Anterhaltungsblatt des Vokwärts
Nr. 113.
Dienstag, den 15. Juni.
1909
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KNachdruck berboten.
Der Arbeiter Schewyrjoff.
Revolutionsgeschichte von M. Artzibasche w. Maksimowa seufzte.
Du dummes Ding!... Dich überhaupt nicht an... oder grobe Arbeiten machen. beiterin?"
Und im Kloster nehmen sie Da heißt's: Geld deponieren Was bist Du für eine Ar
Die Alte machte eine wegwerfende Handbewegung. Nein, was ist da zu reden... Gehe mit Wassilij Sstepanowitsch. Wirst wenigstens Deine eigene Herrin, und viel leicht unterstützt Du mich auch... Wassilii Sstepanowitsch hat, sagen die Leute, gegen sieben Tausend auf der Bank."
„ Er ist schrecklich, Maksimowa," murmelte Oljenka bebend, als wenn sie um Vergebung flehte:" Grob, wie ein gemeiner Bauer!"
,, Und für Dich ist ein gnädiger Herr nötig? Die Herren find nicht für uns, Oljenka... Mag er nur ein guter Mensch sein, und danke Gott ."
Er hat gar nichts gelesen, Maksimowa. Ich frage ihn: wie gefällt Ihnen Tschechoff? und er sagt:" Bei unserer Tätigkeit ist für Kindereien keine Zeit"
Oljenka ahmte einen stumpfen, groben Baß nach. Ahmte ihm nach und weinte: ihre großen Augen füllten sich mit dicken hellen Tränen, und die Hände bebten wieder.
Was denn, er spricht vernünftig!" rief Maksimowa zänkisch; es war zu erkennen, daß sie sich Mühe gab, in Zorn zu kommen. Denk mal an! Nichts gelesen!... wer hat denn Lesen nötig? Er ist Geschäftsmann, kein dummes Ding wie Du!"
Oljenka hörte auf zu weinen und öffnete wieder weit und träumerisch die Augen.
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Ach, Maksimowa, Du verstehst nichts davon, redest aber. Auf der Welt das einzig Gute, das sind die Bücher. Tschechoff zum Beispiel! Wenn Du ihn liest einfach-man will weinen. So was Wunderbares, so was!" Oljenka preßte beide Handflächen an die Backen und schüttelte den Kopf.
-
Ah, geh Du mit Deinen Büchern!" fuhr die Alte sie böse und doch bedauernd an. Möglich, es ist sehr schön, nur nicht für uns. Du- ich werde mit jedem Tag blinder... gestern räume ich den Tisch ab zerschlage ein Glas. In einem Monat merde ich vielleicht ins Armenhaus müssen. und da hast Du's! Genau so nähte ich, nähte, nähte immerzu da bin ich nun mit meiner Näherei.. Und ich war nicht so wie Du... Du hier, wenn Du fünf Rubel verdienst und davon zwei' rausbekommst, dann sagst Du noch Gedankt sei Gott !" Keinen Feßen auf dem Leibe, und noch... Bücher! Was soll das?"
-
Die Greisin tam leise ins Zimmer geschlichen. Ihre winzigen Aeuglein plusterten ängstlich und neugierig. Maksimowa, das ist schlimmer als der Tod. Er ist ein Bauer.. wird mich noch schlagen!" stieß Oljenka ganz verzweifelt aus.
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Na, weshalb gleich schlagen!" Die Alte wiederholte die Hoffnungslose Geste von vorhin. Und was schon, was ist schon geschlagen?" muffelte die Greisin an der Tür. Sie, Olga wanowna, soll sich eben unterwerfen."
Was?" fragte Oljenka erschrocken.
"
ய
Unterwerfen sollen Sie sich, sage ich." wiederholte die Greisin. Wird Sie einmal schlagen, zweimal und hört auf... So sind sie alle. Bei ihnen heißt's, unterwürfig sein. Mag es sein, dulden Sie nur ruhig... Er wird schon aufhören, macht nichts!"
Oljenka schaute sie mit Entseßen an, als wenn aus dem Dunklen Korridor ein schreckliches Ungeheuer hervorgefrochen wäre und sich ihr jekt nähere. Sie faßte sogar das Kleid zu sammen und drückte sich mit der Schulter an den Tisch. Aber die Greisin hatte sie schon vergessen und sich Maksimowa zugewandt. Ihre winzigen Augen glänzten vor listiger Schadenfreude.
jagt!"
Unseren Lehrer haben sie wieder aus dem Dienste ge
Was?" rief Maksimowa. Warum?"
Wieso
weggejagt?
Weil er gegen die Obrigkeit grob geworden ist. Der Vorgesetzte hatte ihn angeschnauzt, nar ihm grob gekommen. Na, und haben ihn hinausgeworfen. Es ist furchtbar, wie Marja Petrowna heute wild gewesen ist!" berichtete die Greisin in eiligem Flüsterton, wobei sie sich fast bei jedeni Wort verschluckte und nach der Tür umsah.
Maksimowa blickte sie ratlos an.
" Ja, aber sie sind mir noch drei Monate schuldig. Sie selbst hat mir heute versprochen, wenigstens einen Teil zu bezahlen... Und was jezt?" murmelte sie verwirrt.
Die werden jezt nichts mehr bezahlen. I wo denn! Die werden jezt selber hungern müssen!"
„ Aber was denken sie sich! Daß ich sie umsonst behalten werde? Haben eine Wohltäterin gefunden!... Ich habe selbst nichts zu fressen
Sie überlegte noch eine Weile und ging plötzlich, rasch Kehrt machend, aus dem Zimmer. Oljenka, die fast gar nichts verstanden hatte, sah ihr erschrocken nach, und die Greisin schlich ängstlich in den Korridor und verschwand hinter dem Vorhang, von wo her sofort eiliges Flüstern ertönte.
Im Zimmer des Lehrers war es still. Die Kinder duckten sich in den Ecken und waren nicht zu sehen und zu hören. Der Lehrer und seine Frau saßen beieinander am Fenster, in dessen wunderlich hellem Fleck die Schatten zweier von hoffnungslosem Kummer unterdrückter Köpfe sichtbar
waren.
Marja Petrowna!" rief die Maksimowa zurückhaltend, doch selbstbewußt, wie jemand, der die Gewalt in den Händen hat, von der Tür her.
Der Lehrer und seine Frau hoben rasch die Köpfe. Die Gesichter blieben undeutlich, aber die Bewegung war demütig und niedergeschlagen.
Die Miete, die Sie zu heute versprochen haben, kann ich sie bekommen?" fragte die Alte ebenso zurückhaltend.
Zwei dunkle Schatten bewegten sich und schwiegen. Der flägliche, hilflose Ausdruck eines Menschen, der nicht einmal etwas zu antworten weiß, lag auf ihnen.
Nun so..." sagte die Alte mit überruhiger Stimme. ,, Also wie gesagt, packen Sie zusammen. Morgen vermiete ich das Zimmer. Was mir für die drei Monate verloren geht, das mag schon auf Ihrem Gewissen bleiben. Bin selber schuld, ich Idiotin, daß ich Ihnen getraut habe. Aber länger mit zumachen, habe ich keine Luft. Wie Sie wollen!"
Die Frau des Lehrers rührte sich nicht, aber der Lehrer selbst stand auf und ging schnell in den Korridor, wohin er auch die Maksimowa fast mit Gewalt hinausschob.
" Sehen Sie... ich wollte Sie fragen... Wäre es denn nicht möglich, irgendwie... Ich werde mir eine Stelle suchen. Mir ist schon hie und da verschiedenes angeboten worden... Also nun... ia..
"
Seine Blicke liefen umher; eine schwindsüchtige Röte trat in Tupfen auf seine blassen Wangen. Maksimowa seufzte und wehrte mit der Hand ab.
Wirklich, wahrhaftig... versprochen worden!" beeilte fich der Lehrer zu wiederholen, während sich sein Gesicht immer mehr rötete; mit den Händen fuchtelte er in der Luft herum. und überhaupt; ich werde suchen. Es geht doch nicht. Sie sehen selbst ein."
„ Ich kann nicht, Herr," erwiderte Maksimowa. Sie traß zurück und schlug die Hände auseinander. Wenn es nur art mir läge! Aber der Dwornik*) rennt mir ja die Türen ein. Ich werde selbst heraus müssen... Nur auf Sie hatte ich noch gerechnet. Und jetzt kommt es so!"
"
Maksimowa!" begann der Lehrer, eilig flüsternd, und fah sich nach der Türe um: Bedenken Sie nur, wo sollen wir hingehen? Sehen Sie, ich habe die Stellung verloren, und nun... Ich wollte heute Vorschuß nehmen, weil ich schon früher mein Gehalt erhoben hatte... die Kinder brauchten Schuhe, und meine Frau mußte auch was haben... Sekt wissen ja, das Wetter war so kalt, und sie hustet habe ich keine Sopeke mehr. Wer wird uns nehmen? Ueberall wird die Miete im voraus verlangt, während Sie uns immers
Portier, Bizewirt,
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