Anterhaltungsblatt des Vorwärts
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Donnerstag, den 21. Februar. gold allo
Orb Gmi chi stomaat rod
1901
round setzte sich darum auf Besuch" an jenen Tisch. Bald war
( Nachdruck verboten.) fie mit Agathe im Gespräch.
Der Kaffl vom Hollerbräut.
" Ja, mein Mann war auch leßthin in Wien . Dort figt er. nein, der mit dem schwarzen Bart. Die andern
Roman von N. von Seydlik. zwei Herren kennen Sie doch, nicht? Herr Ferstel vom Lehelbräu; und der mit dem Schnurrbart ist unser Bräumeister
"
Jin heiteren Getöse des hellen Ratskellers, im Gespräch und im sanft umnebelnden Weindunst kam's dem Kastl vor, als habe er jegt plößlich den allerschnellsten Weg zur Macht erst gefunden, als fönne er nun mit Windeseile zu seinem Ziele gelangen. Viel, biel Geld brauchte er. Aber hier war ja das Agathe hinauf, Aber hier war ja das rechte Mittel. Und gar wenn er di Vivi-
Aber das war vielleicht gar nicht nötig. Kennen Sie die?" hörte er jetzt Roßbergers fagen; war lange in Würzburg , zulegt in Wien . Weib. Der Mann ist ein Trottel." sin Wie heißt er, Haas, nicht?"
Freund Fesches
" Hab'n ja vorhin draußen mit Frau Haas bekannt gemacht, den Hegebart", warf jetzt der Tischnachbar ein. Ach so", meinte Frau Roßberger; dann schielte sie zu Agathe hinauf, denn diese war um einen Stopf größer als fie, selbst im Sißen, und sah zu ihrer größten Bewunderung, daß Agathe einen unmäßig langen Blick hinübersandte. Kastl sah vor sich auf den Tisch. Aber ob er den Blick gefühlt hatte oder ob er ihn erwartete jekt sah er auf; und da geschah's denn, daß sie sich beide über die Tische hindweg, zwischen den Köpfen der Gäste hindurch ansahen, wie Staftl sah gespannt auf die beiden und bemerkte, daß etwa der Fliegende Holländer und Senta. fie schräg hinüber in den Winkel schauten. Er folgte den Nun wußte Frau Roßberger noch bedeutend mehr als Blicken: da gewahrte er Agathe! Sie saß mit ihren Be- vorher. Aber noch lange nicht genug. Und um alles zu er fannten in lebhafter Unterhaltung hinter einer gemeinsamen fahren. lud sie die ganze Gesellschaft zu sich ein. Dann trabte Flasche Regie. fie zufrieden wieder an ihren Tisch.
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Thut mir beinahe leid um die Frau" sagte der andre weiter; Roßberger unterbrach lachend: chilga Na, na, sein so gut!"
Was wollen Sie denn? Die Frau ist besser als Ihr Ruf; meinetwegen. Aber den Ruf
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hat sie zum Er
Auch war es ihr zu verdanken, daß sie zum Aufbruch drängte, als drüben der Tisch Agathes in Bewegung geriet, so daß beide Gruppen sich am Ausgange trafen und die Stufen gemeinsam hinaufstiegen, wobei ein allseitiges Vorstellen und Begrüßen unbehilflich genug im Gedränge vor simit sid( 15) sich ging.
Draußen angekommen, entwickelte Frau Roßberger abermals ihre Talente. Voraus mußte das Brautpaar marschieren, die Sie fennen s' am End' auch, Herr Hegebart? Muß der Forstassistent und die Seinige. Und dann die übrigen, schon sag'n hat viele Bekannte, die Dame," neckte Roß- paarweise, daß wir net a so wie die Wilden durcheinander berger.
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Aber Staftl blieb erust. Er fragte und bohrte mit Eifer; was sie von ihr wüßten, von ihr und von ihm.
laufen;" die Ordnerin des Zuges erreichte es auch, daß Frau Haas und Hegebart übrig blieben, sie wies sie nicht mit Worten auf einander an, aber es blieb beiden nichts audres übrig als nebeneinandergehend den Zug zu beschließen.n Kastl war darüber sehr betreten. Agathe schwieg und schaffte an ihren Handschuhen.
' s Agathl und Handschuhe! Wie sich Zeiten und Menschen ändern!
Ueber Herrn v. Haas" erfuhr Kastl bei der Gelegenheit weniger Günstiges als über sie. Er war öfters geschäftlich zu Grunde gegangen, die Frau erhielt ihn, war aber nicht viel mit ihm zusammen. Gegenwärtig hatte er in Wien ein Café; er steckte voll Pläne und kam zu nichts Rechtem, war dabei ein Durchgänger und spielte gern den feinen Herrn. Sie Eine geraume Weile gingen sie stumm nebeneinander lebte bald hier, bald da, hatte immer reichlich zu leben und her; jedes schaute zu Boden, oder über die andern hin, Konservierte sich gut. Wie sie's anfing, wußte niemand. Ge- die vorausschritten. Frau Roßberger horchte mit aller Anmunkelt wurde viel. Schon in Würzburg hatte man gestrengung nach rückwärts, aber sie hörte nichts. duet munkelt. Aber ernstlicher Verdacht gegen sie tam nicht auf, Stafti ärgerte sich geradezu, daß er nicht wußte, wie angeschweige positive Beweise. fangen. Aber was sollte er auch ihr sagen? Sollte er den Währenddem sah Staftl scharf hinüber. Er las in ihren Erzürnten spielen jest nach so vielen Jahren, wo fo lange nicht mehr gesehenen Zügen. Sie war ründer, voller sie die Frau cines andren war? Und welches andren noch geworden; das Haar hatte manierlichere Form angenommen und war hübsch frisiert,-hing nicht mehr à la Türtengraben um und in die Augen.
Rabenschwarz war's, und die Augen auch. Aber die frischen roten Wangen? Schneebleich, ohne eine Spur, von Farbe, so weiß, daß sie nicht gemalt sein fonnten: so malt fich kein Weib; das mußte Natur sein. Die geisterhafte Blässe hatte etwas unheimliches: schiveres Leid oder schweres Leiden? Was mochte es sein?
Kastl hörte nicht, was sie sprach einmal nur glaubte er ihr sonores Lachen zu hören. Sie sprach lebhaft; und wie sie sprach, den Stopf bewegte, die Hand ausstreckte, den Arm bog, sich anlehnte- ja, darin erkannte er sie wieder! Das war freilich das ganze Agathl! Das war der Liebreiz, das war der alte, bestrickende, nie vergessen gewesene, nie der Schmerzt gewesene Zauber! Wie er lang und länger hinsah, begann sich in ihm etivas Sonderbares zu rühren: er, der trockene, strenge, thätige Mann fühlte seine Bruft sich dehnen: er atmete tief ein und wieder aus g
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Der Herr Bräumeister geruhen, glaub ich, gar zu feufzen!" bemerkte da Frau Noßberger, die bisher sehr still dagesessen hatte.
Ob das jetzt die Frau Haas' than hat?" fragte Roß berger.
dazu!
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So befangen war er, das fühlte er, wie damals am als sie fingen follte. sadnj ersten Abend, im Hof als sie fingen sollte. Singen!- Das packte ihn wieder wie ein spannendes Schmerzgefühl. Ihre Stimme!- Ihre schöne, liebe Stimme!
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Da brach das Eis. Er drehte sich fassungslos zu ihr um und sagte mit unruhiger Stimme, halblaut, wie verlegen: Singen Sie noch... noch manchmal... Frau aber den Namen brachte er nicht heraus. Sie sah flüchtig zu ihm auf und sagte dann ruhig. mit ihrem tiefen Ton:
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Lang nimmer." Singen?! O nein.Er sog gierig auf, was sie sagte, aber er arbeitete eine Weile daran. Was sie wohl meinte, warum sie nicht fang und so fort.
Dabei waren sie wieder ein großes Stück fortgegangen. In der Straße vor ihnen lag das Hotel, wo Agathe wohnte, den Namen hatte er vorher eben nennen gehört. Also war kaum mehr viel Zeit, wenn er noch etwas sagen wollte.
Er druckste noch ein paar Schritt, dann sagte er:„ Auch nicht, wenn Sie allein find?"
Sie sah wieder zu ihm auf, diesmal etwas länger; dann schüttelte sie den Kopf und ging wieder gesenften Blicks
weiter.