Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Str. 2.
21
Freitag, den 3. Januar.
( Nachdrud verboten.)
Foma Gordjejew.
Roman von Magim Gorki. Deutsch von Klara Brauner.
In den neun Jahren seiner Ehe gebar ihm seine Frau vier Töchter, doch sie starben alle. gnat erwartete mit HerzKlopfen ihre Geburt und betrauerte ihren Tod nur wenig - er brauchte sie so wie so nicht. Seine Frau schlug er schon im zweiten Jahre nach der Hochzeit, zuerst schlug er sie in betrunkenem Zustande und ohne Zorn, einfach nach dem Sprichwort liebe deine Frau wie deine Seele, und schüttle sie wie einen Birnbaum", aber nach jeder Geburt, die ihn um seine Hoffnungen befrog, flammte in ihm Haß gegen seine Frau auf, und er schlug sie jetzt mit Vergnügen, indem er sich an ihr dafür rächte, daß sie ihm keinen Sohn gebar.
Eines Tages, als er sich geschäftlich im Samarer Gouvernement befand, erhielt er von zu Hause von den Verwandten ein Telegramm, das ihn vom Tode seiner Frau benachrichtigte. Er bekreuzte sich, sann eine Weile nach und schrieb seinem Gevatter Majakin:
,, Beerdigt sie ohne mich, gieb' acht aufs Geld... Dann ging er in die Kirche und hielt dort eine Seelenmesse; als er für den Frieden der verstorbenen Akulina gebetet hatte, begann er daran zu denken, daß er möglichst bald wieder heiraten müsse.
Damals war er dreiundvierzig Jahre alt; er war groß und breitschultrig und hatte einen tiefen Baß wie ein Protodiakon; seine großen Augen blickten dreist und klug unter den dunklen Brauen hervor; in seinem gebräunten Gesicht, das von einem dichten schwarzen Bart umrahmt war, und in seiner ganzen mächtigen Gestalt war viel rein russische, gesunde, ordinäre Schönheit; in seinen gemessenen Bewegungen und dem stolzen, behäbigen Gang lag ein Gefühl von Straft und von großem Selbstbewußtsein. Er gefiel den Frauen und mied sie nicht.
1902
wie zu Hause; wenn Gäste zu ihr kamen, bewirtete sie sie eifrig, ohne das grringste Interesse daran zu äußern, wovon sie sprachen, und ohne einen von ihnen den andren vorzuziehen. Nur der fluge und wißige Gevatter Majakin rief manchmal auf ihrem Gesicht ein Lächeln hervor, das blaß wie ein Schatten war. Er sagte von ihr:
Das ist ein Baum und kein Frauenzimmer. Doch das Leben ist wie ein nie verlöschendes Feuer, wir alle flammen darin auf, auch diese Molokanin wird Feuer fangen, wart' nur, laß ihr Zeit. Dann werden wir sehen, was für Blumen auf ihr blühen werden..
" He, Du Heidin!" sagte Ignat scherzend zu seiner Frau. Worüber finnst Du? Sehnst Du Dich nach Deinem Kosakendorf? Lebe lustiger!"
" 1
Sie schwieg und blickte ihn ruhig an.
"
Du gehst gar oft in die Kirche. warte doch damit! Du wirst noch Zeit haben, Dich von den Sünden loszubeten. Du mußt ja zuerst fündigen. Du weißt: wenn man nicht sündigt, hält man nicht Buße, und wenn man nicht Buße hält, rettet man sein Seelenheil nicht. Sündige also, solang Du jung bist. Wollen wir spazieren fahren?"
Ich hab' keine Luft dazu."
Er setzte sich zu ihr, umarmte fie, die kalt blieb und mit der Erwiderung seiner Liebkosungen geizte, fah ihr in die Augen und sprach:
,, Natalja! Sag, warum bist Du so wenig froh? Langweilst Du Dich mit mir?"
Nein," erwiderte sie furg.hiroj
" Also was iſt's?- Willst Du nach Hause zurük?” Nein... das ist nur so..."
"
Woran denkst Du?" jusid all del mod. pl
" Ich denke an nichts...
Also was ist's?"
So..
dit is in, thi
fjad in no Grimgug mod i hist 12 And Einmal gelang es ihm, eine wortreichere Antwort von ihr erlangen:
Thom
zu Raum war ein halbes Jahr seit dem Todestage seiner Bei mir im Herzen... ist etwas Banges. Auch in Frau vergangen, als er schon um die Tochter eines ihm ge- den Augen.... Und es scheint mir immer, daß das alles schäftlich bekannten molokanischen Kosaken im Ural anhielt. nicht das richtige ist." Der Vater des Mädchens gab ihm seine Tochter, ungeachtet Sie zeigte mit der Hand auf die Wände, die Möbel, auf dessen, daß Ignat auch im Ural als ein toller" Mensch alles um sich. Ignat dachte über ihre Worte nicht nach und berüchtigt war, und im Herbst kehrte Ignat Gordjejew mit fagte lachend: seiner Frau, der jungen Kofakin, nach Hause zurück. Sie hieß Natalja. Groß, schlank, mit weit offenen, blauen Augen und einem langen, dunkelblonden Zopf, war sie eine des schönen Ignat würdige Erscheinung. Er war hochbeglückt, war auf seine Frau sehr stolz und liebte sie mit der leidenschaftlichen Liebe eines gefunden Mannes. Doch bald begann er, fie nachdenklich und scharf zu beobachten.
-
,, Da hast Du unrecht! Da ist alles ganz echt... alle Sachen sind teuer und haltbar... Wenn Du aber willst, werde ich alles verbrennen, verkaufen, verschenken und neue Sachen anschaffen! Nun, willst Du?"
Wozu?" sagte sie ruhig.
Endlich begann es ihn zu wundern. daß sie, die so jung und gesund war, so lebte, als ob sie schliefe, nichts wünschte, nur in die Kirche ging und allen Menschen gegenüber scheu war. Und er tröstete sie:
Selten erschien ein Lächeln auf dem ovalen, streng regelmäßigen Gesicht seiner Frau, sie dachte immer an etwas, was dem Leben fremd zu sein schien, und in ihren blauen Bart nur, bis Du mir einen Sohn gebierst, dann wird Augen, die stets falt und ruhig waren, leuchtete manchmal für Dich ein ganz andres Leben beginnen. Du bist deshalb etivas Dunkles, Menschenscheues. In der freien Zeit, die ihr traurig, weil Du wenig Sorgen hast, und er wird Dir schon die Beschäftigung mit der Wirtschaft übrig ließ, setzte sie sich Sorgen verschaffen... Du wirst ja einen Sohn gebären?" im größten Zimmer des Hauses ans Fenster und blieb hier Wie Gott wollen wird," antwortete sie und senkte den regungslos und schweigend zwei, drei Stunden sizen. Ihr Kopf. Gesicht war der Straße zugewandt, doch der Blick ihrer ,, Nun, Molokanin, warum läßt Du die Nase hängen? Augen verhielt sich allem gegenüber, was dort hinter dem Sie geht wie auf Glas... und blickt, als hätte sie jemand Fenster lebte und sich bewegte, so teilnahmslos und umgebracht! Ach ja! Bist ein so saftiges Frauenzimmer war zugleich so tief, als blickte sie in sich hinein. und hast zu nichts Lust... Närrin Du!" Auch ihr Gang war feltsam
int
"
"
„ Laß die Possen, Natalja! Gieb acht!"
Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und fragte ruhig:
Was wird dann sein?"
Da
Natalja bewegte Einmal kam er betrunken nach Hause und begann sie mit sich den geräumigen Zimmern des Hauses lang- seinen Liebkosungen zu verfolgen. Sie wich ihm aus. sam und vorsichtig, als об etwas Unsichtbares die wurde er zornig und schrie: Freiheit ihrer Bewegungen beengte. Das Haus war mit einem schweren, ordinär prahlerischen Lurus eingerichtet, alles darin glänzte und schrie von dem Reichtum des Befihers, aber die Kosakin bewegte sich an den teuren Möbeln und den aufgetürmiten Silbergeräten schen vorüber, als fürchte fie, all' diese Sachen könnten sie packen und ersticken. Das lärmende Leben der großen Handelsstadt interessierte diese ,, Willst Du mich vielleicht schlagen?" fragte sie, ohne sich schweigjame Frau wohl nicht, und wenn sie mit ihrem Mann zu rühren und ohne mit dem Auge zu blinzeln.
"
Ignat machten diese Worte und ihr furchtloser Blick
ganz wild.
"
Was?" brüllte er und näherte sich ihr.
spazieren fuhr, waren ihre Augen auf den Rücken des Kutschers Ignat war gewohnt, daß man vor seinem Zorn zitterte, gerichtet. Wenn ihr Mann ihr vorschlug, mit ihm Bejuche und es war für ihn seltsam und kränkend, ihre Ruhe zu zu machen, ging fie und benahm sich dort ebenso feltjam sehen.