Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 31.
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Freitag, den 13. Februar.
1903
( Nachdruck verboten.) Sie hatten doch erwartet, er würde wenigstens tüchtig weinen; verdient hatte sich das wahrlich der gute alte Mann um den Sohn.
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Die alte Kirchweilern weinte desto mehr: nun da der Matthes für tot im Kirchenbuch eingetragen stand, erlosch auch Eine wahre Gier ergriff den Hannes- warum hatte der die Rente, die der Bonifacius- Verein so lange noch immer Noldes auch gesagt: es geschehen Wunder. Log der alte gezahlt. Sie jammerte und rang die schwachen Hände- nun Mann in seinem schneeweißen Haar? Nein,' s war ihm war das größte Unglück über sie hereingebrochen, sie mußte nicht wie eine Lüge über die Lippen gegangen. Es war schon aus ihrem Haus. Das wollte der Bonifacius- Verein verwahr Wunder hier mußte ein Wunder geschehen! Und faufen. Und wo kriegte sie denn nun ihren Staffee her, wie ein Erfrankender, der nach dem Strohhalm greift, faßte und wo ihren Wecken? Oh, daß ihr Mann auch so schlecht der Begehrende in die dunkle Luft mit beiden Händen und für sie gesorgt! Die Thaler für ihrer beider Begräbnis hatte schloß die Fäuste, als gälte es schon einen Zipfel vom aber wohl beiseite gelegt, aber an seine Wittib bei ihren Lebgeschabten Röcklein seines Alten zu fassen. Nichts leer die zeiten hatte er nicht gedacht. Hände kein Wunder! Sie flagte den Toten mit Bitterkeit an. Der konnte In ohnmächtiger Wut begann der Ungeduldige zu fluchen, ja nicht sprechen:" Erfüs', ich han gemeint, ich un Du ſein aber dann fiel ihm ein: beten hatte der Noldes nicht ge- eins!" sagt, beten muß man dabei? Ah beten, bitten, betteln Der Sohn sprach rasch:" Mutter, Du kömmist bei mich!" das war nicht nach seiner Art, nein! Aber davon wollte sie nichts wissen: in die Mühl, die nicht Unmutig warf der Trotzige den Kopf zurück; aber er hörte mehr die Mühle von früher war, in die Mühl mit dem immer wieder den Noldes sprechen:„ nur beten muß man!" faputen Dach, das dem Vater immer so geärgert, das man Der Noldes war ein Esel, was der sagte! Ueberhaupt, wer so wie so nicht lang mehr überm Stopf haben würde-, hatte denn Respekt vor dem?! Die Bauern im Dorf? Noch nein, nein, dann lieber gleich in's Armenhaus! Sie widerlang nicht! Kaum die Weiber und die Schulkinder. Und des stand eigensinnig. Mit Gewalt fast mußten sie die Großmutter Noldes Oberen sahen schon lange scheel olau, wie kann holen.
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man sich nur von dem verfindeten, armseligen Pastörchen Sonst wäre Hannes aufgebraust, jekt ertrug er das Geso ein Märchen aufbinden lassen?! Wunder?! Es geschehen jammer mit leidlicher Geduld. Nur auf den Vater Ett er kein feine Wunder mehr!
Und doch faltete Hannes jetzt plötzlich die Hände- seinen Alten würde er doch gar zu gern wiedersehen.
Es war ein wunderliches Gebet, daß der Müllerhannes zusammenstoppelte; er ächzte dabei und große Tropfen Schweiß rannen ihm in Hast und Drang übers Gesicht.
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böses Wort. Wie der da gelegen hatte, im grünbraunen Flauschrock, mit den abgeschabten Ellenbogen, das Tuch um den Hals, die Belzmüze über den Ohren gefroren war die Leiche unterm Schnee gewesen all die Zeit teine Runzel hatte sich geändert in dem alten, vertrauten Gesicht! Und friedlich sah's aus, freundlich--, Hannes, wat machste, mein Hannes, wat denkste dann eweil?" Noch einmal, leibhaftig, hatte er sich dem Sohn gezeigt- mun war er dem heilig.
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Oben auf dem Kirchhof am Berghang, neben die Tina war der Alte zu liegen gekommen. Drum herum ging das Leben weiter seinen Gang. Auf den Aeckerchen wurden Kartoffeln gelegt und Runkelrüben gepflanzt; trafen sich wo zwei, so ging gewiß die Rede:" No, wie stehn eweil Dein' Grumbieren), mein Rummeln**) sein äwer schons groß!"
Am Morgen schien die Sonne hell, die am Abend vorher zum erstenmal gezeigt, daß sie überhaupt noch da sei. Ganz oben am Schnee der Hänge leckte sie, leckte mit scharfer Zunge die Aeckerlein blank, daß die ihre dunkle Krume zeigten. Die bäuerlichen Köpfe, die eingeduselt waren im langen. Frost und Schnee, fingen auf einmal an zu denken: Im März nimmt der Bauer den Pflug beim Sterz in ganz Maarfelden rührte sich's. Auch Fränz stand am Mühlengiebel, das Kleid hoch geschürzt, die Füße auf einem Stein und bedachte eben, wie sie Auf den grünen Rasenstückchen zwischen den hängenden, hinüberkommen sollte durch das Wasser, das statt all des goldgelben Ginsterstauden kletterten die weißen und grauSchnees den Pfad jetzt übergoß. Zwischen den Weiden lag schedigen Ziegen von Maarfelden und ihre Hüter, die schmutznoch Schnee, aber nicht mehr viel, hier und da guckte schon nasigen Schulbuben und Mädchen äfften mit ihren jungen die Erde durch- Fränz schirmte mit der Hand die Augen Kehlen das zufrieden- satte Gemecker nach. gegen die blendende Sonne: ob sie da zwischen den Weiden Der Buchenbusch hatte sich saftgrün gefärbt, die Brombeerneben dem Pfad vielleicht trockenen Fußes durchkam? Sie ranten trieben, die Haselnußstauden blühten. Pfarrer Noldes guckte und guckte plöglich wurde ihr Gesicht lang, ganz blaß. hatte jetzt gute Zeit, denn am Maar hatten die Weiden Sie reckte sich auf den Zehen, die Augen riß sie auf, schreckhaft tausend junge biegsame Schößlinge und neue Binsen standen einen zitternden Atemzug that fie, ein paar Schritt dicht im Kranz. watete sie näher noch ein paar Schritt und jetzt Der Bittgang um die Gemarkung war schon abgehalten ließ sie den Korb, darin sie im Dorf Salz und Kaffee zu taufen gedacht, fallen, stieß einen lauten Schrei aus und sprang, gejagt, mit ein paar wilden Säßen zur Hausthüre zurück, daß das nasse Schneewasser, in das sie achtlas patschte, ihr bis an die Ohren spritzte.
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Drinnen jaß der Müllerhannes allein, die Ellenbogen aufgestützt. Sein Gesicht war finsterer denn je. Die Sonne ärgerte ihn, die tanzende Kringel vor ihn auf den Tisch warf. Wie durfte die lachen, wenn er wartete?
Er hatte gebetet gebettelt wie ein Lumpenfert- und he, wo blieb mum dem Noldes sein Wunder?! Pfiff nicht der Thauvind ihn draußen aus?!
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Da wurde die Stubenthür aufgerissen, Franz stürmte herein. Beide Arme vorgestreckt, stürzte sie gegen den Vater; ihre Lippen zitterten, ihre Zähne klapperten, kaum daß sie's herausbrachte im plöglichen Schrecken, halb lachend, halb
weinend:
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„ Den Großvadder- den Großvadder Weidenbäum' Vadder, da is hän!" XVIII.
voran der Küster mit der Fahne, dann der greise Pfarrer mit den zwei weihrauchschwingenden Knäbchen, hinterher die ganze Gemeinde, Männer und Weiber; so waren sie inbrünstig betend und singend gezogen, hoffte doch ein jeder für sein Stückchen Acker einen besonderen Segen.
Es war ein herrlicher Mai. Anstatt des Frostes, den er sonst noch oft gespendet, gab er heuer Sonne mit vollen Händen, und als der Juni kam, wogte selbst auf der Höhe der felsigen Bergkuppen der Roggen wie ein grünes Meer. Ganz Maarfelden jubelte.
Nur in der Maarfeldener Mühle war's still. Das Dach drippte immer noch; es war nicht geflickt worden, wozu auch? Damit andre trocken saßen? Nein, mochte nur alles verfallen, jetzt, wo man doch heraus mußte!
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fein Die Sparbank hatte ihre Hypotheken gekündigt Wunder, wie kam sie dazu, ihre Zinsen wegzuschmeißen? Der Kirchweiler kam ja doch zu nichts mehr, dem war nicht unter den zu helfen, er war ein notorischer Lump- wenigstens sagten so die Gewährsmänner.
Die Maarfeldener wunderten sich darüber, daß der MüllerHannes alles so ruhig hinnahm, als man seinen Alten begrub.
Noch einmal ließen die Müller oben am Bach anfragen,
*) Kartoffeln.
**) Runkelrüben.