Unterhaltungsblatt des Vorwärts

370910 1910or of out the 20

Nr. 250.

091 1001

shot Freitag, den 22. Dezember

Elfe. Elle.

( Nachdruck verboten.)

9] Von Alexander 2. Kielland.

Aus dem Norwegischen von Leo Bloch. d Im Laden bei Ellingsen und Larsen war es ebenso ge­schäftig; die, welche jetzt famen, waren meist kleine Leute, welche nötige und unnötige Einkäufe zu Weihnachten machten. Ab und zu wurde hinten im Laden die schwere Fallthüre in der Diele geöffnet, und der jüngste Ladenbursche stieg hinunter, um neuen Vorrat von dem oder jenem zu holen.

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1899

Plötzlich blieb sie stehen und drückte die Hände heftig an die Brust. Svend sah sie an: die Augen waren glänzender als je, die Lippen waren rot von Blut, sie hatte sich an dem Flaschenhals geschnitten und alle ihre Jugend­schönheit schien einen Augenblick in das fleine, feine Gesicht zurückgekehrt. Svend stand ganz verloren, so schön war sie nie gewesen.

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Aber dann fing sie an zu lachen, erst warm und munter als ob sie Freunde wären und es gut hätten, dann stärker und stärker, bis es Flohs altes Lachen wurde, das, welches die Treppen hinauf und die Treppen hinunterlaufen konnte, direkt in die Herzen der Leute. Aber immer wilder und wilder lachte sie, so daß es ihm durch Mark und Bein ging.

Floh und die anderen waren gerade zur Kellerthür hereingekommen, als die Fallthüre geöffnet wurde; die Svend ergriff sie, um sie zum Schweigen zu bringen, andern zogen sich im Nu zurück; aber sie blieb stehen aber da drückte sie wieder die Hände an die Brust; das starr vor Schreck. Gesicht wurde grau, und mit einem langen, bebenden Seufzer glitt sie aus seinen Armen und fiel mit dem Gesicht in den Schnee.

Aber als sie die Füße des Burschen sah, während er herunterstieg, hatte sie doch noch Besinnung genug, um sich zwischen einige Mehlsäcke zu werfen.

Während sie still dalag, fast ohne Atem zu holen, fühlte sie sich vollständig vernichtet. Durch ihren Kopf jagte in schneidender Klarheit ihr ganzes Leben von Fall zu Fall, bis sie hier lag erniedrigt zum Aeußersten, zwischen Dieben und Schurken. Nun mußte sie sterben, sie fühlte es deutlich; leer und schwach wie sie von Hunger und bösen Tagen war, hatte der Schreckeit sie gelähmt, sie fiel in Ohnmacht.

Der Ladenbursche mußte gewiß an der Thür etwas ge­sehen oder gehört haben; denn er sah die ganze Zeit dorthin. Aber da er nicht mutig genug war, stieg er wieder hinauf und schloß die Luke.

Der Mechaniker rüttelte Else; sie blieb liegen. GE Das dachte ich mir", murmelte er mit einem häßlichen Fluche; was sollten wir mit der!"

"

Er stand einen Augenblick ratlos; Svend und der Blech­schmied kamen auch herein. Plöglich ergriff der Mechaniker eine Flasche von dem Regal, wo, wie er wußte, die Liqueure lagen, brach ihr mit geschicktem Schlag den Hals und goß Elfe ein paar Tropfen in den Mund.

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Sie erwachte verstört, überrascht, darauf ergriff sie die Flasche und trank wieder.

" Soda nimm jetzt eine Herzstärkung! Du mußt zwei Schinken für Lenepuppe unter Deine Schürze nehmen"; damit ging der Mechanifer seines Wegs und überließ sie Svend und dem Blechschmied.

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Was war das, was sie trank? Nie hatte sie so etwas gekostet, es war süß und start wie die andern Liqueure, aber es waren Rosen, Rofen waren es, was sie trant- Rosen, die sie seit ihrer Jugend begleitet hatten, die aber nun so lange fortgeblieben waren, sie waren jetzt wieder zu ihr gekommen; jie trank in langen durftigen Zügen.

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Wie warme Kleider legte es sich um ihre erfrorenen Glieder; sie wurde mit einem Male stark und satt und erhob sich, während ein behaglicher, lauer Strom fie durchrieselte. Eine maßlose Freude sprudelte in ihr auf; sie fühlte nicht, wo sie war, sie wußte nichts; aber es lag nicht der leiseste Schatten über der Freude, die sie empfand.

Jedesmal, wenn sie trant, war es, als ob sie tiefer und tiefer in warme, duftende Rosenblätter fant, bis sie über ihrem Kopf zusammenschlugen und sie in hohen Bogen hin und her schwangen, wo Roſen klangen und Musik duftete in langen rosenroten Tönen, die ihr Elend kannten und sie zu trösten kanten.

Aber die Kellerthür wurde von außen aufgestoßen, und der Dekonom zeigte sich bleich und atemlos. Der Laden bursche mußte ettvas gemerkt haben, denn man hatte einen Boten auf die Polizei geschickt und zwei Polizisten waren schon an Madam Ellingsens Ecke.

910

Da tam schon ein Polizist gelaufen und Svend zog sie an den Beinen nach der entgegengesetzten Ecke.

" HA

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Fröhliche Weihnachten!" jagte die Frau Polizeimeiſterin. Danke, gleichfalls!" antwortete Frau Bengen. Die beiden Damen standen unter der großen Laterne vor Konsul Withs Thorweg. Es war eine Erweiterung der Straße- fast wie ein kleiner Play- mit dem Haus des Konsuls auf der einen Seite und Ellingsen und Larsen auf der andern. Und da es ein Knotenpunkt für den Verkehr der Stadt war, sammelten sich hier nach und nach mehrere Damen, welche ihre Einkäufe und ihre Bescherungen beendet hatten, selbst Frau With, welche gerade aus der Stadt heimkam, stieg aus ihrem Wagen und schloß sich der Gruppe an, um Weihnachtsgrüße auszutauschen und über den Tag zu reden.

Es waren nicht bloß Damen vom Verein für gefallene Weiber der St. Peter- Gemeinde, sondern von den verschiedenen Vereinen der Stadt und die Unterhaltung war äußerst leb­haft- teils etwas komplimentierend, teils ein wenig boshaft, wenn es galt, feinen eigenen Verein zu verteidigen oder herauszustreichen, wie viel der zu bescheren gehabt hatte. Aber die Stimmung war sehr wohlwollend; man war fertig und hatte ein gutes Gewissen.

" Ja, Sie haben recht, es ist schön, fertig zu sein," fagte die eine.

,, Das war ein geschäftiger Tag, ich glaubte nie, daß ich mein letztes Kleidungsstück noch los würde; alle, alle hatten Kleidungsstücke bekommen; es gab dieses Jahr zu viel Kleidungsstücke."

Aber dann wissen wir auch, daß wir etwas ausgerichtet haben," erklärte Frau With an ihrer Ecke. " Sehen Sie doch Fräulein Falbe dort, wie sie läuft!" sagte die Frau Polizeimeisterin.

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das begreife ich

So ist es immer mit ihr." ,, Daß die nicht fertig werden kann, nicht; wenig hat sie bloß und das, was sie hat, wirft sie an den ersten besten fort."

Frau With unterbrach mit ihrer gebieterischen Stimme: Sch glaube, sie geht herum zu den Armen und redet schlechtes über uns."

Verschiedene hatten das schon längst geglaubt. Die Armen wollten nie recht antworten, wenn man sie nach Fräulein Falbe fragte.

Inzwischen hatte sich auch der Kaplan der Gruppe an­geschlossen. Er war sehr liebenswürdig und äußerst auf­geräumt infolge des Tages, und die Damen drängten sich um ihn, um ihn ein gesegnetes Christfest zu wünschen. " Fräulein Falbe ging gerade vorbei-"

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Der Mechaniker war mit einem Malel fort, als ob er in Nein da muß ich bitten," berichtigte die Frau die Erde gesunken wäre. Auch der Blechschmied lief fort mit Polizeimeisterin, sie lief gerade vorbei. Es that mir weh, dem, was er hatte; der Dekonom folgte und dort an der sie zu sehen; es war gleichsam kein rechter Weihnachtsfrieden Bantecke unter der Laterne schimmerten die langen Beine von über ihr." Jörgen Tambour, welcher verschwand.

" Ach

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nein

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teure Frau!" antwortete der Kaplan Aber Svend wollte nicht von Else fortgehen, welche mit still, das will ich gerne glauben. Es kommt darauf an, in der leeren Flasche in der Hand daftand; er zog sie mit sich welchem Geiste man arbeitet. Wenn die Arbeit nicht vom nach dem Ausgang des Verstecks, der noch frei war. rechten Geist geleitet wird, so fehlt der Segen."