Unterhaltungsblatt des Vorwäris

Nr. 61. is Mittwoch, den 28. März.

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Auferstehung.

90 ( Nachdruck verboten).

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Sag' ja nicht zu viel; bleib bei dem einen, und damit

basta!"

bar absichtlich, schwarze wirre Haarlöckchen hervorgezupft waren. Das ganze Gesicht des Weibes zeigte jene besondere Blässe, welche Leuten eigen ist, die lange Zeit hinter Schloß und Riegel zugebracht haben und welche an die Farbe von Kar Roman von Leo Tolstoj . Deutsch von Adolf Heß. toffelfeimen im Steller eriniert. Eben solche Farbe hatten auch die kleinen breiten Hände und der weiße, volle, hinter Joduit sibel( bon Erster Teil sid sdr dem großen Kleiderkragen sichtbare Hals. In dem Gesicht Erstes Kapitel.oldirar st überraschten, namentlich bei der matten Blässe, sehr Wie sehr die mehreren hunderttausend Menschen auf schwarze, glänzende, chivas geschwollene, aber sehr lebhafte einem kleinen Platz sich auch bemühten, den Boden zu Augen, von denen das eine ein wenig schielte. Sie hielt sich verderben, auf dem sie sich zusammengedrängt hatten; wie sehr gerade und warf sich stark in die volle Brust. Im sehr sie auch die Erde mit Sieinen verrammelten, damit nichts Sorridor angekommen, legte sie den Kopf zurück, schaute dem auf ihr wichse, und jedes hervorsprießende Hälmchen aus Aufseher gerade in die Augen und stand da, seiner Befehle rauften, und mit Steinkohlen und Naphtha Qualm entwickelten, gewärtig. Der Aufseher wollte die Thür schon schließen, als und die Bäumte beschnitten, und alle Tiere und Vögel ver- fich aus ihr das blasse, strenge, runzelige Gesicht einer alten scheuchten es war doch Frühling; Frühling überall, Frau in bloßem Kopf hervorschob. Die Alte begann der auch in in der Stadt. Die Sonne wärmte; frisches Maslowa etwas zu sagen, aber der Aufseher schlug der Alten Gras wuchs und grünte aller Orten, wo man es nicht die Thür vor der Nase zu und der Kopf verschwand. In der wegfraßte, nicht nur auf den Rasenplägen der Bonte- Zelle erklang weibliches Lachen. Maslowa lächelte ebenfalls vards, sondern auch zivischen den Steinfliesen und und wandte sich zu dem kleinen Gitterfenster in der Thür. Birken, Pappeln und Ahltirschen entfalteten ihre klebrigen, Die Alte auf der andern Thürseite lehnte sich gegen das duftenden Blätter; an den Linden schwollen die aufbrechenden Fenster und sagte mit schriller Stimme: Knofpen; Dohlen, Sperlinge und Tauben bauten frühlings­freudig schon ihr Nest, und die Fliegen fummten sonnen­durchwärmt an der Wand. Fröhlich waren Baum und Strauch, und Vögel und Insekten und die Kinder. Aber die Menschen die großen, erwachsenen Menschen hörten nicht Ein Ende sicher, aber nicht zwei," sagte der Aufseher auf, sich zu betrügen und zu quälen. Sie waren der mit beamtenmäßiger Ueberzeugung von seinem Scharfsinn. Meinung, daß heilig und wichtig nicht diefer Frühlings- Mir nach, borwärts!" morgen fei, nicht diese Schönheit der Gotteswelt, die allen Das durch das Fenster sichtbare Auge der Alten ver­Streaturen zur Freude gegeben, zum Frieden, zur Liebe und schwand; Maslowa aber trat in die Mitte des Korridors und Eintracht stimmite sondern sie hielten für wichtig und er ging mit schnellen, kleinen Schritten hinter dem Aufseher her. haben das, was sie selbst ausgedacht hatten, um übereinander Sie stiegen eine steinerne Treppe hinab, gingen an den noch zu herrschen. übler als die Weiberzellen riechenden, geräuschvollen Männer­So galt im Bureau des Gouvernementsgefängnisjes für zellen vorüber, aus deren Thürfenstern ihnen überall Blicke heilig und wichtig nicht die allen Menschen und Tieren inne folgten, und traten in das Bureau, wo schon zwei Gefangenen­wohnende Frühlingsfreude und Frühlingszerknirschung, sondern transporteure mit Gewehren standen. Ein Schreiber reichte von der tags zuvor unter Band und Siegel eingetroffene Befehl, seinem Plage aus dem einen Soldaten ein von Tabakdunst Taut welchem die zuletzt im Gefängnis eingelieferten geschwängertes Schreiben hin, deutete auf die Gefangene und Arrestanten zwei Frauen und ein Mann heute, am fagte:" Nimm die." Der Soldat, ein Nishegorodscher Bauer mit 28. April, 9 1hr morgens, vorgeführt werden sollten. Eine rotem, pockennarbigem Gesicht, steckte das Schreiben in den der beiden Frauen, die Hauptverbrecherin, sollte allein er Mermelaufschlag seines Mantels, lächelte und blinzelte seinem scheinen. Und so betrat denn auf Grund dieser Ordre Kameraden, einem Tschuwaschen mit breiten Backenknochen, am 28. April, um 8 Uhr morgens der Oberauffeher den wegen der Gefangenen zu. Dann stiegen die Soldaten mit dunkeln, übelriechenden Korridor der Frauenabteilung. Hinter der Gefangenen die Treppe hinab und traten zum Haupt­ihm trat in den Korridor cin Weib mit vergrämten Zügen ausgang. und wirrem, grauen Haar, in einem Kleid, dessen Aermel mit Tressen besetzt waren und um dessen Taille eine blaue Borte lief. Das war die Aufseherin.

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Wollen Sie die Maslowa?" fragte sie und trat bei einer der Thüren, die in den Korridor mündeten, an den dienst­thuenden Aufseher heran.

Der Aufseher schloß mit dem Schlüsselbund klirrend das Schloß auf, öffnete die Zellenthür, aus der ein noch wider licherer Geruch ausströmte als aus dem Korridor, und rief: Maslowa, vor Gericht!"

Dann lehnte er die Thür wieder an und wartete. Selbst im Gefängnishof war ein belebender, frischer Feld­geruch zu spüren, den der Wind in die Stadt getragen hatte. Aber im Sorridor lag ein erstickender Dunst von Birkenteer und Moder, der jeden hier Eintretenden alsbald verdrießlich und traurig stimmte. Das erfuhr, trotzdem sie an die schlechte Luft gewöhnt war, auch die Aufseherin an sich, sobald sie vom Hof aus den Korridor betrat. Sie verspürte plöglich Müdigkeit und wollte einschlafen.

In der Zelle ertönte unruhiges Treiben: Frauenstimmen and barfüßige Schritté.

Geschwind sage ich! Nühr' Dich, Mastowa!" rief der Oberauffeher in die Zellenthür.

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Wenn's mur ein Ende nähme, schlimmer wird's nicht werden" sagte Maslowa.

Jit der Thür des Hauptausgangs wurde eine Pforte ge­öffnet; die Soldaten schritten mit der Arrestantin über die Pfortenschwelle auf den Hof, traten aus dein ummiauerten Raum hinaus und gingen durch die Stadt, mitten auf den gepflasterten Straßen.

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Kutscher, Höker, Köchinnen, Arbeiter, Beamte blicben stehen und schauten neugierig die Gefangene an; manche schüttelten den Kopf und dachten: Dahin führt solch ein schlechter Lebenswandel, der dem unsrigen nicht gleicht." Kinder schauten erschreckt die Räuberin an und blieben nur deshalb ruhig, weil hinter ihr Soldaten gingen und sie ihnen jetzt nichts thun konnte. Ein Bauer vom Lande, der Kohlen verkauft und im Wirtshause Thee getrunken hatte, trat zu ihr, bekreuzigte sich und gab ihr einen Ropeken. Die Arrestantin wurde rot, senkte den Kopf und murinelte etwas vor sich hin.

Als sie die auf sich gerichteten Blicke fühlte, schielte sie unmerklich, ohne den Kopf zu wenden, nach denen hin, die sie ansahen, und die auf sie verwandte Aufmerksamkeit machte ihr Vergnügen. Vergnügen machte ihr auch die im Vergleich mit der Zuchthausluft reine Frühlingsluft, doch schmerzte sie das Gehen auf den Steinen, da ihre Füße des Gehens ent wöhnt und mit plumpen Sträflingsschuhen bekleidet waren, Zwei Minuten darauf trat festen Schritts ein nicht großes, und sie sah auf ihre Füße und bemühte sich, möglichst junges, sehr vollbusiges Weib aus der Thür heraus, wandte leicht aufzutreten. Als sie an einer Mehlbude vorüber fich furz um und stellte sich neben den Aufseher. Sie trug schritt, vor welcher, von niemand gestört, Tauben einen grauen Rock über einem weißen Leibchen und Unter hin und her trippelten, hätte die Arrestantin beinahe eins Fleid. An den Füßen hatte sie leinene Strümpfe, über den der schwarzblauen Tierchen mit dem Fuße berührt; die Taube Strümpfen grobe Bauernschuhe, wie sie die Gefangenen tragen; flatterte auf, schlug mit den Flügeln und flog dicht am Kopf thren Kopf umschlang ein weißes Tuch, unter welchen, offen- I der Arrestantin vorbei, so daß diese den Luftzug spürte. Sie