Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 162.
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Die flucht.
Donnerstag, den 18. August.
( Nachdruck verboten.)
Von K. Bagrynowski.
Woronin überlegte lange. Nein, oder vielmehr
' s ist nichts vorgefallen
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aber was meinst Du, wenn wir zum Beispiel ein Luftschiff!...
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„ Ein Luftschiff! Prachtvoll! Aber komm herein, hier ist's zu falt."
1904
eine Wohnung ausfindig machen. Aber Sie versprechen mir, vor allem zum Doktor zu gehen. Immer losgeradenwegs ins Schlafzimmer... Sagen Sie, ich hätt' Ihnen gerade dies Zimmer bestimmt, es sei eine Beschlagnahme von Staats wegen... Suchen Sie so viel wie möglich zu erblicken, und dann werden Sie mir davon erzählen, ja? Nur ohne Furcht! Geradenwegs ins Schlafzimmer. Wanjka!" rief er laut dem Goliath her!" Burschen zu lauf' zur Wache und schick' mir gleich den
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blizten und er machte sich schnell reisefertig. Mußja wußte sofort, was im Zuge war, seine Augen
Die Bekleidung könnte man statt aus Taffet aus Rattun Denn die Frau Doktor geht vielleicht in die Kirche. Natürlich Ich will mit Wanjka gehen. So komm ich schneller hin. anfertigen, das mit einer wasserdichten Lösung imprägniert will ich gehen! Was können sie mir anhaben. Nichts! Ich würde, mit Wasserglas oder in Alaun ausgekochter Seife.fage, Sie hätten mich geschickt. Wenn die Kameraden mich Um Gas zu erhalten, tönnten wir Holzkohlen in Retorten nicht haben wollen, mögen sie's büßen!" aus Eisenblech erhitzen. Ich habe schon mit Krassuski darüber nicht haben wollen, mögen sie's büßen!" gesprochen; er findet feine Schwierigkeiten dabei. Wir haben's ja nicht nötig, hoch zu steigen. Und wie würden wir fliegen, gelt? Das ist doch viel angenehmer! Auf in die Luft ist er und... pfeif ihm nach! Wir würden die Dschurdschnjaner ihre Mäuler aufsperren! Fliegen würden wir, was?"
" So! ho! und wie!" stimmte ihm Niehorski fröhlich bei. Die Freunde traten in die Stube, und in dieser Nacht schien noch lange Licht aus ihrem Fenster.
5.
Der Isprawnik hörte schweigend zu und fuhr mit dem Rasiermesser vorsichtig über seine rauhe Wange. Von Zeit zu Zeit half er sich mit der Zunge nach, indem er die widerstrebenden Stellen vorschob; zuweilen faßte er sich an seine große Nase und bog sie zur Seite. Er schien ganz in seine Beschäftigung vertieft, aber trotzdem ruhte sein Auge mit Vergnügen auf dem langgestreckten Spiegelbild seines Burschen, der, das Handtuch über der Schulter, hinter ihm stand, und auf der zottigen Gestalt Mußjas, der weiter ab auf einem Stuhl saß. Der Franzose redete ohne Unterlaß und illustrierte seine Erzählung mit dramatischen Geberden. Der rote Schein, der von der purpurroten Tapete des Schlafzimmers, der amarantenen Bettdecke des Jsprawniks und den schweren, kirschroten Gardinen am Fenster aus ging, tauchte die Anwesenden in ein geheimnisvolles Licht und stimmte den Distriktschef" sehr gemütlich. Er hatte eine Vorliebe für rote Farben, denn wenn er sie um sich sah, fühlte er sich ein wenig" General", obgleich er seinem Range nach faum Hauptmann war. Das war auch der natürlich nicht zugegebene Grund, weshalb er seinen Bucharaschlafrock mit den zinnoberroten Aufschlägen gern so lange wie möglich anbehielt. Ein angenehmer Traum, der rote Nebel und die Erzählungen Mußjas hatten ihn sehr fröhlich gestimmt.
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Wer will heiraten?" fragte er unvermittelt und legte das Rasiermesser nieder.
Mußja schwieg, und riß den Mund zu einem erstaunten Lächeln auf.
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Das hab' ich ja gar nicht gesagt. Ich hab' nur gesagt, ich müßte ausziehen, ich hätte in der ganzen Stadt herum gesucht und niemand wolle mich aufnehmen. Und da ich doch bei der Kälte nicht auf der Straße wohnen kann, so.. „ Aber wie kommt das? Das muß doch einen Grund haben? Ich weiß nur zu gut, mein Herr Mußia, daß bei Ihren Landsleuten immer alles mit den Frauen zusammenhängt. Cherchez la femme," fügte er mit haarsträubendem Accent hinzu. Das Gesicht des Verbannten wurde wieder von einem mühsam unterdrückten, zufriedenen Lächeln aufgehellt. Sehen Sie, Krassuski richtet sich die Schmiede in Niehorskis Jurte ein, Nieborski zieht zu Alexandroff. Und da Nichorski mich nicht leiden kannweshalb weiß ich selbst nicht, also"
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in Dschurdschni begleitet, schon so früh der Wohnung des Als die Einwohner Mußja, von dem stämmigsten Kosaken Arztes zusteuern sahen, blieben sie erstaunt stehen und schüttelten den Kopf; die Frauen, denen die Kinder von dem Ereignis" berichteten, eilten trotz der Kälte vor die Thür, nebst Goliath aus dem Hause des Doktors stürzte, und dann um den Anblick nicht zu versäumen. Als Mußia bald darauf der Hausknecht mit einem Blatt Papier zu Ticherewin eilte, war die Neugierde grenzenlos. Mußja wurde mit Fragen überschüttet; aber er sette eine geheimnisvolle Miene auf und warf allen vor, sie wollten, er solle ihnen gegenüber freundschaftlich handeln und aufrichtig sein, aber ihn zum WohnungsDas wirkte abgenossen haben wollen das gab's nicht. fühlend auf die Zudringlichkeit der Neugierigen. Sie wandten sich also an Goliath. Aber der Kosak versicherte, er sei unschuldig, er wisse von nichts, denn er sei in der Küche geblieben. Trotz des schlechten Empfanges, der seinem Gesandten geworden, war der Polizeichef hocherfreut. Im Städtchen gärte und summte es wie in einem aufgescheuchten Bienenschwarm. Der Arzt kam. betrunken vor die Thür und drohte, er würde der ganzen Polizei" die Knochen kurz und klein schlagen.
Wie gewöhnlich in solchen Fällen, erhob die Opposition von Dischurdschniden Adjunkten des Polizeichefs an der Spitze das Haupt. Es wurde bemerkt, daß Denisoff, Polizeischreiber und erster Don Juan des Städtchens in einer Person, in das Haus Kosloffs trat, dessen Tochter für das hübscheste Mädchen in Dschurdschnj galt. Sofort wurde der Polizeichef davon benachrichtigt.
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„ Gut! Ich werde ein Paar aus ihnen machen!" lächelte dieser und stürmte zur Revision ins Hospital, dessen Hauptlieferant Kosloff war, und dann in die Schule, wo die Opposition auch ihren Siz hatte. Ueberall fand er eine Menge zu rügen und schrie, so hieß es, wie besessen: Ins Zuchthaus mit Ihnen!" Alles war starr vor Entsetzen, denn der erboste sprawnik teilte nach zwei Seiten Hiebe aus, die sowohl feine Parteigänger, als auch seine Feinde trafen. In der allgemeinen Bestürzung geriet Mußja ganz in Vergessenheit. Bei den Genossen zeigte er sich nicht mehr, nicht einmal seine Sachen hatte er sich geholt, sondern nur eine Jakutin, die Seltucha, danach geschickt, in deren ekelhafter Jurte er einen augenblicklichen Unterschlupf gefunden hatte. Abends kam Tscherewin zu Alexandroff. Des langen und breiten beklagte er sich über sein Schicksal, über die schiefe Lage, in die ihn der unpassende Scherz Mußjas gebracht hatte.
" Ins Schlafzimmer haben sie ihn natürlich nicht gelassen, aber der Doktor ist furchtbar erbost, und denkt Euch nur, er ist über uns alle hergezogen und vor allem, versteht sich, über mich. Kuriose Leute! Uns alle für die Taktlosigkeit eines einzelnen verantwortlich zu machen. Sie können nicht begreifen, daß es unter uns verschiedene Leute giebt. Sogar Aha! So ist die Geschichte!" sagte der Beamte gedehnt. der Aeskulap, der doch Universitätsstudien hinter sich hat, ist Aber wie kann ich Ihnen helfen? Ich kann den Ehemännern derselben Meinung. Wir sollten unsern Einfluß geltend doch nicht verbieten, Angst vor Ihnen zu haben. Sie müßten machen, meint er. Raum ist mir's gelungen, ihm klar zu denn gerade griechisch- katholisch werden und ins Kloster machen, daß wir Verbannten nichts mit der Sache zu thun gehen Uebrigens, wissen Sie was? Ich hab' da einen haben, und daß die Anwesenheit der Kosaken der beste Beweis Einfall! Gehen Sie zum Doftor Krasnopjuroff. Er hat dafür sei, da schrieb er einen impertinenten Brief an den eine hübsche Frau... Dort wird's Ihnen gut gehen. Sagen Bezirksvorsteher. Diesem hat nun jemand gesagt, ich sei's Sie, ich hätt es so angeordnet. Ausgezeichnet! Vortrefflich! gewesen, der den Doktor auf den Gedanken gebracht, er sei Ich will Ihnen gleich einen Kosaken mitgeben, der wird Ihnen der Urheber des Skandals; nun geht er mürrisch umber, auf