Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 21.

21]

Sonntag, den 29. Januar.

( Nachdruck verboten.)

Der Baumeister.

Roman von Felix Holländer . Notabene, Herr Baumeister, ich habe also für Sie in der Französischen Straße gemietet. Die Wohnung repräsentiert und ist nobel eingerichtet."

,, Und kostet viertausend Mark!"

" Für sieben derartig eingerichtete Zimmer spottbillig!" Das sagen Sie so!.

Wollen Sie etwa in Ihrem Chambre garni die Leute empfangen?

" 1

1905

traum"!" wiederholte er wütend, da sich Keßlers Heiterkeit nicht legen wollte.

,, Sie sind der sonderbarste Kauz, der mir je im Leben begegnet ist!"

Steinert verbeugte sich tief.

Das ist für mich ein veritables Kompliment! Nur die sonderbaren Stäuze nur die, die hier einen kleinen Sparren haben," er deutete auf seine Stirn find es immer gewesen, die die Welt vorwärts gerückt haben... die Korrekten im Lande..." Er spuckte verächtlich aus.

gelitten.

Sechzehntes Rapite I.

Herr Anders humpelte bereits wieder zu den Orchester­,, Davon kann ja keine Rede sein... aber proben in sein Rauchtheater. Der Beinbruch war geheilt, und Es gibt gar kein Aber. Der Baumeister Friedrich Kepler, der Humor des alten Herrn hatte auf dem Krankenlager nicht der das größte und schönste Theater der Welt bauen will, muß standesgemäß wohnen. Und außerdem halte ich es für not­Eines Tages fam er ganz aufgeregt nach Hause. wendig, daß Ihr Bureau im Zentrum der Stadt liegt." Kinder," sagte er, es ist Tatsache. es wird " Haben Sie denn schon für sich ein Logis gefunden?" es ist nicht mehr daran zu tippen. Sie buddeln bereits und " Ja... und zwar ganz in der Nähe des Theaters. Schachten den Boden aus. Nee, wie mich das freut, daß unser Drei sehr nette Zimmer... mit einer wundervollen Baumeister die Sache zustande bringt! Weißt Du, Gretel, unter Aussicht auf.. uns gesagt: ich hab' noch nicht so recht daran geglaubt. Wer Er machte eine kleine Pause und blickte Seßler geheimnis- selber beim Theater ist, weiß ja, wie oft vom Bauen geredet wird, und wie selten es zustande kommt. Na, die Sache wird! Und überall spricht man davon. Und wißt Jhr, woher ich jetzt komme? Direkt vom Bauplatz! Ich habe mich mit eigenen Augen überzeugen wollen."

voll an.

Warum sprechen Sie nicht zu Ende?" Auf unseren Bauplatz," ergänzte Steinert. Und mit fiebrigen Augen fuhr er fort: Ich habe es mich Zeit und Mühe kosten lassen, bis ich diese Wohnung gefunden habe. Ich hätte keine andere genommen... Denn, ſehen Sie, ich kann ohne den Blick auf unser Theater nicht mehr leben. Hier brauche ich bloß, wann es mir beliebt, zu jeder Tages­und Nachtſtunde, auf meinen Balkon zu freten, um das Theater vor mir zu haben!... Wenn Sie wüßten, was das für mich bedeutet! Ich sage Ihnen, es wird keine Nacht Ich sage Ihnen, es wird keine Nacht bergehen, in der ich nicht von diesem Balkon den ausgiebigsten Gebrauch machen werde. Jezt kommt," schloß er langsam, Jetzt kommt," schloß er langjam, ,, die glücklichste Zeit meines Lebens. Ich will sehen, wie Stein auf Stein getragen wird..

Wenn wir die Steine nur erst hätten," erwiderte Steßler mit einent tomischen Seufzer. Im übrigen beneide ich Sie um diese Wohnung, und vor allen Dingen um diesen Balkon. Denn mir geht es gerade so wie Ihnen."

Die Wohnung gehört Ihnen so gut wie mir, und ich hoffe, daß Sie mich oft besuchen werden."

" Darauf können Sie Gift nehmen! Wir werden ja auch sehr viel miteinander zu besprechen haben!" Eine Weile schwiegen sie beide. Jeder von ihnen ging den gleichen Gedanken nach, die in ihnen arbeiteten und ihr Innerstes bewegten.

"

Wiffen Sie, Steinert, daß ich mir eine Kugel durch den Kopf schießen muß, wenn die Sache schief geht?"

" Ja, das weiß ich!" antwortete der Gefragte mit fester Stimme, während er den Baumeister durchdringend ansah.

Und das sagen Sie so ruhig, als ob es sich um eine Bagatelle handelte?..."

"

Das sage ich so ruhig... weil ich Ihnen auf dem Fuße folgen müßte... Auch mir bliebe dann nur noch die Kugel übrig!.

Regler legte beide Hände auf Steinerts Schulter. " Drückt Sie diese Vorstellung gar nicht nieder?. Hat der Gedanke an ein solches Ende für Sie nicht etwas furchtbar Beängstigendes?"

Er hob die rechte Hand wie zum Schwur empor, stellte das rechte Bein einen Schritt nach vorn, nahm eine fühne Schauspielerhaltung an und sagte deklamatorisch:

Shakespeare- Theater!"

Bewegung sich lustig machten, meinte er mit entrüftetem Ernst: Und als Frau Anders und Grete über seine komische Kinder, da gibt es nichts zu lachen! Genau so hat es Herr Steinert gemacht... mitten auf dem Bauplatz.

Wer ist denn Steinert?" fragte Frau Anders. Er zuckte geringschäßig mit den Achseln. " Frage!... Die rechte Hand von unserem Baumeister beim Theater alt geworden ist... Versteht enorm viel... ist er. Keßler hat ihn mir eben vorgestellt.' n Mensch, der ch sage Euch erste Nummer... allererste Nummer Schüler von Laube von Heinrich Laube ..

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Wißt Ihr,

was das heißt?... Wißt Ihr, wer Heinrich Laube war? Heinrich Laube rear der größte war neben Schröder der größte Theaterdirektor, den Deutschland je

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,, Vater, Du hast wohl einen kleinen Schwips?" Frau Anders sah ihren Mann ganz besorgt an.

Der Flötist richtete sich stolz und gerade auf. Gewiß habe ich einen fleiner Schwips, Mutter- was an der Tatsache nichts ändert, daß Steinert Schüler von Laube von Heinrich Laube gewesen ist!"

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,, Wie kann man sich nur am hellen lichten Tage einen Rausch holen?" fragte Frau Anders betrübt.

,, Wie kann man nur... Wie kann man nur?" wieder­holte Herr Anders, listig mit den Augen blinzelnd. Gewisse Menschen können eben gewisse Dinge, die andere Menschen nicht können!"

getr

" Ich bin fest davon überzeugt, daß wir siegen!"

mich

"

Und wenn wir nicht siegen...?"

" Ist das Leben für mich verspielt und ohne Wert

Taft

Aber wir werden siegen!"

,, Bravo!"

Er drückte ihm die Hand.

Und nun werde ich Ihnen verraten, womit ich das Theater eröffne...

"

Und trotz des lauten Gelächters, in das Keßler ausbrach, fuhr er unbeirrt fort:

" Ich eröffne das Theater mit Shakespeares Sommer­nachtstraum"!... Ja, mit Shakespeares Sommernachts­

Gretel, so rede Du ihm doch ins Gewissen!" Sie wird sich hüten! Sie wird sich schwer hüten! t bestelle ich ihr nicht, was man mir für sie auf­

"

se kommst Du denn eigentlich?" Inet aus der Weinstube!

Der Baumeister hat und Steinert eingeladen. Sollte ich etwa ablehnen? Sollte ich so unhöflich fein?... Kinder, man hat . man fennt den bon ton Wir haben das Shakespeare- Theater ehrlich begossen!

"

Und dabei hat er Dir Grüße für mich aufgetragen?" Ihre Stimme zitterte leise. Bewahre.

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-

er

Gott bewahre! Der Mann ist doch Ravalier! Für was hältst Du den Mann? Siehst Du" nahm sie unter den Arm genau so hat er mich auf dem Bauplatz untergefaßt und ist mit mir auf und nieder gegangen. Nicht einmal Steinert durfte von unserem Gespräch etwas hören. Und dann hat er zu mir gesagt: Ich bitte Sie,