Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 124.

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ids Freitag, den 28. Juni.

Arbeit.

( Nachdruck verboten.)

Roman in drei Büchern von Emile Zola . Aus dem Französischen übersetzt von Leopold Rosenzweig.

1901

ihm die bewunderte, die angebetete Frau, das Idol, dem gegenüber sein Verstand und seine Manneswürde wider­spruchslos verstummten, an die kein Schatten eines Verdachts it sit su sich heranwagte.

Es folgte ein Stillschweigen. Delaveau legte sich seiner­seits zu Bette, ohne vorerst noch die kleine elektrische Lampe Fernande erhob den Kopf ein wenig, ihre Augen wurden auf dem Nachtkästchen zu verlöschen. Eine kurze Weile lag wieder hell. und older unbeweglich, mit offenen Augen. Dicht neben sich fühlte Wieso unsinnig? Warum willst Du ihm die zehntausend er die Wärme und den Duft des schönen Körpers seiner Frau, Frank nicht geben?" third molens

Sie selbst hatte Boisgelin dazu veranlaßt, diese zehn­tausend Frank zu verlangen, um dafür ein elektrisches Automobil zu kaufen; sie hatte plötzlich die Laune bekommen, und die Laune war, wie gewöhnlich, zum glühenden Wunsch geworden, in einem solchen Fahrzeug zu sißen und in toller Schnelligkeit hinzusausen. Ausdr

"

sah er die seidenweiche Haut der Arme und der Brust aus deit Spigen hervorschimmern. Fernande war schon den Ein­schlummern nahe, ihre Augen waren geschlossen, und ihr vor Ermüdung blasses Gesicht ruhte, verführerischer als je, inmitten der dunkeln Flut ihrer Haare.bi Ihr Gatte wandte sich gegen sie und drückte einen Sup Dois auf eine eigensinnige Locke hinter ihrem Ohr. Da sie sich jedoc nicht rührte, glaubte er, daß sie schmolle, und wollte sie ver föhnen, wollte ihr beweisen, daß er die Schwachheiten des Lurusbedürfnisses begreife.

,, Warum?" rief Delaveau, sich vergessend. Weil dieser Dummkopf schließlich mit seiner unaufhörlichen Verschwendung die Fabrit ruinieren wird. Wir weisen um, wenn es in dieser Weise weitergeht. Giebt es denn etivas Sinnloseres als diese ewigen Vergnügungen, diese alberne Eitelkeit, sich von aller Welt ausbeuten zu lassen?"

Mit einem Ruck hatte sie sich aufgesetzt, ihr Gesicht war blaß geworden; und er fuhr mit der täppischen Ahnungslosig­keit des blinden Gatten fort:

Es giebt nur einen vernünftigen Menschen auf der Guerdache, die arme Suzanne, die einzige, die sich nicht unter hält. Sie dauert einen tief, wenn man sie immer so traurig sicht, und als ich sie heute bat, auf ihren Mann einzuwirken, erwiederte sie mir, indem sie die Thränen zurückdrängte, daß sie sich in diese Sachen nicht. mengen wolle."

Dieser ungeschickte Appell an die rechtmäßige Frau, an die Geopferte, die so hoch und vornehm in ihrem Verzicht war, brachte Fernande vollends außer sich. Aber vor alles andre drängte sich der Gedanke, daß die Fabrik, die Quelle ihrer Genüsse, in Gefahr sein könnte.

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Wir werfen um warum sagst Du das? Ich dachte, die Geschäfte gingen sehr gut?"

Es flang ein solcher Lon leidenschaftlicher Angst in ihrer Frage, daß Delaveau zur Besinnung fam, und davor zurück­schreckend, daß sie die Befürchtungen übertreiben könnte, die er sich selbst nicht gestehen mochte, verschloß er die Wahrheit wieder in sich, die er in seinem Zorn zum Teil enthüllt hatte. Die Geschäfte gehen sehr gut, das ist richtig. Aber sie gingen noch besser, wenn Boisgelin nicht die Staffe leeren würde, um seiner hirnverbrannten Verschwendungssucht frönen zu können. Ich sage Dir, er hat nicht für zwei Sous Verstand in seinem hohlen Geckenkopfe."

Mein Gott, ja, er soll meinetivegen die zehntausend Frank noch haben, wenn er solches Verlangen nach einem Automobil hat. Was ich dagegen sagte, war nur aus Vor­sicht. Die Jagd war sehr schön heute."

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Sie antwortete noch immer nicht. Aus ihren leicht ge­öffneten roten Lippen, zwischen denen die weißen, festen Zähne hervorschimmerten, kam der warme und rhythmische Hauch ihres Atems, während ihre weiße Bruft sich schwach hob und senkte. Sie Tag mit gelösten Gliederit, die Decke halb zurückgeschoben, als schliefe sie den Rausch der Genüsse des Lages aus.

" Fernande, Fernande!" rief Delaveau leife, indem er sie abermals mit einem leichten Kuß berührte.

Dann, als er sah, daß sie wirklich schlief, ließ er mit eineni schwachen Seufzer ab.

"

Gute Nacht, Fernande!"

Nachdem er die Lampe abgedreht hatte, legte er sich wieder nieder. Aber er fonnte feinen Schlaf finden, seine Augen blickten weit geöffnet in die Dunkelheit des Zimmers. In fieberhafter Unruhe neben dem warmen und duftenden Frauen­törper an seiner Seite liegend, geriet er mit seinen Gedanken wiede auf die Befürchtungen, auf die schweren Besorgnisse, die ihm die Lage der Fabrik einflößte. Und in diesem peinlichen Zustand der Schlaflosigkeit vergrößerten sich die Schwierig­feiten vor seinem Geiste, sah er die Gefahr einer düftern Bukunft so nahe, so greifbar wie noch nie. Klar stand ihm die Ursache des Ruins vor Augen, diese wahnsinnige Genuß­sucht, diese krankhafte Eile, das kauni gewonnene Geld it verschleudern. Irgendwo klaffte ein Abgrund, in den der Reic Vollständig beruhigt legte sich Fernande mit einer ge- tum unablässig sich ergoß, fraß ein entsegliches Geschwür, da schmeidigen Bewegung ihres schlanken Körpers wieder ins alle Gesundheit, alle Sträfte verzehrte. Er, der gewoon. Bett zurück. Ihr Mann war nichts als ein plumper, brutaler war, aufrichtig gegen sich selbst zu sein, prüfte fein Ge und geiziger Mensch, der nur darauf bedacht war, so wenig wissen und konnte keinen Vorwurf gegen sich entdecken. Geld als möglich aus der gefüllten Kasse der Fabrik hergeben Zeitig morgens auf seinem Posten, verließ er am Abend als zu müssen. Und der derbe Spott, die verächtlichen Worte, letzter die Werkstätten, überwachte und leitete alles, führee mit denen er Boisgelin belegte, waren ihr ebenso viele persön- die große Schar seiner Untergebenen, so wie er ein Regimen: liche Angriffe auf sie selbst, die sie tief verlegten. geführt hätte, dabei bemüht, gerecht in seiner Strenge zu ,, Mein Lieber," sagte sie falt, es ist nicht jeder dazu sein. Alle seine ungewöhnlichen Fähigkeiten waren in stece:, geschaffen, alle seine Tage in abstumpfender Lasttierarbeit Thätigkeit, er arbeitete mit außerordentlicher Klarheit uno zu verbringen, und die, die das Geld haben, thun recht Zweckmäßigkeit, mit der ehrlichen Hingabe eines Kämpfers, daran, es nach ihrem Gefallen anzuwenden und sich die Ser fiegen will um jeden Preis, oder untergehen. Und e höheren Genüsse des Lebens dafür zu verschaffen." ' itt entsetzlich darunter, daß er sehen mußte, wie sein Wert Delaveau wollte heftig erwidern; aber er bezwang sich trotz seines Heldentums dem Untergang zuglitt, dessen, plöglich. Wozu sollte er sich bemühen, seine Frau zu seiner folge einer langjamen Zerstörung Ansicht zu befehren? Er behandelte sie als verzogenes Kind, er schuf, infolge einer unablässigen Unterwühlung, von ließ ihr in allen Dingen ihren Willen, ohne sich bei ihr je der er nicht wußte, woher sie ausging, und der alle über die Fehler zu erzürnen, die er bei andern so scharf seine Energie nicht steuern fonnte. Die unaufhörlichen Geld. tadelte. Er bemerkte gar nicht, welch sinnloses Leben sie ansprüche Boisgelins, das, was er seine sinnlose Lebens­führte, denn in Bezug auf sie war er selbst sinnlos, sie führung nannte, seine gierige Genußsucht, waren zweifellos war das glänzende Geschmeide, nach welchent er heiß das Krebsgeschwür, das die Werke verzehrte. Aber wer ver verlangt hatte, und das er nun überglücklich war blendete ihn so, woher entstand der Wahuwig dieses Menschen, in seinen plumpen Arbeiterhänden halten zu können. für den ihm, demi vernünftigen, nüchternen, festgefügten Er liebte sie immter mit neuer Leidenschaft, wenn er nach Arbeiter, der Trägheit und Genußsucht verachtete, jeder Be hartem Tagewerk aus den schwarzen Werkstätten, dem griff fehlte?

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alles

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dröhnenden Lärm, der rauchigen Luft der Fabrik in ihr Und Delaveau ahnte nicht, daß die Vergifterin, die Zer­Schlafzimmer fam, und sie in ihrer herrlichen Schönheit, einen störerin dicht an seiner Seite lebte, daß es seine geliebte -berauschenden Duft ausströmend, im Bette fand. Sie blieb Fernande war, die schöne, schlaufe und geschmeidige Frau,