Anterhaltnngsblalt des Horwärts Nr. 151.' Freitag, den 6. August. 1909 �Nachdruck verboten.) 271 Die Inlelbauern. Roman von August Strindberg . Deutsch von Emil Schering . '** Der Frühling kam wieder, die Schwalben besserten ihre Nester aus und der Prosessor kehrte zurück. Um dessen Stuga hatte Carlsson im Laufe der Jahre einen Garten angelegt: Syringen, Obstbäume, Beerenbüsche gepflanzt: für die er Stecklinge und Pfropfreiser aus der Pfarre geholt: Wege befandet und Lauben errichtet. Es be- gann herrschaftlich auf dem Hof auszusehen. Niemand konnte leugnen, daß der Fremdling Wohlstand und Gemütlichkeit geschaffen, daß er Feld und Vieh in die Höhe, Haus und Hof in Stand gebracht: fogar den Preis für die Fische hatte er in der Stadt in die Höhe getrieben und ein Abkommen mit einem Dampfer getroffen, damit man sich die langen zeitraubenden Fahrten nach der Stadt sparen konnte. Jetzt, als er nachließ, müde war, sich mit dem Bau seiner eigenen Stuga beschäftigte, klagte man. Macht es doch selber," antwortete Carlsson.dann werdet Ihr mal sehen, wie gut es tut. Jeder für sich und Gott für uns allel" Bald hatte er seine eigene Stuga unter Dach, begann einen Garten anzulegen, Büsche zu pflanzen, Wege zu machen. Er hatte seine Stuga mit solchem Geschmack gebaut, daß sie die anderen in Schatten stellte. Sie besaß zwar nur zwei Zimmer und Küche, sah aber doch stattlicher aus als die alten Häuser: woran es lag, konnte man nicht sagen. Ob daran, daß er den Dachstuhl hoch geführt und die Dachtraufe weit über die Wand hatte vorspringen lassen: oder ob es die >«Krucifixe" waren, die er in die Deckbretter gesägt hatte: oder die Veranda, die er mit einigen Treppenstufen vor die Tür gesetzt. Es waren keine Kostbarkeiten, aber es sah doch etwas villenartig aus. Rot war die Stuga wie eine Kuh, aber die Ecken waren schwarz und getäfelt: die Fensterbretter waren weiß angestrichen und die Veranda, ein leichtes Dach auf vier Pfosten, war blau angemalt. Auch hatte er Verstand genug gehabt, seinen Platz zu wählen: unmittelbar unter dem Fuß des Berges, und zwar so, daß zwei alte Eichen mitten davor zu stehen kamen, unge- fähr wie der Anfang einer geplanten Allee oder eines Parks. Wenn man auf der Veranda saß, hatte man die schönste Aus- ficht: die Bucht mit den Schilfbänken, die lange grüne Quell- wiese: durch eine Mulde im Kälberhag konnte man die Boote hinten im Sund sehen. Gustav sah alles scheel an, wünschte die Stuga fort, hielt Carlsson für eine Wespe, die ihr Nest unter dem Dachstuhl baute: die hätte er gern verscheucht, ehe sie Eier legen und sich vielleicht mit ihrer Brut festesetzen konnte. Er hatte aber nicht die Kraft, sie fortzubringen: darum blieb sie sitzen. Die Alte war kränklich und ließ alles gehen, wie es ging. Im Vorgefühl des Wirrsals, das entstehen würde, wenn sie aus dem Leben schied, sah sie es nicht ungern, daß ihr Mann, denn das war er jedenfalls, ein Dach über dem Kopf hatte und nicht als armer Teufel herumlief. Sie verstand sich nicht auf Rechtssachen, hatte aber eine Ahnung davon, daß es bei Vermögensaufnahme. Erbteilung, Testament nicht mit rechten Dingen zugegangen: doch das war die Sache der anderen, wenn sie nur damit nichts zu tun hatte. Einmal mußte es aber losbrechen, wenn nicht früher, dann an dem Tag, an dem sich Gustav verheiratete: und solche Gedanken mußte ihm jemand in den Kopf gesetzt haben, denn er war sich nicht mehr gleich, sondern ging nachdenklich umher. » Eines Nachmittags Ende Mai stand Carlsson in seiner neuen Küche und mauerte am Herd, als Klara kam und ihn rief: -Carlsson. Carlsson, der Profesior ist mit einem deutschen Herrn gekommen, der Carlsson sprechen will!" Carlsson nahm das Schurzfell ab. trocknete sich die Hände und machte sich zum Empfang bereit, neugierig, was der ungewöhnliche Besuch zu bedeuten habe. Als er auf die Veranda kam, stieß er auf den Professor, in dessen Begleitung sich ein Herr mit langem schwarzen Bart und von bestimmtem Aussehen befand. Direktor Diethoff möchte Sie sprechen, Carlsson," sagte der Professor, indem er auf seinen Begleiter deutete. Carlsson bürstete einen Sitzplatz auf der Bank der. Veranda ab und lud zum Sitzen ein.> Der Direktor hatte keine Zeit, sich zu setzen, sondern fragte stehend, ob der Noggenholm zu verkaufen sei. Carlsson fragte, zu welchem Zweck, denn der Holm war vielleicht nur drei Morgen groß, war hügelig, trug etwas Fichtenwald und nur unbedeutende Schafweide. Zu industriellem Zweck," antworte der Direktor pnd fragte, was er koste. Carlsson war unschlüssig und bat um Bedenkzeit, bis er erfahren, was dem Holm seinen unerwarteten Wert gab. Es war aber nicht die Absicht des Direktors, ihn das so- fort wissen zu lassen, sondern er wiederholte noch einmal seine Frage, was der Holm koste. Dabei faßte er in die Brust- tasche, deren starke Anschwellung deutlich durchs Tuch zu sehen war und verriet, daß darin etwas steckte. So teuer kann der wohl nicht sein," meinte Carlsson? aber ich muß erst mit der Alten und dem Sohn sprechen." Damit lief er nach der Stuga hinunter; blieb eine gute Weile fort und kam dann zurück. Jetzt aber sah er verlegen aus, und es schien ihm schwer zu fallen, mit seiner Forderung herauszurücken. Sagen Sie, was Sie geben wollen, Herr Direktor," brachte er schließlich hervor. Nein, das wollte der Direktor nicht. Nun, wenn ich dann fünf sage, so werden Sie es nicht zu teuer finden," preßte Carlsson hervor, dem der Atem im Hals stecken blieb und der Schweiß auf die Stirne trat. Direktor Diethoff öffnete den Nock, zog die Banknoten- tasche heraus und zählte zehn Scheine zu einhundert Kronen auf. Hier ist vorläufig Handgeld; die vier anderen kommen im Herbst. Stimmt es?"-«- Carlsson war im Begriff, eine Dummheit zu machen; es gelang ihm aber gerade noch, seine überschwellenden Gefühle zurückzudrängen und ziemlich ruhig zu antworten, es stimme, während er nur fünfhundert Kronen statt fünftausend ge- meint hatte. Darauf ging man zum Sohn und zur Alten hinunter, um den Kaufvertrag zu unterzeichnen und die Summe zu quittieren. Carlsson blinzelte und grinste den beiden zu, sie sollten ihm beistehen: die aber verstanden nichts. Schließlich setzte sich die Alte die Brille auf und las, nach- dem sie unterschrieben hatte. Fünftausend!" schrie sie.Was lese ich? Er sagte doch hundert, Carlsson?" Nein, da mußt Du Dich verhört haben, Anna Eva. Habe ich vielleicht nicht tausend gesagt, Gustav?" Dabei blinzelte er so sehr, daß der Direktor es sah. Ja, ich glaube wohl, er hat tausend gesagtl" stand ihm Gustav bei, so gut er konnte. Als der Vertrag unterschrieben war, erklärte der Direktor, er beabsichtige für Rechnung seiner Gesellschaft auf dem Roggenholm eine Feldspatgrube anzulegen. Niemand wußte, was Feldspat ist, und niemand hatte an diesen Schatz gedacht; außer Carlsson; der schwindelte jetzt, er habe längst daran gedacht, nur kein Kapital gehabt. Der Direktor erzählte, Feldspat sei eine rote Steinart, die von Porzellanfabriken gebraucht werde. In acht Tagen werde das Haus des Verwalters, das schon bei der Tischlerei bestellt sei, aufgestellt sein; in vierzehn Tagen werde die hölzerne Arbeiterkaserne auf ihrem Platz stehen; mit dreißig Mann werde man dann die Arbeit anfangen. Damit reiste er. Dieser Goldregen war so schnell über die Jnselbauern gekommen, daß sie keine Zeit gehabt hatten, alle Folgen zu berechnen. Tausend Kronen auf dem Tisch, viertausend im Herbst, für eine wertlose Insel: das war zu viel aus einmal. Darum saßen sie den ganzen Abend einträchtig beieiimndex