Unterhaltungsblatt des Vorwärts
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Die Fanfare.
Sonntag, den 9. September.
( Nachdruck verboten.)
Roman von Frik Mauthner. Und als Richard unbeweglich vor ihr stehen blieb und sie wie in seinen Erinnerungen verloren anftarrte, fügte sie mit unhörbarem Spott, den sie mit Aufbietung aller Straft zu einem demütigen Lächeln herunterzwang, noch ein Scherzwort hinzu: Du bist doch kein Frauenverführer, der sein Spiel mit
mir treiben will?"
Erschreckt füßte Richard ihre Hand und zog sie dann leise neben sich auf das Sofa nieder; ihm war beklommen zu Mute. Natürlich hatte er mit seinen Umarmungen Leontine zum Weibe begehrt, er war ihr Verlobter. Kaum ein Schatten jenes Ent setens, mit dem er vor einer Stunde erst aus ihrem Schoß aufgefahren war, umschleierte jetzt seine Augen; er hatte sich et ja mir die Vergangenheit vom Herzen gesprochen und Leontine war seine Zukunft.nd the set 804
nicht habhaft werden wollte.
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ihrem Erwachen aus einem zufriedenen Schlummer an Mett mann geschrieben, die Heimlichkeiten des Sohnes entschuldigt und um einen Glückwunsch des Vaters gebeten. Gottlieb Mettmann beeilte sich denn auch, seinen Segen persönlich zu überbringen und mit der schönen Witwe aus diesem Anlaß nötig machten. Frau Leontine befann sich gar nicht lange, über Dinge zu reden, die sehr viele und sehr große Ziffern sich mit einer beträchtlichen Summe an den Mettmannschen Geschäften zu beteiligen. wenn sie Richard dabei ganz außer Augen ließ. Das war eine vortreffliche Anlage ihres Geldes, selbst
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Neckereien zur offenen Aussprache zu bewegen, aber Richard Mittags versuchte Mettmann seinen Sohn durch kleine lehnte jedes Gespräch über seine Herzensangelegenheiten ab; bürdete sich, als ob er Versäunites nachholen wollte, in der Fabrik möglichst viel Arbeit auf, dachte in den Augenblicken der Selbstbesinnung mit einiger Scheu an sein Verhältnis zu Leontine befand sich aber im übrigen allabendlich in ihrer Gesellschaft recht wohl; die stürmischen Auftritte wiederholten sich zwar nicht, aber um so be Ganz wie sie es gern hatte, plauderte er mit ihr nun haglicher fpürte er ihr enges Seidenkleid fein Gewand recht vernünftig über äußerliche Dinge: über das Benehmen streifen und ihre weichen Finger die seinen berühren. während des übrigen Trauerjahrs, über die Möglichkeiten Sie waren immer nur kurze Zeit allein; wenn Richard des Erfolgs von Fata Morgana, über seine Aussichten als tam, saß jedesmal Graf Trienik noch da und bevor der Thee Maschinenbauer und darüber, ob Graf und Gräfin Trienik gebracht wurde, erschien immer schon Vater Mettmann , wie zur Hochzeit geladen werden sollten. Richard antwortete auf ihn die Hausfrau jest nannte. Zwischen ihr und Richards alles, wie es sich für einen Bräutigam schickte; er war nicht Vater hatte sich rasch der verwandtschaftliche Ton Herausvöllig bei der Sache, in seinem Kopf flackerten wie Sternschnuppen in finsterer Nacht flüchtige Gedanken auf, deren er gebildet, doch die zukünftigen Eheleute gingen nicht aus ihrer Zurückhaltung heraus, und beim Abschiednehmen mußte Vater Mit solchen Küssen verlobte man sich mit einem von Richard ihren Stuß erhielt. Wenn dieser dann dem Mettmann jedesmal eilig vorausgehen, damit Frau Leontine Mädchen nicht; das waren gelehrte Küsse gewesen, Witwen- jungen Mann einleuchtete uitd er durch die Berührung erst Küsse. Die schöne Leontine hat viel erlebt, er wird ihr seiner Leidenschaft für die Braut inne wurde, dann war es dritter Mann sein. Nein, da ist nichts zu schaudern! Jeder zu Mann wird ihn beneiden, wie man die beiden ersten beneidet 3 spät, und Leontine schickte ihn lachend fort, seinem braven Vater nach. hat. Wer mag sie so füssen gelehrt haben? Der Kommerzien So verging etwa eine Woche oder vierzehn Tage, ohne rat Pitersen schwerlich! Wer war doch ihr erster Mann ge daß Gottlieb Mettmann der Vertraute seines Sohns geworden wesen? Lebte sie nicht von ihm geschieden? Warum hatte wäre; er war es auch so zufrieden. er vorher nie danach gefragt? Aber hat er den jemals der wäre; er war es auch fo zufrieden. dritte Mann der Frau Leontine werden wollen? Gewiß Bu hunderten tamen seit dem 1. Januar täglich die nicht! Niemals! Wie war's doch? Seine Nuhe wollte er nenen Bestellungen, und auf der Straße wurde die„ Fanfare" bei ihr finden. um der italienischen Briefe willen in Menge verkauft. Und ihre Vergangenheit kannte ja sein Vater, der glücklich, sein wird, wenn er alles hört. Wein großen Plänen; bis zum Herbste sollte die Redaktion nach Mettmanns Freude äußerte sich vor allem in neuen nur die Küsse nicht gewesen wären. Wer war da der den Ansichten Richards geändert werden, ein bedentend Wer war da der Lehrer? Smmer zerstreuter gab Richard seine Antworten. Als vergrößertes Format mußte Gelegenheit geben, mit den verLeontine fragte, wohin die Hochzeitsreise gehen sollte, ant- und eine wohlgeplante Uebersicht über die größeren Berliner antschiedenen Inferatenpreisen ruchweise in die Höhe zu gehen, Geschäftshäuser, die als nachträgliche Kritik des Weihnachtsmarkts jetzt die schlechten Inserenten vornahm, sollte die glauben lehren; doch lange vorher, schon binnen acht Lagen Handelswelt der Stadt an Mettmann und die Fanfare" fonnte er fein Wort einlösen und feinen Leuten das Fest der sehnten Inferatenfeite geben.
wortete er sogar:
Kannst Du denn Schlittschuh laufen?" Leontine wurde nicht ungeduldig, aber auch sie dachte an andres: an ihre Rache. Und plöglich unterbrach sie ihr bräut liches Geplander und sagte scharf:
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Du hast mir vorhin von einem häßlichen Bettelbrief er zählt, den Du erhalten hast; das Elend der jungen Dame hat mich tief ergriffen; ich fann nicht ganz glücklich sein, wenn ich wenn man alt dem nächsten Sonntage alle Aufträge zahlungs. Er beratschlagte über diese Frage mit Herrn Pinkus. dort nicht ein wenig helfen darf. Erlaubst Du es mir?" unfähiger Kunden annahm, wenn man ferner diejenigen Da wurde Richard ganz munter. Wie gut Leontine war! Das war das Richtige. Eine Inferate, welche nach freiem Ermessen wiederholt werden weibliche Hand mußte die Unterſtügung bringen, wo die Verfekte, so ließ sich plötzlich die zehnte Inseratenseite erreichen; fonnten, großmütig in die wertvollere#Sonntagsnummer hältnisse ihm jeden Freundschaftsdienst untersagten. Johanna der Schaden, welchen sich das Blatt durch eine solche Selbst. durfte nicht durch die äußerste Not gezwungen werden, die täuschung zufügte, und die bedeutenden Kosten des Festes Hand Haffners anzunehmen. " Ich danke Dir," flüsterte Richard.„ Mich hat dieser Waren nicht zu rechnen gegenüber der Reklame, welche das Brief so erschreckt, daß ich darüber fogar vergessen habe, unter Fest selbst der Fanfare" machen mußte. den andern armen Leuten, die sich anboten, einen Kopiſten zu Vorwande zu Liebe gegeben werden, am besten aus einem Allerdings mußte das Fest einem allgemein verständlichen .Ueberlasse mir auch das! Sende mir morgen die welthistorischen Anlasse; nur die Aktionäre der großen ganze Partitur. Ich will meine Lieblingsnummern aus Fanfare und die mächtigsten Inserenten selbst sollten wissen, Deinem Originalwvert spielen und selbst die Abschrift besorgen daß es eigentlich ihnen galt. Der fleine Herr Pintus stand bewundernd vor Mett
wählen."
lassen. Du sollst teine Mühe davon haben!"
"
Bei Dir ist die Ruhe!"
XIV.
mann.
,, Gott , Sie haben ein großes Herz! Tausende laffen Sie springen, wenn Sie wissen, daß sie wieder zurückspringen! Richard konnte sich am nächsten Morgen nicht entschließen, Entschuldigen, verzeihen Sie, Herr Mettmann , ich möchte feinem Vater eine Mitteilung über das Ereignis zu machen; Ihnen eine Eloge machen, welche Sie nicht sollten für was er suchte nach einem Worte, das seine Gefühle ausgedrückt Umgekehrtes halten. Ich weiß; Sie sind stolz darauf, daß hätte, und er fand keines. Aber Leontine hatte gleich nach Sie nicht von unfren Lenten find, aber wenn Sie auch von