habe Fieber," knurrte er ingrimmig vor sich hin.

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Was sagst Du?" fragte seine Frau besorgt von ihrem Lager herüber. Ach, Donnerwetter," gab er überrascht zur Antwort. Du schläfft noch nicht? Nun wird's aber höchste Zeit." Frau Zickendrath warf sich herum und feufzte tief. Was hast Du denn?" fragte er ärgerlich. Ach... Mar... ich glaube, es ist noch einer draußen."

" Das glaub ich auch. Deshalb paß ich ja auf. Ihr habt doch die Hofthür nicht wieder aufgeriegelt?"

" Die Hofthür?"

Na ja, ich habe sie doch abgeschnappt. Den infamen Bengel will ich schon kriegen."

In Frau Bickendrath's Bett entstand ein erhebliches Getöse

Was willst Du denn?" rief er. Daß Du mir ja

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Herr Bidendrath brummte Zustimmung. Dieser praktischen Logif war nicht entgegen zu treten. Logif war nicht entgegen zu treten. Er hatte auch gar keine Luft dazu: Da es nicht Fritze gewesen war, war ihm der ganze Spaß verdorben. Johannes das war eine ganz andere Sache, sein Johannes! Aber daß ihn dieser Frize hinters Licht geführt hatte!... Und er fing ihn doch noch! Jezt gleich wollte er feststellen, ob er zu Hause war. Er hatte ihn doch fortgehen sehen. Und auf normalem Wege war er nicht wieder einpafsirt. Also...

Ohne seiner erschrockenen Frau eine Auskunft zu geben, trollte er wieder ab, zog sich am Geländer die Treppe hinauf und öffnete mit gewaltsamem Druck Frißen's Stubenthüre.

Weinold!" rief er mit starker Stimme in das Dunkel

hinein.

"

Was ist denn los?" kam es aus dem Hintergrund. Also doch! Der elende Geselle war da; wie er hinein­gekommen, war ein Räthfel.

,, Was ist denn los?" gröhlte Frige noch einmal im Tone höchster Ueberraschung.