Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 5.
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Donnerstag, den 8. Januar.
( Nachdruck verboten.)
IV.
1903
Knechte hieben auch ein, und die kleine Tochter mit den Pausbacken stopfte sich mit beiden Händen den Mund voll.
Der Müller faß oben am Tisch, dick und satt. Sein rundes Gesicht war noch runder geworden, zu rund; zu völlig ließ sich seine Figur an. Ein leerer Krug stand vor ihm, bequem hob er ihn gegen seine Frau:" Tina, noch en Schöppche! Mehlstöp*) macht durstig."
Sie wollte Wein holen, da schrie er hinter ihr her: Bleibste hei, laß dat Lene laufen, wofür haste dann en magd?!" Das fehlte noch, die Frau sollte selber in den dunklen Keller gehen! Zudem hieß es ja, wenn man selber so viel arbeitete, dem armen Volt das Brot stehlen.
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In dem vormals Landscheid 'schen Haus wohnte der MüllerMatthes nun schon an ein halb Dusend Jahr. Er hatte es sich hübsch herrichten, die Stube dielen und die Kammer weißen Lassen, und seiner Frau einen neumodischen Kochherd gefett statt des aus Steinen gemauerten mit dem russigen Rauchfang darüber. Klare Glasscheiben waren in die Fenster geEso is et recht," sagte er frohgelaunt, als die Magd kommen statt der trüben und papierbeklebten; die alte wurm ihm den vollen Krug hinstellte, und kniff sie in den braunen " Du sollst auch ehs en Mann ganz für Dich allein stichige Thür, die gar keine Farben mehr gewiesen, war einer rm. neuen, frischgestrichenen gewichen mit blanker Klinte. Der friegen, Lena t" Das Mädchen ficherte und die Knechte grinsten. Gartenwinkel zum Maar hinaus, über den das Vieh frei getrampelt, die Hunde und die Dorfkinder gelaufen, hatte fleine Fränz fing an, als sie alle luftig fah, um den Tisch einen schützenden Zaun bekommen, und in der Mitte zwischen herumzuhüpfen auf einem Bein und jubelnd in die Hände zu Stiefmütterchen- Rabatten prangte eine riesige blanke Glas- flatschen: fugel, in der sich alles, die Menschen, die Berge, das Maar goldig widerspiegelte.
Wenn der Landscheid selig, der oben am Hang, auf dem Stirchhof moderte, jetzt einmal herunterkommen könnte, er würde sein Haus nicht mehr kennen. Auch die Seph, die aus dem Dorf gezogen die einen sagten: nach Trier zur Tant, der Köchin von Hochwürden zu Mattheis, oder sonst wo in Dienst, die andren sprachen: auf den Bummel- ja, wenn die noch einmal wiederfäme, die würde sich auch nicht mehr heimfinden. So schön war das Haus.
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die
in
,, Eins, zwei, drei, Nicke, nacke, nei"
Da klopfte es an die Thür.
Die
Angtree!**) sagte der Müller und die Knechte drehten Köpfe. Es war soviel Sonne in der Stube, daß alles Glanz und Gold getaucht war.
Draußen stand ein Mann.
hager.
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„ Um Gotteswillen", sagte er und streckte, eine Gabe heischend, die Hand aus. Er war arg zerlumpt, Dorfhunde Ein gut Stück Geld hatte es aber gekostet, der alte Müller hatten seine Hoſe zerfetzt, und sein Gesicht war gelb und empfand die Lücke in seinem Geldkasten, den er unter'm Bett Nur herein," schrie der Müller, kommt als nur herein, stehen hatte, da waren eine Menge Thaler daraus fort, und hei is Essen genug!" Jedoch, als er auf die Schüsseln wies, mancher Papierschein. Und wenn's nur das wäre; aber was waren sie alle leer, kein Bröfelchen mehr darin. ,, Donnerder Junge noch immer für ein Geld brauchte! Nun hatte der fiet" war das eine Verlegenheit! Aber dann fing er an, die Mühle und die wohlhabende Frau reich könnt man so mächtig zu lachen, daß sein ganzer Riefenkörper schütterte die nennen, wenn die Weinjahre besser wären, aber sicher und die Stube dröhnte; er hielt sich die Seiten und dann hatte die genug mitgefriegt und doch kam der Hannes klatschte er auf die Stnice:„ Haha, alles aufgefressen! Haha, immer:" Badder, feih' mir ebbes! Vadder, ich brauchen hundert hoho!" Thaler! Vadder, ich sein justement in en Verlegenheit. Der Bettler, von dieser laut ausbrechenden Heiterkeit verVadder, den un den hat noch net sein Mahlschulden bezahlt, legen gemacht, drehte sein hungriges Gesicht von einem zum aber ich kann die Leut doch net pfänden lassen, Badder, andern und wagte sich nicht näher. Da riß ihn der Müller ich muß Geld han für den Momang, dat siehste doch ein. Ech an den Tisch:" Eso, setzt Euch eweit" und dann schrie er: muß et han für't Geschäft zu betreiben, unun auch sons Tina, Tina!" noch. Ich kann doch net eso power auftreten. Gell, Vadder, Du bis efo gut, un hilft mir aus der Bredullich!"
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Was sollte der Alte machen, wenn sein Hannes so bat, wurde ja der störrischte Gaul zahm. Und den Jung' in der Batsche siten lassen, das ging doch nicht an, dann würden die Leute gleich reden:„ Die Mühl is neist wert mehr, dat geht eweil net gut!" Ja, die waren immer bereit, zu flatschen, weil die powre Packasch scheel sah auf's reiche Müller geschlecht!
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Die Frau fam aus der Küche gelaufen.
,, Tina, gieb dem Lena die Schlüssel. Im Rauch hängt en Schinken, den gehste nehmen, Mädchen, und bringst hän heihin- wit, wit***)!"
,, Et is heut Fasttag," wagte die Frau einzuivenden.
,, Aeh wat, Fasttag oder net, dat schärt mich en Dreck. Du wills nur den Schinken net spendieren Frauensleut sein alleweil fnafchtigt) ich sagen Dir, her mit dem Schinken, wir han des ja noch genug. Un laß Eier in die Pfann' schlagen. Un Brot her, der Mann soll net sagen, dat hän hei net fatt kriegt!"
So zog der alte Müller immer wieder seinen Kasten unter'm Bett vor, und der junge dachte, der Schatz könne nie ein Ende nehmen. Er hörte gar nicht hin, was der Vater Es machte Hannes ein Hauptvergnügen, den Landstreicher brummend und grummelnd dabei redete, er pfiff sich eins, recht voll zu füttern; der konnte gar nicht genug essen. Er und wenn er's Geld hatte, war er flott. Halloh, das flog saß dabei, die Ellbogen aufgestützt, und sah zu mit glänzenden nur so unter die Leute. Augen, wie es dem Hungerleider schmeckte.
"
„ Eẞt nur, eßt," drängte er. Gel, eso lecker habt Ihr lang" net gegessen?" Er klopfte dem Bettler auf den Bauch: Eweil is den dick- ja, dat glauben ich!" Wann Euch die Leut' fragen, dann sagt nur: beim Müllerhannes zu Maarfelden, da ist et gut sein."
Da war ein Mann zu Bleckhausen, dem hatte er längst ein Darlehn versprochen, und da war ein Weib zu Bettenfeld , dem war der Mann Tezthin verstorben und sie und die Kinder fauten Hungerpfoten. Und da war ein Mädchen zu Wittlich , ein liebes Ding, dem hatte er versprochen, was Hübsches zu faufen, wenn er's nächste Mal wiederkamtwie, war er Als der Bettler gegangen war, seine armselige Gestalt nicht der reiche Müllerhannes?! Der Küster hielt ihm den Stlingelbeutel länger hin, der wußte genau, der Müller und die barfußzen Beine um die Wegbiegung verschwunden hannes gab feinen Burentnopf- und Pastor Cremer, das waren, stand Müllerhannes noch lange in seiner Thür und arme Männchen, daß selber nichts hatte, tam bei ihm bitten ließ die Blicke rundum gehen. Was hatte er nicht alles?! für die Bedürftigsten der bedürftigen Gemeinde. Blickten sie ein im Steller, Schinken im Rauchfang und Forellen auf Eine stattliche Mühle, Pferde im Stall, Kühe auf der Weide, Wein nicht alle zu ihm auf, wie zum lieben Herrgott!? Wahrhaftig, er konnte sich nicht lumpen lassen.
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Heut war ein Fasttag. In der Mühle hatten sie zu den Kartoffeln Forellen aus dem Bach und Pfannkuchen für die, die noch nicht fatt daran wurden. Es gab reichlich, aber die
*) Mehlstaub. **) Entrez! ***) Vite †) Anauferig.
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schnell.