Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 159.
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Sonnabend, den 18. August.
( Rachdrud verboten.)
Kinder der Gaffe.
Roman von Charlotte Knoedel.
Franz hatte einen heißen Kopf und atmete kurz und laut. Was gibt's?" fragte die Luis, und sie nahm die Kinder der Marie bei der Hand und schob sie in die Kammer nebenan: Da spielen weiter!" befahl sie und zog die Türe hinter ihnen ins Schloß.
Na, was gibt's?" fragte sie dabei den Franz noch einmal.
Der stand am Tisch und drehte den Hut in der Hand. „ Der Christian, der saudumm Keri!" sagte er dann und warf den Filz in eine Ecke.
Was is mit em?" Die Luis faltete die Hände, und das Minchen stand zitternd mit weitoffenen Augen.
Was is?"
Da lachte der Bursch.' s könnt einem ja schließlich egal sein! Mer hat ja doch kein Dank von em... aber... aber--! Es ist halt wege Dir, Luis, Du warst immer eso ordentlich zu mer... und Du... Du kannst em bielleicht noch helfe...!"
Was is denn um Gottes wille?" die Luis stand ganz dicht vor dem Franz.
Der setzte sich. Na, eso arg wie de meinst! An de Arage geht's em noch nit, aber...! Na, hören nure! Ich wollt ins Schiff", die Wirtschaft, weißt, wo der Peter verfehrt mit seine Kamerade.
Wie ich an der Tür bin, hör ich se diskutiere! Sie haben's vom Chrischan und der Paula.
Dein sauber Schwester, die geht ja jetzt mit em Lehrer,' sagt der ein.
Injal' nickte der Peter.
Herr
Und das läßt Der gefalle?' fragte en der Johann Fischer. Das läßt Der gefalle von dem hochmütige Kerl, der ganz vergesse hat, daß er emal tiefer drin gesteckt hat, wie mir all zusammen?"
Da lacht der Peter und rückt sich de Huf aus de Stirn in de Hals enein.
Er will se ja heirate!'
Und das Gesicht hätten er sehn solle," rief der Franz, ,, und die Gesichter von de andre!
Aufgesprunge sind se von ihre Stühl.
se gerufe und immer wieder: Was? was?'
Was?' haben
Er will se heirate!' hat der Peter da noch mal gesagt. Heirate!'
Und dann die andere: Der Chrischan, die...!' .!' Paula will er...? Ja, weiß er denn nit?'
Es
Und der Peter ganz frech: Ja, er weiß...!' Des haben se em nit glaube wolle, aber er hat geschworen,
daß er's em gesagt hätt! Er selber!
Das Paula hätt en hinterher wieder rumgekriegt, hat er gemeint. Wie se's angefangen hätt--?" Der Franz zuckte die Achseln.
,, Er weiß es!" schrien die Luis und das Minchen zugleich: ,, Er weiß und doch...!"
Ah!" sagte der Franz, und Ihr hätten das höre müsse, wie se dann über den Chrischan gelacht haben, all die dreckige Kerle!" Er ballte die Faust.
,,, Der Chrischan bleibt am Baula hänge, hahaha!' Und sie haben sich die Händ geriebe.
Möchtst Du se?' hat einer den andere gefragt: ‚ tätst Du es Paula heirate?' Und dann haben se sich wieder geschüttelt vor Lachen. Die Hur!' haben se gesagt. Und der Herr Lehrer mit so einer!'
Vielleicht...? die hat sich schon was zusammen
verdient!'
, Sie tät nure mit feine Leut verkehre, hat se mal zu mir gesagt, wie ich se angesproche hab...!' Und so is es fortgegange..." Der Franz wischte sich den Schweiß von der Stirn:„ Aber ich... ich weiß nit! Mich hat die Angst gepact! Ich hab an Dich gedenkt, Luis, und, und--!" Der Atem ging ihm aus.
1906
Wenn De em helfe könntst! Er darf doch nit eso zum Gespött werde, als Lehrer
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" Franz...!" Die Luis gab dem Stiefbruder die Hand. " Ich dank Der...!" sagte sie. Sie hatte Tränen in den Augen.
Der Bursche wurde rot.
,, Ach Du, weißt," sagte er, Du warst all immer eso ordentlich zu mer... und ich...!" Er verschluckte sich, drehte dem Mädchen den Rücken zu und fuhr sich mit dem Rocärmel über die Augen.
Was is da zu mache?" fragte die Luis und sah das Minchen an.
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Du mußt mit em rede!" sagte die.
" Ja, aber wenn er's doch schon weiß!"
" Ah, glaub doch den Schwindel von dem Beter nit! Wenn der Chrischan das all wüßt!" Das Minchen lachte. Dann flopfte sie dem Franz auf den Buckel:„ Du bist en ordentliche Bub!" sagte sie. Gut Nacht auch!" Und damit war sie aus der Küche.
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Als am nächsten Sonntag der Christian nach Hause kam, trat die Luis auf ihn zu.
,, Chrischan, ich muß mit Der rede," bat sie.
Er machte eine ärgerliche Bewegung. s es wegen dem Paula" fragte er. Ich merk ja wohl, daß Euch das nit recht is!" und er wollte sich jäh umwenden, aber dabei traf sein Blick die todmatten Augen der Luis.
" Herrgott!" Er fuhr sich über die Stirn. Wie sieht sie aus! dachte er. War ich denn blind?
Und dann hörte er ihren Husten, diesen kurzen, trockenen Husten, den er noch von der Emma her kannte. Er sah ihre tief in den Höhlen vergrabenen Augen und ihr bleiches Gesicht, das in den letzten Wochen noch viel bleicher und magerer geworden war.
Herrgott, wollt ich denn wieder-?! Mit einem kurzen Gedanken, der ihm das Blut in Stirn und Wangen trieb, dachte er, wie er damals zu der Emma Sterben gekommen war. „ Das...!" Er schluckte ein paarmal kurz hintereinander, und dann kreuzte er die Arme.
Na?" fragte er.
Mit gesenkter Stirn und indem sie verlegen an der Schürze zupfte, erzählte ihm die Luis, was ihr der Franz und das Minchen gesagt hatten.
,, Ach was! Die wollen es Paula schlecht machen," sagte der Christian, und dann nagte er an der Unterlippe. Zwischen seine Augenbrauen hatte sich eine Falte geschoben, und er atmete laut durch die Nase.
Die Luis aber schüttelte den Kopf. Nein," sagte sie, ,, was die beiden gesagt haben, is wahr! umsonst geht das Geschwätz nit in der Stadt! Und dann mein ich auch, daß Du... Du... mit eso eme Mädel Um mit eso eme
Mädel zu laufe, dazu biste zu gut, Chrischan...!"
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Bu gut!" Die Glut schoß dem Burschen in den Kopf bei den Worten. Zu gut! hahaha!"
Ich bin zu gut für sie, zu gut für sie! das war's ja, was er sich in unzähligen schlaflosen Stunden des Nachts schon vorhergesagt hatte!
Es war ihm dann, als sauge sie mit ihren wilden gierigen Küssen ihm alle Kraft aus den Gliedern, allen Verstand aus dem Hirn, alles Gute aus dem Herzen!
Aber wie er auch tobte gegen sie in solchen Stunden wenn er sie wiedersah, faßte ihn das heiße Begehren, und er ward schwach... feige, und der Vorsatz, sich von ihr loszureißen, den er gefaßt, starb in ihm.
Nicht denken, nicht denken! war alles, was er wünschte in solchen Augenblicken...!
,, Du bist zu gut für sie," sagte die Luis noch einmal ,,, sie hält es ja mit jedem...!"
,, Nein!" donnerte da plößlich der Bursche los. Seit se mit mir geht...!"
Starr sah die Luis zum Bruder auf. Sie faltete die Hände und beugte den Rücken. Die Wildheit in seinem Blick ängstigte sie, und sie zitterte.
Der Christian aber fuhr fort, und seine Stimme wurde weicher. Seit se mit mir geht, geht sie mit keinem anderen mehr, das hat sie mir versprochen, geschworen hat sie mir's,
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