Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 5.
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Mittwoch den 8 Januar.
( Nachdruck verboten.)
Schilf und Schlamm.
Roman von Vicente Blasco banez. Autorisierte Ueberfezung von Wilhelm Thal. Valenzia lag für sie am äußersten Ende der Welt, von dort kam der Marschall Suchet, den der König Joseph zum Herzog von Albufera und zum Herrn des Sees, des Waldes und aller seiner Reichtümer ernannt hatte.
1908
Alle diese vornehmen Persönlichkeiten waren mit dem alten Schiffer zufrieden. Er war unverschämt und zeigte die ganze Grobheit eines Lagunensohnes: dagegen schmeichelte er ihnen mit seiner alten Büchse, einer ehrwürdigen Waffe, die so geflickt und ausgebessert war, daß von der eigentlichen Fabrikation faum noch etwas übrig blieb, Der Onkel BaToma war ein wunderbarer Schüße. Die Aufschneider erBafferbühner erlegt. Wenn er einem mittelmäßigen Schüßen, zählten, er hätte einmal mit einem einzigen Schuß vier der dabei aber eine bedeutende Persönlichkeit war, schmeicheln wollte, dann stellte er sich in der Barke neben ihn, und schoß gleichzeitig mit ihm mit einer solchen Genauigkeit und Präzision, daß die beiden Schüsse nur einen bildeten, und der Jäger, der das Wild fallen sah, von seiner Geschicklichkeit entzüidt war, während der Schiffer stillschweigend vor sich hinlächelte.
Er war wohl die älteste Gestalt, an die sich der Onkel Paloma erinnerte. Der Alte glaubte ihn noch vor sich zu seben mit seinen wirren Haaren und dem kurzen, breiten Badenbart, in seinem grauen Gebrod, einen runden Hut auf dem Stopfe, stets von Männern in prächtigen Uniformen umAm liebsten aber erinnerte er sich doch an den General geben, die seine Gewehre luden. Der Marschall benutte zur Brim. Er hatte ihn in einer stürmischen Nacht kennen ge Jagd die Barfe von Palomas Bater, und der Onkel Baloma lernt, wo er ihn in seiner Barke über den See gefahren. faß als fleiner Junge am Bug und starrte den großen Mann Das war zur Beit, als er in Ungnade gefallen war. Die bewundernd an. Sehr häufig lachte er über das Kauderwelsch Gendarmen waren hinter ihm her, und der General floh, als des Feldherrn, der die Rückständigkeit des Landes beklagte Arbeiter verkleidet, aus Valenzia , wo er die Garnison veroder die wahrscheinlichen Erfolge eines Krieges gegen die geblich zum Aufstande hatte treiben wollen. Engländer und Spanier, von denen die Leute am See nur eine recht unflare Vorstellung hatten, in Betracht zog. Einmal war er mit seinem Vater nach Balenzia gegangen, um dem Herzog von Albufera einen riesengroßen Mal als Geschenk zu überbringen, und der Marschall hatte sie lachend in seiner Uniform empfangen, von prächtigen Offizieren in Golduniformen umgeben, die gleichsam als Trabanten seines Glanzes erschienen.
Der Onkel Paloma war bereits ein Mann, als sein Bater starb. Er würde nun Herr der Hütte und Besizer der beiden Barken, aber es gab jett feinen Herzog von Albufera mehr. An dessen Stelle regierten jezt Amtsmänner im Namen ibres föniglichen Herrn: bortreffliche Stadtleute, die nie nach Dem Gee famen, die Fischer in der Dehesa räubern und ungehindert die Bögel jagen ließen, von denen es in den Gräben
wimmelte.
Das waren die guten Zeiten, und wenn der Onfel PaToma bei den Kneipgelagen in Canamels Schänke daran erinnerte, dann gerieten die jungen Leute vor Begeisterung außer sich. Damals fischte und jagte man, ohne daß man bor Geldstrafen oder Feldhütern Furcht zu haben brauchte. Wenn der Abend hereinbrach, kamen die Leute mit ihrem Dubend Staninchen, die sie in der Dehesa in der Schlinge gefangen, und außerdem mit Körben von Fischen, Kränzen bon Vögeln, die fie in den Kanälen gejagt, nach Hause. Alles gehörte dem König, und der König wohnte in weiter, weiter Ferne. Das war nicht wie jetzt, wo Albufera Staatseigentum war. Jekt fonnten die armen Leute feinen Schuß mehr ab. geben und sich fein armseliges Bündel Reis mehr sammeln, ohne daß im selben Augenblid, man wußte nicht woher, ein Gendarm mit dem Wehrgehänge umgürtet und sein Schildchen auf der Brust, auftauchte und seinen Karabiner auf fie anlegte.
Der Onfel Paloma hatte sich die Privilegien feines Baters bewahrt. Er war der erste Schiffer von Albufera, und es fam feine wichtige Bersönlichkeit nach dem See, die er nicht durch die Inseln und Kanäle fahren und der er nicht alle Merkwürdigkeiten zu Wasser und zu Lande zeigen mußte. Er erinnerte fich an die Stönigin jabella II., als sie noch jung war, wie sie mit ihren Röden das ganze Hinterteil der Barle ausfüllte, und besonders an ihren üppigen Busen, der fich bei jedem Stoß der Ruderstange hob und fenkte.
Die Leute lachten, wenn sie sich daran erinnerten, wie er die Kaiserin Eugenie über den See gerudert. Sie stand schlank und graziös im Reitanzug auf der Barke, das Gewehr in der Hand, und legte fortwährend auf die Scharen von Enten an, die eine Anzahl von Treibern mit lautem Geschrei vor ihr aufjagte. Am entgegengesetten Ende stand der Onkel Paloma mit tüdisch- pfiffigem Gesicht, feine alte Büchse zwischen den Beinen und erlegte jeden Vogel, der der hohen Dame entging. Dabei machte er sie in einem äußerst phantastischen Spanisch auf das Erscheinen der Vögel aufmerksam: Da, Majestät, Achtung rechts eitt Grünhals,"
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Der Onkel Balome. brachte ihn bis zum Meer und als er ihn ein paar Jahre später wiederfah, stand er an der Spike der Regierung und war der vergötterte Liebling der Nation. Buweilen aber wurde er der Politik überdrüffig und dann berließ er Madrid , um auf dem See zu jagen; der Onkel Baloma, der seit dem vorigen Abenteuer sich ihm gegenüber recht unverschämt und vertraulich benahm, zankte ihn wie ein Kind aus, wenn er einmal einen Schuß verfehlte. Für ihn existierten die Großen nicht. Die Menschen zerfielen in apei Stlaffen, in gute und schlechte Jäger. Wenn der Held einen Vogel verfehlte, dann wurde der Schiffer so wütend, daß er ihn duzte.
Du willst ein General sein? Ein netter General!" Taten verrichtet, redete er folgendermaßen an: Und den tapferen Helden, der in Marokko so große
Aber so schieß doch, schieß doch, lern' doch richtig zielen." Und während der glorreiche Schüler lachte, gab der Fischer, ohne auch nur das Gewehr an die Wange zu halten, einen Schuß ab, worauf ein Huhn wie ein Stein ins Waffer fiel.
Alle diese Anekdoten verliehen dem Onkel Paloma ein ungeheures Ansehen bei den Leuten am See.
Was dieser Mann hätte erreichen können, wenn er von feinen Landsleuten nur etwas gewollt hätte."
Aber er war immer schwermütig und brummig und bea bandelte die vornehmen Persönlichkeiten wie Sneipgenoffen. Er brachte sie durch seine Unverschämtheiten gerade in dem Augenblick zum Lachen, wenn sie in der düsterften Stimmung waren, oder heiterte sie durch doppelsinnige oder luftige Phrasen auf, wenn er den Liebenswürdigen spielen wollte.
Er war mit seinem Schicksal zufrieden, und was noch merkwürdiger und schwieriger war, er blieb es auch, je mehr er in die Jahre fam. Troßdem blieb er Schiffer, immer Schiffer. Er verachtete die Leute, die die Reisfelder bebauten, das waren Arbeiter, und dieses Wort bedeutete für ihn den größten Schimpf.
Er war stolz darauf, ein Kind des Wassers zu sein, und oft zog er es bor , lieber dem Rande der Kanäle zu folgen, als feinen Weg über die Hügel zu nehmen, wenn er auch fürzer war. Er betrat nicht gern einen anderen Boden als den der Dehesa, wo er beim Erscheinen der Feldhüter die Flucht e griff, nachdem er ein paar Schiffe auf Kaninchen abgegeben, Wäre es nach ihm gegangen, er hätte in seiner Barke geschlafen und gegessen, denn sie war für ihn dasselbe, was der Panzer für ein Krustentier ist. Die Instinkte der ältesten Rassen lebten in diesem alten Manne wieder auf.
Nur eins hinderte ihn, ganz und gar glücklich zu sein; das war der Mangel der Familie und die Notwendigkeit, wie ein Fisch oder wie ein Grabenbogel zu leben, der sich heute sein Nest auf einer kleinen Insel und morgen im Schilfrohr baut.
aten.
Troßdem hatte sein Vater versucht, ihn zu verheiraten.