Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 113.

9

Dienstag, den 13. Juni.

( Nachdruck verboten.)

9] Der Kampf um Bliesener. Eine Sommergeschichte von Heinrich Borchard. Be Emil fand eine Antwort nicht ratsam, aber sein Freund Lude riß ihn heraus..

Warum denn nich? Vor ne halbe Stunde..." ,, Wo is se denn langjejangen?"

" Na imma nach's Wasser runter... unjlückliche Liebe, verstehn Se..."

" Dummheit!... Unjlückliche Liebe... det Stind!" ,, Erlauben Se mal!... Det Mächen war in mir ver­knallt, un jetzt wird se woll schon versoffen sind... is eene weniger!"

"

Pfui Lude! det sag' ick Deinen Vater!"

Thun Se fich man bloß teenen Zwang an! Se fönnen ihn voch fleich erzählen, det idk jesagt habe: Sie würden ooch ne janz jute Wasserleiche abjeben, en jrünet Jesichte kann Sie janich schlecht stehn!"

Emil, De tommst jleich mit; oder willst De woll noch die Flejeleien von den Bengel ablernen? Et wird Dir überhaupt teenen Schaden thun, wenn de ooch mal en bisfen nach Deine Schwester mitfuchst!"

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Ach wat! Unkraut verjeht nich!"

Na, Jrete, haben die Jungen Bertha jesehn?" schrie Frau Zademack herunter- sie war auf dem höchsten Hügel der Umgebung erschienen, um von dort Umschau zu halten.

1899

Mähne wehte wie ein schweres Bannertuch um ihren roten Kopf, das arme Kind kreischte vor Vergnügen.

,, Dag, Mutter!... Dag!... Wat, wir sind doch höher wie die da?... Zich doch mal orndlich an, Frete 1... Wat, wir sind ville höher?"

Drüben das Paar auf der anderen Schaufel strengte sich jezt aber auch an, und es schien ein regelrechter Wettkampf bor Frau Zademack stattfinden zu sollen, aber das Preisrichter­amt wurde bündig abgelehnt.

Die

Herr

" Fleich kommst De ma runter! Sonne Jöhre... verdammtijen Zicken macht se ma doch jedesmal. Stresow!... Dod kann man sich ärjern mit des Balj! Du sollst anhalten, haft De nich jehört... Frete Schult un Dir hätt ick ooch nich mehr for so dämlich jehalten!" Eine schwingende Schaukel hat aber nun leider die Eigen­tümlichkeit, sich nicht an das Kommando Halt" zu fehren; diese Frechheit empörte natürlich Frau Zademad noch mehr. ,, Anhalten sollst De! Na, freu Dir man, wenn de runter­kommst, Du Fliehnvogel!"

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Aber die Schaufel nahm noch immer keine Vernunft an. Da ergriff Frau Bademack energisch das Schiff und hängte fich daran; vorwärts gings, rückwärts, vorwärts, der neue Rosenhut saß schräg über dem rechten Ohr, die goldene Uhr baumelte lang herunter bor- wärts, rüd- wärts, die Schaukel stand endlich. Einen Augenblick später flogen Bertha die Ohrfeigen rechts und links um den Kopf, daß ihr die Sternchen vor den Augen flimmerten; dann trat der Schirm in Aktion.

-

Nee, Mutter, hier war se nich jewesen. Aber die Jungens., Wat habe ick Dir jesagt, sage mal... Wat habe idk.. sind so frech zu mir, det..." sie sprach nicht weiter, Wenn man hier bloß nich so ville Leute wär'n, denn würd' id Frau Zademads neuer Rosenhut war nämlich wieder hinter Da ja's Fell Locker machen, det de acht Dage nich sitzen der Kuppe untergetaucht. Frau Rademack hatte keine Zeit. tannst!... Ei weih!... De jloobst woll, zu faul un ver­,, Wenn sich det Stind nu verlaufen hat? Ber- tha.... Logen jehört ooch noch frech, wat?... Wirst Du jleich Bertha! Steine Antwort... doch doch da ruft se... ruhij sein!... De Menschen Loofen ja zuſamm'; stille Needet sind sonne demliche Bengels, die mir nachäffen... bist De!... Komm Du ma man nach Hause... Det weeß Ber - tha! Ber- tha!" rief sie trogdem wieder und ich nu aber, Du fomnist ma nie wieder mit zu'n Berjnüjen! Ber- tha... Ber- tha!" antwortete das dreistimmige Echo Dir mach ick teen Verjnüjen mehr! An ne Hundestrippe müßte in den höchsten Fisteltönen. man se imma haben anders jeht's janich. Diese Schweine­bande, die!..."

,, Vielleicht is se in's Lokal."

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Frau Zademack lief in Todesangst. Luftiges Leben da drinnen im Garten, helle Kleider flirren durcheinander, Ge­juchze und Lachen, Kinder mit Stocklaternen, mit aufgespannten bunten Sonnenschirmchen, im Saale Tanz und Musik.

Ja, un daweile... un daweile liejt det Kind woll schon foot in'n See so is det Leben!

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Des blaue Kleid da... nee se is et nich... Herrjott, Herrjott!... Un lauter fremde Menschen noch dazu, die se janich kennen!...., Haben Sie vielleicht hier' n Kind jesehn mit' n blaues Kleid un en Hängezopp mit ne blaue Schleife?" Hm... War' t denn en Junge oder' n Mächen?" Rindsvieh!... Haben Sie vielleicht hier' n Kind jefehen mit en blaues Kleid und en Hängezopp mit ne blaue Schleife?"

,, Na jewiß, Madamken!... Hat et nich ooch zwee Beene jehatt un ne Nase verlaug in's Jesichte... Na sehn Se­

ick fenn et!"

,, Schämen sollen Se fich wat, Sie junger Mensch Sie, hier ne unjlückliche Mutter zu verulfen! Jott sei Dank, Herr Stresow, det idk Ihnen treffe!... Unse Bertha is wech! Wenn det Kind man nich mit'n fremden Kerl miljeloofen is, der se womöglich abmurfft abmurkst... det arme Kind!... Herr Stresow, ick bin schon jar teen Mensch mehr!... So'n artjet Kind, wat se imma jetesen is, davon haben Se jar teenen Bejriff, un so fleißij in de Schule! Herr Stresow, haben Se ihr denn wirklich nich?"

Na, watten Se mal... jesehu hab ich ihr." Wo denn? Reden Se doch schon!" Na watten Se mal..."

Reden Se doch schon!"

Na jewiß!... Det war doch Ihre, die sich vorhin wie verrückt jeschaufelt hat?... Sehn Se, da hackt se ja noch druff!... da oben!"

-

Nu lassen Se doch det Kind sein, Frau Zademack, et thut Ihnen ja nachher selbst leid.

Wat, Du willst voch noch mitreden, Frete? Sei ver­jnügt, det id Dir nich ooch vermöble... Du hast se doch bloß zu's Wechloofen anjeſtifft! Wie kommt denn sonst det Kind druff?.. Nee, Du hast se nich zu anjeſtifft? Wo hat denn Bertha det Jeld her for de Schaufel, he?... Mir machst De doch nich dumm."

Vielleicht kann man Dir janich mehr dumm machen", höhnte einer aus der herumstehenden Menge.

"

Halten Sie doch Ihren Rand!" brüllte Frau Zademack außer sich. Sie sind doch nich jefragt!" ., Schnuteken, rej' da man nich uff mit Deine Rand­bemerkungen!"

Frau Zademad zitterte vor Wut, und das Publikum johlte, pfiff und heite.

Kommen Se man wej, Frau Zademad, de Leute lachen ja schon.. Kommen Se doch, Se wollen doch nich zu'n Gelächter werden!"

Wat!... Jd zu'n Jelächter!::: Det sagst Du Rognese zu ne alte Frau!... Die Schnauze wer' ick Da schon stoppen, Mächen! Da! Da hast De eens! Det hast Un noch eens for de andre De Dir redlich verdient. Seite, daß De nich schief wirst!..."

Leute sprangen dazwischen. Während dieser höchst aufregenden Vorgänge ging es bei der übrigen Gesellschaft viel friedlicher zu.

Meta Zademad hatte sich bald, nachdem ihre Mutter nicht mehr sichtbar war, wegen Bertha beruhigt und sich bei den Spielenden wieder angefunden. Die Nüsserei muß ja jleich anfangen... und Emil hat wirklich recht: Unkraut ver­jeht nich."

Oben bei Morpheus wurde es auch lebendig. Herr Nitschke Richtig, da oben über einem Hollunderbusch, dessen Blüten erwachte zunächst, und da es nicht einmal Bier bei Morpheussen Stände wie Satten dicker Milch aussahen, kam das arme Sind gab, stieg er zu den Spielenden hinab, erfreute sie durch die immer mit der Schaukel vorgeschossen, daß die Röcke flogen- Bemerkung: Stinder, et jiebt noch wat Jehöriget ab, de m Hängezopf und blauer Schleife keine Rede mehr, eine Barometer an de Füße thun ma weh!" und spielte sodann mit.