Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 139.
16)
Mafia.
Mittwoch, den 22. Juli.
( Nachdruck verboten.)
Roman aus dem modernen Sizilien von Emil Rasmussen. Doch selbst der Bischof vermochte nur auf die Aufmerkjamfeit eines Augenblicks Beschlag zu legen.
Denn hinter ihm in der Nähe seines Baldachins thronte die Bildsäule des heiligen Calogero und sammelte aller Blicke auf sich. Wegen der Ungunst der Zeiten hatte man seinen Kopf aus Eisen geschmiedet. Es war dies notwendig mit Rücksicht auf die Behandlung, die die Bauern ihm mitunter zuteil werden ließen, wenn er, ungerührt von ihren Bitten und freigebigen Spenden, unbarmherzig Trockenheit spendete. Da galt es einen solchen Schädel zu haben, um den Knippeln standzuhalten, die einen Stier zu fällen imstande getvesen wären.
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1908
Auf dem Wege zu dem nächsten nicht eben angesehenen Hotelvertraute das junge Mädchen sich seinem Führer an. Sie sei gekommen, um Angelo del Chiaro zu sehen. Aber sie wünsche nicht in seinem Hause mit ihm zusammen. zutreffen. Letterio begriff die ganze Sache auf diese bloße An deutung hin.
sorgen) sagte er mit seinem vertraulichen Lächeln. Vertrauen Sie mir! Ci penso io!"( dafür werde ich chevalerest, was sie zu speisen wünsche, bestellte bei Ciccio ein Er brachte das junge Mädchen ins Café Romeres, fragte pezzo duro( ein Eis), frank ein Glas Wermut, lüftete die Müße, verbeugte sich und war fort.
Sie saß und fühlte, wie es stille um sie wurde; wie alle fie anstarrten. Sie wagte kaum die großen unschuldigen Vogelaugen von dem Eisteller zu erheben. Von der Hize bedrückt, nahm sie den Hut ab, legte ihn auf das Sammetfissen und fämmte das glänzend schwarze Haar, das kurzgeschnitten in dichten Locken ihren Nacken umgab.
Breitschultrige Bauern fauften ihre Seelen aus dem Fegefeuer frei, indem sie die Schultern unter den zentnerschweren Heiligen stemmten. Während alles um sie her Draußen auf der Straße sah sie bei einem flüchtigen kniete, durften sie den Rücken aufrechthalten. Als zeitlichen Blick zwei Offiziere stehen und sie mit jenem frivolen Lohn empfingen sie nur einen Regen von Brod, das sie in der Sklavenhändlerblick mustern, den sie von dem Korso in Rom Luft auffingen und unter dem Hemde auf der schweiß- her so gut kannte. triefenden Brust aufbewahrten.
Jeden Augenblick mußte der Heilige am Wege innehalten; denn vor seinen Augen wurden die Mirakel geübt, die mehr als alles andere seinen Ruhm begründet hatten: Calogero ist der Heiler der Bruchleidenden.
Auf offener Gasse, in sengendem Sonnenbrand, wo der Staub gleich einer Mauer stand, gab man einen Knaben dem Messer eines Barbiers hin. Nonnen assistierten dem volkstümlichen Arzte; Priester standen dabei und übertäubten das Schreien des Kindes mit ihren Gesängen; die Eltern lagen auf den Knien und beteten. Die Operation war vollführt; das Kind wurde fortgetragen, einem sicheren Tode - entgegen. Aber das Volk jubelte: das Wunder war geschehen! Der hochragende Heilige wurde weitergeschleppt, bis neue Opfer ihn aufhielten, die man. dem Messer des Wunderdoktors überlieferte.
Um den Heiligen freiste ein schwarzgekleideter magerer Herr wie ein Verbrecher um die Stätte seiner Missetat. Es war der Präfekt, der Repräsentant der Staatsgewalt, der es nicht wagte, die blutige Revolution heraufzubeschwören, die unfehlbar die Folge eines gegen diese altererbten Gräuel erlassenen Gesetzes gewesen wäre. Bleich vor verbissenem Groll litt er wie ein Vater unter der Schmach des Sohnes. Jahr um Jahr konnte er die Zahl der Opfer vermindern; das war der ganze Respekt, den er für seine und seiner Zeit Humanität zu erzwingen vermag.
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"
„ Es ist ein Varietémädchen", meinte Kapitän Vigo. Sieh nur das Haar!"
" Hm? Mit diesen Augen und dieser Hautfarbe hat sie Kneipen, Nachtwachen und Schminke noch nicht kennen gelernt. Das ist ein kleines Familienmädchen."
wir
,, Bist Du toll? Sie reist ja allein." " Das kann man nicht wissen.
" Jedenfalls sitzt sie allein im Café. Uebrigens werden das bald erfahren. Ich brenne darauf."
Sie setzten sich ungeniert neben das junge Mädchen. „ Ein schönes Fest, das heutige, nicht wahr, Fräulein?" fragte Vigo.
Ich habe nicht viel davon gesehen."
,, Sie haben vielleicht Bekannte in der Stadt, die Sie be suchen wollen?"
Ich will mit Graf Angelo del Chiaro sprechen. Kennen Sie ihn?" ,, Er ist mein Freund. Ich bin täglicher Gast im Hause Sie sind Römerin?"
" sa."
ch höre es am Dialeft. Sie haben vermutlich den jungen Grafen fennen gelernt, als er in Rom studierte?" ,, Er wohnte bei Mutter, als er aufs Lyceum ging. Sein Bruder auch aber nun wohnt er nicht mehr bei uns."
Mit dem Zutrauen eines Kindes und italienischer Offena heit framte sie ihr kleines Herz vor den fremden Herren aus; -es waren ja Angelos Freunde. „ Ist es wahr, daß er verlobt ist?" fragte sie bebenden Herzens.
Mitten unter dem Festtagsleben und Lärm kam der Wagenzug vom Bahnhof herangesaust.
Beim Tore stand schon das Volk wie eine Mauer. Die Kutscher sprangen ab und warfen die Zügel irgendeinem in der Nähe stehenden Jungen zu, um die ankommenden Gäste durch ausgestorbene Seitengassen in die verschiedenen Hotels zu führen und ihre Provision einzuheimsen.
Unter den Neuangekommenen befand sich eine blutjunge Römerin, die der Kutscher Letterio geführt hatte, ein langer sommersprossiger Lümmel mit in die Augen niederhängenden Stirnlocken und dem liederlichen Aussehen eines Mafiusu, der eine Blume im Knopfloch trug und einen besonderen flotten Anstrich über all seine Schäbigkeit auszubreiten wußte.
Das junge Mädchen war ganz entzückt von seiner väter lichen Fürsorge und fühlte sich zum ersten Male sicher auf diesem berüchtigten Boden. Dieser junge Mann mit den weißen Zähnen und den funkelnden Augen war ja manierlich wie ein Graf. Er hätte sich sicher wenn nötig in den Rinnstein gelegt, um sich von ihr als Ninnsteinbrett gebrauchen zu lassen.
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Ueber Steintreppen auf und ab, durch Gassen und Winkel ging es zum Hotel Gellia". Alles war besetzt.
Jamit Marchesina La Greca." Ich hatte es gehört. eigenen Munde hören-"
Ich wollte es nur aus seinem
Ihre Mundwinkel begannen zu beben. Sie konnte fein Wort hervorbringen, und ihre Augen wurden blind vor Tränen. Nervös und ermüdet von der Reise, mußte sie nach geben. Sie brach mitten im Café in Tränen aus.
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Letterio hatte sich einstweilen bis zu dem Palast des Grafen durchgebohrt.
Silvia erfundigte sich gründlich und lange, ehe sie die Neuigkeit derjenigen überbrachte, für die sie bestimmt war.
Als Silvia eintrat, stand. Gräfin Lucia bei der Türe ihres Zimmers und beobachtete durch das Schlüsselloch Ingenieur Lo Forte, der im Salon saß und mit Bionda Harfe spielte. Sie blidte auf, machte der Dienerin ein Beichen, sich still zu verhalten, und fuhr in ihrer Beschäfti gung fort.
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,, Es ist eine junge schöne Römerin angekommen, die nach Graf Angelo geschickt hat," flüsterte Silvia.„ Sie sitzt bei Romeres und wartet auf ihn."
Die Gräfin schnellte empor wie eine Stahlfeder, starrte Hier lagen in jedem Zimmer bis zumr Dachboden hinauf sie an und machte einige schluckende Bewegungen, ohne i bis zu fünf Gäste. aleich Worte finden u können.