Unterhaltungsblatt des Vorwärts

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Dienstag, den 23. Januar.

( Nachdruck verboten).

Das Weiberdorf.

Roman aus der Eifel von Clara Viebig . seien Sie doch nicht so un­

,, Acht lumpige Thaler galant!"

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Hol mech der Deiwel här met dem Kleid!" Peter wußte faum mehr, was er sprach. Aewer uf Afzaohlung will ech net, mir sein fein Lumpenpacasch! Här met dem Dreck! Wat kost de Welt, ech well se zaohlen!"

" Ich werde unserem Geschäftshaus Ordre geben, daß man Ihnen mit wendender Post per Nachnahme das Gewünschte zugehen läßt, Herr Miffert!"

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Wohl, wohl," nickte Peter. Lucia hing an seinem Hals, ganz närrisch vor Freude.

Es' t waohr, es' t aach wirklich waohr? Kriehn ech dat Kleidche? O Pittchen, ech haon dech e su liew!"

Das wars, worauf er gewartet hatte. Nun mit ihr allein sein, nun sie herzen und drücken und sich betäuben an ihren Stüssen! Er wollte sie zur Thür ziehen; willig wäre fie mit ihm gegangen, aber der Reisende vertrat ihnen den Weg.

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1900

Aber nu los; nu wollen wir seh'n, wer mehr Glück in der Liebe hat Sie oder ich?" Er sah dreist die junge Frau an und lachte.

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Beter lachte auch; ein schlaues und zugleich grimmiges Lächeln verzog seine Lippen.

Sie spielten. Den Reisenden amüsierte es, wie eifrig der arme Teufel bei der Sache war. Hätte man wohl einem hier aus dieser zurückgebliebenen, unkultivierten Gegend so viel Gewandtheit zugetraut? Und Glück hatte der! Immer bekam er die besten Starten; er gewann.

Zeih sah dem Spiel zu, das heißt, sie blinzelte mit ver­schlafenen Augen drein, der ungewohnte Weingenuß hatte sie müde gemacht; sie lehnte sich hintenüber an die Wand, Bittchen bemerkte nicht, daß der Reisende unterm Tisch ihr Snie drückte. Sie ließ es sich gefallen, sie rückte ihm näher, ihr Kopf neigte sich immer mehr zur Seite, bis er ihm an die Schulter fant. Sie hatte einen kleinen Rausch.

Draußen war es stockdunkel. Regen flatschte aus Fenster, ein starker Wind hatte sich aufgemacht und heulte mit wilder Stimme. Ungestüm stieß er gegen das Haus, die Läden flapperten, lose Riegel drehten sich freischend es war ein seltsames Pfeifen und Aechzen, ein unheimliches Wimmern in der Nacht.

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Das wäre! Ne, Sie dürfen mich nicht hier mutterseelen- Peter war ganz beim Spiel, auf seinen Backenknochen allein figen lassen bei dem abscheulichen Wetter in diesem zirkelten sich rote Flecke ab. Der Reisende schenkte ihm wacker ein, öden Drecknest! Habe ich Ihnen dafür zu dem Kleid ver- er trant wacker aus; er hatte einen unauslöschlichen Brand holfen, schöne Zeih? Kommen Sie, Miffert, wir trinken en in sich, einen Durst, der gar nicht zu stillen war. Schon wurde Da Schöppchen!" Er pfiff und sang einen Gassenhauer. Das sein Blick unklar, er sah alles doppelt.- Neueste vom Jahr, frisch importiert aus der Haupt- und Re- war das Thalerstück, nicht einmal, nein, zwei, drei, vier, fidenzstadt Berlin . Ja, seit wir Siebzig- Einundsiebzig hinter fünf, sechs, siebenmal! hundertmal! Hei, die Thaler! uns haben, haben wir Pli gekriegt. So was tennen Sie Das war schön, wenn die sich so mehrten. Thaler wie die hier noch nicht, was?" sich in der Hand fühlten, glatt und rund! Thaler- die flapperten im Sack; herrliche Musik! Thaler die machten den Knecht zum Herrn, das arme Bittchen zum reichen Beter! Thaler Thaler--!

,, Dat es schien!" Beih riß begierig die Augen auf. Sein Se so gud, noch ehs!"

Ms er den Singfang wiederholte, summte sie mit; hatte ein gelehriges Ohr.

sie

Und der Reifende gab Couplet auf Couplet zum besten; fie konnte sich gar nicht satt hören; ihre Augen tanzten förmlich, ihre Lippen bewegten sich, leis murmelnd.

Pittchen hatte den Arm um sie gelegt; der Reisende hatte ihm eingeschenkt, mum wurde auch er fidel.

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" Ha!" Er schnalgte mit der Zunge und leckte sich die Lippen; der Gaumen war ihm trocken, sein Schlund war so ausgebrannt wie oben der Krater auf dem Mosenkopf. Mechanisch ergriff er sein schon wieder gefülltes Glas und trant es leer auf einen Zug.

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,, Glück im Spiel Unglück in der Liebe," lachte der Reisende und legte der verschlafenen Zeih den Arm um die Schultern. Da, stecken Sie ein, Sie haben ihn gewonnen!" Er schob den Thaler über den Tisch.

Der Nachmittag ging schon in den Abend über, die frühe Dämmering stahl sich ins Fenster, noch früher als sonst durch den finster umzogenen Himmel und die regenschwangere Luft. Der Krummscheidt brachte schon wieder eine Flasche und Beter faßte gierig zu und hielt dann das Thalerstück fest zwar nicht vom schlechtesten; das war ein Mosel, der sich in der krampfhaft geschlossenen Faust. Er achtete es nicht, füffig trank, aber der's in sich hatte, er lief durch die Adern daß der Herr jetzt die Zeih küßte; all feine Sinne, fein ganzes ivie prickelndes, fröhliches Leben. Denken waren bei dem runden Silber. Es blinkte überall, auf dem Tisch, auf dem Boden, an den Wänden, es füllte den Raum von der Diele bis zur Decke.

Spielen Sie auch Karten, Herr Miffert?" fragte der Reisende. Die hübsche Frau fing an ihn zu langweilen; da er doch nicht mit ihr allein war, was nutzte ihm da ihre Bewunderung. Machen wir ein Spielchen!"

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Peter dachte an seine paar Kupferpfennige verflucht, wenn er jetzt Geld hätte! Die Eifeler spielten nicht gern mit ihm, sie schimpften ihn Fauteler"( Betrüger), und wenn er gewann, gab's jedesmal Prügelei. Fatal!

Nun hatte er so schöne Gelegenheit, seine Geschicklichkeit zu nußen, und da mußte er mun kein Geld haben, nicht einmal den niedrigsten Einsatz! Geld, Geld!-- Seine Augen funkelten.

Der Reisende warf einen Thaler auf den Tisch. Als hätte er Pittchens Gedanken erraten, sagte er: Ich pumpe Ihnen. Was spielen wir denn?"

Sechsundsechzig., Wirtschaft, Kaarten! Licht!" Peter mischte; die verfetteten, vom Schmutz dick ge­wordenen Starten flogen durch seine Hände, als seien es Rosenblätter. Und dabei wendete er keinen Blick von dem Thalerstück auf dem Tisch, wie ein Magnet zog ihn das runde Silber an solcher Dinger brauchte er acht! Nein, noch mehr, mehr! Er hatte das Hungerleben fatt!

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Unwillkürlich, faft wider seinen Willen, streckten sich seine Finger aus, er nahm das Thalerstück in die Hand und be­trachtete es.

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Tha- ler", lallte er.

Ehr- lich- ge- won- nen!" Jede Silbe kam zivischen einem Schlucken, der Reisende war auch nicht mehr ganz nüchtern. Meimei Kleid," stammelte die Zeih.

Es wurde still in der Schenkstube, das Spiel hatte ein Ende. Der Reisende hielt die Zeih im Arm; sie staunte mit starr aufgerissenen Augen, in stummer Bewunderung, seine dicke goldne Talmikette und die falsche Brillantnadel in seinem Schlips an.

Peter saß am Tisch in seiner beliebten Stellung, beide Ell­bogen aufgestützt, den Kopf zwischen die Hände geklemmt und stierte vor sich hin. In seiner Brusttasche brannte der Thaler, durch Rock und Hemd durch fühlte er ihn, bis auf die bloße Haut.

Da schlorrte was draußen an der Thür; nun wurde sie geöffnet, die alte Schneidersch wankte herein. Ein großes Luch hatte sie über den Kopf gezogen, geblendet, wie eine lichtscheue Eule guckte sie darunter hervor.

Was ist denn das für ein Huzelweib? Haha, nur herein, Huzelweibchen," schrie der Reisende.

Träumte der Peter, oder war er wach? Wie hinter einer ,, So gut wie neu," fagte der Reisende, und ganz echt! dicken Mauer, die den Schall dämpft, hörte er die Alte Unser Raffierer hat sich mal mit einem falschen anschmieren sprechen. Horch! Sagte sie nicht, das Bäbb wäre tot und lassen, das haben wir ihm an die Kasse genagelt.-Haha! der Peter Miffert solle kommen, den Sarg zunageln?--­