Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 210.
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Die flucht.
Dienstag, den 25. Oktober.
( Nachdruck verboten.)
Von K. Bagrynowski.
Auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe brannte das Feuer; Eugenie saß daneben und rupfte Enten, Mußja trug Holz zusammen, Nichorski lag auf einem Bärenfell und sah zum sonnigen, hellen, heiter lächelnden Himmel auf. Pjetroff, dessen Fuß noch nicht ganz geheilt war, vertiefte sich auch in den Anblick des Himmels und behauptete, indem er sich bald von der einen, bald vor der anderen Seite von der Sonne bescheinen ließ, er begriffe jetzt erst, wie recht die Lazzorini haben, wenn sie meinen, die größte Wonne sei, von arbeitenden Menschen umgeben auf der Bärenhaut zu liegen und nichts zu tun. Samuel, der sich neben Eugenie gesetzt hatte und ihr beim Nupfen half, verficherte mit seiner tiefen Stimme, Arbeit adle den Menschen. Ein leiser Wind strich über sie dahin, die Wellen des Meeres murmelten, indem sie den besänftigten Fluß schmeichelnd aufnahmen, und aus der Ferne, von den sonnenvergoldeten Sandbänken her, drang Möwengeschrei und das Geschnatter anderer Vögel an ihr Shr; auf dem Eise in dem blauen Abgrund flammten immer häufiger grelle Blize auf, die Sonne war im Begriff, die dunklen Wüsteneien der Erde zu verlassen und wandte sich dem Ozean zu.
Die Jäger brachten eine Menge Eier mit. Sie hatten nicht erwartet, daß ihre Beute so reich werden würde und daher feine Säcke mitgenommen. Nun famen sie mit vollgestopften Stiefeln an, die ihnen über die Schultern hingen und mit Beuteln, die sie in der Eile aus ihren Hemden gemacht.
Der Ueberfluß an Lebensmitteln rief große Freude hervor. Selbst die Handwerker ließen ihre Arbeit im Stiche und famen herbeigelaufen. Die Eier hatten die verschiedensten Farben, Muster und Größen ganz wie Ostereier; die meisten waren grünlich, und einige davon so wunderhübsch, daß Eugenie immer zögerte, wenn sie zum Zerschlagen an die Reihe famen.
" Ich bitte mir Rührei von vierzig Eiern aus. Auf weniger will mein Fuß nicht eingehen," rief Pjetroff. Die Eier find für die Gesunden! Für die Kranken wird Kaltwasser aus den Schalen bereitet; das heilt wunderbar!" sagte Samuel.
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1904
Arkanoff gejagt hatten. Die Jäger folgten der Spur und verschwanden hinter einer Anhöhe. Sie kamen spät in der Nacht mit Wildbret beladen, aber traurig zurück.
„ Wir sind bis an den Kanal gekommen, der unsere Insek von der benachbarten trennt. Die Spur führte ins Wasser und verschwand," berichtete Jan.
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,, So viel ich weiß, kann Mußja nicht schwimmen," sagte Krassuski.
Vielleicht schwimmt er doch! Vielleicht wollte er nicht gesehen werden. Er ist ein wunderlicher Kauz! Ist der Kanal breit?" forschte Niehorski. ,, Er ist ziemlich breit. Wir wagten es nicht, ihn zu durch
waten."
" Hm!... Und habt Ihr unterwegs nichts bemerkt, hat er irgend etwas getan?"
„ Er muß Absprünge gemacht haben, wie ein Hase. Ein mal hat er geschossen. Wir haben eine leere Patrone gefunden und Entenfedern, die auf dem See schwammen. Er muß ins Wasser gegangen sein und sich ausgezogen oder am Ufer herumgewälzt haben, denn auf dem schleimigen und zerstampften Moose hab' ich viele Abdrücke von bloßen Füßen gesehen. Dann ist er übers Moos gegangen und hat immer die dichtesten Stellen gewählt, denn wir konnten die Spur nur mit Mühe auffinden; erst im Schlamm, am Wasser, ist er wieder tiefer eingefunken. Aber er hatte schon wieder Stiefeln an," erzählte Jan.
Aber er ist's vielleicht gar nicht gewesen, vielleicht war's eine fremde Spur? Und er hat sich in einer anderen Richtung verirrt?" warf Alexandroff ein.
,, Das weiß ich nicht, ich kenne Mußjas Fuß nicht genau, aber es schien mir seine Spur zu sein. Er ist frummbeinig, kehrt die Haken nach auswärts und geht, als ob er lahmte, antwortete Jan.
Jan.
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" Ich weiß wirklich nicht, was wir tun sollen?" flüsterte
,, Wir wollen bis morgen warten," rief Gliksberg. ,, Wenn das eine Insel ist, und er sich verirrt hat, dann muß er verhungern," fuhr Niehorski fort.
„ Wir können die ganze Insel durchsuchen. Es sind unserer so viele!" sagte Woronin.
Die Nacht verstrich in der größten Aufregung. Niehorski sprang jeden Augenblick auf und bohrte die Blicke in den Horizont, um zu sehen, ob nicht die Gestalt Mußjas auftauche. Auch die anderen lüfteten dann ihre Decken und fragten. Nun?"
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verschiedenen Seiten fort. Jan schickte Wonorin und Gliksberg nach zwei entgegengesetzten Richtungen aus, die an der einen Ecke der Landzunge wieder zusammentrafen. Samuel nahm den Weg in der Mitte zwischen beiden. Arkanoff beschrieb Bogen zwischen Samuel und Glitsberg und Jan durchsuchte die Gegend zwischen Samuel und Woronin. Gegen Mittag famen sie zurück. Sie hatten die ganze Insel durchforscht und außer den gestrigen Spuren nichts gefunden.
Die Sonne war dicht über den Horizont gesunken und rollte rot und ungeheuer, wie das glühende Nad eines eisernen Wagens, im Nebel über's Eis. Ein tiefblauer Strich begrenzte das Meer dort, wo es an den Himmel stieß. Es wurde fühl. Er kommt nicht! Ich sehe nichts." Die arktische Sommernacht brach an, die erste Nacht, die sie Früh am Morgen frühstückten sie hastig und gingen nach an der See verlebten. Jan kam, noch ehe sie sich zur Ruhe begaben, mit ein paar prachtvollen Lachsen herbei, die ins Net gegangen waren, und die Verbannten schliefen von Hoffmung erfüllt ein. Sie schliefen lange, und die nicht vom Himmel weichende Sonne wärmte fie mit ihren Strahlen. Als sie aufwachten, war Mußja fort. Er hatte die beste Flinte und einen Blechkasten mit Zündhölzern mitgenommen und war verschwunden. Anfangs ließen sie sich nicht allzu fehr davon beunruhigen, denn sie glaubten, er sei auf die Jagd gegangen. Aber als die Mittagsstunde kam und der Franzose immer noch nicht da war, schauten sie voller Schrecken in die graue, unermeßliche Tundra. Stumm und tot und grenzenlos lag sie in der Sonne da und war so glatt und eben, daß der kleinste Strauch, der winzigste Strunk zum Baume, das jedes Grasbüschel in den Strahlen der niedrig stehenden Sonne zum Haine wurde, der sich deutlich vom blassen Himmel abhob. In einem Umkreise von zehn Werst hätte ihren Blicken nichts verborgen bleiben können.
Er ist womöglich ins Wasser gefallen oder ist auf dem gefrorenen Boden eines der vielen flachen Seen ausgeglitten und hat das Bein gebrochen!" meinte Arkanoff.
Nun, ich hab' etwas gefunden," sagte endlich Woronin, indem er ihnen eine kleine Messingpfeife reichte, die an einem furzen, dicken Rohre angebracht war.
Warum sagst Du denn nichts!" rief Jan lebhaft, indem er die Pfeife ergriff.
„ Es ist eine jukagirische und muß vor kurzem geraucht worden sein, der Saft ist noch nicht eingetrocknet!" fügte er, fie aufmerksam betrachtend, hinzu. Hast Du sie weit von hier gefunden?"
" Ja. An jenem Ende."
" Bah! Das hat nicht viel zu bedeuten! Vielleicht jagen
sie hier."
" In diesen Tagen sind sie nicht hier gewesen, wir hätten sie doch sehen müssen," sagte Pjetroff.
Jan und Arkanoff machten sich auf die Suche. Vor allem ließ Jan Woronin und Glitsberg nach verschiedenen Seiten" Jedenfalls steht's schlimm. Sie müssen nicht weit von hingehen und die Feuerstätte mehrmals umkreisen, um hier wohnen!" meinte Niehorski.„ Aber was sollen wir Mußjas Spur aufzufinden und die Richtung, die er ein- machen? Es ist doch unmöglich, daß wir den dummen Kerl geschlagen hatte. hier verderben lassen!"
Die Spur war bald endeckt, sie führte ins Innere des Landes ungefähr nach der Richtung hin, in der Jan und
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,, Es wird ihm nichts passieren. Wenn er ertrunken ist, dann ist er nicht mehr da. Und wenn er sich verirrt hat, dann