Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 245.
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Die Huerta.
Sonnabend, den 16. Dezember.
( Nachdrud verboten.)
Roman von V. Blasco Jbanez. Autorisierte Uebersetzung von Wilhelm Tha I.
1905
und prächtiger Stopftücher, während die Gitarren in schläfrigem Rhythmus spielten und unter Wiegen der Kantilene das Waldhorn begleiteten, das die maurischen Töne der valencianischen Jota" bis zu den entlegensten Enden der in der Sonne schlummernden Huerta hören ließ.
Batiste dehnte sich behaglich in dem friedlichen Wohlbehagen, das sozusagen in der Luft schwebte. Seine Tochter Der Wanderer, der die Ebene zur Zeit der Sonnenhize war mit den kleinen zum Tanz nach dem Gehöft gegangen, durchzog, wenn die Luft brannte und die Mücken und Hum- seine Frau schlummerte in der Laube, und er selbst ging meln geräuschvoll summten und brummten, empfand ein Ge- von seinem Hause bis zur Landstraße auf dem noch nicht befühl des Wohlbehagens beim Anblick dieses sauberen, frischen bauten Streifen Erde auf und ab. Hauses. Der Hühnerhof verriet hinter seinem Wall von Erde und Pfählen ein wimmelndes Leben. Die Hennen glucten, der Hahn krähte, die Kaninchen sprangen im Labyrinth eines großen Holzstoßes herum, und unter der Aufsicht der beiden jüngsten Rinder watschelten die Enten in dem benachbarten Teich, während Scharen von Küfen überall durch die Stoppeln liefen und, unaufhörlich piepend, ihre zarten, gelben, kaum mit einem feinen Flaum bededten Körper bewegten.
Außerdem schloß sich Terese oft in ihre Rammer ein, öffnete eine Schublade der Kommode und knöpfte ein Taschentuch auf, um vor einem hübschen Haufen Geld, dem ersten Geld, das der Mann, der Erde abgerungen hatte, in Verzückung zu geraten. Alles mußte einmal einen Anfang haben, und wenn die Zeiten nicht gar so schlecht waren, so würde dieses Geld wieder anderes herbeiziehen und dieses wieder anderes; wer weiß, vielleicht hatte man, wenn die Kinder das dienstpflichtige Alter erreicht hatten, so viel erspart, um
sie freifaufen zu können.
Batiste teilte die stille und tiefe Freude seiner Frau. Man mußte ihn Sonntags nachmittags sehen, wie er, weil es Festtag war, eine Tagarnina zu einem Cuarto rauchte, vor seinem Hause auf und ab schlenderte und liebevoll die Felder betrachtete, wo er, wie die meisten seiner Nachbarn, am vorigen Tage Gerste und Mais gepflanzt hatte.
Er konnte mit dem aufgewühlten Terrain kaum fertig werden, doch ebenso wie der verstorbene Vater Barret fühlte auch er den Wunsch des Besizes und wünschte mit seiner Arbeit immer mehr zu gewinnen. An diesem Sonntag nahm er sich vor, obwohl der günstige Augenblick schon ein wenig -berpaßt war, den hinter dem Hause gelegenen, noch unbebaut gebliebenen Teil des Bodens umzustechen, um dort Melonen zu säen: Eine unvergleichliche Ware, ein glänzendes Produkt, mit dem seine Frau viel Geld verdienen mußte, wenn sie sie, wie die anderen Bäuerinnen, auf den Markt brachte. Ach ja, er hatte Grund, Gott zu preisen, der ihm endlich gestattete, ruhig in diesem Paradies zu leben. Und wie herrlich waren die Aecker der Ebene! Nicht umsonst weinten diese Hunde von Mauren , wie die Geschichtsschreiber berichteten, als sie daraus verjagt wurden! Die Ernte hatte das Ponorama gleichsam weggefegt, die dichten mit Mohn durchzogenen Getreidebreiten, die den Blick wie goldene Mauern auf allen Seiten versperrten, niedergelegt. Jetzt erschien die Ebene viel größer, sozusagen grenzenlos; sie zeigte auf unabsehbare Ferne ihre großen roten Schollen, die durch Fußpfade und Kanäle voneinander getrennt waren.
Die ganze Ebene beobachtete auf das strengste das Gebot der Sonntagsruhe, und da das Getreide erst fürzlich geschnitten war und man Geld besaß, so fühlte sich niemand versucht, das Gebot der Kirche zu verletzen. Man sah nicht einen einzigen Mann auf den Schollen, nicht ein einziges Tier auf den Straßen. Die alten Frauen wanderten mit ihren schönen Mantillen, die sie bis auf die Augen heraufgezogen hatten, ihre kleinen Stühle über dem Arm, über die Wege und Steige, den Lockungen der Glocke zu gehorchen, die dort drüben jenseits der Dächer des Dorfes läutete. Auf einem Wege haschte sich eine Schar Kinder mit lautem Geschrei. Auf den grünen Böschungen hoben sich die roten Hosen einiger Soldaten ab, die die Sonntagsruhe benutzten, um einige Stunden bei den Ihrigen zu verbringen. In der Ferne knallten mit dem Geräusch zerreißender Leinewand die Flintenschüsse, die auf die Schwalben abgegeben wurden, die in Zickzackreisen hier und da mit leisem Zischen herumflogen. Ueber den Kanälen summten Schwärme fast unsichtbarer Fliegen, und in einem blau angestrichenen Gehöft drehte sich unter einem alten Spalier ein Wirbel geblümter Röcke
Nachbarn, die mit der fröhlichen Mtene von Leuten vorüberVon der kleinen Brücke aus erwiderte er die Grüße seiner famen, die einem äußerst amüsanten Schauspiel beiwohnen werden. Sie gingen zu Copa, wo sie die berühmte Wette Bimentos gegen die Brüder Terrerola mit ansehen wollten, zwei eigensinnige Röpfe, die ebenso wie der Prahlhans der Arbeit Feindschaft geschworen hatten und ihn tagtäglich in Saufen. Ein jeder hatte es sich zur Ehre gemacht, die beiden die Kneipe begleiteten. Diese drei Nichtstuer wetteiferten im anderen auszustechen, und daraus war eine Unmenge von Herausforderungen und Wetten hervorgegangen, namentlich zu den Zeiten, wenn es von Kunden in der Schenke wimmelte. weiter als Branntwein zu trinfen, und als Sieger sollte der Diesmal handelte es sich darum, beim Truquespiel nichts gelten, der zulegt unter den Tisch fiel.
mittag saßen sie noch alle drei auf ihren Schemeln, spielten Sie hatten am Freitag angefangen, und Sonntag nachdie hundertste Partie Truque und hatten einen riesigen Branntweinfrug neben sich auf einem kleinen Spieltisch stehen. Sie ließen die Karten nur liegen, um die schmadhaften Würste zu verzehren, wegen deren Topa berühmt war, weil er eine ausgezeichnete Methode besaß, sie in Del aufzubewahren.
Die Geschichte dieser Wette hatte sich in der ganzen Ebene verbreitet, und auf eine Meile in der Runde waren die Leute wie zu einer Prozession herbeigeströmt. Die drei Helden blieben feine Minute allein. Sie hatten jeder ihre Anhänger, die abwechselnd den vierten Mann im Spiel abgaben und bei Einbruch der Dunkelheit, wenn die Zuschauer nach Hause zurückkehrten, da blieben, um die„ Champions" beim Lichte einer an einer Pappel befestigten Lampe Truque spielen zu sehen. Der Wirt war nämlich ein wenig ausdauernder Mann, der die lange Weile dieser blöden Wette nicht zu er tragen vermochte; sowie die Schlafenszeit gekommen war, warf er die Spieler hinaus, brachte sie auf dem kleinen Plate unter, lieferte ihnen neuen Branntwein und schloß die Tür..
Viele der Bauern taten über diese Wette sehr entrüstet, doch im Grunde waren sie alle zufrieden, solche Leute zu den hrigen zählen zu können.
Ach, sie waren kräftig, die Burschen, die die Huerta herborbrachte. Der Branntwein floß ihnen wie Wasser durch den Körper.
Die ganze Nachbarschaft beobachtete die Schenke, und die Nachrichten über die einzelnen Phasen der Wette verbreiteten sich mit wunderbarer Schnelligkeit. Sie hatten schon zwei Strüge getrunken, und das war so gut wie gar nichts. Copa schrieb den verzehrten Branntwein auf, und die Anwesenden wetteten je nach ihrer Neigung für den einen oder anderen der Rivalen.
Auch Batiste hatte von dieser Herausforderung gehört, für die sich die ganze Ebene begeisterte. Und diefer nüchterne Mann, der fast nichts über den Durst trinfen fonnte, ohne Kopf- und Herzschmerzen zu bekommen, empfand unwillkürlich ein der Bewunderung ganz ähnliches Erstaunen vor diesen Tieren, die, wie er meinte, einen Blechmagen haben mußten. Das mußte er sich ansehen! Und er folgte mit neidischen Blicken den anderen, die ihre Schritte nach, der Schenke richteten. Warum sollte er nicht auch hingehen, wie die anderen? Bis dahin war er noch nie zu Copa gegangen, dessen Haus lange Zeit der Herd der Feindschaft war; doch heute rechtfertigte dieses merkwürdige Ereignis alles. zum Teufel, wenn man so viel gearbeitet und eine so gute