Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 83

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Auferstehung.

Sonntag, den 29. April.

( Nachbruck verboten.)

d Roman von Leo Tolst of.

Ich muß Ihnen noch mitteilen," sagte Nechlinbowv, daß ich nicht weiter an den Sigungen teilnehmen kann. .Da müssen Sie, wie Ihnen bekannt, dem Gericht reichend wichtige Gründe augeben."

hin­.Die Gründe sind die, daß ich jedes Gericht nicht nur für unnith. fondern sogar für numoralisch halte."

So so." sagte der Staatsanwalt, immer mit demselben, fanm bemerkbaren Lächeln, als ob er durch dieses Lächeln andeuten wollte, daß solche Erklärungen ihm bekannt wären und zu einer bestimmten Kategorie von Lächerlichkeiten ge hörten. D

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1900'

Die Rhapsodie hielt wieder inne und wurde glänzend und geräuschvoll bis zu der verherten Stelle wiederholt. Ich werde gehen und fragen."

Und das Dienstmädchen ging fort.

Die Rhapsodie begann gerade wieder dahinzutauschen. als sie plößlich noch vor der verherten Stelle abriß und eine Stimme ertönte:

"

Sag' ihm, daß er nicht da ist und heute nicht mehr tommt. Er ist eingeladen, was foll dieses Drängen?" er. tönte eine weibliche Stimme hinter der Thür, und wieder er flang die Rhapsodie, aber wieder hielt sie inne, und man hörte das Geräusch eines zurückgeschobenen Stuhls. Augen scheinlich wollte die erzürnte Klavierspielerin dem zudring lichen Besuch, der nicht zur festgefesten Zeit tam, selbst Bescheid fagen.

Papa ist nicht da!" Mit diesen Worten trat ein blasses, jämmerlich aussehendes, frisiertes Mädchen mit blauen Ringen unter den trüben Augen aus dem Zimmer. Als sie den jungen Mann im feinen Paletot erblickte, wurde sie: Treten Sie, bitte, näher... Was wünschen Sie?"

So fo; aber Sie begreifen doch wohl, daß ich als Staatsanwalt Ihnen nicht beistimmen kann. Und deshalb rate ich Ihnen, darüber dem Gericht eine Erklärung ab zugeben; dann wird das Gericht über Ihre Erklärung entfanfter. scheiden und sie für triftig oder für nicht triftig erklären und Eine Gefangene zu sprechen." Shnen im lekteren Falle die gerichtliche Strafe auferlegen. Gewiß eine Politische?" Wenden Sie sich au das Gericht."

Ich habe meine Erklärung abgegeben und thue feine weiteren Schritte," sagte Nedchyljudow ärgerlich.

Empfehle mich," fagte der Staatsanwalt, fich mit dem Kopf verneigend; er hatte offenbar den Wunsch, diesen sonder baren Besucher bald, los zu werden.

..Wer war da eben bei Ihnen?" fragte das Gerichts mitglied, welches nach Nechlindows Hinausgehen das Zimmer des Staatsanwalts betrat.

Nechljudow: wissen Sie, der schon im Krasnoperstischen Bezirk in der Semstvo verschiedene sonderbare Vorschläge machte. Denfen Sie sich: er ist Geschworner, und unter den Angeklagten befindet sich eine Frau oder ein Mädchen, die zu Zwangsarbeit verurteilt ist, nnd die er nach seinen Worten verführt hat und jetzt heiraten will.".

a wohl nicht möglich!"

Das hat er mir erzählt... Und dabei in einer sonder baren Erregtheit."

Da ist etwas nicht richtig. Dieses absonderliche Ver halten der jetzigen jungen Leute."

Na, so ganz jung ist er nicht mehr."

Ach lieber Sollege, wie uns aber Ihr gepriesener waschenkow anödet! Er macht mis tot; redet und redet ohne Ende."

Man muß die Leute einfach unterbrechen, sonst sind es die richtigen Obstruktionisten..."

Sechsunddreißigstes Stapitet.

Bom Staatsanwalt führ Nechljudow direkt zum Interims gefängnis. Aber es stellte sich heraus, daß da keine Mas lowa war, und der Aufseher erklärte Nechljudow, fie müßte im alten Transportgefängnis fein. Nechljudow fuhr dorthin Wirklich, hier war Jekaterina Maslowa.

Rein, teine Politische. Ich habe die Erlaubnis vom Staatsanwalt."

So, ich weiß nicht: Papa ist nicht da. Aber kommen Sie, bitte," forderte sie ihn wieder auf, in den kleinen Flur zu treten. Conft wenden Sie sich an seinen Gehilfen, der ist jeßt in Comptoir, mit dem reden Sie. Wie ist: The: Name?"

Ich danke Ihnen," sagte Nechljudow, ohne auf die Frage zu antworten, und ging hinaus.

Man hatte kann die Thür hinter ihm schließen können. als schon wieder dieselben mutigen, fröhlichen Klänge ertönten, die ebensowenig zu dem Ort paßten, an dem sie hervorgebracht wurden, wie zu den jämmerlichen Gesicht des Mädchens, das sie so hartnäckig auswendig lerute.

Draußen traf Nechljudow einen jungen Offizier mit ge­färbtem und gedrehtem Schnurrbart und fragte ihn nach dem Gehilfen des Jufpektors. Es war der Gehilfe felbft. Er nahm den Einlaßschein, sah ihn durch und sagte, er hätte nicht die Erlaubnis, jemand in das Transportgefängnis hineinzu­lassen. Es sei auch schon spät. Er bäte, morgen wiederzu­kommen.

Morgen im zehir Uhr ist der Besuch jedem gestattet; dann kominen Sie nur, dann ist der Inspektor auch zu Hause. Sie können sie dann mit den andern zusammen sehen, und wenn der Inspektor es gestattet, auch in Bureau."

So fehrte Nechljudow, ohne an diesem Tage ein Wieder sehen erreicht zu haben, nach Hause zurück. Erregt von dent Gedanken, sie zu sehen, ging er durch die Straßen und dachte jest nicht mehr an das Gericht, sondern an seine Unterhaltung mit dem Staatsamvalt und den Aufsehern. Der Umstand, daß er ein Busammentreffen mit ihr gesucht und dem Staatsanwalt von seiner Absicht Mitteilung gemacht und in zwei Gefängnissen gewesen war und sich vorbereitet hatte, sie zu sehen, erregte Die Entfernung vom Interimsgefängnis bis zum Trans ihn so sehr, daß er sich lange nicht beruhigen konnte. Zu porthaus war ungeheuer, und Nechtjudow kam erst gegen Hause augekommen, holte er sogleich seine lange nicht Abend im Transporthaus an. Er wollte in die Thür des mehr angerührten Tagebücher hervor, las einige Stellen in riesigen, finsteren Gebäudes treten, aber die Schildwache ließ ihnen durch und schrieb folgendes hinein: Zwei Jahre lang ihn nicht hinein, sondern läntete nur. Auf das Läuten kami habe ich keine Tagebuch geführt und geglaubt, daß ich nie­ein Aufseher herbei. Nechljudow zeigte seinen Schein, aber mals zu dieser Kinderei zurückkehren würde. Aber das war der Aufseher sagte, ohne Erlaubnis des Inspektors fönnte er feine Kinderci, sondern eine Unterhaltung mit mir selbst, mit ihn nicht einlassen. Nechljudow begab sich zum Inspektor. dem wahrhaften, göttlichen Jch, das in jedem Menschen lebt. Schon während er die Treppe hinaufstieg, hörte Nechtjudow Die ganze Zeit über hat dieses Ich geschlafen, und ich hatte, hinter der Thür die Stlänge irgend eines komplizierten niemand, mit dem ich mich unterhalten konnte. Aufgeweat Bravourstücks, das auf dem Klavier gespielt wurde. Als ihm hat es der ungewöhnliche Vorfall am 28. April im Gericht, aber ein Dienstmädchen mit verbundenem Auge ärgerlich die wo ich Geschivorner war. Ich habe auf der Anklagebank, sie, Thür öffnete, stürzten diese Klänge gleichsam aus dem Zimmer die von mir verführte Katjuscha in Sträflingskleidern wieder heraus und trafen fein Gehör. Es war eine übermäßig oft gesehen. Durch ein sonderbares Mißverständnis und durch gehörte Rhapsodie von Liszt , die schön, aber nur bis meinen Fehler ist sie zur Zivangsarbeit verurteilt worden: zu einer bestimmten Stelle gespielt wurde. Wenn der Spieler Ich war soeben beim Staatsanwalt und im Gefängnis, Man bis zu dieser Stelle gekommen war, wiederholte er immer hat mich nicht zu ihr gelassen, aber ich bin entschlossen, dasselbe. Nechljudow fragte das verbundene Dienstmädchen, alles zu thun, um sie wiederzusehen, vor ihr meine Sünden ob der Inspektor zu Hause sei."

Das Dienstmädchen sagte: Nein."

Stommit er dein bald"

zu bekennen und meine Schuld wieder gut zu machen, wenn auch durch eine Ehe. Herrgott, hilf mir! Mir ist sehr gut und freudig ums Herz.