Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 47.

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Das Geld.

Sonntag, den 8. März.

( Nachdruck verboten.)

Roman von Emile Zola .

1903

plögliche Auffahrt zu den Gipfeln der Vergötterung. Ja, er wollte diese königliche Mildthätigkeit besser verteilen, diesen über Paris sich ergießenden Goldstrom in richtige Kanäle leiten.

Bei Anlaß eben dieser Gründung lernte Saccard die Es blieben noch zweihundert Millionen: welche Werke Fürstin Orviedo kennen. Er besaß ein Stück von dem Ge- konnten noch geschaffen, welche Wunderdinge aus dem Boden lände, welches sie für dieses Heim ankaufen mußte, einen gezaubert werden! Abgesehen davon würden sie durch ihn alten Garten mit schönen Bäumen, der an den Park von Früchte bringen, diese Millionen; er wollte sie verdoppeln Neuilly angrenzte und längs des Boulevard Bineau sich hin und verdreifachen, er würde sie so trefflich anzuwenden wissen, 30g. Durch die schneidige Art, mit der er bei Geschäften daß er eine ganze Welt aus ihnen gewänne. Dann touchs verfuhr, hatte er die Fürstin gewonnen; sie wünschte ihn bei seiner Leidenschaft alles ins Ungeheure, er lebte nur noch infolge verschiedener Schwierigkeiten mit den Bauunter in diesem berauschenden Gedanken, die Millionen in endlosen nehmern wieder zu sprechen. Er selbst hatte für jene Ar- Almofen auszustreuen, das beglückte Frankreich damit zu beiten Interesse gezeigt; seine Phantasie war von dem groß überfluten. Und förmliche Rührung ergriff ihn, denn er artigen Plan entzückt, den die Fürstin ihrem Baumeister vor blieb bei der tadellosen Redlichkeit, und kein Sou blieb ihm schrieb: zwei monumentale Flügel, einer für die Knaben, an den Fingern kleben. So stieg wie eine Vision in seinem der andre für die Mädchen, sollten miteinander durch ein Kopfe allgemach ein riesengroßes Idyll auf, ein harmlos Hauptgebände verbunden sein, worin die Kapelle, die Wohnung unbewußtes Idyll ohne jeden Beigeschmack des Wunsches, der Schwestern, die Verwaltung und alle Diensträume sich seine ehemaligen Freibeutereien wieder gut zu machen, um so befanden; jeder Flügel hatte dann einen ungeheuren Hof für mehr, da am Ende der Vision dennoch der Traum seines sich, seine eignen Arbeitssäle und allerlei Zubehör. Was ganzen Lebens stand, nämlich die Eroberung von Paris . vor allem Saccard begeisterte und seinem eignen Geschmack König der Mildthätigkeit sein, der angebetete Gott der Menge für das Große und Prunkvolle zusagte, das war der ent- aller Armen, ein einziger und volkstümlicher Mann werden, das ging faltete Lurus, das gewaltige Bauwerk und das Material, die ganze Welt mit seiner Person beschäftigen, welches den Jahrhunderten Trotz bieten konnte, die Ver- fogar über seinen Ehrgeiz. Welche Wunder könnte er ins schwendung von Marmor, die mit Fayenceplättchen aus- Werf setzen, wenn er seine geschäftlichen Fähigkeiten, seine gekleidete Küche, in der man einen Ochsen braten konnte; Findigkeit, seine Hartnädigkeit, seine völlige Vorurteilslosig­riefengroße Speisejäfe mit eichener Täfelung, lichtüberflutete, feit zum Guten und Edlen verwendete! Dann hätte er die durch einen hellen Anstrich erheiterte Schlafsäle, ein Weißzeug- unwiderstehliche Kraft in Händen, welche Schlachten gewinnt: saal, ein Baderaum, ein Seranfensaal mit verfeinertem Geld, Geld in vollen Kästen, das Geld, welches oft so viel Lurus; überall mächtig große Gänge und Treppen, die im Leid zufügt und welches so viel Gutes wirken könnte, sobald Sommer trefflich gelüftet und im Winter geheizt waren, furz, inan in Freigebigkeit seinen Stolz und seine Lust setzte. Dann das ganze Haus in Sonnenlicht gebadet, voll jugendlicher schwollen seine Pläne immer höher an, und er gelangte dazu, Heiterfeit und wohlhabender Behaglichkeit. sich zu fragen, weshalb er nicht die Fürstin von Orviedo heiraten sollte. Das gegenseitige Verhältnis würde klarer und jede übelwollende Deutung verhindert.

Wenn der Baumeister über diese ganz überflüssige Bracht feine Bedenken aussprach und vom Stoſtenpunkt redete, dann that die Fürstin mit einem Wort Einhalt: sie habe einst den Lurus besessen und ivolle ihn jetzt den Armen zu teil werden Tassen, damit diese ihrerseits ihn genießen könnten, sie, von denen der Lurus der Reichen herrührt. Ihre fire dee be­stand aus diesem einen Traum, die Elenden überglücklich zu machen, sie an der Tafel der Glücklichen dieser Welt Plat nehmen und in ihren Betten schlafen zu lassen. Nichts mehr vom Almosen einer harten Brotfruste oder eines elenden Nachtlagers, sondern ein behagliches Dasein inmitten von Palästen, in denen sie zu Hause wären, in denen sie ihrer seits die Genüsse der Gebieter der Welt kosten könnten! Bei dieser Verschwendung wurde die Fürstin trot ungemein großer Voranschläge in abscheulicher Weise bestohlen: ein Schwarm von Unternehmern lebte von ihr, von den Verlusten infolge mangelhafter Aufsicht gar nicht zu reden; man ver­schwendete das Gut der Armen. Da öffnete ihr Saccard die Augen und fügte die Bitte bei, sie möge ihm die Prüfung der verworrenen Rechnungen überlassen. Er that dies übrigens ohne jede Nebenabsicht, um der einzigen Luft willen. diesen tollen Tanz der Millionen zu regeln, der ihn zur Be­geisterung hinriß. Nie hatte er sich so peinlich gewissenhaft gezeigt; in dieser riesengroßen und verwvidelten Angelegen heit war er der thätigste und redlichste Mitarbeiter; er opferte feine Zeit, sein Geld sogar und fand seinen alleinigen Lohn in der Freude an den bedeutenden Summen, die ihm durch die Hände gingen. Im Arbeitsheim kannte man fast nur ihn; denn die Fürstin ging nie dahin, ebenso wenig als sie ihre andren Gründungen besuchte. Sie blieb in ihren drei Fleinen Zimmerchen verborgen wie die gute, unsichtbare Göttin. Er aber war daselbst hoch verehrt, gesegnet und mit all der Dankbarkeit überhäuft, welche die Fürstin zu ver­schmähen schien.

Einen Monat lang manövrierte er geschickt, setzte herr­liche Pläne auseinander und glaubte sich unentbehrlich zu machen. Und eines schönen Tages brachte er mit ruhiger Stimme ganz harmlos feinen Vorschlag an und entwickelte sein großes Projekt. Es war ein förmlicher Gesellschafts­vertrag, den er der Fürstin anbot; als Verwalter der vom Fürsten gestohlenen Summen verpflichtete er sich, dieselben verzehnfacht den Armen zurückzustellen. Mit ihrem ewigen schwarzen Seleid und ihrem Spitzenfichu auf dem Kopf hörte ihn die Fürstin aufmerksam an, ohne daß irgend welche Auf­regung ihr gelbliches Gesicht belebte. Die Vorteile einer der­artigen. Verbindung sprangen ihr in die Augen; die andren Rücksichten dagegen blieben ihr gleichgültig. Ihren Bescheid verschob sie auf den folgenden Tag und lehnte dann ab; ohne 3weifel hatte sie bei sich überlegt, daß sie sonst über ihren Almosen nicht mehr die einzige Herrin wäre, während sie als umumschränkte Gebieterin darüber zu verfügen gedachte, selbst in thörichter Weise. Indessen sette sie Saccard auseinander, daß sie sich glücklich schäzen würde, ihn als Ratgeber beizu­behalten, und zeigte, für wie wertvoll sie seine Mitwirkung hielt, indem sie ihn bat, weiterhin mit dem neuen Heim sich zu beschäftigen, dessen thatsächlicher Leiter er war. Eine ganze Woche lang empfand Saccard heftigen Stummer wie beim Scheitern einer teuren Idee. Nicht als ob er in den Abgrund der Gaunerei zurückzusinken fürchtete; aber wie ein sentimentales Lied selbst den verkommensten Trunkenbolden Thränen in die Augen treibt, so hatte jenes Riesenidyll von einer Wohlthätigkeit mit ungemessenen Millionen sein altes Freibeutergemüt erweicht, und nun stürzte er wieder zu Boden und diesmal von sehr bedeutender Höhe. Es war ihm zu Mute, als sei er entthront. Jederzeit hatte er im Besize des Geldes außer der Befriedigung seiner Ge­Seitdem hegte Saccard einen unbestimmten Plan, der lüfte zugleich den Brunt eines fürstlichen Lebens gesucht, und mit einem Male, sobald er als Mieter in das Hotel Orviedo nie hatte er diesen in genügendem Maße besessen. Seine cinzog, die scharfumrissene Selarheit eines Verlangens erhielt. verbissene Hartnädigkeit stieg mit jedem neuen Sturze, mit Warum follte er sich nicht gänzlich der Verwaltung der guten jeder Hoffnung, die ihm dahinsank. Als daher sein Plan vor Werke der Fürstin widmen? Ihm, dem Besiegten der der ruhigen und runden Weigerung der Fürstin zusammen­Spekulation, der noch nicht wußte, welcherlei Reichtum er stürzte, fühlte er sich mitten in die grimmigen Kampfgelüfte wieder aufbauen fönnte, trat in den jezigen bangen Stunden zurückgeschleudert. Der Drang zu fämpfen, im herben Strieg dieser Plan wie eine neue Menschwerdung entgegen, wie eine I der Spekulation der Stärkste zu sein, die andren aufzufressen,