Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 107.
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Auferstehung.
Mittwoch, den 6. Juni.
( Nachdrud verboten.)
„ Nun schön; ich will alles versuchen," sagte sie und trat Teicht in den weich federnden Wagen, dessen Lack an den Seitenwänden im Sonnenschein glänzte; dann spannte sie den Schirm auf. Der Lakai sette sich auf den Bock und gab dem Kutscher das Zeichen, abzufahren. Der Wagen sette sich in Bewegung, aber im selben Augenblick tippte sie mit dem Schirm gegen den Rücken des Kutschers und die schlankfüßigen, Hübschen, englisch geftuzten Stuten blieben stehen, zogen die hübschen, mit Stangenzäumen bespannten Köpfe an und traten mit den zarten Füßen abwechselnd hin und her.
Kommen Sie aber, bitte, ohne eigennüßige Absichten," sagte sie und lächelte mit einem Lächeln, dessen Stärke sie wohl kannte. Als wäre die Vorstellung nun beendet, ließ sie den Vorhang herab, senkte den Schleier über das Gesicht. Nun vorwärts." Sie berührte wieder mit dem Schirm den Kutscher . Nechljudow lüftete den Hut. Die Vollblut Fuchsstuten
aber schlugen schnaubend mit den Hufeisen das Pflaster und die Equipage rollte schnell dahin und hüpfte mit ihren neuen Federn nur hier und da bei Unebenheiten des Weges.
Sechzehntes Kapitel.
Als Nechlindow an das Lächeln dachte, welches er mit Marietta gewechselt, schüttelte er über sich selbst den Stopf.
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alle andren Menschen herab und konnte gar nicht anders, als diese Eigenschaft hoch stellen, weil er dank ihr eine glänzende Carrière gemacht, eben die, welche er gewünscht, das heißt, durch eine Heirat ein Vermögen erworben, das achtzehntausend Rubel Zinsen trug; durch eigene Arbeit aber hatte er den Posten eines Senators erreicht. Er hielt sich nicht nur für einen Mann comme il faut, sondern auch für einen ritterlich ehrenhaften Menschen. Unter Ehrenhaftigkeit verstand er die Eigenschaft, sich von Privatpersonen nicht heinlich bestechen zu lassen. Sich aber alle möglichen Sporteln, Tantiemen und Nebeneinnahmen zu verschaffen und dafür alles zu thun, was immer die Regierung von ihm verlangte, hielt er nicht für unchrenhaft. Hunderte von unschuldigen Menschen wegen ihrer Liebe zum Volfe und zur Religion ihrer Väter zu Grunde zu richten, ihre Einkerkerung und Verbannung zu veranlassen, wie er es als Gouverneur in einem polnischen Gouvernement gethan hielt er nicht für unehren. haft, sondern für eine edle, patriotische Mannesthat. hielt nicht einmal für unehrenhaft, daß er seine in ihn verliebte Frau und seine Schwägerin ausgeplündert hatte. Im Gegenteil, er hielt das für eine wohlweise Einrichtung seines Familienlebens.
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Das Familienleben Wladimir Wassiljewitschs umfaßte seine selbstlose Frau, seine Schwägerin, deren Vermögen er ebenfalls in die Finger bekommen hatte, indem ihre Besitzung verkauft und das Geld auf seinen Namen eingetragen war, und eine sanfte, schüchterne, wenig hübsche Tochter, die eine einsame schwere Existenz führte, und zerstreuung erst in der legten Zeit im Evangeliumglauben, in den Versammlungen bei Aline und bei der Gräfin Katerina Iwanowna funden hatte.
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Man kann kann einmal Umschau halten, so wird man schon wieder in dieses Leben hineingezogen, dachte er und empfand Zwiespalt und Zweifel, die durch die Notwendigkeit Der Sohn Wladimir Wassiljewitschs aber, ein gutmütiger, hervorgerufen wurden, sich bei Leuten einschmeicheln zu müssen, schon mit fünfzehn Jahren bärtiger Bursche, der von jener vor denen er keine Achtung hatte. Nechljudow überlegte, wo- Beit an zu trinken und zu bummeln begann, was er bis zum hin er zuerst und wohin er später fahren könnte, um nicht zwanzigsten Jahre fortsette war aus dem Hause gejagt, nach Hause zurückzukehren, und begab sich zuerst in den Senat. weil er nirgends eine Schule absolvierte, in schlechte GeHier wurde er in die Kanzlei geführt, wo er eine riesige Menge sellschaft geriet, Schulden machte und den Vater übermäßig höflicher und sauberer Beamten in einem prächtigen kompromittierte. Der Vater hatte einmal 230 Rubel, Raum erblickte. ein andres Mal 600 Rubel Schulden für seinen Sohn bezahlt, ihm dann aber erklärt, das sei das letzte Mal; wenn er sich nicht besserte, würde er ihn aus dem Hause jagen und seine Beziehungen zu ihm einstellen. Der Sohn besserte sich nicht nur nicht, sondern machte noch tausend Rubel Die Senatssigung findet in dieser Woche statt und der Schulden obendrein und nahm sich heraus, dem Vater zu Prozeß der Maslowa wird kaum in dieser Sigung vor- sagen, es sei für ihn so wie so eine Qual, zu Hause zu leben. kommen. Wenn man aber darum einkommt, so steht zu Da erklärte Wladimir Wassiljewitsch seinem Sohn, er könne hoffen, daß der Prozeß am Mittwoch eingeschoben wird," sich fortscheren, wohin er wolle, er sei nicht mehr sein Sohn. fagte einer. Von der Zeit an that Wladimir Wassiljewitsch, als wenn er teinen Sohn mehr hätte, und von den Hausangehörigen wagte niemand, vor ihm von dem Sohn zu sprechen. Und Wladimir Wassiljewitsch war vollkommen überzeugt, daß er sein Familienleben auf die beste Weise eingerichtet hätte.
Die Beamten erklärten Nechljudow, die Bittschrift der Maslowa sei eingelaufen und zur Durchsicht und zuni Referat eben dem Senator Wolf überwiesen worden, an den er einen Brief vom Onkel hatte.
In der Senatskanzlei hörte Nechljudow, während er auf Abfertigung wartete, wieder eine Unterhaltung über das Duell und eine eingehende Schilderung, wie der junge Kamenski getötet war. Hier erfuhr er zum erstenmal die Einzel heiten dieser ganz Petersburg interessierenden Geschichte. Es Wolf hielt mit einem freundlichen und ehivas spöttischen war so zn gegangen, daß Offiziere in einem Austernfeller ge- Lächeln er hatte diese Manier an sich; sie war der univillgeffen und wie immer viel getrunken hatten. Einer that dann fürliche Ausdruck des Bewußtseins seiner comme il faut- lebereine absprechende Aeußerung über das Regiment, in dem legenheit über die Mehrzahl der Menschen- in seinem Kamenski stand; Stamenski nannte den Betreffenden einen Spaziergang durch das Zimmer inne, begrüßte Nechljudow Lügner. Der versette Kamenski cinen Schlag. Andern und las sein Schreiben.
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Tags wurde der Streit ausgefochten. Kamenski erhielt eine ,, Bitte ergebenst, sehen Sie sich und entschuldigen Sie Kugel in den Bauch und starb zwei Stunden darauf. mich. Ich gehe auf und ab, wenn Sie gestatten," sagte er, Posen und die Sekundanten wurden festgenommen und steckte die Hände in seine Jackentaschen und schritt mit leichten, auf der Hauptwache eingesperrt, aber nach vierzehn Tagen weichen Schritten in der Diagonale durch das große, stilfreigelassen. gerechte Kabinett.
Von der Senatskanzlei fuhr Nechljudow zur Kommission für Bittgesuche und zum Baron Worobjem, der großen Einfluß auf die Kommission besaß. Er hatte eine prächtige Wohnung in einem Staatsgebäude inne. Der Porfier und ein Lakai erklärten Rechljudow strenge, der Baron wäre an andern als den Empfangstagen nicht zu sprechen. Nechljudow übergab seinen Brief und fuhr zum Senator Wolf.
Wolf hatte soeben gefrühstückt; er war dabei, die Verdauung durch das Rauchen einer Cigarre und durch einen Spaziergang durch das Zimmer zu befördern. So empfing er Nechljudow. Wladimir Wassiljewitsch Wolf war wirklich ein Mann comme il faut, und diese seine Eigenschaft stellte er höher als alle andren, sah von der Höhe derselben auf
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Freut mich sehr. Ihre Bekanntschaft zu machen und dem Grafen Jwan Michailowitsch einen Gefallen erweisen zu können," sagte er, ließ den wohlriechenden, bläu lichen Rauch ausströmen und nahm die Cigarre vorsichtig vom Munde, um die Asche nicht fallen zu lassen.
Ich möchte nur darum bitten, daß der Prozeß bald zur Verhandlung kommt, da es wünschenswert ist, daß die Angeklagte, wenn sie nach Sibirien zieht, möglichst früh hingelangt, sagte Nechljudow.
" Ja, ja, mit dem ersten Dampfer aus Nishni; ich weiß," sagte Wolf mit seinem gönnerhaften Lächeln, das immer alles vorher wußte, was man ihm crst zu sagen begann. Wie ist der Name der Angeklagten?" Maslowa."
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