Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 75.
11)
Mittwoch, den 15. April.
( Nachdruck verboten.)
12. Rapitel.
( Asmus ringt gewaltig mit einem Schüler wegen eines Frosches; er empfängt Rippenstöße, und der gewisse Seybold besteht das Examen.)
1908
ging abermals zur Schule, um den Nachmittagsunterricht zu erteilen. Danach begab er sich von der Schule ins Prä parandeum, und abends hatte er eine gute Stunde nach Hause. Dann erst konnte er an seine Präparationen für Schule und Präparandeum gehen. Das machte etwa elf Stunden Arbeit und fünf Stunden Marsch. Aber Asmus war noch immer tief davon durchdrungen, daß der Schlaf ein eingebildetes Bedürfnis sei, eine Ueberzeugung, die er bald genug ablegen sollte. Einstweilen aber ging er nicht nur jeden Sonnabend zu Bockholm ans Klavier, er machte auf seinen Wanderungen auch noch Gedichte, die den Beifall Lauras, nämlich Fräulein Wieselins, und der beiden Leonoren fanden.
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Aber schon von der nächsten Stunde ab mußten Münz und Morieur wieder Listen und Protokolle schreiben, und Asmus sprach mit seinen Schülern, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Und sieh, mit einem Male ging alles freier Nur einen Menschen gab es, dem die vielfältige Beund besser. Wenn er sich nun aus dem Schulmuseum einen schäftigung Asmussens Sorge machte, und das war seine Hafen geholt hatte, so erinnerte er sich jenes Lehrers, bei Mutter. Nicht, daß sie für seine Gesundheit gefürchtet hätte, dem er gern gehorcht hatte und der auch nicht immer im seine vollen, roten Wangen ließen solche Befürchtungen Stechschritt des Systems gegangen war. Er sang ihnen vor nicht aufkommen, nein, sie bangte wegen des bevorstehenden allen Dingen Lieder vom Hafen vor: Abgangs- Examens. Im nahen März sollte Asmus ins Seminar übergehen, und sie fürchtete, daß er sich bei so viel Arbeit nicht ordentlich vorbereiten könne und dann womöglich durchfalle. Und sie schickte heimlich einen Seminaristen aus der Bekanntschaft ab, der sich bei einem Lehrer des Präparandeums nach den Aussichten ihres Sohnes erkundigen sollte. " Bu Hause sagt der Bengel ja nichts," klagte sie.„ Er macht auch Gedichte; aber meinen Sie, er zeigt sie uns? Wenn ich nicht mal eins in seiner Schublade finde, erfahren wir nichts davon."
und
und
Als der Mond schien helle,
Stam ein Häslein schnelle"
Gestern abend ging ich aus, Ging wohl in den Wald hinaus"
Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal Saßen einst givei Hasen"
und nachdem ihnen Herr Lampe mit so vorzüglichen Empfehlungen vorgestellt war, schauten sie ihn mit ganz anderen Augen an. Und als Asmus heraushaben wollte, daß der Hause ein Säugetier sei, da fragte er sie:
"
Was für ein Vogel ist denn der Hase?" Halloh, da gingen fie fast über die Bänke vor Lachen und Weisheit und riefen: Das ist ja gar kein Vogel!" und erklärten ihm mit Begeisterung, warum der Hase tein Bogel fei! O Gott, wenn Münz und Morieur, und gar der Herr Oberlehrer dagewesen wären! Ueberhaupt fand er, daß es den Kindern ein befonderes Vergnügen bereitete, wenn er sich recht dumm stellte und sich dann von ihnen aufklären ließ. Der alte Sokrates kannte seine Leute.
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Seine Gedichte zu Hause zeigen, nein, das brachte Asmus nicht über sich. Eine Scham, die er sich selbst nicht deuten konnte, hielt ihn davon zurück. Wir mögen auf der Gaffe nicht im Nachtgewand und daheim nicht in der Toga palmata( im Staatsgewande) erscheinen.
Fener geheime Emissär geriet an den Lehrer für deutsche Sprache und Literatur, einen großen Mann mit einer pracht. bollen Römerglaze und energischen Zügen, die lieber dem Spott als der Liebenswürdigkeit dienten. Er maß den Frager von oben bis unten mit höhnischem Blick und sagte dann: Ja, wenn wir den durchfallen ließen, wen sollten wir dann bestehen lassen?"
Natürlich stieß er troßdem noch täglich, ach, stündlich Dieser Bescheid beruhigte Frau Rebekka einigermaßen, in seinem Fahrwasser auf Klippen, Untiefen und Strom- aber feineswegs vollständig. Als der erste Tag des schriftschnellen. Da hatte er ihnen das Märchen vom Froschkönig lichen Examens anbrach, strich sie unaufhörlich mit lieb und dem eisernen Heinrich erzählt. Der Frosch hatte der kosenden Händen an ihrem Sohne auf und ab, als ginge Königstochter ihren goldenen Ball aus dem Brunnen geholt er den Weg zum Schafott und kehre nicht mehr zurüd. Als unter der Bedingung, daß er mit ihr an einem Tische essen ihn acht Tage später der Mann mit der Römerglaze auf die und in einem Bettchen schlafen dürfe. Und sie hatte es Seite genommen und mit spöttischem Lächeln gesagt hatte: ihm doch hoch und heilig versprochen. Als nun der Frosch Ich gratuliere Ihnen. Sie haben den besten Aufsatz geins Schloß fam, wollte sie ihr Königswort nicht halten. Das schrieben," da brachte er fliegenden Laufes wie der Bote von ist mit Rönigsworten öfters so, ist aber unfittlich. Und Marathon seiner Mutter die Nachricht, damit sie sich beruhige. Asmus wollte entwickeln, daß man sein Wort halten müsse, Und wirklich wurde sie etwas ruhiger. und wenn es auch noch so schwer sei.
Warum wollte sie denn nicht mit dem Frosch zu Bett gehen?" fragte Asmus einen Schüler.
Ich weiß nicht," sagte der.
Möchtest Du denn einen Frosch im Bett haben?" " Jal" rief das Bürschchen begeistert.
Hm. Das war ein unerwartetes Hindernis. Aber Asmus befann sich. Vielleicht sprach das Kind so aus ethischen Erwägungen. Es meinte wohl im stillen: wenn ich es versprochen hätte.
" Schön," fuhr der Magister fort, Du möchtest also bei einem Frosch schlafen. Aber doch nur wann?" " mmer!" versette strahlend der Gefragte.
Hm, hm. Wie sollte man diesem perversen Individuum die Moral der Geschichte begreiflich machen? Man mußte einfach die Segel streichen. Der fluge Magister begriff erst später die Freude der Kinder an allem Spiel mit den Tieren. Aber solche und ernstere Schwierigkeiten erhöhten gerade die Lust an der Arbeit, und er widmete sich ihr auch mit so viel körperlichem Eifer, daß er infolge des vielen Sprechens von einer Heiserkeit in die andere fiel. Ueberdies kam der erkrankte Lehrer nicht wieder, aus den acht Wochen wurde ein Bierteljahr, aus dem Vierteljahr ein halbes. Asmus hatte morgens eine Stunde weit zur Schule und ging mittags denselben Weg zurück. Dann aß er eilig zu Mittag und
Ludwig Semper konnte zu der Unrast Nebeffens immer nur lächeln. Du bist nicht gescheit", sagte er kopfschüttelnd und blickte zum Fenster hinaus in die Ferne.
Asmus aber war aus Sicherheit und Unruhe wunderbar gemischt. Er pflegte weder sich noch anderen Demutsflausen vorzumachen und sagte sich wohl: So viel wie die anderen weiß ich auch"; aber alles Leben, das er noch nicht tannte, stellte er sich als Wunder vor, als gutes oder schlimmes Wunder, und das Examen rechnete er borläufig au den schlimmen. Er dacht es sich im Grunde als eine Lotterie, die der Zufall entschied; er stellte sich vor, daß Dr. Korn, der als Direktor natürlich alles wußte, oder Herr Stahmer, der ebensoviel wußte, ihm die abenteuerlichsten Fragen vorlegen könnten, die schwersten Fragen, an die er nie gedacht, und dann war ihm ungefähr zu Mute wie dem armen Gretchen beim dies irae.
Vielleicht war er der unruhigste von allen Examinanden. Sein Blagnachbar Seybold 3. B. schrieb im schriftlichen Examen einfach alles nach, was er mit seinen vortrefflichen Augen von Sempers Schriftstücken ablas, und war darum viel ruhiger als dieser. Ja, dieser Jüngling fekte ein so heitres Vertrauen in die Kräfte seines Nebenmannes, daß er noch unmittelbar vor der naturgeschichtlichen Prüfung im Bücherschrank der Klasse von möglichst dicken Wälzern nach dem System Mausefalle" einen babylonischen Turm ere