Anterhaltungsblatt des Vorwärts
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Donnerstag, den 13. April. added on sid dar 1899
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VIII.
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zogen worden war; eigentlich heiße sie Zoe Sinaia. Als ihre Amme gestorben sei, habe deren Bruder die Pflegerolle über
nommen.
Als die Oberin diese abenteuerliche Geschichte erfuhr, wurde Hortense ernst zur Rede gestellt. Sie antwortete, fie habe lediglich diejenigen, welche sie zu demütigen suchten, zum besten gehabt. Gegenüber ihren Freundinnen verharrte Wenn Bennoit Gibourdel die volle Wahrheit gefagt hätte, fie jedoch auf ihrer Erfindung und schmückte dieselbe fogar so würde er seiner Erzählung hinzugefügt haben, daß der noch weiter aus: Die Familie der Sinaia hatte einmal Abbé Charles Hortense nicht bloß deshalb bei den Fräulein Rumänien beherrscht und mußte früher oder später wieder der Heimsuchung hatte unterbringen lassen, weil sie im Hause zur Königswürde kommen. Ihre Mutter hatte ein Verhältniß eines wüsten Hagestolzes gefährdet war, sondern namentlich mit einem Räuberhauptmann gehabt, dessen Tochter sie wahrauch, damit sie die schlechten Lehren und Beispiele vergesse, scheinlich sei. Dies alles erzählte sie mit solchem Ernst, die sie zuerst bei ihrer Mutter in Paris und später bei den folcher Ueberzeugung und mit so viel umständlichen EinzelMägden ihres Onkels in Thuit erhalten hatte. Er hütete sich heiten, daß ihr wirklich viele Pensionärinnen Glauben schenkten. jedoch wohl vor einer solchen Aufrichtigkeit, die allen seinen Sie zeigte sogar Briefe vor, welche sie von ihrer Mutter erGrundsägen zuwider gewesen wäre: wozu andern erzählen, halten haben wollte; darin stand, daß sie bald heimkehren, was man ihnen zu verbergen ein Interesse hat? ihren Rang einnehmen und einen Hospodar heiraten werde; sie versprach, alsdann an ihre Freundinnen von Rouen
Während der sieben Jahre, die sie im Kloster zubrachte, waren diese endlos variirten und später mit ganz außer ordentlichen Liebesabenteuern ausgeschmückten Geschichten ihre einzige Freude, ihr einziger Genuß.
In der That hatte schon in der Dorfschule diese junge Pariserin, die in nichts den anderen Mädchen glich, durch zu denken. ihren frühreifen Verstand, ihr phantastisches Wesen und ihren romanhaften Charakter den Lehrerinnen viel zu schaffen gemacht. Die anderen Kinder logen bisweilen, um sich heraus zureden, wenn sie einen Fehler begangen hatten; Hortense aber log immer, von früh bis spät, ohne jeden Anlaß, aus purem Bergnügen, um sich wichtig zu machen, um die Leute in Erstaunen zu sehen, um sich förmlich in den Lügen zu berauschen.
Diese Nahrung ihres Geistes gereichte ihr aber andererfeits auch zur Qual. Wenn sie so erzählt hatte, daß sie eine vornehme Heirat machen, oder, was sie noch vorzog, die Geliebte des Königs sein werde, so konnte dies wohl ihre Steine Vorhaltungen, Zurechtweisungen und Strafen ver- Einbildungskraft eine Zeit lang ergößen und in angenehmen mochten sie zu bessern; wenn sie sich verteidigte, so geschah Träumen wiegen; im Grunde wußte sie aber doch, daß sie dies durch neue Erfindungen und stets mit so viel anscheinen- ebenso wenig die Frau eines Hospodars als die Geliebte der Unschuld, daß man sich fragen mußte, ob sie wirklich sich des Königs zu werden Aussicht habe. Ob sie auch ihrer selbst bewußt und das Gute vom Bösen, das Wahre nur einen acceptablen Mann finden würde, der für hundertvom Falschen zu unterscheiden fähig sei. tausend Franken über den Mangel ihrer Geburt hinwegAuch der Pfarrer von Thuit machte mit Hortense im Jahre sähe? Diese Frage ließ ihr keine Ruhe und folterte sie be ihrer Konfirmation trübe Erfahrungen. In der Katechismus- ständig während der letzten Jahre ihres Aufenthaltes im lehre wußte sie lebhafter und flüger als ihre Mitschülerinnen Kloster. Um sich diese Frage zu beantworten, hatte sie die auf die Fragen zu antworten, aber keine war schwieriger zu Werbung Courteheuses angenommen, ohne sich darum zu lenken als sie. Der Geistliche war zu erfahren, um die Kund- fümmern, was für ein Geist unter seinem gerade nicht sehr gebungen schwärmerischer Religiosität, die bei dem bis dahin verführerischen Aeußern stecken mochte.) so zerstreuten Mädchen hervortraten, für ernst zu nehmen. Verheiratet und die Gattin eines Notars, das genügte Ohne Anlaß warf sie sich auf die Kniee, schien in Andacht ihr fürs erste. Später wollte sie schon sehen. vertieft, vergoß Thränen oder stieß Seufzer aus. So oft fie die Kirche offen fand, schlich sie sich in eine Kapelle, und man mußte sie manchmal mit Gewalt vertreiben. Dann erzählte sie dem Pfarrer in der Beichte sowie den Leuten im Dorfe allerlei Geschichten von Heiligen, die ihr erschienen feien, und erst die Drohung, sie nicht zur Stommunion zuzulassen, bewirkte, daß sie den Geistlichen nicht mehr mit ihren Visionen behelligte.
IX.
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Erst am Nachmittag traf der von Courteheuse aus Rouen geschickte Elektriker in Diffel ein und begann, von Boulnois begleitet, seinen Rundgang in den verschiedenen Gemächern, in denen er seinen Apparat anzubringen hatte. Sie begannen beim Bureau. La Vaupalière schien sich nicht im geringsten für diese Maßregeln zu interessieren, während im GegenDer Pfarrer fragte sich besorgt, was aus einem derart teil Boulnois und Fauchon den Vorbereitungen neugierig zu Erfindung und Verstellung angelegten Kinde werden sollte. folgten. Sodann traten sie in das Arbeitszimmer des Nur mit Mühe erlangte er, daß die Damen des Klosters sie Herrn und in den Salon ein, wo sie Madame Courteheuse in ihre Anstalt aufnahmen; fie sträubten sich dagegen, ein vorfanden. illegitimes Kind mit den Töchtern der besten Familien der Normandie zusammenzubringen.
In der Klosterschule blieb Hortense dieselbe wie in Thuit, mur daß sie das Genre ihrer Erfindungen änderte. Angesichts der vornehmen Prätensionen ihrer Stameradinnen gab fie ihren Verkehr mit den Heiligen auf, um einen ebenso neuen mit den Personen des höchsten Adels zu beginnen.
Sie wurde hierzu das erste Mal veranlaßt, als ihr Onkel im Besuchszimmer des Klosters erschienen war und die anderen Pensionärinnen sich hernach über die komische Gestalt des ungeschlachten Bäuerleins lustig machten. Hortense erählte darauf den ihr näherstehenden Mitschülerinnen, der Mann sei gar nicht ihr Onkel, sondern nur der Bruder ihrer Amme; auf dieser Grundlage hatte sie dann eine romantische Geschichte aufgebaut, die wohl wert war, daß man sie weiter erzählte, obwohl sie sie unter dem Siegel des Geheimnisses zum besten gegeben hatte. Darnach stammte sie weder aus Paris , noch aus der Normandie , überhaupt nicht aus Frank reich , sondern aus Rumänien , und war einer fürstlichen Familie entsprossen, in der man einen Stnaben für sie unter schoben hatte; sie hatte man beseitigt, nach Paris geschickt, wo fie unter dem Namen ihrer Amme Hortense Gebourdel er
" Was soll das heißen, Herr Boulnois?" frug sie mit gleichgültiger Miene.
Boulnois setzte ihr auseinander, um was es sich handelte, während der Schlosser Fenster und Läden öffnete und sie wieder schloß.
Haben Sie auch die elektrischen Apparate bei Herrn Féré gelegt?" frug sie den Arbeiter. Ja, Madame."
"
Und ist es das gleiche System, das Sie hier bei uns einrichten?"
Onein, Madame."
Frau Courteheuse hieß Boulnois nach dem Bureau zurüdtehren, da sie selbst dem Arbeiter die Zimmer zeigen würde. Boulnois ärgerte sich und hatte wohl große Lust, sich zu widersehen, wagte es aber doch nicht.
Nachdem er hinausgegangen war, nahm Madame Courteheuse das Gespräch mit dem Arbeiter wieder auf, und derselbe erklärte ihr, daß das von Herrn Courteheuse gewählte System das teurere und bessere sei, bei dem sich das Oeffnen einer Thür oder eines Fensters weder von außen noch von innen ohne Lärm vollziehen könne.
Ist es aber jemandem, der das Haus bewohnt, nicht