Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 23. 0
Freitag, den 2. Februar. Freitag,
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( Nachdruck verboten).
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Sie sah ihn wehmütig lächelnd an. Duht mer de Liew ech verlangern e fu schreiwt mer e paor Wörtcher an
Das Weiberdork.ms dän Lorenz! Ech haon heiwel( seit) vill Däg gelauert, dat Roman aus der Eifel von Clara Biebig. oans tömmt, wat schreiwe kann." Sie machte einen. Versuch,
sich höher aufzurichten, traurig schüttelte sie den Kopf.„ Ech fann jao net ufstiehn, ech sein innewennig wie außenanner. Lao im Schößchen( Schublädchen) sticht Papier on Feder lao es de Dint schreiwt, schreiwt!"
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Beter konnte es nicht mehr mit ansehen, an allen Gliedern zitternd, stand er da. Er wollte sprechen und konnte nicht, so trocken war es ihm im Halse; er schluckte und schluckte. Leeren Blicks stierte er auf das Bettchen- da lag Mit ängstlicher Hast trieb sie ihn an. Sic diftierte fein Kind, es glich ihm genau, so hatte er wohl auch cinst schwerfällig, ruckweise, zu jeden paar Worten machte sie eine
her Mutter in der Wiege gelegen. Wie bei ihm, so fehlte neue Anstrengung des winzigen Lämpchens schrieb Pittchen:
dem Josephchen das unterste Stückchen am linken Ohrlapp, auch die Brauen waren so über die Nase zusammengeschoben und die Haare in dunkeln Ringelu so tief in die Stirn gewachsen. Sein Kind, sein Ebenbild Der heiße Wunsch stieg in ihm auf, dies Kind zu behalten.
Und glühend heiß fielen ihm die Thränen der Zeih aufs Herz. er konnte ihr Jammern nicht mehr hören; schwankenden Schrittes, wie ein Trunkener, taumelte er nebenan in die Stammer.
Als er nach einer Weile wieder herausfam, war er ruhiger. Auf seiner Stirn stand ein Entschluß; seine Lippen waren fest zusammen gepreßt.
Beim Morgengrauen würde er den Doktor holen, sagte er der Zeih.
Und dann eilte er noch einmal lief wie gejagt. Durch eine Gutthat stand des Himmels sichern.
sador time
zum Hause hinaus; er wollte er sich den Bei
Er wußte, wohin er zu gehen hatte. Da war die Hütte der Schneidersch; mit der Bäbbi ging's schlecht, die konnte sich nicht erholen. Zweimal schon hatte der Kauz nachts an ihrem Fenster geschrieu. Krokodilsthränen vergießend, erzählte es die Alte im Dorf herum, aber ihr Jammern galt mehr der eigenen gestörten Nachtruhe, als den Leiden der Schwiegertochter; wenn sie sich auch dreidoppelt ein Tuch um die Ohren band, sie hörte doch durch die rissigen Lehmwände das Stöhnen der jungen Frau und das Schreien des halbverhungerten Säuglings. Die Bäbbi fieberte und fieberte. Ein paarmal hatte sie schon versucht, aufzustehen, nach wenigen Schritten war sie mit einem schmerzlichen Schrei zusammengebrochen. Vorsichtig tappte Peter über den Hof, bis zur Thür neben dem Stall. Drinnen hörte er ein Kind greinen und eine franke Stimme sprechen:" Sei still sch, sch, waart nor, bis dän Pappa fömint! O Jeß, wann hän net baal kömmt, feia ech dud sch, sch!"
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Der fehnsuchtsvolle Ton vergitterte in einem langen Seufzer. Die sprach ja wie eine Sterbende! Peter erschrat. Leise schlich er ans Fensterchen und guckte hinein.
Da faß sie im Bett, das einzige Kissen hatte sie sich in den Rücken gestopft! Sie war so schwach, daß sie den Kopf nicht halten konnte, bald fant er ihr zur linken, bald zur rechten Seite.
Wie traurig hatte die sich verändert! Sie war nicht häßlich, nein, vielleicht hübscher, als sie jemals zuvor gewesen. Schmerzen und Gram hatten ihr Gesicht verfeinert, die sonst gebräunte Haut war abgeblaßt, silbrig schimmernd wie Perlmutter. Das straffe Haar bauschte sich ihr lockerer um den Kopf, und im Blick ihrer weitgeöffneten großen Augen lag etwas leberirdisches.
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Es fröstelte Peter. Sacht flopfte er an die Thüre und trat zugleich ein. Verwundert drehte Bäbbi den Kopf nach ihm, sie erFannte ihn nicht gleich. Dann aber flog ein freudiger Schein über ihr Gesicht, sie wollte seine Hand gar nicht loslassen. Es dat fchien, dat Ihr mech befuche tommt ohdat es schien!" Jel Er beugte sich über sie und suchte hinter einem Lachen und einem Scherz feine Rührung zu verbergen. No, ruhig, Bäbbche, ruhig! Jao, wann dän Ehmahn net derhäm es, dann kömmt onfer anen e fu apropos wie Räjen im Mai. Gäl, Bäbb?" Er strich ihr gutmütig über die schmale Wange. Wanneh danzen mir zwa dann 30sammen?"
Sie blieb ernst. Ech haou de Engel schuns Hallelujah singe gehört; ech danzen net mich!"
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Beim Schein
Deurer Lorenz!
Ech grüßen dich villdausendmaol! Uns Könd leit in der Heija( Wiege) on träumt von seinen Pappa. Ech haon e su lang neist von dir zo hören fritt, ech verlangern e su, dattste bei mech kömmst, ehnder ech-"
Hier stockte Bäbbi; in schmerzliche Thränen ausbrechend, schlug sie die Hände vors Gesicht. hot badej drist munad, Kreischt nett, Bäbb," tröstete Beter mit weicher Stimme. „ Nä, nä!" Sie raffte sich schon wieder zusammen. Streicht dat vom Verlangern on Stärwen aus, ech will em dat Herz net schwer maachen. Schreiwt nor:
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..lang neist von Dir zu hören fritt, ech hoffen, dau bis gesond on veramesierst Dech aach. Ech beten Dag on Nacht for Dech, ech"
b
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Sie schöpfte zitternd tief Atem.de
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Ech sein eweil ganz allert( munter)-
Peter sah sie verwundert an.
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Sie schöpfte zitternd tief Atem.
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Nä, nä, neist vom Stranksein," sagte sie rasch.„ Schreiwt allert" dick on groß. dann freut hän sech.
Adjes, mein villdeurer Lorenz, bis in die Ewigkoat Dein Bäbbchen." Erschöpft sant sie zurück, Totenblässe überzog ihr Gesicht, ihre Lippen wurden weiß; sie war halb ohumächtig. Bäbbi, Bäbbi," Peter faßte sie am Arm, wat es Eich? Ihr mößt Stärkung haon." Verstört sah er sich um.„ Haot Shr dann hei gaor neist zu drinken?"
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Sie schüttelte den Kopf. Neist," fagte sie tonlos. Da lag sie in dem elenden Bett, seit Tagen war es nicht gemacht; sie lag wie eine Sterbende, blutleer und hilflos.
Das Kind schrie auf, besorgt suchte sie nach der Wiege zu blicken. Peter nahm das kleine Bündel und legte es ihr an die Brust, da suchte es winumernd, mit gespigtem Mäulchen. Ech haon kein Milch," sagte sie leise.
rot,
Ein Strampf ging über Peters Geficht, er wurde blaß und cinen argwöhnischen Blick warf er in alle Winkel, und dann fuhr er rasch in die Tasche und legte drei harte Thaler vor sie aufs Bett. Dao," sagte er mit gepreßter Stimme, kauft davor, wat Ihr braucht!" bal
"
Für ein paar Augenblicke sah sie ihn verständnislos an. Er nichte. Morjen holen ech dän Dokter, dän besten, dän 30 friehn es, ons Jofephche es trant; duh kann dän Eich aach ebbes ufschreiwen for gesond 30 gänn."
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Eine jähe Röte flog über ihr Gesicht, in ihren matten Augen blißte es auf, sie haschte nach seiner Hand; ehe er's hindern konnte, hatte sie die gefüßt. Merci, merci! Onsen Hährgott sei met Eich- Peter Peter Pittchen- o Jhr- 1" Sie war ganz außer sich, sie lachte und schluchzte, zog ihn an sich und füßte ihn mit ihren matten, blutleeren Lippen; wie Schnee fühlte er den Kuß auf seiner Stirn.
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Ech danken, ech danken Eich villdausendmaol, Bittchen! Es et dann wirklich waohr Gäld, Gäld drei DahlerDahler?!" Sie drückte die Geldstücke liebkosend an ihre Wange. Ech fann eweil ebbes kaafen beim Krummscheidt, on Milch for det Könd, alle Dag! On ech fälwer" sie faßte ihren Kopf mit beiden Händen dän Dokter kömmt bei mech! Ech sollen gesond gänno, ech fiehlen et, ech sein eweil als besser. Ech kann dän Lorenz widdersiehn! Jefus, Maria, Josefo Pittchen, Bittchen!"
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Langsam fant er an ihrem Bett nieder; ein abergläubischer Schauer und zugleich eine freudige Wolluft des Gebens zog ihn auf die Knie.
Ihre Hände falteten sich über seinem Kopf. sie betete. Mit rührender Stimme flehte sie den Segen des Himmels lauf ihn herab. s