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Unterhaltungsblatt des Vorwärts
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12) Der Unkenteich.
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ihre Hoffnung gewesen war, daß sie der Entdeckung entrinnen fönnten.
inum Die Wahrheit kommt doch einmal ans Licht, früher oder später. dalo tot 1stdombi m
Das gings ihr alles dumpf und schleppend durch den Kopf, während sie der spielenden Jugend zusah. Wo bin ich denn? dachte sie manchmal. Sie war in sich selber gar nicht mehr zu Hause. Und daß sie hier draußen zwischen all den fremden Menschen stand, kam ihr so seltsam vor, so ungewohnt,
Roman von Gertrud Franke Schiebelbein. Frau Professor Schulz hatte fortwährend den Kopf gereckt und nach Bekannten gespäht. Alle Augenblicke nickte sie dem oder jenem zu. Sie ging ganz auf in der Geselligkeit, so verwunderlich. ind es war ihr höchster Stolz, mit den feinsten Familien". Nach einer Weile sah sie sich schen nach den Kolleginnen" illu berkehren. um. Sie waren fort.
Lene stand ganz verlassen.
Da ging sie mit müden Füßen, schwer und langsamt, tiefer in den Wald hinein. Die Sonne war im Untergehen, und durch die Stämme fiel ihre rote Glut und troch an ihnen empor und leuchtete auf den braunen, trockenen Nadeln des Bodens, daß es Lenen war, als ginge sie durch ein Blutmeer.
Ach, da ist ja der Doktor!" rief fie auf einmal und minkte auch schon mit der Hand und mit ihren braunen, dru ofetten Augen. Ich wollt heut' gerade zu ihm schicken wegen Lillis Husten." NAS 260 Ehe Lene noch recht begriff, sah sie sich Doktor Meinhold gegenüber. In seiner jugendlich rofigen Storpulenz, mit den tiefen Schmissen auf Wange und Kinn, dem goldenen Kneifer mit breitem Bande auf der kleinen Nase, stand er harmlos und immer fatter lohte die Röte auf, als stände die Welt freundlich vor den Damen und begrüßte sie mit der fieges in Flammen. Auf einmal aber, in einem Augenblick, war gewissen Sicherheit des ehemaligen Korpsstudenten. alles Farbige wie weggelöscht. Graue Schatten umfingen sie. Die Sonne war untergegangen.
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Er bot durchaus feinen furchtbaren Anblick. Im Gegen Ein leiser Hauch des Komischen hing ihm an. Das Wohlgefällige, Heitere, Blonde, und sein ernster Beruf bildeten einen starken Gegensatz.
Aber Lene Volkmar durchliefs wie ein Schwertschlag. Durch und durch gings ihr: der, gerade der!
sid Dottor Meinhold wurde sofort von Frau Professor
Schulz ganz mit Beschlag belegt. Sie fofettierte mit ihm. stawie mit jedem jungen Mann, der in ihre Nähe kam. Und er machte ihr aus Geschäftsrücksichten stark den Hof. Einem jungen Arzt muß jedes Mittel recht sein, in der guten Gesellschaft festen Fuß zu faffen.
Lillis Husten mußte wohl nicht bedenklich sein, nach der Heiterfeit zu schließen, mit der die Mama davon sprach.
Lene war ganz beiseite getreten. Wenn er sie doch nicht fähe! Am liebsten hätte sie sich verkrochen. Aber sie mußte stillhalten. Kornelie hatte sich ihrer erinnert und sprach admit ihr.
Lene antwortete, aber wie in einem Traum. Mit all ihren Sinnen war sie bei dem wohlbehäbigen blonden Mann, der ihr Schicksal in seiner Hand hielt.
Und im nächsten Augenblick hatte sich's erfüllt, durch ein paar harmlos freundliche, gut gemeinte Worte. Alles war so traumhaft, so, als erlebe sie's nicht selber.
Wie geht's dem Kleinen?" hatte Doktor Meinhold fie mit der Vertraulichkeit des Frauenarztes gefragt, der ja auch halb und halb Beichtvater in jungen Ehen ist.
Lene hatte ein lautloses:„ Recht gut!" gestammelt. Er war gegangen. Und um sie her standen die Frauen und starrten auf sie, ungläubig, zweifelud entsegt ganz fassungslos.
diu Und sie blickte nicht auf. Sie wußte, all diese wohlfrisierten, eleganten, sanften Damen waren ihre Richterinnen. Und sie sprachen gesellschaftlich das Todesurteil über sie. Endlich tönte eine eisige Stimme in das furchtbare Schweigen hinein. Sie haben Familie?" fragte Kornelie. Es summte Lene durch den Kopf. Sie hatten das Kind ja für ein angenommenes ausgeben wollen. Sie wollte die Rüge hervorstammeln. Aber die Zunge gehorchte ihr nicht. Und fast wider Willen sagte sie„ ja".
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Und wieder starrte sie auf den Wettlauf der Knaben, auf den immer höher schwellenden Jubel, den brennenden, auf's äußerste gespannten Eifer und wußte noch immer nicht drecht, was mit ihr geschehen war.
Die Zeit stand still. Ihr Leben stand still. Es war auf einem Wendepunkt angelangt. Schroff und jäh, schwarz, grund los gähnte die Zukunft sie an. Und sinnlos vor Entsezen starrte sie hinein.
Ein Zufall, ein elender Zufall!- Nein, Notwendigkeit! Nach unerschütterlichen Gesetzen hatte sich ihr Schicksal vollzogen.
Ein Wunder wär's gewesen, wenn das nicht gekommen wär, was heut gekommen war.
Sie erkannte, welche Selbsttäuschung, welcher Wahnwig
Ein Frösteln überfiel sie. Sie dachte an ihr Kind, das wohl schon nach ihr schrie. Aber ihr graute vor ihrem ZuHause. Wenn Richard schon da war! Wenn sie alles erzählen mußte! mmis
Der Weg war weit. Sie fand sich auch so schwer zurecht jetzt im Dunkeln. Als sie im Reul anlangte, war's ganz finster geworden.
" Jessas!" schrie die Steigenberg auf, als sie Zene erblickte, Jessas!' s Bübel hat sich die Kehl nach Ihne ausgetrischn, gnä' Frau! Jetzt fuckelt sich's an seinem Fäustl in Schlaf!"
" Sit mein Mann schon da?"
Vor ner halbe Stund sind der Herr Doktor funne und. habbe fich ganz närrisch g'batt, daß de gnädige Frau noch nit heim sind. Wo habbe Se denn bloß so lang g'steckt?"
Lene murmelte eine Antwort. Dann stieg sie langsam die schmale Treppe hinauf.
" Rene?" rief Richard erleichtert hinab. " Ja," antwortete sie tonlos.
Er hatte die Lampe in der Hand und leuchtete ihr unruhig entgegen.
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Mein Gott, Lene, ich habe mich schon geängstigt. Wo habe mich bliebst Du denn nur?"
Dann tauchte ihr Gesicht in dem Lichtkreis des Lämpchens auf. Guten Abend," sagte sie leise, aus alter, gedankenLojer Gewohnheit. Ja, einen guten Abend mußte sie ihm bereiten!
Er erschrat nach dem ersten Blick, den er auf ihr Gesicht warf. Mit wankenden Knien ging er ins Zimmer und stellte die Lampe auf den Tisch. Dann drehte er sich zu ihr um, mit fragenden, ahnenden Augen.
Sie nidte, und er verstand sie. Totenblaß starrte er sie an. Aber er hatte nicht den Mut, sie zu fragen, wie es zugegangen sei.
Da kam ein Mitleid über sie, so groß und überwältigend, als wolle es ihr das Herz zerbrechen. Sie liebte ihn, wie fie ihn noch nie geliebt. Und diese Schmerzensstunde war gesättigt von bitterjüßem Glück. Sie warf sich an seine Bruſt. Richard!" rief sie, wir haben uns ja noch! Was wollen sie uns denn thun!"
Als Richard am nächsten Morgen in die Schule fam, fand er die ganze Kollegenschaft in eifrigem Gespräch bei einander. Sie verstummten bei seinem Näherkommen, und Schulz fing so recht abrupt von dem gestrigen Fest an.
Rober, der mit dem Rücken gegen den Eingang gestanden hatte, merkte wohl am plötzlichen Wechsel der Unterhaltung, daß etwas geschehen sei. Heftig wendete er den Kopf. Als er Richard erblickte, lief ihm eine fahle Röte über den gelichteten Schädel. Aus seinen langgefchlitten, vorstehenden Augen schoß ein Blick voll Wut und Verachtung. Er drehte ihm ostentativ den Rücken, ging in seine Klasse und schloß die Thür mit lautem Knall hinter sich.