Mnterhaltimgsblatt des Dorwärts Nr. 100. Mittlvoch. den 26. Mai. 1909 (Nachdruck berdoten.j i] Lebensfreude. Bauerngeschichte von Gustav Wied . Autorisierte Ueber- setzung von Alfons Fedor Cohn. Es sollte Erntefest sein auf Ole Kanstrups Hof. Vier- zehn Tage vorher hatte Madam Kanstrup ihre Vor- bereitungen getroffen. Die besten Vorräte des ganzen Hofs hatte sie beiseite geschafft. Wo. Deibel, ist der gute Käse hingekommen? fragte der Mann, als er eine strohtrockene Rinde zum Vesper erdulden mußte,und die fette Rollwurst, Sophie?" sagte er.Was ist das für'n Häckselessen, das Du mir vorsetzst?" Die sind fürs Erntefest weggestellt, Ole." Höre, Sophie," fuhr der Mann einschmeichelnd fort, wenn ich nun hier diese Hobelspäne und dieses rote Häcksel kauen soll(er deutete auf die Käserinde und etwas gehackte Schafskeule), könnte ich nicht wenigstens'n Schnaps von dem Johannisbeer-Rum bekommen. Du weißt schon?" Ja, zum Erntefest, Ole .... Und dann mästen wir zwölf Pfund Weizenmehl und sechs Pfund Puderzucker und vier Pfund Kandis haben!" leierte sie plötzlich los und trug resolut den Krieg hinüber in Feindes Land,und ein Pfund Rosinen und ein Viertel Zitronat, und dann Zwetschen zu den Gänsen, wenn Sären morgen mit den Schweinen nach der Stadt fährt. Kaffee und Zucker kriegten wir gestern." Sind denn sonst keine Kleinigkeiten?" fragte Ole und hieb die Zähne kräftig zusammen, um den Käse zu zer- brechen. Ja, da sind ja noch Lichte," nickte die Madam,die hätte ich beinah vergessen I Und dann ein Glas Anchovis!" Ach was, Anchovis!" meinte Ole.Das Zeug ißt ja doch keiner!" Bei Mikkel Hansens drüben hatten sie neulich Anchovis!" So, haften sie sie da! Ja, dann mußt Du ihnen natür- lich auch die Haifische vorsetzen, hihi! Ist noch mehr?" Heute nicht, daß ich wüßte.... Wollt Ihr Punsch haben?" Gewiß wollen wir Punsch haben!" Ja. da ist ja Rum... Und dann ist's wohl auch das beste, daß wir ein paar Pfund von dem Hutzucker be- kommen?" Höre, Sophie, ich spiele Konkurs!" Ach..." Ja. hol mich der Derbel, ich spiele Konkurs!" Pfui, so mußt Du nicht fluchen!" Na, dann gib mir'n Johannisbeer, hi!" ..." sagte die Madam. Aber sie stand doch auf und holte den Johannisbeer. Der Saal war mit Tannenlaub ausgeputzt, Tannen- laub mit Astern und Georginen. Der Staat war auf lange Stricke gebunden und alsGwirlanden" unter der blau- gestrichenen Decke angebracht rings um den ganzen Raum. Zwischen den Fenstern an beiden Seiten und der Gartentür waren Lichthalter aufgehängt: krumme Aeste, in die Löcher gebohrt waren(sie waren schon alt. konnte man sehen, denn es saß Talg darin vom Vorjahr). Und in der Mitte der Decke hing eineKrone", umwunden mit Hafer-, Gerste-, Weizen- und Roggenähren. Aber Lichte konnten in der Krone nicht brennen, denn die Decke war zu niedrig. Unter den Fenstern auf jeder Seite des Raumes stand ein Tisch, rechts ein größerer und links ein kleinerer. Als Tücher hatte man frischgewaschene Bettlaken genommen. Marthe, die Tochter des Hauses, und Johanne, das Dienstmädchen, flogen aus und ein undstellten auf". Marthe, die auf einem großen Hof viele Meilen fort diente, hatte übrigens erst Erlaubnis erhalten, nach Hause zu kommen, nachdein Sophie folgenden Brief an ihre Frau geschickt hatte' Den 24. September 1891. Frau Winge. Enschuljen Sie daß ich ihnen Schreibe es ist bloß weil Marthe nach Haus geschrieben Hat sie kann nicht nach Haus kommen zu unserm Erntefest den 28, Septemmer, darum bitte ich sie for Ihr ob Sie nicht Erlaubnis kriegen kann auf 3 Tage zu Reisen Kürzer kann sie es nicht machen Sie mutz denn Freitag Morgen Reisen wenn sie zeitlich genug kommen soll. Ich hoffe sie sind so freuntlich und lassen sie reisen Ich möchte auch hoffen sie sind So gut und geben Ihr 5 Kronen von Ihrem Lohn und Reisen ohne Geld kann sie ja nich die Reise hier ist ja 14 15 Meilen Hier Her Es wäre uns sehr. unangenehm wenn Marthe nich dürfte Reisen sie ist das einzige Kind jetzt Erwarte ich ihre Einwillgung Ergebenst zeichne ich mich Sofie Kanstrup,. Marthes Mutter. Marthe bekam natürlich sofort Erlaubnis zu reisen. Freitag nacht um zwei war sie nach Haus gekomnien. Ole war mit dem Federwagen drin gewesen, um sie abzuholen obwohl der Hof nur eine gute Viertelmeile vom Orte lag. Und so froh war er über den Besuch, daß er bereitwillig seinen Platz in dem großen Ehebett abtrat,damit dft Frauenzimmer sich ausquasteln konnten". Und nun waren also Marthe und Johanne damit be' schäftigt, das Essen auf die Tische im Saal zu stellen. Es muß Platz bleiben für das Ochsenfleisch auf dem großen Tisch in der Mitte!" rief Sofie aus dem Brauhaus. Den soll Schuhmacher Hansen auftchneiden." Sie stand und legte Klöße in die Suppe, die im Herd« kesiel kochte. Alle Töpfe waren zu klein. Sie war fertig mit denRollklößcn", die sie in ihren hohlen, mehlgepuderten Händen gerollt hatte, und war nun bei denabgestochenen Klößen", die mit einem Löffel in die Suppe gelegt wurden. Sie schleppten und schleppten, Marthe und Johanne, daß sie nur so pusteten. Aber Spaß machte es doch. Ole stand mitten im Zimmer unter derKrone" und sah dem Aufdecken zu:' Verflucht noch mal!" sagte er, und das Wasser lief ihm im Munde zusammen,so'ne Leckerteten!" Mit der Suppe sollte angefangen werden. Und dann kam das Ochsenfleisch in Meerrettichsauce. Und dann gab es Kalbsbraten und Lammbraten und drei Gänse, mit Puder- zucker bestreut. Und all ihr Eingemachtes hatte Madam Kanstrup herausgegeben: rote und schwarze Johannisbeeren und Stachelbeeren, ganz und in Gelee. Und Quitten gab es und saure und siiße Salz- und Pfeffergurken und rote Rüben. Du mußt Dich'n bißchen'ranhalten, Sofie, denn nu fangen sie an zu kommen!" sagte Ole . Er war einen Moment nach der Einfahrt gewesen und hatte den Weg entlanggesehen. Jesses!" schrie Sofie. Und in den Hof rollte der erste Wagen. Es waren die Gäste: Schuhmacher Hansen, Schneider Rasmussen und Tischlermeister Baldrian mit Frauen und Kindern. Sie hatten sich Fuhrmann Bruhns' großen Charabank geborgt. Gutentag, Gutentag, Kanstrup, hudd, hudd!" summte Schuhmacher Hansen, noch bevor der Wagen hielt. Der Schuhmacher ging auch unter dem Namen: Hummel, wegen dieses Summens: hudd, hudd! Gutentag, Hansen!... Gutentag Rasmussen!,. t Gutentag, Baldrian!" Ole ging umher und gab die Flosse und half den Madams und den Kindern'runter. Tischler Baldrian war Kutscher. Er saß steif in hohem Zylinder und schwarzen Handschuhen, als ob er eine Leiche kutschierte. Er war Abstinenzler. Sören, der Knecht, kam im Sonntagszeug angaloppicrt und nahm die Pferde. Erst da stieg Baldrian vom Bock. Bitte schön, geht doch rein," sagte Ole zu den Manns- leuten,bitte schön!" Die Damen durften für sich selber sorgen. Feines Wetter," sagte Schuhmacher Hansen und rieb sich die Hände,prächtige Jahreszeit, hudd, hudd! Weder zu kalt, noch zu warm." Nun kam Wagen auf Wagen durch die Einfahrt gerollt. Und auch Gäste zu Fuß kanicn. Paarweis oder in Haufen