Anterhaltungsblatt des Vorwärfs

200 16x9 Ainda! 49) Nr. 220. the ditegole

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Bankrott.

en Von F. Schwarz.

( Schluß.)

916 191

Donnerstag, den 9. November.

( Nachdruck verboten.)

ID 1910

of 39

1899

..Und während ich so tiefer und tiefer sank, häuften sich die äußeren Ehren. Das Vertrauen und die Anerkennung meiner Mitbürger verfolgten mich geradezu. Ich halte mich in der verhältnismäßig sorgenlosen Anfangszeit meiner geschäft­lichen Thätigkeit nach Kräften um die Interessen des Gemeinwesens Doch das alles ist nicht weiter ungewöhnlich und es bemüht, als ich dann später begann, mich zurückzuziehen, würde mich gewiß nicht so weit gebracht haben, wäre nicht sprach man mir von Bürgerpflichten, von übertriebener Be ein anderes dazu gekommen. Auch nichts Ungewöhnliches, scheidenheit und dergleichen mehr. Ich ließ mich gern bereden, etwas, das fich jeden Tag vor unseren Augen abspielt, etwas, übertäubte die Stimme meines Gewissens gern damit, daß das wie eine ungeheuerliche, unausweichliche und unheil meine rastlose, unermüdliche Thätigkeit im Dienst des Ganzen bare Strankheit unsere Zeit durchseucht. Ich sagte bereits, eine Sühite fei für die Schuld, die ich auf mich geladen hatte, daß ich unser bäuerliches Hinterland in fester Hand hielt. die ich immer neu auf mich lud. Zulegt dachte ich gar nichts Man vertraute mir unbedingt; ich begnügte mich mit einem mehr. Willenlos ließ ich mich von den Verhältnissen bescheidenen Nuzen und fand für meine gute und darum treiben; hier flammerte ich mich fest und dort, alles, alles preiswerte Ware immer Absah. Da thut sich eines Tages war mir recht, das nach Rettung, das selbst nur nach Auf­eine neue Firma in unserem Städtchen auf. Erkundigungen schub aussah, was meine Scheinexistenz um Wochen, um Tage bestätigen meine Furcht: ich hatte es mit der Filiale einer fristen fonnte. Weltfirma zu thun, die es schon lange wurmen mochte, daß sie das Getreide unserer Gegend nicht von Produzenten felbst faufen konnte. Meine Befürchtung, daß es auf meinen Untergang abgesehen sei, daß es sich hier um einen Kampf auf Tod und Leben handle, erwiesen sich als nur zu begründet. Als ich die nächsten Abschlüsse mit meinen feit herigen Lieferanten machen wollte, hörte ich von allen Seiten, daß die Herren X. so viel mehr geboten hätten, als ich. Man habe nicht abgeschlossen, gewiß nicht, da man mir, schon in Anbetracht unserer langjährigen Be­zichungen den Vorzug gebe, aber die Preise bewilligen müsse ich auch. Mir blieb keine Wahl. Gab ich nicht nach, so konnte ich gleich mein Bündel schnüren, hielt ich aus, so war es möglich, nein, so war es, wie ich mir einredete, sicher, daß meine Konkurrenten nach einigen Versuchen ihr Geld nicht weiter unnütz verpulvern und mir das Feld räumen würden.

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Man sagt, man zahlt für den ersten Schritt! Wohl wahr! Aber man zahlt neu bei jedem folgenden. Was war auch der erste? O, noch weiß ich's wie heute. Freund L., der Großbaner und Mühlenbefizer aus lfingen hatte bei uns vorgesprochen. Nach dem Kaffee rauchten wir eine Cigarre miteinander und im Laufe des Gesprächs erwähnte L., er habe dieses Jahr auch die Frucht seines Schwagers, der einen schlimmen Fall gethan hatte, mit zu verkaufen. Sie sei ausgezeichnet schön, ob ich vielleicht Abnehmer dafür sei. Ich erschrak. Mein Lager war bereits so groß, daß ich Bedenken tragen mußte, noch mehr zu kaufen. Auch waren meine Barmittel erschöpft. L. bemerkte mein Zögern. Nichts für ungut, lieber Freund, der X, nimmt's gern, wollt's Ihnen nur zuerst anbieten, weil wir alte Freunde sind und die Ware wirklich ausnahmsweise schön ist." Weiß, weiß! Nehme sie auch gern, will nur erst mal in meinen Büchern nachsehen, wie weit ich bereits engagiert Thor, der ich war! Der ich mich auf dem Standpunkt bin. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick!" des Kleinen stellte, der das Wenige ängstlich zu wahren be- Ich hatte das alles herausgestoßen und war dann ins strebt ist, und nicht bedachte, daß meine Nebenbuhler Nebenzimmer gecilt. Um in meinen Büchern nachzusehen? den Atemt länger anhalten konnten als ich, daß sie Ach nein! Wie ein wildes Tier in seinem Käfig lief ich auf Tausende und aber Tausende aufwenden konnten, hatten sie und ab. Was thun? Ihn zum Konkurrenten ziehen lassen? doch die Aussicht, am Ende Sieger zu bleiben, oder konnten Niemals! Die Ware nehmen?... Ja, aber womit bezahlen? schlimmstenfalls die Verluste leichter verschmerzen. Zu dieser Dem Freund meine Lage aufdecken! Seinen Rat, seine Hilfe Einsicht kam ich erst, als es zu spät war, als ich bereits einige erbitten Mir wurde es leicht bei dem Ge­Jahre mit Verlust gearbeitet, mein ganzes Vermögen zugefeßt danken. Schon wandte ich mich Doch nein! und", hier faut seine Stimme zu fast unhörbarem Flüstern Ein Freund ist doch auch nur ein Mensch. Unter herab, schon die Hand an anvertrautes Gut gelegt hatte. dem Siegel der Verschwiegenheit crfährt es ein Von da an war mein Leben nur noch ein verzweiflungs- anderer. Es sickert durch Es sickert durch... man weiß nicht wie. Um boller Kampf gegen die erdrückende Macht des Großfapitals, mich, um meinen Kredit ist's dann gethan. Aber was ein unaufhörliches Ringen gegen das Gespenst der Schande, was thun! das neben mir emporwuchs riesengroß, das mir am Tage Miein Blick blieb an der altmodischen Kommode hängen. die Ruhe und in der Nacht den Schlaf raubte. Den Kampf Jawohl! Da drinnen liegt, was mich retten, mir über diese mit dem Gegner hatte ich längst aufgegeben. Ich machte augenblickliche Verlegenheit hinaushelfen könnte. 5000 Mart, Geschäfte neben ihm was er mir übrig ließ- was mir der die mir Nachbar M. neulich zum Aufheben gegeben hatte. Zufall in den Schoß warf. Dann suchte ich durch die Höhe des Eine Depesche hatte ihn spät am Abend zu einer Reise genötigt; Umsatzes hereinzubringen, was mir an der Höhe des Verdienstes den Banfier fonnte er nicht herausschellen und zu Hause mochte er's berloren gegangen war; ich hätte es gekonnt- wenn ich Geld auch nicht lassen. Nahm ich die, für ein paar Tage nur, so war mir gehabt hätte, Geld genug für die großen Käufe und Verkäufe. geholfen. Die Preife hatten angezogen, ich konnte hier preiswert So! Haha! Bar anfänglich der Nußen immer geringer faufen und ein schönes Geschäft stand mir in sicherer Aussicht. geworden, fo zerrann er mir schließlich ganz unter den Fingern. Keinerlei Gefahr dabei, und ich war dem Nachbar doch hoffent­Kam die Not, mußte diese oder jene dringende Verpflichtung lich noch für 5000 Mart gut? So beschwichtigte ich mich erfüllt werden, so verkaufte ich billiger als ich eingekauft hatte. selbst und so... nahm ich das Geld. Ich borgte da und dort, bald war es eine Vergeßlichkeit, die ,, Mann, was haben Sie? Sie sehen ja aus wie ein mich hatte versäumen lassen, Geld einzustecken, bald war Stück Tuch!" fragte 2. besorgt, als ich wieder ins ein Schuldner in Rückstand geraten und hatte mich Zimmer trat. in eine augenblickliche Verlegenheit gebracht. Nach den Geldern, Nichts! Ein leichter Schwindelanfall!" die meine Verwandten mir anvertrauten, griff ich gierig wie Sie arbeiten zu viel, Sie sollten etwas ausspannen. der Verschmachtende nach dem Trunk; ich beredete Freunde, Na, und wie ist's mit unserm Geschäft?" mir ihre Ersparnisse anzubertrauen, ich ließ mir Wechsel von Das war der Anfang vom Ende. Statt der Preis­allen Geschäftsfreunden geben draußen auf dem Lande. Reiner steigerung, die damals mit Händen zu greifen schien, trat ein wußte vom andern, jeder fühlte sich durch das Vertrauen ge- Preisrückgang ein. Große Vorräte, die seither don Speku­ehrt, das ich ihn, gerade ihn vor so viel anderen auszeichnete. lanten zurückgehalten worden waren, wurden auf den Markt So ward ich ein Dieb und ein Betrüger.... so ward ich geworfen. Ich war in Verzweiflung. Hätte ich Geld gehabt, Fälscher, als es weiter ging auf diesem Wege." ich hätte mir helfen können. Noch mehr dazu gekauft zu Karl Helfinger hatte die letzten Worte nur mit der äußersten niedrigem Preis, alles auf eine Karte gefekt! Aber so! Anstrengung hervorgestoßen und hielt nun einen Augenblick Reine Mittel mehr... mehr noch... fremdes Geld auf inne, bis er sich so weit gefaßt hatte, um fortfahren zu dem Spiel. Ich half mir. Gott weiß, wie ich mir half, von Verwandten Geld aufbrachte, von Freunden, von Freunden,

ein

tönnen.

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