Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 170.

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Donnerstag, den 31. August.

( Nachdruck verboten.)

Joseph Conen.

1899

sammelt seine kleine Herde Woche für Woche um sich, bemüt sich, soweit es ihm möglich ist, den geistigen Zustand eines Roman von John Law . Aus dem Englischen von J. Caffierer leuchtetes Urteil, das von dem heiligen Geist geleitet wird, jeden zu erkunden und giebt ihnen solchen Rat, wie ein er­ihn eben erteilen kann."

Es war Abend. Die Männer kamen von ihrer Arbeit und standen vor den Wirtshäusern umher. Die Kinder drängten sich auf dem Pflaster. Hier und da machte ein Leierkasten das umstehende Publikum tanzen, Jungen mit Jungen, Mädchen mit Mädchen, aber auch Mütter mit Säug­lingen auf dem Arm. Mit diesen jungen Weibern, deren unsauberes Aeußeres und deren schmutzige Kleider sie schaudern machte, hatte Bolly nichts zu schaffen. Diese warfen indessen manch neidischen Blick auf das schöne, nett gekleidete Mädchen, das ihren Weg verfolgte, einen Weg, der freilich ge­striegelten und gebügelten Zierpuppen vollständig unbekannt war. Sie ging durch einige der verrufensten Straßen, die London überhaupt aufzuweisen hat, in denen verkommene Menschen in schmußigen, überfüllten Häusern wohnen, an Läden, in denen verfälschte Kolonialwaren, verfaultes Fleisch, gewässerte Milch und abgetragene Kleider feilgeboten wurden, vorbei. Sie fam endlich zu ihrer Stapelle und trat in ein nebenan gelegenes Gebäude, das am Tage zur Schule für die Kinder benukt wurde, und in dem am Abend die Erbauungs­versammlungen der Methodisten stattfanden.

Sie fand den Leiter der Erbauungsstunde noch ganz allein, auf seine Klasse wartend, von der Polly die einzige war, die niemals fehlte. Er sag in einem Lehnstuhl und blickte ernst vor sich hin; in der Hand hielt er ein kleines Buch.

So fagt Mr. Augustus Hyde in dem kleinen blauen Büchlein, das William Ford neben sich liegen hatte, ein Buch, dessen Inhalt dem eines anderen sehr verwandt war, in welchem er gerade las, als an jenem Abend Polly die Thür öffnete und eintrat:

Sehr warm heute," sagte er, indem er Polly begrüßte. " Ja," antwortete Polly, man merkt's, daß wir im Sommer sind."

Eine kleine Pause entstand, während der Polly eine Stelle in ihrem Gesangbuche fuchte.

Es sieht gar nicht so aus, als ob außer Ihnen heute noch jemand kommen wollte," bemerkte der Leiter und rückte dabei seinen Stuhl ein bischen näher an den Pollys heran.

Ich glaube auch nicht", erwiderte das schöne Mädchen. Wieder entstand eine zwei bis drei Minuten andauernde Pause, bis Polly sagte:

" Ich war gestern nachmittag im Victoria- Park; ich weiß nicht, ob ich recht daran gethan habe, am heiligen Sabbath dorthin zu gehen. Sie spielten weltliche Lieder und sprachen über alles mögliche. Auch sah ich ein paar Kinder tanzen." ,, Und weshalb gingen Sie dorthin?" fragte der Klassen­

Leiter.

Jos wollte gern."

Wer ist Jos?"

Der Mann, den ich heiraten foll."

Die Oberlippe des Klassenleiters zitterte ein wenig. Er schloß Mr. Augustus Hydes Büchlein, sah Polly an und sagte

" Ich wußte noch nicht, daß Sie sich schon verheiraten

Seit zwei Jahren bereits war es Polly vergönnt, aus den weisen Lehren dieses jungen Mannes Nutzen ziehen zu dürfen, und ihre Mutter behauptete, es wäre geradezu wunderbar, welch große Fortschritte auf dem Wege zur Gnade ihre schöne Tochter unter der forgenden Leitung dieses jungen zu ihr: Mannes gemacht habe. Mrs. Elwin konnte nicht genug Worte der Bewunderung und Verehrung für diesen gottesfürchtigen wollen." jungen Mann finden. Sie lud ihn fast jeden Sonntagabend Oh, wir können jezt auch noch nicht heiraten", erzählte zum Thee, und wäre es nicht aus Rücksicht für Onkel Cohn ihm Bolly. Jos hat noch keine Arbeit gefunden. Er gehört gewesen, so hätte sie ihn auch zum Mittagbrot eingeladen. auch zur Hochkirche." Onkel Cohn zanfte sich gern mit Methodisten, freilich nicht mit ihr und Bolly. Auch gab er manchmal zu verstehen, daß es gar keine so unangenehme Sache sein möge, Klassenleiter" zu fein. Er ging sogar so weit, zu behaupten, daß er auch ganz gern Schäfer sein würde, wenn Polly das Lämmchen wäre, das seines geistlichen Rates und Beistandes bedürfe.

Mrs. Elwin schüttelte bei solchen Reden den Kopf und behauptete, daß es für junge Leute beiderlei Geschlechts gerade sehr vorteilhaft sei, wenn sie bisweilen geschwisterlich zusammen­fämen, besonders aber dann, wenn das Mädchen, was ja bei Polly der Fall war, keinen Vater mehr habe und nur auf den Schutz der Mutter angewiesen sei.

William Ford ist ein frommer junger Mann," pflegte fie zu sagen, der einen guten Ehemann für ein religiös er zogenes junges Mädchen abgeben wird. Was Polly betrifft, so glaube ich nicht, daß ich das Glück erleben werde, daß sie ihren Klassenleiter" heiratet."

Ich denke nur bisweilen," meinte Onkel Cohn, daß William Ford in Polly verschossen ist. Er hat eine so sonder bare Art, fie anzusehen, eine Art, die, wenn mich nicht alles täuscht, eben zeigt, daß er in fie verliebt ist."

Wenn man Sie so sprechen hört," spottete Mrs. Elwin, sollte man fast meinen, daß Sie selbst noch ein junger Mann und eifersüchtig wären."

Zur Hochkirche bekennt er sich?" " Sa."

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,, Leute, die sich zur Kirche bekennen, sind in der Aus­führung ihrer Religion nicht halb so streng, als wir Methodisten es sind."

" Dasselbe fagte ich gestern zu Jos. Er ist in den An­schauungen der Kirche, zu der auch seine Mutter gehörte, auferzogen worden."

Wo haben Sie ihn kennen gelernt?"

,, Er kam vom Lande zu uns als Mieter. Jetzt hat er aber eine andere Wohnung bezogen, weil er keine Arbeit hat und nicht mehr so viel zahlen kann. So sagt er wenigstens. Aber Mutter meint"- Polly zögerte Mutter meint, er sollte nicht mehr mit mir gehen". Der Klassenleiter rüdte feinen Stuhl noch näher an Polly

heran.

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" Ich möchte Mutter nicht gern ärgern," fuhr das Mädchen fort. Sie will nicht mehr haben, daß Jos noch zu uns in die Wohnung kommt. Ich wünsche nur, daß er bald Arbeit finden möchte. Mutter sagt immer, wenn junge Leute nicht faul sind, finden sie massenhaft Arbeit."

"

Was für ein Handwerk hat er gelernt?" ,, Er ist Zimmermann."

,, Das ist ein gutes Gewerbe."

Was ist denn eigentlich eine Klassen- Zusammenkunft?" Er erzählt, Hunderte von Zimmerleuten seien jetzt außer ,, Das ist eine Versammlung zur Hilfe und Unterstügung Arbeit und dabei Leute, die früher Meister gewesen sind. Er derjenigen, die von dem Wunsche beseelt sind, dem kommenden meint, die Fremden arbeiten so billig, daß er keine Aussichten Strafgericht zu entgehen. Sie bildet einen inneren hat. Auch behauptet er, daß die Zimmerleute von außerhalb Kreis der christlichen Gemeinschaft, in dem sich die Mit- das Geschäft nicht so gut verstehen, wie die hiesigen, glieder der Kirche einmal in der Woche treffen, um ihre Sie find an solch große Dächer nicht gewohnt, und auch religiösen Erfahrungen auszutauschen und von ihrem fo- folche Fenstereinfassungen wie hier hat er da unten nicht ge­genannten Klassenleiter" Ratschläge entgegenzunehmen über macht." Gegenstände, die ihr geistiges Wohl und die Gelegenheit, Gutes zu vollführen, betreffen."

Und was ist ein lassenleiter"?

,, Ein Klassenleiter ist bei den Methodisten, allgemein ge-. fagt, ein Mann von gereifter christlicher Erfahrung, der in allen Dingen billig denkend, ernst und gelassen sein muß. Er

Weshalb ist er denn nach London gekommen?" ,, Die Arbeit wurde da unten, wo er war, knapp, und des­wegen wurde er entlaffen.". iur

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" Ich glaube das nicht," entgegnete mit leiser Stimme der Rassenleiter. Es flingt nicht wahrscheinlich. Seit meiner Jugend bin ich immer in der Münze gewesen, und wenn