Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 115.
1551
Auferstehung.
Sonntag, den 17. Juni.
( Nachdruck verboten.)
1900
Fall lag so, daß man diese von der griechisch- orthodoxen Stirche abgefallenen Christen zuerst verwarnt und dann vor Gericht gebracht hatte, welches sie aber freisprach. Dann hatten der Erzbischof und der Gouverneur unter dem Vorwand, daß ihre Ehen ungültig wären, diese Settierer in die Obgleich Nechljudow fein gutes Resultat von seinem Ve Verbannung geschickt, wobei Männer, Frauen und Kinder fitch erwartete, begab Nechljudow sich dennoch auf Bogatyreffs voneinander getrennt wurden. Diese Väter und Frauen Rat zu Taporow, von dem das Schicksal der Sektierer abhing. tamen jezt darum ein, nicht getrennt zu werden. Taporow Die Stellung, welche Taporow inne hatte, enthielt in sich erinnerte sich daran, wie dieser Fall zum erstenmal vor ihn einen Widerspruch und konnte nur von einem abgeftumpften, gelangt war: damals hatte er geschwankt, ob es nicht besser des moralischen Empfindens baren Menschen bekleidet werden. wäre, die Sache ganz einzustellen. Dann aber kam er zu Taporow besaß diese beiden negativen Eigenschaften. Der dem Schluß, daß aus seiner Bestätigung der Entscheidung, innere Widerspruch seiner Stellung war aber dieser: Er hatte nach welcher die verschiedenen Mitglieder der Sektiererdie Pflicht, durch äußere Maßregeln, Gewalt nicht ausgeschlossen, familien zu trennen und zu verbannien, wären, kein eben die Kirche zu unterstüßen und zu verteidigen, welche nach Schaden entstehen, durch Belassung der der Bauernsefte ihrer eignen Erklärung von Gott selbst eingefeßt war und an ihrem früheren Ort dagegen ein schlechter Einfluß weder durch Pforten der Hölle noch durch irgend welche mensch auf die übrigen Ortseinwohner hervorgehen könnte, der lichen Bemühungen erschüttert werden konnte. Diese göttliche dann bewirkte, daß sie von der orthodoxen Kirche abfielen. und unabänderlich von Gott gewollte Einrichtung sollte Ferner war die Angelegenheit ein Beweis für den Eifer durch Menschenwerk, durch die von Taporow und seinen des Erzbischofs, und so ließ er der Sache ihren Lauf in der Beamten geleitete heilige Synode aufrecht erhalten und gegen Richtung, die sie einmal genommen hatte. Jezt aber, wo ihr Angriffe verteidigt werden. Taporow sah diesen Wider ein Verteidiger wie Nechljudow erstanden war, der in Petersspruch nicht oder wollte ihn nicht sehen und war des burg Einfluß besaß, konnte die Geschichte dem Kaiser vor wegen sehr darauf bedacht, daß nicht irgend ein römisch- getragen werden, oder sie konnte in ausländische Blätter fatholischer Priester, oder ein Pastor, oder ein Seftierer die geraten. Deswegen faßte er plöglich einen unerwarteten BeKirche zerstören möchte, der die Pforten der Hölle nichts anschluß. haben konnten.
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Nun, guten Tag?" sagte er mit der Miene eines sehr Táporow war wie alle Menschen, die das wahre religiöse beschäftigten Mannes, indem er Nechljudow stehend empfing Gefühl entbehren, welches in Anerkennung der Gleichheit und und sogleich zur Sache überging. Ich kenne den Fall. SoBrüderlichkeit aller besteht, fest davon überzeugt, daß das gewöhn- bald ich nur die Namen sah, erinnerte ich mich an die unglückliche Volt aus ganz andren Geschöpfen bestehe, als er selbst liche Angelegenheit," sagte er, nahm die Bittschrift auf und war, und daß das Volk dasjenige benötige, was er selbst zeigte sie Nechljudow. Ich bin Ihnen sehr verbunden, daß recht gut entbehren konnte; denn im Grunde seines Herzens Sie mich daran erinnert haben. Uebereifer der Provinzial glaubte er gar nichts und fand einen derartigen Seelen- behörde ist daran schuld." zustand sehr passend und angenehm. Dabei fürchtete er aber, daß das Volk in ebensolchen Zustand geraten könnte, und hielt es für seine heilige Pflicht wie er sich ausdrückte das Volk davor zu bewahren.
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Wie in irgend einem Kochbuch steht, daß die und die Strebse gern lebendig gekocht werden, ebenso dachte er und sprach es auch aus, daß das Volk gern im Aberglauben gehalten würde. Der Unterschied war nur der, daß er es buchstäblich so meinte, während die Worte im Kochbuch nicht buchstäblich zu verstehen sind.
So dachte Laporow, ohne zu überlegen, daß das Volf nur deswegen Aberglauben gern hat, weil immer Menschen gelebt haben und noch leben, die, wie er, aufgeklärt sind, aber ihr Licht nicht dazu gebrauchen, andren aus der dunkeln Unwissenheit herauszuhelfen, sondern sie noch tiefer hinein zubringen.
Nechljudow stand schweigend da, indem er mit wenig freundlichen Gefühlen auf die unbewegliche, bleiche Maske des Gesichts vor ihm blickte.
Ich werde Order geben, daß diese Maßregeln widerrufen und die Leute wieder in die Heimat befördert werden." Also brauche ich diese Bittschrift nicht weiter zu ver folgen?"
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" Ich verspreche es Ihnen ganz bestimmt," antwortete Taporow, mit besonderer Betomung des Wortes ich", als wäre er fest davon überzeugt, daß seine Ehrlichkeit, sein Wort die beste Bürgschaft böten. Das beste ist, ich schreibe sofort. Nehmen Sie bitte Play."
Er ging an den Tisch und begann zu schreiben. Als Nechljudow sich setzte, blickte er auf den schmalen, kahlen Schädel, die dicke, blaugeäderte Hand, die schnell die Feder führte, und wunderte sich, waruni nur dieser augenscheinlich gleichgültige Mann das that, was er that, und warum er es mit so viel Sorge that.
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Also hier haben Sie es," fagte Taporow, den Umschlag verschließend. Sie können Ihre Schutzbefohlenen davon unterrichten," und er schob seine Lippen wie zu einem Lächeln vor.
Als Nechljudow in das Empfangszimmer trat, war Zaporow in seinem Arbeitszimmer mit einer Aebtissin im Gespräch begriffen, einer lebhaften, aristokratischen Dame, die in Westrußland unter den Unierten( Anhängern der römischkatholischen Kirche) den griechisch- katholischen Glauben verbreitete, nachdem ihnen die rechtgläubige Kirche aufgezwungen worden war. Ein Beamter im Empfangszimmer fragte nach ,, Wofür haben denn diese Leute leiden müssen?" fragte Nechljudows Begehr, und als er hörte, daß Nechljudow die Nechljudow, das Couvert in Empfang nehmend. Absicht hätte, dem Kaiser eine Bittschrift zu überreichen, bat Zaporom erhob seinen Kopf und lächelte, als wenn Necher um Erlaubnis, die Bittschrift erst lesen zu dürfen. ljudows Frage ihm Vergnügen bereitete. Das kann ich Nechljudow gab sie ihm, und der Beamte trug fie in Ihnen nicht sagen. Was ich Ihnen fagen kann, ist nur, das Arbeitszimmer. Die Aebtiffin in ihrer Haube mit flattern- daß die von uns behüteten Interessen des Volks so wichtig dem Schleier und einer lang nachschleifenden Schleppe ver- sind, daß selbst zu großer Eifer in Religionssachen nicht ließ das Arbeitszimmer und schritt mit eineni Rosenkranz aus so viel Gefahren und Schaden anrichtet wie die jetzt immer Topasen in den weißen Händen mit wohlgepflegten Nägeln weiter um sich greifende Gleichgültigkeit-" zum Ausgang. Nechljudow wurde nicht sofort gebeten, einzutreten. Zaporo las die Bittschrift und schüttelte den Kopf. Er war durch ihre klare und beredte Ausdrucksweise un angenehm überrascht.
„ Wenn diese Schrift in die Hände des Kaisers gelangt, fann sie Mißverständnisse hervorrufen, und es können unangenehme Fragen gethan werden," dachte, er beim Lejen. Dann legte er die Bittschrift auf den Tisch, schellte und befahl, Nechljudow herein zu bitten.
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,, Wie können aber im Namen der Religion die allerersten Forderungen der Gerechtigkeit verlegt, Familien getrennt werden?"
Taporow behielt sein gönnerhaftes Lächeln noch immer bei, da er augenscheinlich Nechljudows Worte recht nett fand. Was Nechljudow auch hätte sagen mögen, er würde von der Höhe seines, wie er glaubte, weitreichenden staatsmännischen Standpunktes alles sehr nett und sehr einseitig gefunden haben. Standpunkt eines Privatmannes so aber vom staatsmännischen Stand
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Er erinnerte sich der Angelegenheit der Settierer; er Das mag vom hatte schon vordem eine Bittschrift von ihnen erhalten. Der l erscheinen," sagte er