Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 88.

4] Erbaltung der Kraft.

Novelle von Timm Kröger,

Freitag, den 7. Mai.

1909

( Nachbruc verboten.) darauf wateten die Schimmel im flaren Wasser. Soweit Wagen und Pferde und Wellen den Spiegel nicht verdarben, sah der Grund weißgelb und eben und verklärt und frisch aus. Man fah jeden Stein; es waren aber nicht viel da, Eigentlich hätten sie bis zum alten Fährdamm bei dem öfters sah man schon eine Süßwassermuschel im Sand. Dann und wann beugte sich Martin Uhrhammer nach der Mitte Bauernhof Lust" zurückfahren müssen, Martin aber dachte, des Stubles und visierte den Pferden über die Deichsel hin. warum sollen wir uns vor Menschen zusammen im Wagen-" mmer auf die Kate los, die den weißen Schornstein stuhl zeigen? Er kannte einen Richtweg über die Wiesen an der Au längs. Es war nur eine Servitut, eine Feld- hat," wiederholte er, dann kommen wir recht. Ich weiß dienstbarkeit der Nachbarn, und ein halbes Dutzend Malfie mußte Martin Uhrhammer absteigen, Schlagbäume und Heck­tore zu öffnen und zu schließen. Schließlich kamen sie an den alten Fährdamm.

,, Wat blänkert dor?" fragte Elsbe Wulffen. Wat meenst Du?"

Dat dor."

Und sie zeigte mit der Hand geradeaus. Die Ver Längerung traf ein Schiff im Eiderstrom, aber das meinte fie nicht, sie meinte etwas, das ganz nahe war, sie meinte den Hechtsee selbst.

Der Hechtsee ist eigentlich nichts als der zu einem breiten Becken ausgeweitete und vor einem Sandstreifen aufgestaute Austrom. Meilenweit läuft der runde Sandrüden vom Stadt­

felde her durch die Niederung, seine gelben Wurzeln bilden in der Richtung der Furt in flachem Wasser einen reinlichen, harten, nur hier und da von Prielen durchzogenen Grund. Er ist von einem breiten Schilf- und Binsensaum eingerahmt, und aus Schilf und Binsen leuchtete das Wasser zu Martin und Elsbe herüber. Es glänzte wie dunkler Stahl, zuweilen Sprühten Diamanten und Sterne auf. Wie ein fromnter, auf breiten Flügeln herabschwebender Engel war ein guter Wind vom Himmel gekommen und hatte, wie zu heiliger Zeit im Teich Bethesda, milde Wellen bewegt. Und vor dem See auf Hans Horns Bultwiese ragte auf dem rund ab­fallenden Sand eine kleine, windfeige, gichtbrüchige Eiche auf. Daran fuhren sie links vorbei und dann hinein jawohl, in das Wasser hinein.

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" Ich erinnere das noch von Vater her, wir wollen es uns aber für fünftige Fälle merken," sagte Martin. Links von der Eiche müssen wir hinein."

Aber sie taten es noch nicht gleich, noch waren die Tiere auf der Rundung des Ufers, noch waren sie auf trockenem Land. Aber der Wind bog Schilf und Binsen nieder, und die Binsen verbeugten sich nach dem Wagen hin und winkten Martin und Elsbe zu, tamen wieder hoch und sagten: Man immer zu, es ist gar nicht gefährlich."- m breiten, blinken­den Wasser rauschten und flüsterten kleine Wellen auf, und auch die kleinen, blinkenden Wellen ermunterten:" Fahrt nur ruhig hinein!"

Aber Martin Uhrhammer tat es noch nicht, er sagte Brr!", hielt noch einmal an und zeigte mit der Peitsche gerade über das Wasser weg.

,, Sieh, Elsbe! Ganz hinten, weit weg, da liegt die Kate. Sie hat vergangenes Jahr einen weißen Schornstein bekommen, und das ist gut, so sieht man sie besser. Da fahren wir immer gerade darauf zu, immer quer durch das Wasser, dann sind wir recht."

Und nun ging's hinein. Erst schnoben die Schimmel ein bißchen; als sie aber merkten, daß sie festen Grund unter den Füßen hatten, da war ihnen die Kühle, die von den Hufen heraufzog, ganz recht. Nach dem ersten Schritt in den Binsen sah man Linien an der Oberfläche des Waffers, wie sie entstehen, wenn Hechte pfeilschnell davonschießen. Die Räuber haben im Schilf und in den Binsen ihr Versteck, um auf die dummen Weißfische und auf die Gründlinge Jagd zu machen. Nun brachen auch noch zwei alte, schwere Enten mit großem Geschrei auf, flogen in die Luft und hätten den Schimmeln beinahe Angst gemacht.

Berdommig," sagte Martin, hätt ich nu ein Gewehr!" Er hatte aber feines, er fonnte nichts tun, als die Tiere, die sich wieder im Schilf niederließen, mit den Augen ver­folgen.

das von Vater her. Sieh, Elsbe, da liegt sie. Wir sehen von Vater her. Sieh, Elsbe, da liegt sie. Wir sehen ganz hell. Wenn wir aber weiter kommen, dann finkt fie hinter Schilf. Dann müssen wir uns aufs Gefühl verlassen." Elsbe plierte auch und fand, daß alles in Ordnung sei. ,, Wer wohnt in der Kate?" fragte sie. Ist das die von Rassen Ohm?"

Es war die von Kassen Ohm Schröder und Stinemesch, aber Martin verspürte Lust, sein Mädchen zu necken, nannte das Haus Wischberg, ein Ohm von Dorten Pahl wohne dort, und wenn Elsbe mit ihm maule, fahre er Sonntags immer mit ihr hin. Junge, Junge!" drohte Elsbe und fitelte Martin, er sich vor Lachen nicht bergen konnte. ,, Dern, laß das!" rief Martin, die Schimmel werden bange, und dann versaufen wir alle vier."

daß

Mir ist's recht," sagte sie, wenn Du mit Dorten Pahl gehst, denn man immer rin ins nasse Vergnügen!"

Es war eine Lust, durch den See zu fahren.

Das Wasser und das Land ringsumher und der Himmel darüber her, auch die beiden im Wagenstuhl waren nichts als Glaube und Liebe und Hoffnung.

Die Räder mahlten so treuherzig über Kies und Muscheln, und die Wassertropfen spangen so treuherzig funkelnd von den Pferdeläufen auf, der Wind wehte dem Mädchen so tren herzig ins Gesicht, und Elsbe Wulffen und Martin Uhr­hammer sollten nicht lieb und nett und treuherzig sein? Meistens hatte Martin die Zügel in beiden Händen, nun nahm er sie in die rechte allein, die linke suchte etwas unter dem Schuyleder und fand die warme Hand seines Mädchens.

Sie sagten nichts, fie schauten nur und freuten sich in das sprühende Freilicht der Landschaft hinein. Wie weit fonnte man sehen! Näher, als sie wirklich waren, schienen die Binsen des anderen Ufers, fie ragten über das Wasser hinweg. Und über die Binsen bauten sich Hölzungen und Hügel auf, da zog sich ein unbekanntes Land in großen, blauen Linien hin. Elsbe war alles unbekannt und neu, aber alles jauchzte ihr in stummem Einverständnis und in stummer Liebe zu, alles war oder schien emporgetragen, zuweilen war ihr, als hingen Wälder und Berge in hoher, vor Freude zitternder Luft.

Die Richtung, die sie inne hielten, leitete das Gefährt durch eine kleine, von grünem Gras überzogene Fläche. Martin führte die Roffe vorsichtig heran, ob der Grund auch fest fei. Er war es, und rüstig ging es durch das schwimmende Grasinselchen. Auf einmal sprangen die Pferde beiseite, ein großer, unbekannter Vogel hatte sich lärmend und flügelschlagend vor ihnen in die Luft gehoben. Aber Martin beruhigte die Schimmel durch Anziehen der Zügel, durch Erheben der Peitsche, vor allen Dingen aber durch seinen versöhnlichen, tröstend flangvoll in die Höhe gehenden und väterlich dumpf, niemals erfolglos ver hallenden Nuf.

Und gleich nach der Grasinsel kam die erste Untiefe. Martin Uhrhammer war immer besonnen. Er redete den Pferden vernünftig zu, nannte sie bei Namen, lobte das Leitpferd und tadelte das Handpferd, aber in liebreichem Tonda überwanden sie die Angst. Und es ging ganz gut, nur war Wasser in den Wagenkasten gestiegen und hatte die Sohle überschwemmt.

Wir werden die Rückfahrt doch über Seefeld machen müssen, sonst wird mir die Grüße noch naß," bemerkte Martin. Jegt waren sie über die Mitte hinaus und sahen schon die Schraffierungen der Binsen am Ufer. Und immer zielte man über die Deichsel weg auf die schon halb durch den Schilf­

Die Binsen und Schilfgräser waren hier noch nicht dick und auch nicht hoch, dazu lag zu viel Sand über dem Moor -fie waren dünn und spärlich aufgeschossen. Und gleich' saum verdeckte Kate los.