Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 56.
Sonntag, den 19. März.
( Nachdrud verboten.)
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Die fchöne Andrea.
Erzählung von Karl Busse . Euer Vater? Das ist es nicht, Pani! Der Tod muß Stillliegen, aber das Leben will springen."
Sie biß die Zähne zusammen. Er dachte wirklich, sie bliebe aus Schmerz über Julians Libelts Untreue zu Hause. Das ganze Dorf dachte so. Der Förster vielleicht selber. Es freute ihn im stillen, und er erzählte es in Laslowice. Am Sonntag ist ja wieder Tanz," sagte sie.
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" Ja," antwortete Markus Rabat. Ob er wieder Tächelte.
Sie sah ihn extra an: er war zu flug; man mußte vor sichtig sein. Aber am Sonntag ließ sie sich doch von ihm aust führen. Julek Libelt sollte sich nichts einbilden.
Sie hatte sich vorgenommen, recht lustig zu sein. Das ganze Dorf sollte merken, daß sie dem Grünen nicht nachtrauerte. Und seit langer Zeit zum erstenmal puzte sie sich wieder mit Lust und Liebe,
Der Tischler machte große Augen. So viel Schönheit," fagte er, gibt Gott nicht einer jeden. Es wäre auch nicht gut, denke ich."
Der Krug war schon voll. Drei Geiger fiedelten wie besessen; eine schwere, heiße, qualmige Luft lag über dem großen Raume und drückte auf die erhitzten Paare. Ein taktmäßiges Stampfen, Jauchzen dazwischen, das Auffreischen einer zu zärtlich angepackten Dirne...
Hallo, wer beehrt uns!" Ein staunendes Rufen. Alles wandte sich.„ Die schöne Andrea!"
Im Augenblick standen die beiden in einer schmalen Gasse, Sie sich gebildet hatte. Sie gingen hindurch. Die Mädchen schielten unfreundlich nach der Nebenbuhlerin. Die Burschen maßen den Tischler. Es war jäh stiller geworden. Nur die drei Geiger spielten ohne Pause, ohne Ermüdung, als wären fie aufgezogen und könnten den Arm und Bogen nicht her ruhen lassen, als bis das Uhrwerk abgelaufen sei.
Beliebt es?" fragte Markus Rabat. Vorsorglich legte er das Taschentuch in seine Hand. Dann faßte er die schöne Andrea fest.
Eine Polka Mazurka... Die Töne hüpften, lachten, prangen.
Gut führt Ihr," flüsterte die schöne Andrea. Und als das ihren Tänzer in seinem Eifer bestärkte, tat er sich doppelt hervor. Es war nicht üblich, daß man beim Tanzen sprach. Die Dörfler übten die fröhliche Kunst im Schweiße ihres Angesichts. Aber mit Absicht flüsterte Andrea Falk dem Tischler Dies und das zu und lächelte, lachte. Sie sollten sehen, daß sie sich längst getröstet hatte.
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Narr, wer nicht zugreift! Da die Frau und das Geld, hier Schönheit und Liebe. Nimm beides, Julian Libelt! Aber da erblickte er den Tischler. Das Lächeln schwand.
Die schöne Andrea hatte sich neben den Tischler gesetzt; nur ihre Augen waren noch voll geheimer Unruhe, sonst hatte sie sich ganz im Zügel.
Ihr Glas war leer. Ich habe Durst vom Tanzen," sagte sie und nahm das von Markus Stabat. lächelte ihn an- trank.
Ihm ward's heiß durch den neuen Anzug.„ Andrea!" sprach er. Und an dieselbe Stelle, wo ihr Mund das Glas berührt, setzte er seine Lippen. In einem Zuge trant et aus. Der Grünrock hatte es gesehen sollte es sehen. Mit lärmender Lustigkeit wandte er sich hierhin und dorthin, tanzte ein paarmal, stürzte einige Schnäpschen hinunter und äugte dazwischen immer wieder zu Andrea hinüber. Sie tanzte jett ununterbrochen. Meist mit dem Tischler. Auch mit anderen. Da dachte der Unterförster: ich riskier's auch. Ich hatte lange nicht die Ehre, Pani," sprach er. Wie wär's?" Und laut zu den Musikanten:„ Krakowiak - ich zahle jedem ein Bier!"
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Hei, setzten die Geigen feurig ein! Aber Andrea Falk blieb sißen.„ Sucht Euch, ich bitte, andere Tänzerin, Pan... ich bin müde."
Das hatte Julian Libelt nicht erwartet. Blutrot wurde Bis unter die Stirnhaare stieg das Blut, das zornige. Doch er bezwang sich, erwiderte nur:" Ganz wie Ihr wollt," und ging weiter. Ein bitterböser Blick traf Markus Kabat. Nur er frug die Schuld, daß die schöne Andrea so wenig ge fügig war. Was wollte er überhaupt im Dorf, dieser Fremde? Das schönste Mädchen einfach einem wegzustehlen! Er kam sich wirklich bestohlen vor, dieser Förster! Die schönsten Pläne fielen ins Wasser. Liebe glaubt gern; er hätte die Dirne bald wieder um den Finger gewickelt. Und wieder hätte sie ihn gefüßt:" Julek," an seinem Halse gehangen
Er forderte eins der anderen Mädchen auf. Als er bald darauf genug hatte, sah er Andrea Falk mit Markus Kabat tanzen. Die müde" Andrea.
Einen Fluch murmelte er durch die Zähne. Verärgert verließ er den Kug. Es war wohl auch Zeit. Der Tischler, den Blick und Lächeln seiner Partnerin erst heiß gemacht hatten, wat kaum zur Einsicht gekommen, was das illes bezwecken sollte, als er auch still wurde. Die Hauptsache blieb doch der Grüne. Er selbst war nur dazu da, gegen den anderen ausa gespielt zu werden. Das kränkte ihn. Er mochte nicht mehr tanzen.
Schweigend schritten die beiden durch die Winternacht dem Häuschen zu.
„ Habt Ihr Licht? Gute Nacht!"
Der Tanz war zu Ende; man frank Bier; ein neues Stück begann. Immer schneller rann die Zeit. Hatte das Der Riegel flang. Aber als ob sie fühlte, daß ihn irgend Mädchen erst mit Absicht ein heiteres Gesicht gezeigi- jegt etwas gedrückt hätte und daß sie daran nicht unschuldig sei, lächelte und lachte fie, ohne an ihren Vorsatz zu denken. Sie schob sie den Riegel noch einmal zurück, öffnete die Tür handtanzte sich in Feuer, ihre Backen glühten. Woher habt Ihr breit und sagte: Sch danke Euch noch. Besfer tanzt keiner!" bas?" fragte sie.. O, Pani, Ihr denkt immer in mich auf der Landstraße. Schnell sinkt der Mensch ohne Geld, ohne Arbeit. Ich war früher anders."
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Auch von den übrigen Burschen trauten sich einige heran. Mit diesem tanzte die schöne Andrea, mit jenen nicht.
Einer flüsterte ihr zu: Warum holt Ihr Euch den Bräutigam aus der Fremde?" Gibt's im Dorf nicht genug Burschen?"
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Und so hübsche wie Euch nicht?" Tachte sie spöttisch. Sie wollte noch etwas hinzufügen. Aber mit dem Lachen zugleich blieben ihr die Worte in der Kehle stecken. Denn durch Die heißen Burschen und Dirnen drängte sich ein Grüner: Julian Libelt.
Er kam spät: er fam wohl aus Laslowice.
Erstaunt blieb er stehen, als er die schöne Andrea sah. Dann blitten seine Augen auf: sie fühlte, wie dieser Blick ihre ganze Gestalt gleichsam umfaßte. Der Blick sagte: wie schön Du bist! Schöner als je! Tausendmal schöner als die Schulzentochter, trotzdem die so viel Geld hat! Und ein Lachen spielte um die Lippen, ein Borsaz bildete sich.
Es blieb nicht aus, daß nach diesem Sonntag die Zünglein im Dorfe noch geschwinder liefen. Niemand zweifelte, daß Markus Rabat und die schöne Andrea zusammengehörten. Und noch immer wußte niemand recht, wie es mit dem Tischler stand, wo er herkam. Auf dem Ejelswäglein war er ins Dorf gefahren was davor lag, war dunkler als die dunkle Nacht. " Jede," sprach die Biskupska, die großes Ansehen genoß, sucht sich den Hafen selbst, an den sie sich hängen will. Andrea Falt hat ihren auf der Landstraße gefunden."
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Vielleicht verliert sie ihn wieder da." setzte die Mutter von Bogdan Konarski hinzu. Dabei blieb es.
Natürlich flogen dem Mädchen selbst derbe und zarte Anspielungen die Menge nach. Sie aber nickte ruhig dazu von ihrem Wagen herab, und das Ganze schien sie ebensowenig zu erregen wie den schönen Anton. Denn es hatte sich ein wunder voller Einfall ihrer beinächtigt.
Sie hatte gesehen, wie es den Grünen gewurmt hatte.. Damals beim Tanz im Kruge . Wie er wütend fortgegangen war! Und sie bemerkte jetzt, daß er scheu um sie herumschlich, ohne sich recht heranzutrauen.
Da war ihr der Gedanke gekommen: wenn sie ihn immen