Unterhaltungsblatt des Vorwärts
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Freitag, den 14. März.
( Nachdruck verboten.!
Homa Gordjejew.
Noman von Magim Gorki. Deutsch von Klara Brauner
In Nebel und Ungewißheit, auf allen Seiten von einem undurchdringlichen Dunkel umringt, gleitet das Leben der Menschen langsam und schwer irgendwohin. Und die Menschen grämien sich ihrer Sünden wegen, seufzen schwer, um gleich darauf eines bequemen Platzes wegen miteinander zu raufen, und nachdem sie sich des Eigentumsrechtes wegen geprügelt haben, lassen sie noch die Schläge derer, die die Ordnung im Leben überwachen, über sich ergehen. Sie suchen schüchtern nach einem freien Weg zu ihrem Ziel. Das waren Fomas Gedanken.
„ Neu- eun.. A- acht..
1902
der Kajüte um, und als er sich auf den Plüschdiwan sette, breitete er sich einen von den Schößen seines Gewandes unter, als fürchte er, sich am Plüsch zu beschmutzen.
des
Widerwillens auf seinem Gesicht bemerkte.
Wie heißt Du, Vater?" fragte Foma, der den Ausdruck
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Miron."
,, Nicht Michail?"
"
Warum denn Michail?" fragte der Wallfahrer.
" Ja... bei uns in der Stadt... ist der Sohn eines Kaufmanns, der Schtschurow heißt... auch nach dem Jrgis gegangen... und er hieß Michail."
Foma sprach und blickte dabei ununterbrochen den Vater Miron an; dieser war aber ruhig wie ein Taubstummer.
Ich bin ihm nicht begegnet... ich kann mich nicht er innern, daß ich ihm begegnet wäre", antwortete er nach denklich. Wolltest Du nach ihm fragen?"
" Ja."
Ich bin Michail Schtschurow nicht begegnet. Nun leb' wohl in Christi Namen!" Und der Wallfahrer erhob sich vom Diwan, verneigte sich vor Joma und ging zur Thür. ,, Aber warte doch bleib' ſizen... wir wollen miteinander reden!" rief Foma aus und stürzte ihm unruhig nach.
Der ächzende Schrei hallt leise über das Schiff hin, und das Gebet des Wallfahrers geht im Lärm des Lebens unter. Und derjenige, der über das Schicksal sinnt, kann sich von seiner Trauer nicht befreien und findet keine Freude. Foma Hatte Lust, mit diesem Wallfahrer zu sprechen, in dessen stillen Worten inniger Glaube an Gott und die Furcht für die Menschen vor seinem Autlig erklang. Die fanfte, ermahnende Stimmie dieses Manues besaß eine eigenartige Kraft und Jener blickte ihn forschend an und setzte sich wieder auf Foma lauschte ihrem tiefen Bruftton.
den Diwan.
..Den sollte man fragen, wie er lebt", dachte Fonta und Von irgendwo draug ein dumpfer Ton herein, der einem musterte eingehend die große, gebeugte Gestalt. Wo habe schweren Seufzer glich, und gleich darauf heulte über den ich ihn nur gesehen? Oder sieht er einen Bekannten Köpfen Fomas und seines Gastes gedehnt und gleichsam erähnlich?" schrocken die Schiffspfeife auf. Mian antwortete ihr schon
Plötzlich fiel es Fonta mit feltfamter Deutlichkeit ein, deutlicher aus der Ferne, und sie brüllte wieder, in abdieser sanfte Prediger sei niemand anders als der Sohu des geriffenen, ängstlichen Schreien auf. Foma öffnete das Fenster. alten Ananij Schtschurow. Von diesem Gedanken ver- m Rebel in der Nähe des Dampfschiffs bewegte sich etwas blüfft, trat er zu dem Wallfahrer hin, setzte sich neben lärmend, Flecken von geisterhaftem Licht schivammen vorüber, und fragte ungezwungen: der Nebel wallte auf und erstarrte dann wieder in totenähnlicher Reglosigkeit.
Kommist Du vom Jrgis, Vater?"
ihn
Dieser erhob den Kopf, wandte sein Gesicht langsam und schwer zu Foma hin, blickte ihn forschend an und sagte sanft, mit ruhiger Stimme:
" Ich war auch am Jrgis!"
Stammst Du von dort?"
„ Nein."
"
Und kommst Du jetzt von dort?"
Jch fomme vom heiligen Stephan."
Das Gespräch stockte. Foma hatte nicht den Mut, Wallfahrer zu fragen, ob er Schtschurow fei.
"
den
Wir werden uns bei dem Nebel verspäten," sagte jemand.
Wie wäre es anders möglich?"
Alle schwiegen und blickten Foma an. Jung, hübsch, rein und reich gekleidet, wie er war, erregte er durch sein plötzliches Auftauchen die Neugierde aller Anwesenden, er fühlte diese Neugierde, begriff, daß alle ein paar Worte von ihm erwarteten und erfahren wollten, warum er zu ihnen gekommen war, und das alles verwirrte und erzürnte ihn.
,, Mir scheint, ich habe Dich irgendwo gesehen Vater," sagte er endlich.
Der Wallfahrer autwortete, ohne ihn anzublicken: " Das fann sein."
"
Wie schrecklich!" rief Foma aus und schloß das Fenster. Wovor sollte man sich fürchten?" fragte der Wall
fahrer. ,, Sieh nur, es ist weder Tag noch Nacht, weder Licht noch Dunkelheit! Man sieht nichts... wir schwimment irgendwohin und irren auf dem Fluß herumt."
Wenn man ein inneres Feuer und Licht in der Seele hat, dann sieht man alles," sagte der Wallfahrer belehrend und streng.
Foma fühlte bei diesen kalten Worten ein Mißbehagen und blickte den Wallfahrer von der Seite an. Er saß un beweglich, mit gesenktem Kopfe da und schien in seinen Gedanken und im Gebet erstarrt zu sein. Der Rosenkrantz raschelte leise in seinen Händen.
Seine Stellung erweckte in Foma eine ungezwungene Kühnheit, und er fragte:
Sag, Bater Miron, ist es gut so... in voller Freiheit. zu leben ohne Arbeit, ohne Verwandte... und so wie Du herumzuwandern?"
Vater Miron hob den Kopf und lachte seltsam, kindlich und fanft auf. Sein ganzes Gesicht, das vom Wind und von der Sonne gebräunt war, leuchtete in innerlicher Freude auf. Er war jetzt ein andrer Mensch, nicht der Prediger eines recht
" Ich möchte mit Dir sprechen," entgegnete Foma leise schaffenen Lebens und der Gottesfurcht, sondern ein einfacher, und schüchtern.
,, Gut. Sprich nur."
Komm mit mir."
"
Wohin?"
In meine Kajüte."
Der Wallfahrer blickte Foma ins Gesicht und willigte nach einigem Schweigen ein.
„ Gehen wir."
Beim Fortgehen fühlte Foma auf seinem Rücken die Blicke der Bauern, und es war ihm jezt angenehm, zu wissen, daß er ihr Interesse erweckt hatte.
In der Kajüte angelangt, sagte er freundlich: Vielleicht willst Du etwas essen? Sag's nur, ich werde bestellen."
.Gott bewahre. Was brauchst Du denn?" Dieser schmußige, zerlumpte Mensch, in einem vom Alter abgeblichenen, geflicten Meßgewand, sah sich mißtrauisch in
guter Bauer, dessen sanftes Lachen auch bei Foma ein gutmütiges Lächeln hervorrief. Doch nachdem Miron zu lachen aufgehört und Foma angeblickt hatte, seufzte er tief auf und sagte kurz:
,, Wie fönnte das schlecht sein?"
"
Du bist also mit Deinem Leben zufrieden?"
Ich belästige Gott nicht mit meinem Murren es geht, ich lebe! Das Bettlerleben ist wahrhaft göttlich es ist das einzige, das von den Fesseln der Welt frei ist." Und ich wollte Fomia beginnen, er brach aber ab und schwieg. Ihm flang noch immer dieses beneidenswerte frohe Lachen in den Ohren.
"
Warum bist Du aus der Welt gegangen?" fragte er nach einem Schweigen.
" Ich war den Meinigen fremd," antwortete Miron ruhig, dann betrachtete er die Kajüte mit einem aufmerksamen beobachtenden Blick und sagte mit geringschäßigem Bedauern: