Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 141.
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Auferstehung.
Dienstag, den 24. Juli.
1900
vorgekommen war, jetzt aber wahrscheinlich zum letztenmal,
( Nachdrud verboten.) ein Aufseher eintrat und nach ihm Katjuscha, mit einem Tuch um den Kopf und im Arrestantenkleide, empfand er bei ihrem Anblick ein schweres, übelwollendes Gefühl.
Ich will leben, will Famile, Kinder haben, will ein adni menschliches Leben leben," blitte es ihm durch den Kopf, als Die junge Frau ging indessen, augenscheinlich darüber sie mit schnellen Schritten in das Zimmer trat. erregt, daß man sogleich über ihre Kinder urteilen würde, Er stand auf und ging ihr einige Schritte entgegen. Sie mit schnellen Schritten Nechljudow vorauf in die inneren Zimmer. Im dritten, hohen Zimmer mit weißen Tapeten, das durch eine kleine Lampe mit dunkelm Lampenschirm er leuchtet war, standen nebeneinander zwei kleine Betten, und zwischen ihnen saß in weißer Pelerine eine Wärterin mit einem sibirischen, gutmütigen Geficht mit breitstehenden Backen Knochen. Die Wärterin stand auf und verneigte sich, die Mutter beugte sich über das erste Bett.
" Das ist Katja," sagte sie, die gestrickte Bettdecke über einem Langhaarigen, zweijährigen Mädchen in Ordnung bringend, das ruhig schlief und das Mündchen geöffnet hatte. Ist sie hübsch? Sie ist erst zwei Jahre alt."
Reizend!"
Und das ist Wasjut, wie sein Großvater ihn getauft hat. Ein ganz andrer Typus. Ein Sibirjat, nicht wahr?" " Ja, ein schöner Knabe," sagte Nechljudow, den kleinen, auf dem Bauch schlafenden Didwanst betrachtend.
Die Mutter stand daneben und lächelte vielsagend. Nechljudow dachte an die Ketten, die rasierten Köpfe, die Prügelei, die Verdorbenheit, den sterbenden Krylzow und Katjuscha. Und er empfand Neid und wünschte sich eben solch schönes und, wie ihm schien, reines Glück.
Nachdem er die Kinder mehrfach gelobt und dadurch die Mutter, wenn auch nur zum Teil zufriedengestellt hatte, trat er hinter ihr hinaus in das Gastzimmer, wo der Engländer schon auf ihn wartete, um zusammen mit ihm, wie sie verabredet, ins Gefängnis zu fahren. Nachdem er von den lieben Wirtsleuten, alten und jungen, Abschied genommen, trat Nechljudow mit dem Engländer auf die Treppe des Generalshauses hinaus.
hatte noch nichts gesagt, aber ihr erregtes Gesicht überraschte ihn. Ihr Gesicht glänzte von erregter Entschlossenheit. Er hatte sie niemals so gesehen. Sie wurde rot und blaẞ, ihre Finger drehten krampfhaft den Saum des Leibchens zusammen, und bald blickte sie ihn an, bald wendete sie den Blick ab. Wissen Sie schon?" fragte Nechljudow.
" Ja, man hat es mir gesagt; nur habe ich mich jetzt erst entschieden. Ich werde Wladimir Iwanowitsch bitten... sie sprach schnell, genau, als hätte sie alles das vorbereitet. was sie sagen würde.
,, Wieso, Wladimir Iwanowitsch..." wollte Nechljudow beginnen, aber sie unterbrach ihn.
Wenn er nichts weiter wollte, als daß ich mit ihm zusammenlebe..." sie hielt erschreckt inne und verbesserte sich: daß ich bei ihm bin. Kann mir etwas Besseres begegnen? Vielleicht bin ich ihm nützlich und andren auch... Was soll ich denn?"
Eins von beiden war der Fall: Entweder liebte sie Simonson und wünschte das Opfer gar nicht. durch das er sich jetzt so bedrückt fühlte; oder sie fuhr fort, ihn, Nechljudow, zu lieben und entsagte ihm zu seinem Wohl, verbrannte für immer die Schiffe hinter sich, indem sie ihr Schicksal mit dem Simonsons vereinigte. Nechljudow verstand das, und er schämte sich. Er fühlte, daß er rot wurde. Wenn Sie ihn lieben sagte er.
"
" Ich habe doch niemals solche Leute kennen gelernt; die kann man nicht lieben. Und Wladimir Iwanowitsch ist so ganz besonders."
Ja, versteht sich," begann Nechljudow. Er ist ein trefflicher Mensch, und ich denke
Sie unterbrach ihn, als fürchtete sie, er würde etwas zu viel sagen oder etwas, was sie überhaupt nicht aussprechen würde.
Das Wetter hatte sich geändert. Ausgiebiger Schnee fiel in Flocken und bedeckte schon den Weg und das Dach und die Bäume im Garten und die Anfahrt und das Verdeck der Renndroschke und den Rücken des Pferdes. Der ,, Nein, verzeihen Sie mir, wenn ich das nicht thue, was Engländer besaß seine eigne Equipage, und Nechljudow be- Sie wollen," sagte sie. Sie müssen auch leben." fahl dem Kutscher des Engländers, nach dem Gefängnis zu Sie sagte ihm dasselbe, was er sich soeben selbst gesagt fahren, setzte sich allein in seine Renndroschke und fuhr hinter ihm her.
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Das finstere Gefängnisgebände, mit der Schildwache und einer Laterne im Thorweg, machte trotz der reinen weißen Decke, die jetzt alles, die Anfahrt und das Dach und die Wände bedeckte, einen finsteren Eindruck.
Der imposante Inspektor trat in den Thorweg hinaus, und nachdem er bei der Laterne den Einlaßschein, der Nechljudow und dem Engländer gegeben war, gelesen, zuckte er verständnislos die mächtigen Schultern, forderte aber in Erfüllung der Vorschrift die Besucher auf, ihm zu folgen. Er führte sie erst auf den Hof und dann durch eine Thür rechts und eine Treppe hinauf in das Bureau. Nachdem er ihnen angeboten, Plaz zu nehmen, fragte er, womit er ihnen dienen könne, und als er Nechljudows Wunsch erfahren, jetzt die Maslowa zu sehen, fandte er einen Aufseher nach ihr und schickte sich an, auf die Fragen zu antworten, die der Engländer an ihn zu richten beabsichtigte, bevor sie in die Zellen gingen.
Für wie viel Menschen ist das Gefängnis gebaut?" fragte der Engländer durch Nechljudow. Wie viel Gefangene? Wie viel Männer, wie viel Frauen und Kinder? Wie viel Zwangsarbeiter, Verbannte, freiwillig Folgende? Wie viel Kranfe?"
"
hatte. Aber jetzt dachte er schon nicht mehr daran, sondern dachte und fühlte etwas ganz andres. Er schämte sich nicht nur, sondern ihm war auch weh.
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" st wirklich alles zwischen uns zu Ende?" sagte er. Ja, so ungefähr." sagte sie und lächelte sonderbar. Ich möchte Ihnen aber trotz alledem helfen."
"
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Wir" sie sagte wir" und blickte Nechljudow an sagte, wir". ,, brauchen nichts. Ich bin Ihnen auch schon so in allem verpflichtet. Wenn Sie nicht gewesen wären...", sie wollte etwas sagen, und ihre Stimme zitterte.
" Ich weiß nicht, wer dem andern mehr verpflichtet ist. unsre Rechnung begleicht Gott ", sagte Nechljudow. " Ja, ja, Gott ", flüsterte sie.
,, Are you ready?" fragte inzwischen der Engländer. ,, Directly," antwortete Nechljudow und fragte sie nach Krylzow.
Sie war aus ihrer Erregung zu sich gekommen und erzählte ruhig, was sie wußte: Krylzow war unterwegs sehr schwach geworden, und man hatte ihn sofort in Krankenhaus gebracht. Marja Pawlowna hatte gebeten, ihn pflegen zu Sürfen, aber noch war keine Antwort da.
Also soll ich gehen?" sagte sie, da sie bemerkte, daß der Engländer wartete.
„ Ich verabschiede mich nicht, ich sehe Sie noch," sagte Nechljudow, ihr die Hand reichend.
Nechljudom übersetzte die Worte des Engländers und des..Verzeihen Sie," sagte sie faum hörbar. Ihre Blicke Inspektors, ohne in ihren Sinn einzudringen, und war begegneten sich, und aus dem sonderbaren schiefen Blick und ganz unerwartet für sich selbst befangen wegen des bevor- dem jämmerlichen Lächeln, mit dem sie nicht., Leben Sie stehenden Zusammentreffens. Als er zwischen den Phrasen, wohl", sondern Verzeihen Sie" sagte, verstand Nechljudow, die er dem Engländer überseßte, sich nähernde Schritte hörte daß von den beiden Annahmen in betreff der Ursache ihrer und die Tür des Bureaus sich öffnete und, wie das häufig Entscheidung die zweite die richtige war sie liebte ihn und