Unterhaltungsblatt des Vorwärts
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Sonntag, den 11. Juni
( Nachdruck verboten.)
Der Kampf um Bliefener. Eine Sommergeschichte von Heinrich Borchard. ..Nu sehn Se bloß mal, wie det Weib hinter de Männer her is," sagte sie leise zu dem Veilchen, dem jungen Herrn Vogler; Sonnenblume hatte es aber doch gehört, sie drehte sich langsam um und sah die Rose an.
,, Wat kiekst De denn? Bin ich Da wat schuldig?" „ Na jewiß! Hochachtung bist De ma schuldig!"
"
Du mußt et ja wissen!. Im übrigen: Rutsch' ma'n Buckel runter!"
,, Aber meine Damen, Sie wer'n sich doch nich zanken!" " Jd ma zanten?... Mit sonne Person?... Nich in de Hand!... Dazu haben wa ja Jottseidant en bißken zuville Bildung... Di is ma überhaupt zu dämlich zum zanken. Wie schlau det wieder bei'n Raffee war! Da is ne öl'je Bohne mang.... Det sieht so meine Frete Schulz ähnlich wie ne Photographie. Wat, Jreteken: Da is ne öl'je Bohne mang!"
Mit dem Geschick der Bosheit hatte sie auf eine sehr wunde Stelle gestoßen. Die unschuldige„ ölige Bohne" war Grete außerordentlich peinlich, sie glaubte sich bei jener Gelegenheit wirklich dumm benommen zu haben. Thränen tamen in ihre Augen. Aber die unerbittliche Meta hatte noch nicht genug Rache, sie zog eilig alle Schubfächer im Kopf auf und stöberte darin herum, ob sie nicht noch eine Demütigung für die Feindin fände- es war leider nicht viel vorhanden aber da hinten lag in einem Winkel noch eine Schulerinnerung, schon ganz verstaubt, die war recht.
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„ Det mit de öl'je Bohne is en richtijet Jejenstück zu det Ding, wat se in de zweite Klasse mal jemacht hat bei de Schulprüfung. Wir kommen in Jeojrafie und Jeschichte rann un da fragt se nu der Dr. Nolte, wat denn eijentlich in Rom durch de Jänse gerettet wor'n is.... Hat se nich Labrador jefagt!... s Is doch jediejen, wat?... Labrador!. Det friejt die nur fertig!"
Jetzt wurden Gretes Thränen frei und liefen in langen Bahuen über ihr Gesicht.
„ Du... Du... das... das... is so... so infam von Dir.so... jezt noch die alten..."
Sie konnte nicht weiterreden, schluchzte ins Taschentuch und räumte das Feld.
Adschö, Sonnenblume!" rief die Rose entzückt. Da man nich!"
Verloof
1899
Sumpf. Die Herrschaften, die schon im Wachstum der Flegeljahre waren, glichen Giraffen: ganz kurzer Oberkörper und lange, dünne Beine, welche wuchsen und wuchsen, ohne sich um die obere Hälfte zu kümmern, die jüngeren Herrschaften waren die Dachse: Ganz kurze Beine und langer Oberkörper. Da hast du noch ein tüchtiges Stück Arbeit, Natur, bis du das alles in eine leidlich richtige Form gebracht hast! Dafür brauchst du dich aber, wenigstens bei diesen Berliner Kindern, nicht mehr um den Verstand zu bemühen, der ist schon fir und fertig, ich glaube vom sechsten Lebensjahr an.
,, Wat koof ick mir for det janze Tellerdrehn un den janzen Quatsch!" sagte Lude Vogler zu Emil Zademack. Wie ick jebaut bin, unterhalte ick ma lieber nach'n Essen vernünftij mit' n Kollejen un sted ma eene in's Jesichte." Dabei holte er vorsichtig aus der Hosentasche einen recht schmutzigen Papierklumpen und aus diesem ein Päckchen dünner, größtenteils geknickter Cigaretten.
die
" Jck krieje ooch Eene ab, wat? Mir roochert mächtig!.. kaputje da..."
,, Det möcht'st De woll!... Wat jiebst'en mir davor?" Hast Du die braune Ejipten 1 Piaster schon?"
Det stimmt!... For den Schund soll ick Dir woll' ne Cijarette jeben- det mechte mancher!"
Willst de sonne dreieckijte Kap der juten Hoffnung, sonne jang alte?..."
"
,, Wenn De nischt Besseres da hast, dann rück raus mit." Det stimmt! For die schundige Cijarette soll ick Dir woll ne dreiectijte Rap jeben, die De jleich wieder for 10 Meter verkloppst det möchte mancher!...
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Schließlich einigten sie sich auf einen Magneten und eine noch reparierbare Trillerpfeife.
Un nu bloß en Streichholz!
,, Au, des sag' ick Muttern!" schrie Bertha Zademack.
"
Wat sagst De Muttern? Wat?..."
,, Laß det bleiben, Emil!"
Wat sagst De Muttern?"
" Sei doch nich so jrob, oller Ochse!"
Dir wer' ick det Bezen schon anstreichen!"
Mutta!... Au!... Mutta, der haut ma immerzu!" Aber Mutter schlief oben und hörte nicht ihr Wehgeschrei; da stieß sie ihren Peiniger noch schnell und kräftig vors Schienbein und blitte fort.
,, Det doch die Weiber überall ihre Nese rinnftecken müssen!" philosophierte Lude Vogler, als Emil sich wieder neben ihm niederließ und sich den Schaden besah. Uebrigens vons Ankiefen wird Dein Been ooch nich besser... Jieb ma lieber'n
Die schwankende Gestalt entfernte sich langsam. " Adschö, Sonnenblume! Adschö! Adschö! Viel Ber- Streichholz." jnügen!... Un sonst: Schuß! Schuß vor alle Dage!... Die olle falsche State wär ick jetzt los!"
" Jak hab doch kecns!"
„ Nu wird's Dag! Det Notwendigste verjißt er! Meester, Meta Zademack war Siegerin und hatte doch die Schlacht wo hast Du de Jedanken!.. Na, von die Asselbande da vollkommen verloren. Gustav Bliesener war drauf und dran wird ooch keener Feuer haben... Sagt mal: Habt Ihr' n gewesen, ihr gehörig die Wahrheit zu sagen und Grete nach- Streichholz? Nee- wie id Da jesagt habe. Wozu is nu zu laufen, wenn nicht die Dea ex machina, das unscheinbare eijentlich die Sorte da!... Uffhängen is det einzige! Fräulein Bliesener zwar ganz heimlich, aber doch sehr ein- Na, denn haben wa also bloß jespaßt!"- dringlich den Kopf geschüttelt hätte und dazu mit den kleinen grünen Augen geplinkt hätte."
„ Warum denn nich, Tante?" fragte er leise; det war doch jemein von des Mächen!"
,, Sei nich thericht, Junge! Et hat ja teenen Sinn, det so auffallend zu machen denn is der Kladderadatsch da, De haft nischt als Unannehmlichkeiten un erreichen thuit De denn jarnischt! Imma fachte! Du spielst janz ruhig
hier weiter." Er war folgsam, Tante Bliesener konnte schließlich beruhigt fortgehen, Kreuzkraut und Vogelmiere für ihr Hänseken suchen.
Warum Tante Bliesener nicht auch ein Nachmittagsschläfchen entrierte, nachdem sie alles in die richtigen Wege geleitet hatte? Wenn sie einmal noch sehr reich werden sollte, oder sehr alt, und gelangweilt im Spittel fitzen sollte, dann wollte sie es sich angewöhnen- jetzt durfte sie es noch nicht, die Kunden würden nette Augen machen"! Es gab noch einen Teil der Gesellschaft, welcher weder schlief noch mitspielte, der über den trägen Verdauungsschlaf und die albernen Pfänderspiele hoch erhaben war der Nach wuchs,- er lagerte, komisch anzusehn, im Unterholz beim
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Vorsichtig steckten sie sich wieder die Cigarettchen in die Hosentaschen, die Taschen im Sonntagsrock waren nämlich fürsorglich zugenäht, damit sie nicht auch bis oben heran vollgestopft werden konnten und der gute Rock aus der Form gebracht würde.
Eine Weile saßen sie trübfelig neben einander, dann begann Emil Zademack:
" Hast Du schon de Schularbeiten zu morjen?" Keen Been! For die Brüder ooch noch arbeiten! Bist Du schon fertig?"
Jd wer ja fo wie so nich versetzt, un denn woll'n se - mir ia auch rausnehmen- ick soll usf de hohe Schule."
Du Aalooge, wat willst Du uff de hohe Schule! Du bist doch ooch so eener, der sich for feene Arbeet scheut, der sich sojar dichte bei hinlejt."
Da kannst De Recht haben, Lude.... Is et nich überhaupt jemein, det de Arbeit schon erfunden is?-
„ Aber Sache!... Wat würd'st Du denn mit den janzen Rat mal, Tag machen? Jd weeß schon, wat ick denn lerne Rude, wat ick thue!... Idk würde jleich die Arbeit erfinden."
Quatsch nich Krause! Det machst De en andern weiß!"