Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 91.

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Auferstehung.

Freitag, den 11. Mai.org

( Nachdrud verboten.)

Roman von Leo Tolstoj .

1900

fiel ein, wie dieser Fanarin ihn im vergangenen Jahre vor Gericht als Zeugen vernommen und mit ausgesuchter Höflich feit eine halbe Stunde lang zum besten gehabt hatte.

" Ich möchte Dir raten, Dich nicht mit ihm einzulassen. Fanarin ist ein anrüchiger Mensch," sagte Maslennifow auf französisch.

Nechljudow kannte Maslennikom schon lange, vom Militär und außerdem habe ich noch eine Bitte an Dich," meinte her. Maslennikow war damals Zahlmeister beim Regiment Nechljudow, ohne hierauf zu antworten. Ich kenne schon gewesen. Er war der gutmütigste, pünktlichste Offizier, der lange ein Mädchen, eine Lehrerin, ein sehr bedauernswertes nichts von der Welt kannte und nichts von ihr kennen wollte, Wesen; sie ist jetzt ebenfalls im Gefängnis und wünscht mich außer dem Regiment. Jegt traf Nechljudow ihn als Ad­ministrator, der das Regiment verlassen hatte, und als zu sehen. Kannst Du mir Zugang zu ihr verschaffen?" Maslennikow neigte den Kopf etwas auf die Seite und Mitglied der Gouvernementsverwaltung. Er war mit einer dachte nach. reichen und unternehmenden Frau verheiratet, die ihn auch genötigt hatte, aus dem Militärdienst in den Staatsdienst zu treten.

Es ist eine politische Gefangene?" Ja, so hat man mir gesagt."

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" Siehst Du, eine Zusammenkunft mit Politischen wird mur den Verwandten gewährt; aber ich will Dir einen überall gültigen Einlaßschein ausstellen. Ich weiß, Du wirst feinen Mißbrauch damit treiben..." 13

Wie heißt sie denn, Deine Schußbefohlene?... Bogo­duchowskaja? st sie hübsch?" Abschreckend häßlich."

Sie lachte über ihn und streichelte ihn wie ein gezähmtes Tier. Nechljudow war vergangenen Winter einmal bei ihnen gewesen, aber das Paar war ihm so wenig interessant er schienen, daß er nachher nie wieder zu ihnen ging. d Maslennikow strahlte vor Freude, als er Nechljudow er blickte. Er hatte noch eben dasselbe fette, rote Gesicht, diefelbe Korpulenz und dieselbe schöne Kleidung wie zur Militärzeit. Maslennikow schüttelte mißbilligend den Kopf, trat an Damals hatte der stets saubere Waffen- oder Gehrock seine den Tisch und schrieb mit fester Hand auf einen Bogen mit Schultern und seine Brust allemal nach der neuesten Mode gedruckter Ueberschrift: Ueberbringer dieses, Fürst Dimitri umschlossen; jekt war es eine nach der neuesten Mode zu- wanowitsch Nechljudow, hat Erlaubnis, im Gefängnis­geschnittene Beamtenuniform, die ebenso seinen fatten Körper um- bureau die inhaftierte Kleinbürgerin Maslowa und des­schloß und seine breite Brust hervortreten ließ. Er trug eine gleichen die Heilgehilfin Bogoduchowska zu besuchen"; das Interimsuniform. Trotz des Unterschiedes im Alter( Was schrieb er zu Ende und machte einen weitläufigen Schwung. lennikow war gegen vierzig) standen fie auf dem Duzfuße. ,, Na sieh, besten Dant, daß Du gekommen bist. Laß uns Du wirst sehen, wie es da zugeht. Ordnung zu halten zu meiner Frau gehen. Ich habe gerade wie abgepaßt zehn ist sehr schwer, weil alles überfüllt ist, namentlich mit Trans­Minuten freie Zeit vor einer Sizung. Der Chef ist aus- portgefangenen; aber ich gebe trotzdem wohl acht und liebe gefahren. Ich verwalte das Gouvernement," fagte er mit Genugthuung, die er nicht verbergen konnte.

Ich komme in Berufsangelegenheiten zu Dir." Was denn?" sagte Maslennikow behutsam, in zugleich erschrecktem und etwas strengem Ton.

diese Thätigkeit. Du wirst sehen, sie fühlen sich dort sehr wohl und sind zufrieden. Man muß nur mit ihnen umzu gehen wissen. Da war neulich ein unangenehmer Vorfall, eine Insubordination. Ein andrer hätte es als eine Revolte betrachtet und viele unglücklich gemacht. Bei uns ist alles " Im Gefängnis ist eine Person, für die ich mich sehr sehr glatt verlaufen. Nötig ist auf der einen Seite Fürsorge, auf der andern- starke Macht," sagte er und ballte die aus interessiere( beim Wort Gefängnis" wurde Maslennikows auf der andern Miene noch strenger), und ich möchte mit ihr nicht in Gefell - der weißen gestärkten Manschette mit goldnem Knopf hervor­schaft, sondern im Bureau, und nicht nur an den festgesetten ragende weiße, feiste Faust mit einem Türkisring zusammen; Tagen, sondern häufiger zusammentreffen. Man hat mir ge." Fürsorge und starke Macht." sagt, daß das von Dir abhängt."

Nun, das tenne ich nicht," sagte Nechljudow, ich war Bersteht sich, mein Lieber, ich bin bereit, alles für Dich zweintal dort, und da war mir schrecklich schwer zu Mute." zu thun," fagte Maslennikow und berührte mit beiden Weißt Du was? Du mußt Dich mit der Gräfin Händen seine Knie, als wünsche er feine Größe zu mildern- Paszek zusammenthun," fuhr der redselige Maslennikow das ginge wohl, aber siehst Du, ich bin nur Salif für eine fort: die geht in dieser Thätigkeit ganz auf. Sie thut viel Gutes. Dank ihr und vielleicht mir sage ich ohne falsche Stunde." Also fannst Du mir einen Schein geben, daß ich sie Bescheidenheit ist es gelungen, alles zu ändern, und zwar fehen kann?"

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st es ein Weib?"

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a."

Weshalb sitzt sie?"

Wegen einer Vergiftung. Aber sie ist unschuldig ver­

urteilt."

Ein schönes Urteil; sie machen sie alle nicht besser," fagte er aus irgend einem Grunde auf französisch. Ich weiß, Du stimmst mit mir nicht überein, aber was soll ich machen, es ist meine innerste Ueberzeugung." fügte er hinzu und sprach eine Auficht aus, die er in verschiedener Form im Laufe dieses Jahres in einer rückschrittlichen, fonfervativen Zeitung gelesen hatte. Ich weiß, Du bist liberal."

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so zu ändern, daß nicht mehr solch schreckliche Zustände herr­schen, wie früher, und man sich dort geradezu sehr wohl fühlt. Das wirst Du sehen. Ja, und Fanarin. Ich kenne ihn persönlich nicht, aber infolge meiner gesellschaftlichen Stellung gehen unsre Wege nicht zusammen; er ist bestimmt ein schlechter Mensch und erlaubt sich dabei, vor Gericht Dinge zu sagen, Dinge!..."

Num, fei bedankt," sagte Nechljudow, nachdem er den Schein in Empfang genommen, und verabschiedete sich von seinem früheren Stameraden, ohne ihn zu Ende gehört zu haben. Aber willst Du nicht zu meiner Frau?"

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" Nein, entschuldige mich, ich habe jetzt feine Zeit." ve Wieso? sie verzeiht es mir nicht," sagte Maslennikow begleitete den einstigen Kameraden bis zum ersten Treppenabsah, soweit wie er Leute nicht von prima, sondern sekunda Wichtigkeit, zu denen er Rechljudow rechnete, zu be­gleiten pflegte. Nein bitte, komm Soch auf eine Minute hinein." lage

" Ich weiß nicht, ob ich liberal oder etwas andres bin," sagte Nechljudow lächelnd und wunderte sich wieder darüber, und daß alle Welt ihn zu einer Partei rechnete und ihn deshalb liberal nainte, weil er beim Urteil über einen Menschen sagte, man müsse ihn vorher anhören: vor dem Gericht feien alle Leute gleich, man dürfe überhaupt keine Menschen quälen und schlagen, besonders nicht solche, die nicht verurteilt wären." Ich weiß nicht, ob ich liberal bin oder nicht, ich weiß nur, daß die jezigen Gerichte bei all' ihrer Unvoll­kommenheit doch besser als die früheren sind."

Welchen Advokaten hast Du denn genommen Ich habe mich an Fanarin gewandt."

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Aber Nechljudom blieb fest, und während ein Diener und der Portier an Nechljudow herantraten und ihm Paletot und Stock reichten und die Thür öffneten, an deren Außenfeite eine Schildwache stand, sagte er, er könne jetzt nicht.

,, Nun, dann bitte Donnerstag; das ist ihr Empfangstag. Ich werde ihr Bescheid sagen!" rief Maslennitow ihm von der

Ach, Fanarin!" sagte Maslennikow stirurunzelnd; ihm Treppe nach.