Anterhaltungsblatt des Horwiirts Nr. 36. Sonnabend� den 19 Februar. 1910 (Nachdruck verboten.! S6Z Im j�amen des Gefetzea. Von Hans H y a n. Der Grüne winkte mit der Hand, die unverhältnismäßig groß und starkfingrig war und mit den krummgewachsenen Nägeln der Kralle eines Raubvogels glich. Dat kommt! det kommt allens zu seine Zeit! Vor leifig biste mir noch viel zu linkP) Du wirst ja rot, wenn Dir'n Jreiser auf de Straße nachspannt!...Wie wa neilich ieban Belljanzplatz jejangcn sind, da Hab ick woll jesehn. Natürlich! Dumm wat ja ooch! Hier in Berlin muß ick iebahaupt bloß im Dunkeln wandeln... Un wir beede zu- samm', det hat doch keen Zweck, det Du auch erst so'ne Haus- hohen Lampen�) kriechst, denn kenn wa janischt mehr machen... Aber'ne Winde*) kanntste ma jem'l Ick kann nischt ausbaldowern, weil ick mir nich bei Jom�) raustraue I Haste denn nich noch'n biskcn sowat uff Lager, Du, was? Na, wir missen doch aber noch Jeld hab'n?" sagte Georg nicht sehr zuversichtlich,det kann doch noch nich alle sind!' Wat Du schlau bist!" höhnte der Grüne,meenste viel leicht die Dinger Hecken bei mir oda ick Hab''n Dukatew scheißer?! Ja? Na, denn quatsch doch nich so demlich. Mensch! Du vabrauchst doch jenuchl Du un det Meechen!" Aergcrlich rückte sich Georg aus einer lässigen Stellung empor. Det brauchste mir bloß noch een cenzijet Mal zu sagen, Heinrich! Denn is't alle! Ick habe jenuch davon! Nx det will ick nich mehr Heren! Wat denkst Du Dir denn eintlich? Een Wocht von mir un ick kann leben wie'n Jraf! Die wart doch bloß dadruff, die Schwarze, det se mir wat jeden darf!... Vorhin noch wieder!Hier," sagt se,nimm doch," sagt se, Du beleidigst mir dadurch!" Un ick wollt et bloß nich, meent se, weil ick Angst hätte, sie könnte mir mal später ver- Masseln, wejen Zuhälterei un so, aber ehe Wirde sich die det Leben nehmen, ehe se mir wat antäte!... Ja, un det hat se nich eenmal jesagt, det is jeden Tag wieder dieselbe Rede!... Un ick bin'n Dussel, det icks nich tue, det ick nich zujreifel... Wer hält mir denn? Vielleicht, det ick mir von Dir jeden Dach de Ohren vollblasen lassen soll, ick täte nischt, ick arbeetete nich!... Wat heeßt'n da iebahaupt arbeeten? Arbeetest Du denn etwa?" Der grüne Heinrich drehte nur seinen runden Kopf, der bislang mit einem halben Grinsen vor sich hingeblickt hatte, zur Seite, nach Georg hin und sagte zwischen Zähnen: Na jewiß arbeet ick! Wat'n sonst!... Du denkst viel- leicht, arbeeten det heeßt bloß'n janzen jeschlagenen Dach an de Maschine stehn, oder uff'm Komtorschemmel hucken oder so... Aber weeßte, so arbeet'n Ochse ooch! Davor dank ick! Ick untanehme wat! Ick muß mein Kopp anstreng'n! Vorher un noch bei de Arbeet! Un wenn ick denn dabei bin, denn duss'l ick nich etwa wie'n Kerl mit Frühstück, Mittag und Vesper, nee denn heeßt's alle Kräfte anspann'! Denn mach ick det, wat'n ander nich in zwe Dage schafft, in suffzehn Minuten! Denn arbeet ick eben! Un dabei muß ick vier Oogen hab'n, zwee vorne und zwee uff'n Ricken! Un muß in jede Minute wissen, wat los is und wat ick zu tun habe! Det kost Nerven, sag' ick Dir! Da mußte Kraft Hain! Un mußt jeschickt sind! Un mußt wat vastehn! Un darfst Dir vor kein Deibel nich jraun!... Denn kommt eener, denn..." Der grüne Heinrich kniff plötzlich, als er im Begriff ge- Wesen, mehr zu sagen, als er eigentlich wollte, die Lippen zu-, sammen. Dann fuhr er in einem ganz anderen Tone, noch leiser redend, fort: Haste iebrigenS in de Szeitung jelesen, heite Morjen? Se K«m ne neie Spur, schreibt da ecna, in de Einbruchssache bei Krause..." Georg ward auf einmal ganz blaß. In de Fabrik? In meine Fabrik?..." Na ja," sagte der Grün« mit rohem Lachen.Mensch, tu' doch nich so demlich! In Deine Fabrik!... Deine Fabrik iS doch nich!... IS doch Krause seine!..." st unzeschickt st in Verdacht kommen, st Gelegenheit. Nach­weis zum Aieostahl. st bei Tag «In de Fabrik!", sagte Georg nochmal und in seiner Er- innerung lebte die Stunde wieder auf, die ihn mit diesem da so fest verbunden hatte... Wochenlang hatte der grüne Hein- rich ihn zu nichts gedrängt. Er kleidete ihn ein, kaufte ihm Wäsche, Hüte und Stiefel, er gab ihm Geld und wieder Geld, ohne den geringsten Gegendienst dafür zu beanspruchen. Und Georg, der solange im Elend gelebt, der den Hunger kennen gelernt und die ärgste Not, der dachte an nichts anderes mehr als an diese angenehme, freudvolle Gegenwart. Manchmal kam es ihm zum Bewußtsein, daß jede Leistung ihre Gegenleistung verlange und daß der grüne Heinrich ge- rade nicht der Mann sei, umsonst den Wohltäter zu spielen. Denn Georg war sehr aufmerksam, um nicht sehr bald den Sinn dieses Kaltherzigen zu verstehen, der das Verbrechen mit erstaunlichen Theorien verteidigte und die verlachte, die ihr Brot durch Arbeit erwarben. Aber konnte man sich vor der Zukunft fürchten, wo das Leben so schön war und wo es jeden Tag so viel zu erleben gab! Das leidenschaftliche Herz des einstigen Arbeiters, der rasch begriff, wie süß das Nichtstun ist, brauchte nach einer neuen Liebe nicht zu suchen. Georg sah so vorzüglich aus und ragte durch seine frische, noch ganz unverbrauchte Männlich- keit so hervor unter diesen Tagedieben und Nachtschwärmern, daß die Frauenherzen sich ihm seufzend öffneten.... Er aber wählte die blasse, schlanke, schwarze da drüben, die er jetzt an- sah und die ihm zulächelte... Hütt' er sie früher gehabt... ehe der Grüne kam... ehe der..." Du hecrst woll janich, wat ick sage?" fragte der grüne Heinrich. Doch, ich denke bloß nach, was se damit meinen.... in de Zeitung... an mir kann doch dabei eintlich keener denken!" Woso denn nich? Du bist doch dajewesen! Hast Dir mißliebig jcmacht bei Deine Kollejen durch die dusslije Rede" Die war nich dusslig!... war janz richtig!" Scheen! Aber bloß Du hättest ihr nich halten dürfen! Na, un rausjeflogen biste doch, weil De schon mal jesessin hast, von wejen Hehlereil... Na, un da kann doch eener so leicht uff die Idee kommen!" Georg brummte vor Unwillen. Er wollte nicht daran glauben, daß die Kriminalpolizei bei dem Einbruch in der Knopffabrik an ihn als den Täter denken könnte.... Er war ja auch gar nicht dabei gewesen! Nur gesagt hatte er dem Grünen, daß er dort gearbeitet hätte und wie die Oertlichkeit dort beschaffen wäre.... Der hatte ihn so gesprächsweise danach gefragt. Georg merkte erst gar nichts, bis der Grüne wissen wollte, was denn das für ein Geldschrank sei, der dort im Kontor stände? Da hatte Georg gezögert, denn er sah allmählich den Zweck der Frage.... Aber die Auskunft zu verweigern, das hatte er nicht gewagt. Und als er den anderen gefragt hatte, er wolle doch nicht etwa da einbrechen, da hatte der Grüne mit einem bösen Lachen geantwortet: od Georg etwa glaubte, daß sie von der Luft lebten? Gewiß wolle er ein Ding drehen und eins, was sich gewaschen hätte! Hellwig solle ihm nun mal gefälligst ganz genau sagen, waS da los wäre! Er hätte ja nichts weiter dabei zu tun! Und wcnn's wirklich rauSkäme, könne ihm auch keiner was be- weisen!... Und wie Georg da noch zögerte, meinte der Grüne, wenn er so'n schlapper Hund wäre, dann sollte er«e- fälligst teilachenst! Er hätte die Reese pleng von ihm! Wer Zweifel in seinen Mut setzte, konnte Georg Hellwiz zu allem bestimmen. Ohne Zaudern schilderte er nun auS- führlich die Gelegenheiten im Lokal der Firma Krause u. T». und erzählte was den Grünen besonders interessierte. daß der Geldschrank noch einer von der älteren Art wäre, mit einem in Eisen gegossenen Schmuckaussatz und scharfen Ellen und Kanten.... Det wollt ick wissen!" hatte der grüne Heinrich gesagt. Denn det iS nemlich de Hauptsache! Mit mein Tantelzeich*) is et man mau/..ick muß erscht wieder mal nach Neijork... Aie ickst letztemal alle jeworden bin, ham se mir doch den st machen, daß er fortläme. st Einbruchwrrkzeug.