235
"
Damit rechtfertigt sich auch der Titel des Buches. Der Verfasser Stadt") von Richard Huldschiner zu. Er spielt in Tirol unternimmt es zu schildern, wie alle arbeitenden Stände, nicht nur bei der Engelsburg " der Margarete Maultasch . Historische und der Handarbeiter im engeren Sinne, der Proletarier, um ihre sagenhafte Reminiscenzen schwingen da in eine stille Liebeshandlung Eristenz ringen und unter der Verkehrtheil der heutigen Verhältnisse hinein, eine Liebeshandlung, die von Menschen unsrer Tage zu leiden haben, wie sie unglücklichen Zufällen, Arbeitslosigkeit und redet. Die stille Stadt ist ein fleiner Ort, da unten Untergrabung der Gesundheit auf der einen, Geschäftsstodungen im Gebirge, in dem jeder Mensch ein Sondertesen ist. Jedes Haus und Krisen auf der andren Seite ausgesetzt find, an denen hat sein eignes Gesicht. Und jeder Mensch in dieser Stadt hat sein fie feine Schuld tragen und die sie nicht abwehren eignes Gesicht, und feinen läßt sie aus, der nicht den Stempel einer fönnen. Im Vordergrunde der Handlung steht der Sohn geheimnisvollen Besonderheit mit sich davon trüge". Das Glüc eines Handwerkers, der des legteren allmählichen Geschäftsruin wohnt nicht in ihren Mauern und ihre Stille ist nicht der Frieden mit erlebt und hierdurch sowie infolge eigner Schicksale der Wunschlosen. Ihre Stille ist vielmehr Verzicht und das innerliche auf die Erforschung der Ursachen hingelenkt wird. Die Typen der Verbluten gefchlagener Kämpfer, die den Wahn des Kampfes erkannt andern Stände, der Bauer, der Fabrikant, der Arzt, ein Staats- haben. Die ganze Stadt ist wie ein Friedhof, Leichenstein bei beamter, große und kleine Handeltreibende, erwerbende Frauen, wie Leichenstein, weiß, kalt, hohnvoll und unsäglich still". Ein Friedhof, eine Privatlehrerin, eine Gefindevermieterin, endlich Fabrik- in dem das Weib begraben ist, das vielleicht das Glück" gearbeiter werden zur Handlung derart in Beziehung zu setzen versucht, bracht hätte, ein Friedhof, den religiöser Fanatismus schleichender daß der Held die traurigen Schicksale dieser Personen beobachten Mönche in langem, langem Haß gefüllt hat. Ein Jude liebt eine fann und mit ihnen in Rapport tritt. Er erkennt den Druck, der christliche Frau. Aber sie kommen nicht zusammen; denn die Geliebte auf allen laftet, auf den Reichen wie auf den Armen, und stürzt sich zum Fenster des alten Schlosses hinaus. Durch das ganze Buch fieht die Folgen dieses Zustandes, Hunger, Untergrabung der Ge- geht zionistische Sehnsucht. Die Sprache hat träumerische Ver sundheit, Verlotterung, Verbrechen, Prostitution und Verzerrung des sonnenheit. Die Menschen hufchen wie gespenstige Schatten vorüber, Begriffs der Ehe, die ein Handelsartikel geworden ist. Durch den die Handlungen zucken in Schmerz getaucht. Verblutendes Sehnen, Untergang seiner Familie, besonders seiner Braut, einer Fabrit- die feine Stimmung der Stille, Chrismus ist alles. Ein Roman ist arbeiterin, wird in ihm die Begeisterung geweckt, für die das nicht, aber eine reizvolle Novelle, eine Apologie jener Allgemeinheit im Sinne einer Besserung der Weltordnung differenzierten Sehnsucht im Volte Jsraels, welche in der zionistischen auf socialistischer Basis zu wirken. Er wird der Führer dieser Bewegung ihren sonderbaren, seelischen Ausdruck empfangen hat. Boltsbewegung und erhält als Abgeordneter des Reichstags für Ernst Kreow sti. die Verwirklichung seiner Bestrebungen weitesten Spielraum. Man wird aus diesen Andeutungen ersehen, daß der Verfasser alle Kontrasterscheinungen des Daseins nebst allen Argumenten be rücksichtigt hat. Käme es darauf an, so wäre gegen den Roman wenig einzuwenden, weil er zudem durch fleißig studierte Milieuschilderungen des Wienerischen Lebens, besonders aber durch Verwertung d. Erinnerungen. Es war eigentlich kein Blah mehr auf dem eines unverfälscht wiedergespiegelten Dialektidioms, als echteftes Perron; die beiden Männer in der Ecke rückten indessen zusammen, Charakterisierungsmittel äußerst wirksam gehoben erscheint. Ebenso der junge Arbeiter nahm sein Handwerkszeug unter den Arm und richtig sind die meisten Personen, namentlich aus dem Arbeiter- und so fand der Alte doch noch ein Eckchen; er bot eine etwas auffällige Kleinhandwerkerstande hingestellt, so lang fie in ihrer Sphäre ver- Erscheinung. Linkisch und unbeholfen, in einem Rock von start verbleiben. Sie erhalten aber fast ohne Ausnahme immer einen Stich altetem Schnitt, berriet er auf den ersten Blick den Provinzialen ins gewaltsam konstruierte, sobald sie der Verfasser heraustreten Hermannplay!" fagte er zum Schaffner." Sie fahren doch läßt. Num reden, handeln, steigen und fallen oder enden sie, wie er Hermannplay?" es will. Jedem ist die Quinteffenz einer social formulierten Anschauung hinten angeklebt, etwa, wie die altitalienischen Maler den auf ihren Bildern dargestellten Menschen erklärende Bettel in die Hand oder den Mund gegeben haben. Ein arbeiterfreundlicher Unternehmer vom Schlage des Großfabrikanten Hartmann, der sich sogar mit Mary', Lassalles Schriften vertraut zu machen unternommen hat, der schließlich mit dem Helden des Romans, feinem Vorarbeiter Duzbruderschaft schließt, ist, wenigstens nicht für jene Zeit der Anfänge des Socialismus in Destreich, faum denkbar. Auch die Menschenfreundlichkeit des Kassenarztes dürfte schwerlich soweit gehen, gleich jedem Patienten bei Konsultationen über Proletarierkrankheiten und deren Vermeidung ein Kolleg" da hieß die hier so." Die halten. Lebensführung der Bauern- Marie von
zu
"
als
Kleines feuilleton.
,, Allemal, Hermannplah, Rigdorf."
" Man findet sich ja gar nicht mehr hier zurecht," sagte der Alte, müßte er sich der Frage wegen entschuldigen; er warf einen hilflosen Blick über die Gegend:" Das hier, das ist doch die... die Pionierstraße, nicht wahr?" Blücherstraße," erwiderte der Schlosser. Pionierstraße? Nee jiebt's ja gar nich."
-
-
" Doch, doch die Pionierstraße muß hier herum sein." " Js mal gewesen," mischte sich der Graubart in der Ecke ina Gespräch." Pionierstraße? Liebe Zeit! Wie lange is' n das her?" " Das war vor zwanzig Jahren mal," lachte der junge Arbeiter, Denn ist sie das hier doch?" Der Alte schien sich zu freuen,
Blücherstraße," wiederholte der Graubart." Sind wohl lange
der Vergewaltigung durch einen zum Strolch hinabgesunkenen daß er Recht behalten:" Und jetzt heißt sie? Wie heißt sie? BlücherSchreinergesellen bis ins Bordell hat den Haut- gout gewisser straße? Wiener Lofalblätter. Die Motivierung des Streits mit nachfolgendem Krawall klingt unwahrscheinlich. Sollten gewerkschaftlich nicht hier gewesen?" organisierte Arbeiter denn wirklich nicht die Ziele der Organisation und
" So an die zwanzig Jahre nicht... erst jetzt wieder nach Berlin
den Zweck eines Streits fennen? Endlich schmeckt gekommen." Der Alte wurde redselig.
„ Na, denn tennen Sie die Gegend überhaupt nicht wieder," auch des Helden große Jungfernrede im Parlament, mit der das Buch schließt, allzu aufdringlich nach Apotheose lachte der Graubart, vor zwanzig Jahren? Liebe Zeit! Da war und Papier. Die dem Urwiener anhaftende Weichheit, man ja hier schon aufs Dorf." " Ja, anders war's." Der Alte nickte und maß die hohen Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit in mancherlei Dingen ist auch mit Die vielen Straßen! Und früher dem Verfasser über Gebühr durchgegangen. Wenn er davon los- Häuser mit scheuen Blicken. tommt, verspricht er einmal Bollendeteres zu leisten. Denn dieser waren da nur Gärten und Wiesen, und drüber weg sah man die Roman ist trotz aller seiner Gestaltungsmängel immerhin als eine Kirchhöfe in der Bergmannstraße. Das war fast wie' n Wald." höchst erfreuliche Kraftprobe zu bewerten.
" Na, die Kirchhöfe sehen Se heut auch noch; da kommen se schon." Der junge Arbeiter wies die Bärwaldstraße hinunter. " Ja, da sind sie!" Der Alte nickte und wieder streifte sein Blick
hier
" wo, die stand weiter rauf, die stand ja oben bei die Karusselle, war die Eisbahn," fiel der junge Arbeiter ein. Eisbahn?" wiederholte der Alte.
Die war ja doch erst zehn Jahre später," sagte der Graubart, ja, die Schwedische Eisbahn. Das war damals die größte hier im Südwesten; und dann liefen wir bei elektrischem Licht. War was Neues damals. Ja, das ist auch gewesen."
Weit weg von irgendwelchem socialen Anhauch bewegt sich „ Ein Kleinstadtroman" bon Georg Wasner.*) Ein Regierungsbaumeister, der von Berlin nach einem ostpreußischen Land- die endlosen Straßenzüge hinab. Lieber Gott, wenn ich so dente: städtchen verfekt ist, nebst seiner jungen Frau geben darin den Angel- bor zwanzig Jahren, da fingen hier schon die Buden an, und die erste, punkt der ziemlich alltäglichen Handlung ab. Wie die beiden Großstadt- die man sah, das war eine mit Menschenfressern." menschen sich dort zurechtfinden müssen, sowie sie mit den Honoratioren, als da find: der Landrat, der Bürgermeister, der Gymnasiumsdirektor, der Landgerichtsrat, einige Gutsbesitzer und deren Frauen in Verkehr und Widerpart geraten, wie darunter das Glück ihrer The zusammenzubrechen droht: das macht die Handlung aus. Der Verfasser ist ja wohl emfig dabei, das Ostpreußentum jener Kleinstädter recht eindringlich zu kennzeichnen. Aber all' dieser Kleinfram ist doch eher dazu angethan, falsche Vorstellungen zu wecken. Denn was sich da als ostpreußische Art geriert, ist typisch für jedes Landnest, wo auch immer es sei. Zum Schlusse läßt es der Verfaffer auch nicht an einer gruseligen Scene für empfängliche Seelen fehlen. Er führt den Baumeister an einem Felsen am Flusse soll doch wohl bloß ein„ erratischer Block" sein? bon wo herab er seine junge Frau stürzen will. Das ist doch ein bißchen reporterhaft und unwahrscheinlich. Alles in allem genommen: ein Kon bersationsroman ohne litterarische Note.
-
-
Eher kommt diese Bezeichnung dem Roman:„ Die stille
Er seufzte leicht.
Den Alten schien die Eisbahn nicht zu interessieren; er fing wieder von den Menschenfressern an." Ja, die Bude; wenn ich an die Bude mit den Menschenfressern dente! Meine kleine Schwester schrie jedesmal, wenn sie bloß in Sicht kam, und ich faßte auch an Mutters Rock. Links waren die drei gemalt, die trugen blutrote Federkronen
und