Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 43.
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Freitag den 1. März.
( Nachdruck verboten).
Die alte Trube.
( Schluß.)
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Dat schall ni lang durn" entgegnete Hans. Dat war jo doch Tied, na'n Affaten to goh'n."
Er nahm seinen Stock und seine Müze und ging nach der Tür. Dat du mi ni weller öwer'n Drüssel kommst!" Klaus ihm nach.
schrie Het niks to fegg'n!" antwortete Hans, da war er schon draußen. Das war das legte Wort, was sie zusammen sprachen.
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Als Hans wegging, hatte er die Absicht, gleich nach der Stadt zum Advokaten zu gehen. Der Weg nach seinem Heim zweigte ungefähr in der Mitte des Weges ab. Da stand er an der Scheide. Und gerade an dieser Stelle, ein Bach schwatzte still durch ein Buchenwäldchen, lag die Kate, wo die Mutter groß geworden war. Mars Schütt wohnte dort, es waren gute Leute. Hans ging hinein und sog den Schmerz um seine Mutter und um seinen Bruder noch einmal in allen Winkeln des alten Hauses ein. Er ließ sich den Blaz zeigen, wo die alte Lade gestanden hatte. Jezt war da blankge scheuertes Kupfer- und Messinggeschirr an derselben Stelle auf einer gemauerten Platte, die das alte Stüd würdig gehoben und präsentiert hatte: Sobald du denkst, ein Bruder habe ettvas gegen dich, geh' hin, versöhne dich! Und dann zu mir, zu deinem Gott!"
Hans ging weiter, nach Immenheiderfeld zu. Er konnte den Weg zum Advokaten nicht mehr finden; die alte Trube sollte bleiben, wo sie war, aber seinen Zorn wollte er bchalten.
Behn Jahre waren dahingegangen, und Hans Paulsen hatte von seinem Bruder nichts gesehen und wenig gehört. Er hatte noch immer geglaubt, den alten Groll in seinem Herzen zu tragen; in Wahrheit trug er an der Stelle nur eine Leere und eine nie verstummende Klage um eine verlorene Liebe. Freilich, in der Regel vermochte er seinen Schmerz in dem allgmeinen Gleichgültigkeitsmeer zu ertränken; aber es famen Stunden,... wo es anders war.
Nun hatte er bei seiner Arbeit Hohenwichel im Nebel gesehen und auch die beiden Männer Arm in Arm... Er brauchte gar nicht hinzusehen; wenn er die Augen schloß, sah er es beinahe besser und deutlicher. Namentlich auch Hohenwichel. Sieh mal an! Ordentlich das Haus und den Kreuzbau, worin das Bieb aufgestellt wird, daran. Die hohen Linden am Weg und die Goldweiden am Kuhhaus. Goldweiden auf dem Kniden. Es war ein Haus, so recht in Gold· weiden eingebettet, hieß darum auch Hohenwichel.
Das wunderlichste aber waren die beiden Männer, die nach Hohenwichel gingen und sich nicht ließen. Zum erstenmal war es vor drei Tagen gekommen. Ein Wagen war auf der Landstraße im Nebel schattenhaft vorübergefahren; Hans Paulsen hatte immer die Wegschlacken gehört, wie sie vom Rad in die tiefen Geleise zurückfielen. Der Wagen war verschwunden; Hans hörte ihn kaum noch... da sah er die Männer Arm in Arm.
Am Tag vor der zehnten Wiederkehr des Todestages der Mutter ging Hans nach dem Nachmittagskaffee nicht wieder nach der Koppel. Er bat Trien um warmes Wasser und nahm sich den Bart ab; er wollte in der Frühe nach Hohenwichel gehen.
" Das tu man", sagte Trien und kriegte das Sonntagszeug ihres Mannes aus der Lade.
Hans ging früh vor Tag im Nebel weg.
Um sieben Uhr sollte die Sonne aufgehen. Er hatte schon eine ganze Strecke auf dem Immenheidervierth zurückgelegt; er fah, als die Sonne vermeintlich gekommen war, nur einen blassen Schein im Osten.
Der Nebel blieb, wie er war, oder wurde aar noch dichter.
1907
Hans Paulsen, der mit dem Stock den breiten Fußsteig maẞ, war das recht. Je einsamer es war, um so deutlicher sah er die beiden Männer, die Arm in Arm auf Hohenwichel zugingen, vor sich her.
Er ging und ging.
Vor Jahren, als er, ein neuer Ansiedler, hierher gekommen war, da hatten die Katen in kleinen Gärten und Koppeln gelegen, alles andere war struppige Heide gewesen. Nun war wenigstens am Weg hin eine mehr oder weniger breite Leiste angebauten Landes. Hans schlug einen Richtsteig ein, der ihn tiefer in das Blachfeld führte; nun streifte er wieder das ungefämmte Jungfernhaar einer unbegebenen Erde.
Und immer die beiden im Nebel vor ihm auf. In den Gemarkungen glücklicher Dörfer mit altem Kulturland endigte der wilde Steg. Alte glückliche Dörfer find auch die, zu denen die aber ein unheimliches Moor zu überschreiten, das seine Dünste Buchholzkate und nachher auch Hohenwichel gehört. Vorher ist brütend gen Himmel schickt. Das Moor war besonders wild und weich und morastig. Wenn Hans bei Sonnenlicht von der Höhe her einen Menschen hinübergehen sah, so war es ihm immer vorgekommen, als fähe er eine tote Seele zum Tor der Verdammnis schleichen.
Moor? Der Nebel deckte alles zu. Sonst hatte auch ihm an Nun stieg er ohne Gorge hinab. Was fümmerte ihn das Schilf und Binsen entlang die Natur etwas zu sagen gehabt. Nun schwieg fie. Jedenfalls sagte sie nichts von den Schreck nisjen des schwarzen Moors. Der Nebel machte alles gleich. und zwei Schatten gingen vor ihm her.
Mutter und wartete auf die, die Arm in Arm daherkamen. Er sah auch Hohenwichel. In der Tür stand die
Und nun war das Moor hinter ihm, das Flüßchen, vor dessen sumpfigen Ufern es abgelagert war, hatte er überschritten, nun war Hans in den glücklichen Kniddörfern ange langt.
Und überall um Haus und Hof und auf der Straße, da war es still, so still, daß er das Riefeln des Nebels hörte. Nur ein paar Hühner batten es für nötig befunden, zehn Schritt vom Wieben zu gehen. Hier und da sah man Bauernmädchen Geschirr auf die Regale am Hauskamin stellen. Und im grauen Nebel schauten sie frisch und fröhlich aus.
Aber nein, das war ein Eindruck als ein Gesicht; alle Formen verschwammen, und alles Harte und Herbe wurde weich). Ja, selbst Geräusche, deren Quelle zum greifen nahe lag, famen wie aus weiter Ferne und aus alten Zeiten her. Die Schatten gingen Arm in Arm.
*
Er erreichte das wäldchen mit dem Häuschen, aus dem die Mutter herstammte. Der Bach schwatzte an seinem Weg entlang, leiser als sonst... fling... flung ganz leise. Hans Paulsen ging vorbei, er wollte sich der Schatten getröften, aber er sab sie nicht mehr. Aber ein anderer Schatten... nein . nein... fein Schatten... ein Mann, der fest auftrat( sein Stecken hinterließ Löcher im Sand)... der fam ihm entgegen.
Und vor der Buchholzfate im Weg, da begegneten sie sich. Und beide standen still... und waren starr und ließen die Augen über sich hergehen... und... schwiegen. Hans nahm zuerst das Wort.
God'n Dag, Klaus!" Und sie reichten sich die Hände. Und sahen sich in die Augen... Und jeder sah die Bewegung des andern If wull hen na di, Klaus!
" It wull hen na di, Hans! Dat sönd vun Dag tein Johr." Dorüm just, Hans."
Und wieder schwiegen sie.
,, Wie hebbt uns lang ni sehn," fing Hans wieder an. ,, Wi sönd ni good utenanner fam. Ik hew di unrech dahn,
Klaus!"
,, Nä, idk het di unrech dahn, Hans!"
Und wieder Schweigen.. eine halbe Minute Yang. Dann trat Hans dicht an Klaus heran und streichelte ihm Backen:
die ,, Wat böst du för'n poden Sterl!... Du böit min lewe witte Klaust"