Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 46.
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Das Blut.
Sonntag, den 5. März.
( Nachdruck verboten.)
Roman von J. J. David.
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1899
irgend eine Stellung umthun. Nichts dergleichen geschah. Er dachte daran, ihn zu verheirathen, und hielt selber Umschau für ihn; auch dazu hatte der Franz gar keine Lust. So wurde der Bauer denn von Tag zu Tag trübfeliger, immer wortfarger und dann wieder ausschweifend geschwätig. Es lag nicht an ihm, kam es anders. Gemüht hatte er Aber auf die Frage nach seinem Ergehen tam fein ge sich in Wien an der Hochschule wahrhaftig genug darum, wohntes: Man red't nicht gern" immer kläglicher. Eine so sehr sogar, daß sich selbst das Band zeitweise gelockert, liederliche Wirthschaft dreister Mägde, die nur auf ihr das den Sohn des armen Tagelöhners dem des Großbauern Gesicht hin aufgenommen wurden, riß auf dem Anwesen ein; verband. Nur selten trafen sie sich in den engen und viel er wußte fich nicht davor zu helfen. Eine tüchtige Frau aber, gewundenen Gassen um die alte Universität; dann flog ein die dem Ganzen das geziemliche Ende mit Schrecken bereitet herzlicher Gruß vom flotten, die bunte Müße und das Band hätte, führte er befremdlicherweise nicht heim. Der und jener tragenden Studenten zum armen Teufel von Landsmann, und meinte, aus Furcht vor den unwiderstehlichen Verführungsihre Wege schieden sich wieder. Die des Einen führten in die künsten seines Bruders; denn Franz war der Frauenbezwinger, vornehmsten Gasthäuser der Stadt, die Hochschüler überhaupt nicht allein von Unter- Heinzenwald, sondern weithin über die besuchen; der Andere stillte seinen Hunger, wo und wie er Gemarkung der Ortschaft. tonnte. So liefen denn ihre Bahnen erst spät wieder in Gerade das aber war es, was den Lehrer noch mit dem einem Punkte zusammen. Zuerst erschien Franz Rüttemann, Genossen ferner Tage verband. Eigentlich mochten sie einein gänzlich Verbummelter, der sein elterliches Erbe verthan, ander nämlich gar nicht, vielleicht weil jeder den Andern in der Heimath, beim Bruder, der als der Aeltere, das Gut durchschaute, weil Glogar überdies den Franz beneidete. Der übernommen. Ein Kurzes später bewarb sich Alois Glogar, in aber hielt den Schulmeister für einen Pharifäer; er hatte allen Plänen und Hoffnungen gescheitert, um die Stellung nicht gar Unrecht damit, soferne der sich nicht wenig auf seine des Schullehrers im Orte. Und Niemand konnte ihm nach- Tugendhaftigkeit zu gute that, die freilich nie auf die Probe sagen, daß er es etwa mit den Pflichten seines Berufes gestellt worden war. Diesem aber war sein Geselle einfach ein Teicht genommen hätte; mochten seine Befähigung wie sein Rump; aber er bewunderte ihn darum nicht um ein Haar Wissen höheren Aufgaben auch nicht gewachsen gewesen sein, minder, verachtete ihn insgeheim, weil er so ganz verbauert war sie genügten hier, und er hat sein Amt musterhaft versehen. und sich sogar etwas zu gute that darauf und schon um sein: Während nun der Eine mühsam und in so harter Plage st nicht mein Geld," mit dem er sich über jeden Unfall fein Brot gewann, daß sich ihm langsam wieder selbst die hinwegzutrösten wußte, der den Hof und meist durch sein Theilnahme jener zuwendete, die ihm grollten, daß er nur Verschulden- betraf, und bestaunte doch wieder jene das Licht, nicht auch der Stolz von Unter- Heinzenwald geworden, Gewissenlosigkeit, die das Loos des eigenen Bruders so leicht lebte der Andere ein behagliches Leben. Jeder ernsten Arbeit nahm und die des Franz Erfolge auf dem weiten Felde war er durch Jahre entwöhnt; ihn dazu anzuhalten aber der Liebe erklärte. Davon hörte Glogar nämlich am war fein Bruder Johann der Mann zu allerlegt. Immer liebsten, der gar nichts Gleiches erlebt oder doch zu be hatte er den begabteren Bruder, den Liebling der Eltern, be- richten hatte; davon sprach der jüngere Rüttemann überaus wundern müssen; er war der Schwachkopf neben ihm; was der gern, weil er wußte, wie wunderlich peinvoll gemischte that und verthat und es war mehr als der Hof vertrug- Empfindungen das in seinem Zuhörer erweckte. Er war fein das war wohl angewendet und mußte einmal reichlich zinsen. verschwiegener Liebhaber, das fonnte ihm niemand nachsagen. Verstand er das Thun des Jüngeren nicht, dann lag die Schuld Er nannte die Namen seiner Schönen ganz ruhig, machte kein nur an ihm. Das war ihm oft genug vorgepredigt worden; Hehl daraus, wie er mit der zu bandeln begonnen, wie er die er glaubte selber endlich daran. Und als ihm der Franz erst, schon am Schnürchen habe, noch daraus, wie er seine Siege zu heimgekehrt, die kühnen Neuerungen entwickelte, die er vor- erringen wisse. Er hatte Zeit, seine Anschläge zu verfolgen; hatte, da staunte er ihn an wahrhaftig, gläubig beer war dreist, war immer noch, troß der Spuren, die wüste und wundernder können die Zengen seiner Thaten den Heiland durchzechte Nächte zurückgelassen, ein hübscher, ranker und kräftiger nicht angestaunt haben.
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Junge, der vor allem seine wunderliche Zwitterstellung vorVor dem Rüttemann- Hofe stehen Sonnenblumen. Hoch trefflich zu nüßen wußte. Denn bei den Bäuerinnen und ihren ins Kraut geschossen, nicken sie zu ihrer Zeit mit mächtigen, Töchtern war er der Ebenbürtige, den nur ein trauriges Schicksal gelben Blumen, dann wieder mit schwarzen Fruchtständen. Sie und der Zwang einer ungerechten Erbordnung in eine mißliche waren das letzte Zeugniß der ungeheuren Reformpläne des Franz, Lage gebracht; bei den Mägden aber ihresgleichen, ein armer der sie der Delgewinnung halber, weil der gewöhnliche Frucht- Teufel, der trotz ihnen von seiner Hände Arbeit leben mußte, bau ja doch nicht mehr lohnt, im Großen hatte anbauen allenthalben der Gebildete hart vom Unglück Verfolgte, der aber wollen. Aber die theuern kurzhörnigen Rinder, die er er immer noch über ihnen Allen stand, ein bischen verwunschener standen, um einen neuen Schlag für den vortrefflichen zu Prinz, weißt", der sich zu ihnen herabließ, um sie zu sich zu züchten, den der Gau seit altersher zieht, waren längst wieder erheben, der sich von ihnen im Leid trösten lassen wollte. um Theile dessen verkauft, was sie gekostet. Einzig die„ Das thut's, probir's!" schloß er häufig. Und wenn dann Hopfenstangen in einem öden Felde sprachen noch von einem Herr Glogar mißbilligend dreinsah, dann dacht' er für sich: andern Versuche; aber auf dem Hofe stand eine zweite Dummer Teufel, kannst es ja nicht," und fühlte sich in Satpost und mahnte an jedem Zinstage an die Unter- seiner Klugheit. Glogar aber ward fast traurig dabei; nicht nehmungen des Genies. Ihnen zu steuern hatte der nur dann, wenn der Johann hereinkam, während sie so beiAeltere allerdings manchmal versucht; aber das Herz fehlte fanmen waren, auf der Ofenbank saß und den Bruder ihm, mit Nachdruck dagegen aufzutreten. Er scheute jedes mit feinen großen, nicht gar klugen Augen ansah Aufsehen; der Andere aber nicht, und hatte vor allem die und verwundert mit dem mächtigen Kopfe nickte, bis er sich Weiber und damit die öffentliche Meinung für sich. Schritt über ein Kurzes mit schwerfälligen Beinen wieder erhob und er mit seiner Duldermiene durch das Dorf- und er war sein:" Ja, der Franz," vor sich hinsprach, dessen Bedeutung ein hübscher Bursche, groß und schlank, mit grauen niemanden, ihm selber vielleicht am wenigsten jemals flar Schelmenaugen und beklagte sein Los, das ihn wurde." Den bemitleidete der Lehrer, sich selber aber auch. Eine zwinge, feinem Bruder zu dienen: Wissen Sie, Nachbarin, füße Empfindung; denn zu tiefst war er fest überzeugt, auch ich mag nichts Uebles gegen ihn fagen- aber da," er könne Aehnliches erleben, und er wolle nur nicht. Oder und er wies auf die Stirne, dann schlugen sie allesammt hatte ihm nicht Die und Jene in Wien Zeichen gegeben, die Hände über den Kopf zusammen und beschworen das An- wie sie ihn gar nicht ungern sehe? Aber er wollte nicht; gedenken der seligen Rüttemännin. Die Voltesstimme war nun einmal gegen ihn; ihr zu trotzén, sie für sich zu gewinnen, das verstand aber der Johann nicht, dem doch manch mal wiederum Zweifel an der Stichhaltigkeit seiner Bedenken tamen.
Er hatte Anfangs gehofft, sein Bruder werde sich um
damals nicht aus Mangel an Chic und Erfahrung, munmehr aber aus Grundsatz und wurzelwüchsigen Ueberzeugungen. Herr Glogar war Philosoph ; nicht in dem Sinne allein, wie es ein Dorfschullehrer überhaupt sein muß, der einmal fich stolzere Flüge gesetzt hat und nicht verzagen will. Der Sat aber, auf dem seine Welt- und Lebensweisheit ruhte, der ihm