Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 95. died seaf

Mittwoch, den 17. Mai.

( Nachdrud verboten.)

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Der Bchuldige? Stoman bon Sector Malot

IX.

Was willst Du ihm schreiben?"

1899

" Daß er ein alter Narr und ein Schurke ist, denn das

ist man, wenn man sein Wort nicht hält."

,, Und was soll dieser Brief bewirken?"

" 1

Wenigstens wird er mir die Galle erleichtern."

Nun, dann schreibe ihm."

"

Du nimmst die Sache so ruhig hin!"

Wie kann ich sie ändern?"

" Du weißt doch, daß dieser Schritt alle meine Pläne den Haufen wirft; wenn wir diese Erbschaft nicht machen, bleiben wir hier!"

,, Nun, so bleiben wir eben."

" Und da die Einnahmen des Bureaus zurückgegangen sind, weil ich die Geschäfte anders betreibe, als Herr Courte heuse, so werden wir uns einschränken müssen!" " Nun, so schränken wir uns eben ein."

Obwohl ihr der Abbé Charles die Absolution, die sie ihm zu entreißen gehofft, verweigert hatte, so war sie doch von dem Ergebnis ihrer Reise sehr befriedigt zurückgekommen. über Sie hatte sich das Geständnis ihres Verbrechens schwieriger so vorgestellt. Nun war es ihr sozusagen ganz von selbst ent flossen. Nun war sie die Sache los. Jezt mochte der Abbé Charles sehen, wie er damit fertig wurde, denn nun hatte sie sie ihm zu tragen gegeben. Er mochte nun die härtesten Reden an sie richten, ihr die blutigsten Vorwürfe machen, die schwersten Bußen, die sich erfinden ließen, auferlegen. Und was dann? Sie würde alle Bußen vollbringen, und die hoffend, ihn dadurch zu beschwichtigen. Allein die Wirkung Je mehr er sich in die Hize redete, desto tälter blieb sie, Sache würde abgethan sein. Es war ihr bisweilen etwas un- war gerade die umgekehrte: es genügte, daß sie einer angenehin, daß der brave Pfarrer mun ihr Geheimniß fannte, Meinung war, damit ihm sofort die entgegengesette ein­allein schließlich fand sie, daß das im Grunde ganz gut sei, leuchtete. weil sie nun mit ihm darüber plaudern könnte, ein Geist­licher ist nicht wie ein gewöhnlicher Mann: sein Herz ist offen, seine Lippen sind geschlossen; das ist viel wert, dachte sie in ihrer leichtfertigen Art, alles zu ihrem Vorteil auszu­Legen. Das einzige Bedauern, das ihr von der Verweigerung der Absolution zurückblieb, kam ihr bei dem Gedanken, daß sie nun Mederic noch nicht glücklich machen konnte; aber der teure Junge liebte sie so herzlich, daß er warten würde, ohne sich allzu heftig zu beklagen. heftigte

" Du möchtest also durchaus in Dissel bleiben?" ,, Und Du möchtest also durchaus nach Paris ?" Sie blickten einander einen Augenblick fief in die Augen. Habe ich nicht gute Gründe, unsere Ueberfiedelung nach Paris zu wünschen?"

"

, Und kann ich nicht ebenso gute haben, hier bleiben zu wollen?"

,, Das meine ich gerade, und ich finde, daß diefe Gründe sehr starke sein müssen, damit Du Dich so leicht in das ärm­liche Leben findest, zu dem uns Dein Schuft von Onkel durch seine Verheiratung nötigt."

Was nüßt es, sich gegen etwas auflehnen, was man nicht verhindern kann? Wir mögen sagen und thun, was wir wollen, so wird dadurch meinem Onkel doch diese Person nicht entrissen."

" In Eurer Familie scheint man der Leidenschaft schwer widerstehen zu können."

Mißlich war es für sie, daß sie ihrem Manne die Nach richt von der Verheiratung des Oukels Benoit mitzuteilen hatte. Wie würde er diese unerwartete Botschaft aufnehmen? Oft genug hatte der Onkel Benoit zu ihnen gejagt: hr werdet mich beerben, meine lieben Kinder, darauf könnt Ihr Euch verlassen. Auch rechnete La Vaupalière ganz be­stimnit auf diese Erbschaft, als hätte er sie schon. So lange er nichts hatte, war er uneigemügig gewesen, aber der Besitz hatte bald ein ehrgeiziges Streben in ihm erweckt, das eben sie mittels der Hinterlassenschaft des Onkels verwirklicht werden zu sollte er gedachte das Bureau in Dissel zu verkaufen und nach Paris überzusiedeln; dort wollte er große Geschäfte unternehmen; zwei oder drei Jahre sollten ihm genügen, um ein gemachter Mann zu werden. Was würde er nun sagen, wenn das uneheliche Kind Gibourdels durch die Heirat an­erkannt und erbberechtigt würde?

Du weißt es besser, als irgend jemand; übrigens scheint mir im Geschlechte der La Vaupalières nicht anders bestellt sein."

"

Was willst Du damit andeuten?"

,, Ganz dasselbe, was Du damit sagen willst." Wiederum blickten beide einander herausfordernd an. Er nahm aufs neue das Wort:

" Ich will damit sagen, daß Du, um so gerne in Dissel bleiben zu wollen, hier Befriedigung gefunden haben oder bald Als sie ihm nach dem Abendessen die bevorstehende Heirat zu finden hoffen mußt, welche Dir, für eine Frau von Deinem mitteilte, rief er mit wuterstickter Stimme:

"

Aber das ist ja ein Diebstahl!"

Kann er mit seinem Leben und seinem Gelde nicht machen was er will?"

Mit seinem Gelde nicht, denn er hat uns hundertmal feierlich versprochen, es uns zu hinterlassen."

,, Er könnte ja auch noch sehr lange leben bleiben." ,, Gewiß, und ich habe auch nicht auf seinen Tod spekuliert, aber es ging doch sichtlich abwärts mit ihm, lange Jahre hat er also nicht mehr vor sich."

,, Es ging so sehr abwärts mit ihm, daß er heiratet." Und was hast Du geantwortet, als er Dir seinen Ent­schluß ankündigte?"

" Der Abbé Charles hat ihn mir angekündigt." ,, Er freut sich gewiß noch darüber."

..Hat er vor seinem Standpunkte aus nicht ein Recht

dazu?"

Und Du hielteft ihn für einen treuen Freund!" ,, Die Religion steht ihm höher als die Freundschaft." Also Du giebst ihm recht?"

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Ich habe ihm weder recht noch unrecht zu geben." Und Dein Onkel?"

Wenn die Sache noch nicht so weit vorgeschritten ge­wesen wäre, so hätte ich versucht, ihn von seinem Vorsatz ab­zubringen, denn dieses Frauenzimmer wird ihm seine alten Tage schwer genug machen, aber sie hat ihn so in ihrer Gewalt, daß alle Reden der Welt nichts fruchten würden."

" Das soll mich doch nicht abhalten, ihm zu schreiben."

Temperament, den Verlust der Erbschaft Deines Onkels sehr leicht machen."

Es war dies das erstemal, daß er offen auf Mederic anspielte; sie geriet aber nicht in Verlegenheit, sondern ant­wortete: geriet aber

Und ich wollte fagen, daß es Dir nur deshalb leid thut, nicht nach Paris ziehen zu können, weil Du infolge dessen während des Winters einen Umgang entbehren mußt, der auf einen Mann von Deinem Temperament eine un­widerstehliche Anziehung ausübt."

Zum erstenmale machte sie eine Anspielung auf Rosa Mialour, allein er nahm dieselbe nicht so gleichmütig hin, wie sie die seine auf Mederic.

" Was Du da sagst, ist einfältig."

,, Nicht einfältiger, als das, was Du gesagt hast." " Jedenfalls benachrichtige ich Dich, da wir einmal von dem Gegenstande reden, daß Du, falls Du etwa das früher Geschehene zu wiederholen geneigt wärest, Deinen Mann finden würdest."

,, Was ist denn früher geschehen?" " Ich werde kein Courteheuse sein."

" Damit es einen Courteheuse gebe, müßte ein La Vau­palière dabei sein."

Wer nur die Worte gehört hätte, dem wären sie ein Rätsel geblieben, aber der Ton, in dem sie gesprochen, und die Blicke, von denen sie begleitet wurden, ließen über ihren Sinn, feinen Zweifel obwalten.

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Du wirst mich nicht hintergehen, wie Du Courteheuse