Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Str. 27.
27]
Freitag. den 7. Februar.
( Nachdruck verboten.)
Foma Gordjejew. Roman von Magim Gorki. Deutsch von Klara Brauner
Es schien Foma, als beneide er Ananij, und er dachte schnell an Schtschurows Versuche, ihn auszurauben. Das rief in ihm einen Widerwillen gegen den Alten hervor, er konnte seine Gefühle nicht miteinander verföhnen und lächelte verblüfft.
,, Also, ich bin bei Schtschurow gewesen," sagte er, als er zu Majakin kam und sich an den Tisch setzte.
Majakin, der in einem fettigen Schlafrock, mit den Geschäftsbüchern in der Hand, da saß, rückte auf seinem Ledersessel unruhig hin und her und sagte lebhaft:
,, Gieb ihm Thee, Ljuba! Erzähle, Foma. Ich muß um neun Uhr in den Gemeinderat, erzähle schnell."
Foma erzählte lächelnd, wie Schtschurow ihm vorgeschlagen hatte, die Wechsel umzuschreiben.
" 1
„ Ach!" rief Jakow Tarassowitsch aus, in dem er bedauernd den Kopf schüttelte. Du haft mir die gauze Messe verpfuscht, Bruder! Darf man denn mit jemand die Geschäfte so offen führen? Pfui! Der Teufel hat mir ein geflüstert, Dich hinzuschicken! Ich hätte selbst hingehen sollen. Ich hätte ihn mir um den Finger gewickelt!" ,, Nun, das glaube ich kaum! Er sagt ich sei eine Eiche.
"
-
Eine Eiche? Und ich bin eine Säge. Eine Eiche iſt ein guter Baum, seine Frucht taugt aber nur für Schweine... Und es ergiebt sich, daß die Eiche einfach
dumm ist
〃
Wir müssen ihn ja doch bezahlen
"
Kluge Leute beeilen sich damit nicht, und Du bist bereit, zu rennen, um das Geld zurückzugeben... ein schöner Staufmann!"
Jakow Taraffowitsch war mit seinem Tauffind sehr unzufrieden. Er furchte die Stirn und befahl übellaunig seiner Tochter, die schweigend den Thee einschenkte:
„ Nück mir den Zucker her... Du siehst ja, daß ich nicht hinlangen kann
.
Ljubas Gesicht war bleich, ihre Augen waren trüb, und ihre Hände bewegten sich langsam und ungeschickt.
Foma sah sie an und dachte:
fr
Wie fauft sie mit dem Vater ist!" " Wovon hat er mit Dir gefprodjen?" fragte ihn Majakin.
„ Von den Sünden..."
Nun natürlich! Einem jeden Menschen ist seine Sache teuer und er ist ja ein Sündenfabrikant... Man weint schon lange in Sibirien und in der Hölle um ihn, man sehnt sich nach ihm und kann ihn dort kaum erwarten
„ Er spricht mit Kraft," sagte Foma nachdenklich, indem er den Thee im Glaje umrührte.
„ Hat er über mich geschimpft?" erkundigte sich Majakin und verzog höhnisch das Gesicht.
"
"
Auch das
"
Sch... habe zugehört..
Und was hast Du drauf gesagt?"
" Hnt.. was hast Du denn gehört?"
„ Er sagt, dem Starken wird verziehen werden, für den Schwachen giebt es aber keine Vergebung.
„ Auch eine Weisheit!.. Das wissen sogar die Flöhe..."
Das verächtliche Verhalten des Paten Schtschurow gegen über reizte Foma, und er sagte lächelnd, indem er dem Alten ins Gesicht blickte:
,, Er liebt Sie nicht!"
,, Mich liebt niemand, Bruder!" sagte Majakin stolz. Man hat auch keinen Grund, mich zu lieben, ich bin kein Mädel... Dafür achtet man mich. Und man achtet nur diejenigen, die man fürchtet.
"
Er
Und der Alte blinzelte prahlerisch seinem Taufsohn zu... ,, Er spricht mit Straft..." wiederholte Foma. flagt..... Er sagt, daß der echte Kaufmann aussterbe.. ,, Man bringt allen Menschen die gleiche Bildung bei", sagt er... damit sie alle gleich sind und das gleiche Gesicht haben..."
"
Er meint, daß das schlecht ist?" Es scheint so
1902
" Der Dummikopf!" fagte Majakin verächtlich. Warum denn? Sagen Sie, ist das denn gut?" fragte Foma und blickte den Paten mißtrauisch an.
Wir wissen nicht, was gut ist, wir können aber sehen, was flug ist... Wenn wir sehen, daß man verschiedene Menschen an einen Ort zusammentreibt und ihnen allen dort dieselben Meinungen einflößt, müssen wir zugeben, daß das klug ist... Denn was ist der Mensch im Staat? nichts als ein einfacher Ziegelstein, und alle Ziegelsteine müssen das gleiche Maß haben... hast Du verstanden? Und Menschen, die gleich groß sind und gleich viel wiegen, kann ich hinlegen, wie ich will
Wer möchte aber ein Ziegelstein sein!" sagte Foma düster.
.Man spricht nicht vom Angenehmen, sondern vom Sachlichen... Wenn Du aus hartem Material bist, kann man Dich nicht hobeln... Man kann nicht jedem Menschen das Geficht fortwischen... wenn man aber manchen mit dem Hammer behaut, wird er zu Gold... und wenn ihm sein Stopf dabei zu Grunde geht, was kann man da thun? Da war er wohl zu schwach...
"
„ Er sprach auch von der Arbeit... jekt arbeiten nur Maschinen, und die Menschen werden dadurch verwöhnt..."
" Man weiß nicht, wo die Base hinaus will!" fagte mich, was für einen Appetit Du nach jedem Unsinn haft, Majakin und schwenkte verächtlich mit der Hand.„ Es wundert warum ist das so?"
ist denn auch das falsch?" fragte Foma und lächelte
dal
finster. Der alte Baumstumpf hätte daran denken sollen, was eine Wie kann er etwas Richtiges wiffen? Die Maschine! Maschine ist! Sie ist aus Eisen! es ist also nicht schade alle Worte, ohne Mühe... man bringt sie in Bewegung. um fie, man zieht sie auf, und sie prägt Mubel... ohne und sie dreht sich. Und der Mensch ist unruhig und arm klagt, weint und bittet... er betrinkt sich ... manchmal ist er sogar sehr armfelig... Er heult, felig ... für mich
ist so viel Ueberflüssiges in ihm! Und in der Maschine ist wie in einem Metermaß genau so viel Inhalt als für die Arbeit nötig ist. Num, ich werde mich ankleiden, es ist Zeit."
den Fußboden schlurrten. Foma blickte ihm nach und sagte Er erhob sich und ging, wobei seine Pantoffeln laut über halblaut, die Brauen runzelnd:
,, Der Teufel kann über all das klar werden, der eine spricht fo, der zweite anders."
Auch in den Büchern ist's so," sagte Ljuba leise. Foma sah sie gutmütig lächelnd an. Und sie antwortete ihm mit einem blassen Lächeln. Ihre Augen blickten müde und traurig.
,, Liest Du noch immer?" fragte Foma. „ Ja- a
"
." antwortete das Mädchen traurig. Und sehnst Dich immer?"
., Mir ist elend... Weil ich allein bin... Ich habe niemand, mit dem ich ein Wort wechseln könnte."
Deine Sache steht schlecht
"
Sie erwiderte nichts darauf, senkte nur den Kopf und ließ die Spigen des Theehandtuches durch die Finger gleiten. „ Du solltest heiraten", sagte Foma, der fühlte, daß sie ihm leid that.
Laß das, bitte..." antwortete Ljuba und furchte unschön die Stirn.
"
Warum soll ich's laffen? Du wirst's ja thun." " Ja!" rief das Mädchen seufzend und leise aus.„ Auch ich denke, daß ich's thun werde... das heißt, ich werde heiraten müssen... Und wie werde ich es thun? Weißt Du, ich habe jetzt ein Gefühl, als ob zwischen mir und den Menschen ein Rebel wäre... ein dichter Nebel!"
" Das kommt von den Büchern!" sprach Joma überzeugt dazwischen.
Warte! Ich höre auf zu verstehen, was vor. geht... Alles mißfällt mir, alles ist mir fremd geworden, alles ist anders, als es sein sollte, alles ist nicht das Rechte....