Anterhaltungsblatt des Vorwäris

T. 108.

Freitag, den 6. Juni.

Jornis

1902

28]

( Nachdruck verboten.!

Der Manksmann.

Roman von Hall Caine . Autorisierte Uebersehung. Alles drängte sich in Philipps Geiste wirr durcheinander. Es gelang ihm trotz aller Anstrengung nicht, sich zu erinnern. Gerade jest gingen die Zeitungsjungen schreiend die Straße am Kirchhof entlang:

G.Extrablatt! Tod des Deemisters!"

Nun kam ihm alles zurück. Er hatte an Stäthe ge­schrieben, um sie zu bitten, heute um zwei Uhr in Port Mooar mit ihm zusammen zu treffen. Dort an diesem stillen Plage wollte er ihr die Nachricht mitteilen. Er mußte ihr alles fagen; er war zu einem festen Entschluß ge­tommen.

sehen können. Doch dauerten diese Befürchtungen nicht lange. Ihre Freude war zu fühn, um sich vor etwas Greifbarent zu fürchten. Von ihrem Glück überwältigt, hatte sie nur die einzige Furcht, fie könne erwachen und finden, daß sie geschlafen habe und alles nichts sei als ein Traum.

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Das war am Freitag und gegen Mittag traf die Nachricht von Kirk Michael ein, daß der Deemster am Nachmittag des vorigen Tages gestorben sei. Man sollte Philipp Christian zu seinem Nachfolger wählen," sagte sie ohne weiteres." Ich bin sicher, daß teiner es mehr verdient." Ums Himmels willen, Kitty." schrie Nancy , bist Du's denn noch selbst? Was hast Du erst vor einer Woche gefagt?" Nun, denkt Ihr, ein Mädchen müsse immer dasselbe fagen?" lachte Stäthe.

Katers."

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Ohne Appetit genoß er sein Frühstück. Dabei hörte er Stimmen aus einem Hofe in der Straße. Er hob den Kopf O nein," sagte Cäsar. Die Meinung einer Frau fährt und fah unwillkürlich hinunter. Ein vierräderiger Einspänner meist hin und her wie der Schwanz eines kämpfenden fuhr aus dem Thorweg mit einem feurigen jungen Pferde davor in silberbeschlagenem Riemenzeug. Der Mann, der es Am nächsten Tage, Sonnabend, erhielt sie Philipps Tenfte, war prächtig aufgepugt in einem hellen modischen Ober- zweiten Brief, den er in Douglas nach dem Abendessen und rod. Einer feiner feinbeschuhten Füße stand auf der Bremse der Aufunft von Petes Telegramm geschrieben hatte. Er und er hatte eine lange Cigarre zwischen den Zähnen. Es war frengiveise und sehr flüchtig auf einen halben Bogen war Roß Christian. isang squi Briefpapier hingeworfen, wie ein bloßer Nachtrag ohne Unter­schrift und Anrede.

Das letzte Mal, daß Philipp den Menschen gesehen, hatte er mit ihn für Säthens Ehre gekämpft. Es traf ihn wie Hiebe von Geißeln und Skorpionen, als er jegt daran dachte. Beschämt, gedemütigt, in seinen eignen Augen herab gesetzt, wendete er den Kopf ab.

arja V.

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Sehr dringend. Muß Dich unverzüglich sehen. Triff mit mir morgen um zwei Uhr in Port Mooar zusammen. Wir können uns dort ungestört sprechen. Sei tapfer, mein Lieb. Es giebt ernste Dinge zu verhandeln und zu be­schließen."

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Die Botschaft war kurz, ja selbst talt, verursachte ihr aber Während der Nacht, die der Melliah folgte, füßte Käthe keine Unruhe. Die Heirat! Sie dachte dabei an nichts ihre Haud, weil sie die Hand Philipps gehalten hatte. Ais andres. Der Tod des Deemsters hatte die Dinge beschleu sie ant nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich sehr glücklich. nigt das erklärte die Dringlichkeit. Port Mooar lag nicht Die Augen öffnend und sich halb im Bette emporrichtend, weit von Ballure entfernt, das war der Grund, warum sie blickte sie um sich. Da waren die rosa Vorhänge, die über einen so weiten Weg machen sollte. Sie würden auf ihr ein Zelt bildeten, da war das Torfmoos unter dem Klatschereien, vielleicht auf Schmähungen, ja selbst Ver­Strohdach und der riffige Stalk an der Wand, der auf die leumdungen gefaßt sein müssen. Darum sollte sie tapfer sein. Bettdecke abblätterte, da stand der Kleiderschrank und der Wie und weshalb des Deemsters Tod ihre Heirat mit Waschtisch, auf dem Fußboden lag das Schaffell und die Sonne schien durch das nach dem Obstgarten gehende Fenster. Aber dies alles war verklärt, alles herrlich, alles geheimnisvoll. Ihr war zu Mute wie einen, der auf dem Meere schlafen gegangen ist, rings um sich her den un erreichbaren Horizont, und der nun im Hafen eines fremden Landes erwacht, das warm und lieblich und voll Sonnen schein ist. Sie schloß die Augen noch einmal, damit nichts sie in der Betrachtung des geheimnisvollen Zaubers stören Tonnte. Ihre rinden Arme hinter ihrem Stopf frenzend, ließ sie ihn darauf ruhen wie auf einem Kissen, sie streckte wohlig die Glieder und lächelte glückselig. O Wunder über Wunder! Die ganze Welt war verändert!

Jetzt hörte sie das Klappen von Holzschuhen in der Stube unten; es war Nancy , die in der Milchfanumier butterte. Sie hörte Rufe jenseits des Obstgartens; es war der Vater, der im Hof Getreide aufstapelte; sie hörte die Mutter in der Schenkstube plaudern und das Mühlrad in dem Teich gehen. Es schien ihr fast wunderbar, daß das Getriebe des Alltags lebens ganz ebenso weiter ging wie gewöhnlich.

Konnte sie selbst noch unverändert sein? Sie langte nach einem Handspiegel, unt ihr Gesicht zu sehen. Als sie ihn vom Tische nahm, glitt er ihr aus den Fingern, fiel zu Boden und zerbrach. Sie erschrak heftig über den Zufall, wegen der schlimmen Vorbedeutung, aber da kam Nancy gerade und brachte ihr einen Brief. Es war der Brief, den Philipp in Ballure ge­schrieben hatte. Als sie wieder allein war, las sie ihn und verbarg ihn dann, an ihrem Busen. Es schien ihr, als ströme er den Duft des Ginsters aus, den Duft der Schlucht, des verfallenen Hauses, sie fühlte Philipps Nähe und alle Wonnen

der Welt..

Ein leises Gefühl von Scham beschlich und erschreckte sie. Hatte sie sich gegen ihr Geschlecht versündigt? War es nicht unweiblich, daß sie selbst geworben hatte, ohne erst zu warten und sich erobern zu lassen? Würde Philipp, trogall seiner Liebe, sich ihrer nicht schämen? Ihre Wangen wurden heiß. Sie fühlte, daß sie errötete und verbarg das Gesicht, als hätte der Geliebte es

Philipp beeinflussen sollte, war eine Frage, über die sie sich den Kopf nicht zerbrach. Sie hatte eine dunkle Erinnerung, daß Mädchen in wonniger Hast geheiratet hatten und mit ihren Gatten auf und davon gesegelt waren, noch ehe man recht wußte, daß sie überhaupt fort wollten. Aber dieses neue Ereignis war für sie nur ein Teil des großen Geheimnisses, das nicht nach alltäglichen Begriffen und Vor­fällen erklärt werden konnte.

Käthe lief in ihr Zimmer hinauf, sich anzukleiden, und als sie herunter kami, glich sie einer Knospe, die eben zur Blüte aufbrechen will. Sie hatte sich sorgfältiger an­gezogen als je. Philipps große Aussichten follten nicht ge täuscht werden. Sie schütte vor, daß sie Einfäufe zu machen habe, und schlug schon den Weg nach Ramsey ein, als ihr der Vater aus dem Stalle zurief. er fahre denselben Weg. Das Pferd wurde vor den Gig gespannt und sie stiegen zu­sammen ein.

Casar hatte Erkundigungen eingezogen und Berechnungen angestellt. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß die " Johannesburg " gestern von Kapstadt in Liverpool ein­getroffen war, und er schloß daraus, daß Petes Sachen am Sonnabend früh mit dem Dampfer Peveril" in Ramsey an­kommen würden. Der Peveril" machte einmal wöchentlich die Fahrt, er ging um acht Ihr von Liverpool ab und würde um drei hier eintreffen; Gäjar wollte ihn schon um zwei auf dem Quai erwarten.

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Es ist meine Pflicht als Verwandter, Käthe," sagte er. Was ist wohl natürlicher, als daß da etwas für Dich mit dabei ist? Es ist auch meine Pflicht als Seelsorger, denn dort könnten sich Miantsleute einfinden, die Gefahr laufen, dem Teufel der Habsucht zu verfallen, und es heißt ein Gott wohlgefälliges Werf thun, sie vor der Versuchung zu schützen. Man kann sie ermahnen, bis man schwarz wird, es ist doch nur, als würfe man gutes Geld in den Schmug. Patsch, da liegt's; es giebt keinen Klang."

Käthe war still. Und Cäsar fuhr vertraulich fort: ,, Natürlich ist's auch mein Recht; denn wenn jemand auf