Anterhaltungsblatt des Vorwärts

tr. 14.

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Dienstag, den 21. Januar.

( Nachdruck verboten.)

Foma Gardjeiew.

Roman von Magim Gorki. Deutsch von Klara Brauner Foma wurde von seinem Paten empfangen, der sich neben sein Lauffind in den Wagen setzte und ihm auf seine un­ruhigen, eiligen Fragen erklärte, während seine grünlichen Augen erregt glänzten:

" Dein Vater hat seinen Verstand ganz verloren!" Trinkt er?"

,, Noch schlimmer... er ist ganz verrückt!" Wirklich? O Gott, sprechen Sie!"

" 1

Verstehst Du eine Dame ist bei ihm aufgetaucht!" Was ist denn mit ihr?" rief Foma aus, der sich an feine Palageja erinnerte, und fühlte auf einmal Freude in seinem Herzen.

Sie hat sich an ihn festgeklammert und saugt ihn aus." st sie still?"

Sie? Still... wie eine Feuersbrunst. Fünfund­siebzigtausend Rubel hat sie ihm wie ein Stäubchen aus der Tasche geblasen."

So! Wer ist sie denn?"

,, Sofja Medinstaja, die Frau des Architekten."

Mein Gott! Ist das möglich? Hat denn der Vater. ist's möglich, daß sie seine Geliebte ist?" fragte Foma leise und erstaunt.

Der Bate taumelte vor ihm zurück und sagte überzeugt, mit komisch gloßenden Augen:

Du bist auch von Sinnen, mein Lieber! Bei Gott, Du bist von Sinnen! Komm zu Dir! Sich mit dreinnd­sechzig Jahren eine Geliebte anzuschaffen... noch dazu um einen folchen Preis! Was fällt Dir ein? Nun, das werde ich Ignat erzählen."

1902

Jüngling durch den Alten sehr beleidigt und sagte zurück­haltend, aber bestimmt:

,, Sie sollten nicht ohne Grund schimpfen, ich bin kein Kind mehr!"

spöttisch die Brauen in die Höhe zog und seitwärts schielte. Was Du nicht sagst?" rief Majakin aus, indem er Foma hielt nicht länger an sich. Er blickte dem Alten fest in die Augen und sagte mit Nachdruck:

" Ich sage, daß ich Ihre grundlose Schimpferei nicht hören will... Es ist genug!"

... ja... fo! Verzeihen Sie!"

Jakow Tarassowitsch kniff die Augen zu, faute an den Lippen, wandte sich von seinem Laufkind ab und schwieg eine Weile. Die Droschke bog in eine schmale Straße ein, und als Foma aus der Ferne das Dach seines Hauses sah, beugte er sich unwillfürlich mit dem ganzen Körper vor. Der Pate fragte ihn jetzt schelmisch und freundlich lächelnd:

"

Sag, Foma, an wem hast Du Dir die Zähne ab­

gewegt?"

"

Sind sie scharf geworden?" fragte Foma, durch die Art des Paten erfreut.

" Es geht. Das ist gut, Bruder... das ist sehr gut! Ich und der Vater haben gefürchtet, daß Du eine Schlaf müße würdest. Nun, und hast Du das Schnapstrinken ge lernt?"

" Ich hab' getrunken!"

" Das ist aber schnell gegangen! Hast Du viel ge

trunken?"

,, Wozu denn viel?" Und schmeckt's?" Nicht sehr!"

-

So! Das schadet nichts, das alles ist nicht übel. Nur das eine, Du bist gar zu offenherzig und bist bereit, jedem Popen alle Deine Sünden zu beichten... überleg Dir das das ist nicht immer nötig, mein Lieber. wenn man manchmal schweigt, thut man den Menschen einen Ge­fallen und sündigt dabei nicht. Ja- a. Die Bunge ist beim Menschen felten nüchtern. Da sind wir ja. Der Vater weiß nicht, daß Du gekommen bist... ob er auch zu Hause ist?"

Ah! Da bist Du also!"

Und Majakin ließ ein abgerissenes, eiliges Lachen er tönen, wobei sein Ziegenbart häßlich zitterte. Foma konnte lange nicht aus ihm flug werden; der Alte war gegen seine Gewohnheit unruhig und erregt, seine stets fließende Rede stockte, er schimpfte und spuckte beim Erzählen aus, und Foma konnte mit Mühe darauf kommen, um was es sich handelte. Er war zu Hause: aus den offenen Fenstern der auf die E3 ergab sich, daß Sofja Pawlowna Medinskaja, Straße mündenden Zimmer drang sein lautes, etwas heiseres die Frau des reichen Architekten, die in der ganzen Lachen. Das Rollen der Droschke, die vor dem Hause hielt, Stadt durch ihre Unermüdlichkeit in der Realisierung veranlaßte Ignat, durchs Fenster zu schauen, und er rief beim verschiedener Wohlthätigkeitsideen bekannt war, Ignat Anblick des Sohnes freudig aus: bewogen hatte. für die Errichtung eines eines Nachtasyls und einer Volksbibliothek mit Lesehalle in der Stadt fünf- Nach einer Minute preßte er Foma mit der einen Hand undsiebzigtaufend Rubel zu spenden. Ignat hatte das Geld an feine Brust, stemmte ihm die Handfläche der andern in gegeben und war schon in allen Zeitungen wegen seiner Frei- die Stirn, bog den Kopf des Sohnes zurück. blickte ihm gebigkeit gelobt worden. Foma hatte diese Frau oft auf der dabei mit strahlenden Augen ins Gesicht und sagte befriedigt: Straße gesehen; sie war flein, und er wußte, daß sie zu den Du bist gebräunt und kräftig ein Hauptterl) schönsten Frauen der Stadt gezählt wurde und daß man ihrem Gnädige Frau, wie ist mein Sohn?" Betragen lebles nachfagte. Nicht übel!" ertönte eine freundliche, filberhelle Stimme. Foma blickte über die Schulter des Vaters hinüber und Du? Du dachtest?" sagte Majakin, auf einmal zornig fah in der Vorderecke des Zimmers eine fleine Frau mit werdend. An nichts hast Du gedacht, Du Milchbart!" reichem, blondem Haar siten, die sich auf den Tisch stützte. " Warum schimpfen Sie?" fragte Foma verwundert. Auf ihrem bleichen Gesicht hoben sich die dunkeln Augen, die ,, Sag', hältst Du fünfundsiebzigtausend Rubel für viel

Sonst nichts?!" rief er aus, als der Pate zu Ende war. Und ich dachte Gott weiß was!"

Geld?"

hatte.

"

" Das ist viel!" sagte Foma, nachdem er es sich überlegt

feinen Brauen und die vollen, roten Lippen scharf ab. Hinter ihrem Sessel stand ein großer Philodendronbaum, dessen große, gezackte Blätter über ihrem goldigen Köpfchen in der Luft hingen. " Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Sofja Pawlowna," " Der Vater hat aber doch viel davon, warum thun Sie fagte Majakin mit Rührung, indem er sich ihr mit vor­denn so?" gestreckter Hand näherte. Fordern Sie uns Armen noch

" 210-05"

Jatow Tarassowitsch fuhr zusammen; er blickte den Jüng- immer Kontributionen ab?" ling verächtlich an und fragte ihn mit schwacher Stimme: " Das fagst Du?"

,, Wer denn sonst?"

" Das ist nicht wahr! Das sagt Deine junge Dummheit, ja! Und meine alte Dummheit, die eine Million Mal vom Leben erprobt ist, sagt Dir: Du bist noch ein junger Hund, es ist zu früh, daß Du im Baẞton bellft!"

Foma war auch schon früher oft von der allzu bildlichen Ausdrucksweise des Paten verlegt worden- Majakin sprach mit ihm gröber als der Vater, doch jetzt fühlte sich der

Foma verneigte sich schweigend vor ihr, ohne das, was fie Majakin antwortete, noch was der Vater zu ihm sagte, zu hören. Die Dame blickte ihn fest an und lächelte ihm freund. lich und hell zu. Ihre findliche Gestalt, die in einen dunkeln Stoff gehüllt war, verschmolz beinahe mit dem karmefinroten Bezug des Sessels, so daß ihr welliges, goldiges Haar und das bleiche Gesicht auf einer dunkeln Folie zu leuchten schienen. Wie sie dort in der Ecke, unter den grünen Blättern faß, fah sie einer Blume und zugleich einem Heiligen. bild ähnlich.