Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 102.
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Auferstehung.
Dienstag, den 29. Mai.
( Nachdruck verboten.)
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dann ist das Land schon vergriffen. Und wieder werden die Reichen diejenigen in die Hand bekommen, welche Land nötig haben."
Das stimmt," bestätigte der Soldat geschwind.
Man muß verbieten, Land zu verkaufen, und jeder muß es selbst bebauen," sagte der Töpfer, den Soldaten ärger lich unterbrechend.
„ Land darf man," sagte er, meiner Meinung nach weder Hierauf erwiderte Nechljudow, daß man unmöglich aufverkaufen noch kaufen. Denn wenn man es verkaufen darf. passen könnte, ob jemand für sich oder für einen andren so kaufen die, welche Geld haben, das ganze Land auf und pflügte. nehmen dann von denen, die feins besitzen, für das Recht, es Da schlug der hochgewachsene, bedächtige Mushik vor, es zu benuken, so viel sie wollen. Sie nehmen schließlich noch so einzurichten, daß alle als eine Genossenschaft den Acker beGeld dafür, daß man auf der Erde steht," schloß er mit Bestellten. Und wer dieses thäte, der bekäme seinen Anteil. mugung eines Arguments von Spencer. Wer aber nicht pflügte, der bekäme nichts, sagte er in seinem entschiedenen Baß.
Das einzige Mittel ist, sich Flügel anbinden und fliegen," sagte der Alte mit lachenden Augen und weißem Barte.
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Das stimmt," sprach der Langnäsige in tiefem Baß. ,, Genau," sagte der gewesene Soldat. „ Ein Weibsen hat Gras für die Kuh gerupft: ist abgefaßt kommt ins Loch," sagte der lahme, gut mütige Alte.
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Unser eignes Land reicht fünf Werst weit, und etwas hinzupachten damit ist gar nicht anzukommen; haben den Preis so in die Höhe geschraubt, daß man nie auf einen grünen Zweig fommt," fügte der zahnlose, böse Alte hinzu. „ Sie drehen Bindfaden aus uns; schlimmer als im Frohn dienst."
Ich denke ebenso wie Ihr," sagte Nechljudow, und Halte es für Sünde, Land zu befizen; da will ich Euch nun das Land abtreten."
Nun, das ist ein gutes Werk." sagte der Alte mit den Haarzotteln, augenscheinlich in der Annahme, daß Nechljudow es verpachten wolle.
In der Absicht bin ich eben hergekommen: ich selbst will fein Land mehr besitzen; da muß man nun überlegen, wie
man es los wird."
Scheut es doch einfach den Bauern," sagte der zahulose, Böse Alte.
Nechljudow wurde im ersten Augenblick verwirrt; er fühlte aus diesen Worten Zweifel an der Aufrichtigkeit seines Vorhabens heraus. Aber er hatte sich schnell wieder gefaßt und benutzte diese Bemerkung, um das auszusprechen, was er eben sagen wollte.
„ Ich wäre bereit, es zu verschenken," sagte er. aber wem und wie? Welchen Bauern? Warum Eurer Gemeinde und nicht der Djeminstoier?( Das war ein Nachbardorf mit bettel haften Landparzellen.)
Alle schwiegen. Nur der ehemalige Soldat sagte:„ Das stimmt."
Nun also," meinte Nechljudow, fagt mir: wenn Ihr mun das Land an Bauern verteilen solltet..., wie würdet Ihr das machen?" i
" Wir wir das machen würden? Wir würden das ganze Land gleichmäßig nach der Seelenzahl verteilen," sagte der Töpfer schitell, die Brauen hebend und senkend.
Ja, gewiß, nach den Seelen verteilen," bestätigte der gutmütige, lahme Alte in weißen Fußlappen. Alle bekräftigten die Entscheidung und hielten sie für befriedigend.
Wie nach den Seelen verteilen?" fragte Nechljudow. Soll das Hofgesinde auch Land bekommen?"
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Um keinen Preis," sagte der ehemalige Soldat und bemühte sich, fröhliche Zuversicht in seinem Gesicht auszudrücken. Aber der bedachtsame, hochgewachsene Bauer war damit nicht einverstanden.
Wenn man cinntak teilt, muß man allen zu gleichen Teilen geben," antwortete er nach kurzem Nachdenken in feinem tiefen Baß.
Gegen dieses kommunistische Projekt hatte Nechljudow ebenfalls Argumente bereit. Er erwähnte, hierzu sei nötig. daß alle Pflüge hätten, daß die Pferde gleich wären, und daß die einen nicht hinter den andern zurückblieben; oder daß sämtliche Pferde, Pflüge, Dreschmaschinen und die ganze Wirtschaft Gemeingut wären. Um das aber einzuführen, müßten alle Leute damit einverstanden sein.
Unser Volk bringst Du im Leben nicht zur Einigkeit," sagte der böse Alte.
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Das giebt fortwährend Zänkereien," sagte der Alte mit weißem Bart und lachenden Augen. Die Weiber kraken sich gegenseitig die Augen aus."
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,, Die Hauptsache ist dann, daß man den Boden nach seiner Beschaffenheit verteilt," sagte Nechljudow. Wozu soll der eine Marschboden erhalten, der andre aber Thon und Sand."
Man muß es in kleine Abschnitte zerlegen, damit alle gleichmäßig bekommen," sagte der Töpfer.
Hierauf erwiderte Nechljudow ,,, daß es sich nicht um eine Teilung in einer Gemeinde, sondern um Landteilungen in verschiedenen Gouvernements handle. Wenn man den Bauern das Land umsonst gäbe, so würden die einen guten, die andern schlechten Boden bekommen. Es trügen aber alle Verlangen nach gutem Boden".
" Das stimmt," sagte der Soldat. Die übrigen schwiegen.
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Also die Sache ist nicht so einfach, wie es scheint," sagte Rechljudow. lleber diesen Gegenstand denken wir nicht allein nach, sondern viele Leute. Da ist ein Amerikaner George, der hat etwas ausgedacht, dem ich beistimme."
„ Aber Du bist doch Herr; also gieb Du das Land nur ab. Was brauchst Du Dich um andre zu kümmern. Dein Wille geschieht" sagte der ärgerliche Alte.
Diese Unterbrechung machte Nechljudow verwirrt; aber er bemerkte mit Genugthuung, daß nicht er allein mit dem Dazwischenredenden unzufrieden war.
Wart doch, Onkel Siemen, laß ihn erzählen," sagte der bedächtige Mushik mit seinem eindringlichen Baß.
Das ermutigte Rechljudow. Er begann, ihnen das Pro jekt der., single tax" Henry Georges zu erklären. „ Das Land gehört niemandem, es ist Gottes Eigentum," begann er. Das ist richtig; das stimmt," ertönten einzelne Stimmen.
,, Alles Land ist Gemeingut. Alle haben gleichen Anspruch auf den Boden. Aber es giebt besseres und schlechtes Land. Und jeder wünscht das gute in Besitz zu nehmen. Wie soll man da verfahren, um alles auszugleichen? Etwa so, daß derjenige, der gutes Land besigt, dent, der nichts hat, so viel bezahlt, wie sein Land wert ist," gab sich Nechljudow selbst die Antwort." Da aber schwer zit bestimmen ist, wer einem etwas bezahlen muß, und da für Bedürfnisse der Gemeinde Geld gejanimelt werden muß, so verfährt man jo, daß derjenige, der Land besißt, an die Gemeinde für alle Bedürfnisse dasjenige bezahlt, was sein Land wert ist. So wird die Verteilung für alle gleich. Willst Du gutes Land besitzen, so bezahlst Du für das gute mehr, für das schlechte weniger. Willst Du nichts besigen, so bezahlst Du gar nichts. Die Gemeindelaften werden für Dich von denjenigen getragen, die
" Das geht nicht," sagte Nechljudow, der seine Er widerung schon vorbereitet hatte. Wenn man das Land allen gleichmäßig zuteilt, so werden alle, die selbst nicht ar beiten, auch nicht pflügen, sondern ihren Anteil nehmen und an die Reichen verkaufen. Dann kommt das Land wiederum bei den Reichen zufammen. Und bei denen, die auf Land befizen." ihrem Anteil fißen, werden wieder Menschen geboren, und
" Das ist gerecht," sagte der Töpfer und bewegte die