Unterhaltungsblatt des Vorwärts

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naisa Die Fanfare. 13

Roman bon Friz Mauthner.

XIII.

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Wenn die Frau kein Geld hätte, müßte sie eine furcht­bare Gegnerin sein," dachte Mettmann ; dann empfahl er ſeinem Sohn, der eben von seinem Morgenspaziergang heimkehrte, die heutige Nummer des Blattes und ging ins Geschäft.

Dort war es ihm eine wilde Freude, die Leute zu Der erste Januar war für den alten Mettmann seit dem zählen, die sich herandrängten, um ihm Glück zu wünschen. Morgen so recht ein Tag nach seinem Herzen: Thätigkeit, Der Berg von Karten, den die Briefträger mit unterwürfigem Erfolge, Aufregungen und Anlässe genug, seine unklare Philo- Neujahrsdant auf seinem Schreibtisch gehäuft hatten, achtete sophie der Menschenverachtung zu kräftigen. Da war gleich er für nichts. Das war nicht mehr als ein Gruß auf beim Frühstück die erste Nummer des Blatts, die ganz der Straße, und er war es schon seit Monaten gewöhnt, nach dem Geschmack des Herrn Pinkus eingerichtet und ge- zuerst gegrüßt zu werden. Nur die Menschen, die persönlich schrieben war und den Ton für die kommende Zeit anschlagen bor ihn hintraten, persönlich den Körper beugten und sich für follte. Ja, Pintus schien wirklich berufen, überall da die das von ihm gespendete Geld bedankten, nur die schmeichelten Leitende Stelle einzunehmen, wo der Geschmack des Publikums feiner Eitelfeit. Es ärgerte ihn ernstlich, daß nicht wenigstens voraus erraten werden mußte. o gandola sid, do eine der Neujahrsfarten den Stempel Plößensee trug. Und

An der Spitze des Morgenblatts stand ein würdiger Leiter ließ den ganzen Berg von Gratulationen von einem jungen artikel aus Bodes Feder, dann folgten entseglich friegerische, Schreiber daraufhin durchsuchen, ob Doktor Bodes Karte nicht mit auffallender Schrift gedruckte Berichte aus Konstantinopel darunter fei. und Paris , im Börsenteil wieder wurde zur Festigung der Kurse Die andern famen vollzählig zur Gratulationscour. Die die Kriegsfurcht überlegen belächelt. In den fleinen Stadt- Angestellten der Aktiengesellschaft, der großen" Fanfare, welche neuigkeiten war unter Pinkus Einfluß ein blasierter Wit ein- die Industrie für ihren Meister ausbeuteten und davon geführt, der über einige Selbstmorde nnd Verbrechen überlegen ihre großen Einnahmen bezogen, fie drückten dem Herrn die Achseln zuckte, als über Dinge, welche die übersättigten Direktor die Hand und sprachen ihm ihre Bewunderung aus, Abonnenten des Morgenblatts nichts angingen. als einem leuchtenden Vorbild ihrer zukünftigen Laufbahn. Die Herren aus der Expedition, welche den Geschäftsgang tannten, wünschten dem Sieger Glück, dessen Bücher jegt nicht mehr mit schmählichem Bankrott drohten. Die Unter beamten der Druckerei, denen Herr Mettmann noch vor einem halben Jahr ihren Lohn nicht hatte pünktlich aus zahlen tönnen und denen nun eben erst wieder eine Ver kürzung angezeigt worden war, stammelten ihren Glückwunsch, und so finster auch ihre Gesichter dreinschauten, feiner von ihnen öffnete den Mund, um zu sagen:" Wir sind ehrliche Leute, Du bist ein Schwindler!"

Doch der Triumph der heutigen Nummer war das Feuilleton. Nicht weniger als fünf Kleine Notizen über das Privatleben der Bühnenfünftlerinnen hatte Herr Pintus auf­getrieben. Er hatte unter den Opfern vorsichtig solche Damen gewählt, die feinen Offizier zum besonderen Freund und Be­schüßer hatten. Er hatte kleine Standälchen gefunden, deren Veröffentlichung den Damen nicht einmal unlieb und un willkommen war. und that spund Mettmann fand die Notizen gnt, und er war entzückt von Bodes erstem Brief aus Italien "; vor allem aber von der kleinen Festplauderei, die Frau Leontine und Herr Pinkus mit dem Wikredacteur des Blattes zusammen­gestoppelt hatten.

ug In Bodes Brief witterte der Verleger den lang­geträumten, günstigen Erfolg. Schon daß er den Inhalt nicht recht verstand, steigerte seine Meinung."

Und die Herren aus der Redaktion Tamen Mann für Mann; ein jeder von ihnen hatte schon auf Mettmanns Wucherfinn geflucht, über seine ahnungslose Unwissenheit ge lacht; aber einer nach dem andern wünschte Glück zu seinen Erfolgen. Und es tamen die Reporter und die freien Mit­arbeiter, welche die anständigen Besizer und durchgebildeten Aber was waren diese Herren gegen eine geschickte Mit- Leiter der älteren Blätter fannten, welche ironisch die Streiche arbeiterin! Der giftige Saz der Frau Leontine war in eine Mettmanns zur Fabel des litterarischen Berlins machten, und Tändelei von vollendeter Harmlosigkeit eingebettet. Milde fie frümmten ihren Rücken und fühlten sich sicherer, wenn und ruhig war zuerst dem hungernden Volt zu Gemüt ge- Herr Mettmann ihre Hand wieder drückte.

führt, daß das größte sociale Elend nicht bei ihn, sondern bei Mitten unter ihnen erschien der alte N, der berühmteste den armen Mädchen von Adel zu finden sei. Mit beliebten unter den lebenden Dichtern Deutschlands , ein Mann von der naturalistischen Wendungen wurde erzählt, wie entwürdigenden zartesten Feinfühligkeit. Er wünschte Glück. Mettmann dankte und ungenügenden Erwerb diese wohlerzogenen Mädchen mit seinem breiten Lachen und sagte nur: suchen müßten, sei es, um das glänzende Elend ihres Hauses

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Sie nehmen also an? Ich zahle ihm eine Mark und weiter zu fristen, sei es einfach, um ihren Hunger zu stillen fünfzig Pfennig für die Zeile, meine Herren. Was würden und ihre Blößen bedecken zu können. In den Nacht- Sie da Zeilen schinden! Nehmen Sie sich ein Beispiel an cafés der Friedrichstraße könne man recht viele junge und ihm, er hat's fast so weit gebracht als ich! Andre Zeitungen sogar hübsche Trägerinnen adliger Namen rufen hören. hätten ihm freilich nicht je biel zahlen müssen." Und mitten in dieser Gesellschaft war von den hübschen Pintus wagte einen Wig. ta Malermodellen die Rede. Seine Muse ist eine State im Sad," jagte er mit einer ,, Dieser Beruf macht seine Priesterinnen leider gefell- Doppelberbeugung. schaftlich unmöglich, wenn auch im Princip gegen die Tugend Der Dichter ging erst nach einigen Minuten fort, uach eines Modells nichts einzuwenden ist. Nur die Not diefer dem er das Geschäft mit dem Feuilleton der Fanfare" ge Aermsten der Armen kann es erklären, daß wir zum Beispiel sichert wußte.

am Eröffnungstage der Winter- Ausstellung das hübsche

Den hätten wir nun auch," sagte Mettmann und Fräulein von H. in der einfachsten Toilette ihres Schlaf- richtete sich hoch auf; feine Phantasie riß ihn fort. Sein zimmers bewundern konnten. Ein glücklicher Zufall hat es Sohn war nicht da, er sah nur Leute, die er bezahlte; er dem Modell erspart, täglich aufs neue erröten zu müssen, mußte eine Neujahrsrede halten. Er forderte die Herren auf, denn ein reicher Verehrer, Herr von H., hat das berühmte ihn zu unterstützen, weil er mit seinem Blatte einmal alle y vis Bild entführt und wahrscheinlich in seinem eignen Schlaf- Stonturrenten überflügeln wollte.hid zimmer aufgehängt. Er hat wohl zu diesem Gebrauch eines An mir foll es nicht fehlen; ich will durch meinen Sohn feltenen Stunstwerts ein gutes Recht, denn Fama erzählt, daß die teuersten Maschinen aus England tommen lassen, und das arme Modell seine Braut geworden ist. Nicht alle armen beffere Kohlen sollen Sie auch haben. Man verlangt besseres Mädchen vom Adel enden so gut." Papier , Sie sollen es haben; man verlangt bessere Lettern,

Dann ging es noch ein Weilchen weiter über Kunst- ich will sie kaufen; aber dann müssen Sie auch besser schreiben, stickerinnen und Theaterfigurantinnen, über allen Erwerb junger meine Herren; glauben Sie mir, das Publikum verlangt es. Mädchen, welche von Herren, von wirklichen Brotherren, ab- Es soll am Gelde nicht fehlen; lassen Sie schreiben, von wem hängig sind. Nur ein geübtes Auge fonnte erkennen, daß Sie wollen, von Professoren und von Generalen, bon die ganze Plauderei um der wenigen Zeilen willen dastand, Lebendigen und Toten, nur machen Sie mir ein gutes Blatt. die Fräulein v. H. betrafen. Ich will so viel Abonnenten haben, daß ich mehr verdrucke