Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 241.
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Sonntag, den 10. Dezember.
( Nachdruck verboten.)
Eheleute Strouhal. Erzählung von M. A. Simácet. Deutsch von Franta Hájet. ( Schluß.)
1899
direkt auf das Haus des Doktors zuschritt. Sich der müßigen Neugierde hinzugeben, war nicht die Art dieser Frau. Auch nicht, daß sie sich die Unterredung mit ihrem Mann nochmals vergegenwärtigt hätte, wie es die meisten Frauen in einer solchen Lage thun würden; alles das zog nur noch wie ein Traum an ihr vorüber. Sie empfand wohl die Wirkung, grübelte ihr aber nicht weiter nach, dazu hatte sie kaum Zeit, Strouhals Rechte zerrte wieder an seinem Bart. Sein denn sie sah schon Arbeit in Hülle und Fülle, die ihrer harrte. Atem war schwer und die Art, wie die mächtige Brust sich hob Es that ihr wohl, zu wissen, daß sie sich ihr nun sorglos hinund senkte, ließ einen schweren Kampf in seinem Innern geben konnte, ungestört, ungehindert und ohne vor der Zukunft schließen. war ein ganzes Meer bon wider erzittern zu müssen. Das machte sie glücklich, das erwärmte. streitenden Gefühlen, das seine Seele aufwühlte. Sein Von irgend einer Freude über den über ihren Mann errunMannesstolz fämpfte mit der Freude, die er darüber genen Sieg war bei ihr keine Spur. Nur darüber war empfand, daß sein heißester Wunsch nun in Erfüllung gehen fie froh, daß er den unvernünftigen Hochmut hatte, fahren sollte. Den Zorn gegen das eigensinnige Weib dämpfte die lassen, und sie ungehindert für ihre Kinder arbeiten dürfte. zarte Rücksicht auf die Mutter seines Kindes. Seine Sie begann die Stube aufzuräumen. Es that auch Not, So that auch Not, angeborene Heftigkeit wurde gewaltsam durch die Sorge den Fußboden bedeckten noch die Scherben des zerschlagenen verdrängt, was nitt aus seiner Frau werden solle, Geschirrs. Wie Strouhal nur so jähzornig sein konnte! Wenn was aus dem Kinde, das sie unter dem Herzen jezt jemand herein täme, was müßte er nur denken! trägt, wenn er sie gehen läßt, in das Elend hinaus, in die Bleiben wir hier, Mutter!?" frug Bartscha. Not und den unausbleiblichen Mangel. In seiner Brust begann sich auch eine Stimme zu regen, die ihm sagte, daß die Festig keit, mit der seine Frau auf ihren Forderungen bestand, doch etwas mehr sein dürfte, als cine bloße Weiberlaune und Eigensinn. Er wußte, dem zwar keinen Namen zu geben, aber unvillkürlich empfand er eine gewisse Achtung vor diesem Charakter. Und dann je mehr er sie so ansah, desto heftiger wurde sein Verlangen, den Mind, der ihm eine so frohe Botschaft verkündet hatte, mit heißen Stüssen zu bedecken..
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Dahin war mit einem Male sein Stolz, fein Born und feine Heftigkeit. Er ließ ihre Hand, die er immer noch festhielt, fahren, und sich liebevoll zu seiner Frau neigend, füßte er sie auf die Lippen.
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Gleich will ich gehen, gedulde Dich nur ein Weilchen noch. Und setze Dich zu mir her!" Er zog sie zärtlich an sich. „ Warum hast Du es mir nicht gleich gefagt? Es brauchte zu all' dem nicht zu kommen..." bemerkte er weich, wie zur Entschuldigung.
" Und warum hast Du für mich bei der Rehak abgesagt?" " Das weißt Du ganz gut, warum. Ich wollte doch nicht, daß meine Frau, die Frau des Oberheizers, sich wie eine Tagelöhnerin für ein paar Kreuzer schindet."
„ Es ist ja bloß für die Kinder! Aber jetzt läßt Du mich schon, nicht wahr?"
"
Strouhal lag schon wieder ein energisches Rein" auf der Bunge, aber nach einem kurzen Schiveigen erividerte er:" Ja, ich lasse Dich."
Kann ich mich wieder ausziehen?" meldete sich gleich darauf Betuschka.
"
Wartet noch, bis der Vater zurückkommt," gab die Mutter zur Antwort, ohne in ihrer Arbeit innezuhalten.
Es dauerte etwa eine halbe Stunde, als Strouhal endlich zurückfam. In der Stube war bereits alles aufgeräumt, und nichts deutete mehr darauf hin, wie es noch vor einer Weile hier ausgesehen, auch die lette Spur war verschwunden. Strouhal sah sich freudig um.
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Warst Du bei Rehats?" empfing ihn die Frau, indem sie ihn fragend anblickte. Nicht ohne stille Verwunderung nahm sie wahr, daß das ganze Gesicht des Mannes vor Freude förmlich strahlte.
,, Nein, noch nicht," beantwortete Strouhal ihre Frage. Ich weiß etwas Besseres für Dich, als im Schloß zu schar werken."
Woll Ungeduld wartete Strouhal, daß die überraschte Frau mun fragen würde, was es sei. Aber sie sah ihm nur gespannt ins Gesicht und schwieg. So mußte er also selbst fortfahren, indem er beiläufig fragte:
,, Du hast doch die Frau Bernard gekannt, die hier nicht weit von uns gewohnt hat?"
Sie ist gestorben, ich weiß es. Hladik hat es mir er zählt, als er mich in Truchlin aufsuchte."
Aber in seinem Innern war es doch nicht still und friedlich. Ein neuer Kampf begann, aber ein anderer, als der Er frühere. Er begann zu überlegen, wie er es anstellen sollte, um dem Begehren seiner Frau zu willfahren, ohne seinen eigenen Standpunkt aufzugeben. Sie belehren oder überreden zu wollen, wäre eine vergebliche Mühe gewesen, das wußte er schon zur Genüge. Sie in die Fabrik mitzunehmen, wäre noch schlimmer gewesen. Das Bild der alten kranken Hladik stand vor seinen Augen. Gleichzeitig kam ihm der Gedanke, wie es dem armen Weibe gehen mochte, und er mußte unwillkürlich an den Ausspruch des Arztes denken, daß sie den Frühling kaum noch erleben würde.
Der Arzt! In Strouhals Kopfe begannen die Gedanken sich zu kreuzen.
An was denkst Du?" fragte die Frau. Strouhal gab teine Antwort. Dann spräng er plötzlich empor und benterkte:
"
Warte nur einen Augenblick, ich komme sofort wieder." Die Frau blickte ihn verwundert an, als er eilig den Nock anzog und die Müße aufsetzte.
,, Gehst Du zu Rehats?"
" sa."
Da brauchst Du Dich doch nicht anzuziehen?"
Ich habe noch einen Gang."
In die Fabrik?"
Nein, doch gedulde Dich nur, sollst es gleich erfahren." Und schon war er draußen.
Sie blickte ihm durch das Fenster nach, und fah, wie er
" Ihr Heimwesen kennst Du auch?" . ,, Wie soll ich denn nicht?"
"
Der Doktor hat es geerbt."
Was weiter?"
Du weißt, daß er ledig ist und kaum noch heiraten wird. hat das Heimwesen verpachtet."
An wen?"
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An mich."
"
Fünfzehn Joch Acker?"
„ Und fünf Joch Wiesen."
„ Zwei Kühe?"
„ Drei."
Die Verwunderung der Frau wuchs. ,, Und was damit?"
Für Dich.. Dir sind meine fünf Toch und die Baracke zu wenig, darum willst Du immer bei den Fremden in Arbeit gehen." Strouhal lächelte glückselig. Seine Frau begann zu begreifen.
" Und wann hast Du es gepachtet?" " Soeben."
" Im Erust?"
Ja, glaubst Du mir denn nicht?"
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Und ich gehe dennoch ins Schloß arbeiten!" „ Warum?"
"
Wie sollte ich sonst etwas für meine Kinder verdienen? Es bleibt mir sonst keine Zeit dazu übrig."
Strouhal war auf eine solche Einwendung schon gefaßt und vorbereitet.
"
Nun gut, dann muß ich mir eine Schafferin halten. Ich selbst tann mich darum natürlich nicht kümmern. Du fannst meinetwegen ins Schloß gehen, und im Sommer, wo Du sonst hin willst. Arbeit findest Du schon genug."