Mnterhaltungsblatt des vorwärts

Nr. 153.

Donnerstag� den 10. August�

1911

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pelle der Gröberer»

Lehrjahre. Roman von M. Andersen Nexo. ..Denke dock an das kleine Kind," sagte Pelle bestimmt und riß den Strick herunter. Da ließ sich Ström willenlos hineinführen und kroch in das Bett. Aber Pelle mußte bei ihm bleiben, er wagte nicht, das Licht auszulöschen und allein im Dunkeln zu liegen. Sind es die Teufel?" fragte Pelle. Was für Teufel?" Ström wußte nichts von Teufeln. Nein, es ist die Reue," antwortete er.Das Kind und seine Mutter klagen mich beständig wegen meiner Treulosig- keit an." Aber im nächsten Augenblick konnte er aus dem Bett springen und da stehen und pfeifen, als locke er einen Hund. Mit einem raschen Griff hatte er etwas im Nacken gepackt, öffnete das Fenster und ivarf es hinaus.So, das war es," sagte er befreit,nun ist da nichts mehr von der Teufels- brutl" Er langte nach der Branntwcinflasche. Laß die doch stehen," sagte Pelle und nahm ihm die Flasche weg. Der Wille wuchs ihm beim Anblick von des andern Elend. Ström kroch wieder in das Bett: er lag da. warf sich hin und her und seine Zähne klapperten.Wenn ich nur einen Schlnck kriegen könnte," sagte er flehend,was kann mir das wohl schaden. Es ist das einzige, was mir hilft! Warum soll man denn immerfort sich quälen und den An- ständigen spielen, wenn man auf so billige Weise seiner Seele Frieden erkaufen kann? Gib mir einen Schluck!" Dann reichte ihm Pelle die Flasche.Du sollst selbst einen nehmen, das richtet auf! Glaubst Du, daß ich nicht sehen kann, daß Du auch Schiffbruch gelitten hast? Der arme Mann stößt so leicht auf Grund, er hat so wenig Wasser unter dem 5�iel. Und wer. meinst Du, hilft ihm wieder flott, wenn er den einzigen guten Freund verraten hat? Nimm doch einen Schluck, das belebt den Teufel in uns und gibt uns Mut fürs Leben." Nein, Pelle wollte zu Bett. Warum willst Du denn jetzt gehen? Bleib doch hier, es ist ja so gemütliche Wenn Du mir etwas erzählen könn- test, das mir nur für eine kurze Weile den verdammten Laut aus den Obren treiben könnte? Da ist eine junge Frau und ein kleines Kind und die tuten mir beständig die Obren voll." Pelle blieb und versuchte den Taucher zu zerstreuen. Er griff in seine eigene leere Seele hinein und wußte nicht, was er finden sollte, so erzählte er denn von Vater Lasse und von ihrem Leben auf Stengaarden, bunt durcheinander, was ihm gerade einfiel. Aber die Erinnerungen bauten sich in ihm selber auf bei der Erzählung und starrten ihn so trübselig an. daß sie sein gelähmtes Seelenleben wach riefen. Plötzlich empfand er Schmerz über sich selber und gab sich dem hilf- los hin. Nanu," sagte Ström und erhob den Kopf,kommt nun die Reihe an Dich? Du hast am Ende was Niederträchtiges zu bereuen oder was fehlt Dir?" Ich weiß es nicht!" Du weißt es nicht? Das ist ja beinahe so wie die Frauenzimmer, wenn sie heulen, das gehört mit zu ihrem Pläsier. Aber Ström ist kein Unmensch: er würde gern die Freude in sich aufkominen lassen, wenn ihn nicht ein paar Kinderangen tagaus tagein vorwurfsvoll ansähen und die Anklage einer jungen Frau! Die beiden sitzen daheim in Schweden und ringen die Hände um das tägliche Brot. Hier geht der Versorger und legt seinen Verdienst in Wirtshäusern an. Vielleicht sind sie auch schon tot, weil ich sie verlassen habe. Siehst Du, das ist ein reeller Kummer: das ist kein Kindergesabbel um nichts. Aber einen Schnaps sollst Du darum doch haben." Pelle hörte nicht: er saß da und starrte blind vor sich hin. Auf einmal fing der Stuhl an mit ihm zu segeln, er war einer Ohnmacht nahe vor Hunger.Na, denn gib mir nur einen Schnaps, ich Hab heut noch keinen Bissen gegessen!" Er lächelte beschämt bei dem Geständnis.

Ström war mit einem Satz aus dem Bett heraus.Nein, dann sollst Du was zu essen haben," sagte er eifrig und schaffte Mundvorrat herbei.Hat man je so was gesehen, so ein desperater Teufel will Branntwein in einen leeren Magen gießen. Du man, dann kannst Du Dich anderswo volltrinken. Ström hat genug auf dem Gewissen außerdem. Seinen Branntwein kann er selbst trinken. Na ja, dann hast Du aus Hunger geheult! War es mir doch gleich, daß es so klang wie Kinderweinen."--- Solche Nächte erlebte Pelle bäufiger. Sie vertieften seine Welt nach der Richtung des Finstern hin. Wenn er spät nach Hause kam und sich über den Boden tastete, ging er in einem geheimen Grauen, daß er Ströms entseelten Körper streifen könne: er atmete erst auf, wenn er ihn da drinnen schnarchen oder herumregieren hörte. Er sah gern bei ihm ein, ehe er sich schlafen legte. Ström freute sich immer über ihn und bot ihm Essen an: Branntwein wollte er aber nicht an ihn herausrücken. Das ist nichts für einen so jungen Menschen wie Du es bist! Kannst noch früh genug Geschmack daran finden." Trinkst ja selbst," sagte Pelle eigensinnig. Jawohl trinke ich, um die Reue zu betäuben. Abev das hast Du wohl nicht nötig." Ich bin inwendig so leer," sagte Pelle.Am Ende könnte der Branntwein mich ein wenig aufrichten. Mir ist, als wäre ich gar kein Mensch, sondern ein totes Ding, ein Tisch zum Beispiel." Du mußt irgend etwas vornehmen, sonst wirst Du ein Taugenichts. Ich habe so viele von unserer Art vor die Hunde gehen sehen. Wir haben nicht viel Widerstandskraft!" Mir ist es ganz egal, was aus mir wird!" antwortete Pelle schlaff.Ich pfeife auf das Ganze!" 23. Es war Sonntag und Pelle hatte Verlangen nach etwas, das über das Gewöhnliche hinausging. Zuerst war er draußen bei Jens: aber das junge Paar hatte sich gezankt und sich in den Haaren gelegen. Das Mädchen hatte die Bratpfanne mit dem Mittagessen in das Feuer fallen lassen und Jens hatte ihr eine Ohrfeige gegeben. Sie war noch blaß und kränklich von der Fehlgeburt. Jetzt saßen sie jedes in seiner Ecke und schmollten wie zwei Kinder. Sie bereuten es beide, aber keiner wollte dem andern das erste Wort geben. Es gelang Pelle, sie zu versöhnen, und sie wollten, daß er zu Mittag bleiben sollte.Kartoffeln und Salz haben wir noch, und ein Schluck Branntwein kann ich wohl vom Nachbar leihen!" Aber Pelle ging: er konnte es nicht mit- ansehen, wie sie halb flennend übereinander hingen und sich küßten und sabbelten und ins Unendliche um Verzeihung baten. Da ging er denn zu Dues hinauf. Sie waren in ein altes Kaufmannshaus gezogen, wo Platz für Dues Pferde war. Mit ihnen schien es gut vorwärts zu gehen. Man sagte, der alte Konsul interessiere sich für sie und hülfe ihnen weiter. Pelle ging nie hinein, sondern suchte Due im Stall auf, traf er ihn nicht zu Hause, so ging er wieder. Bei Anne war er nicht willkomnien. Due selbst nahm ihn freund- lich auf. Wenn er keine Fuhre hatte, pflegte er im Stall umherzugehen und mit den Pferden zu pusseln: er mochte nicht im Hause sein. Pelle gab ihm eine Handreichung, er schnitt ihm Häckerling und half bei allem, was gerade vor- lag. und dann gingen sie zusammen in die Wohnung. Due wurde gleichsam ein anderer Mensch: wenn er Pelle hinter sich hatte, dann trat er sicherer auf. Anne gewann mehr und mehr die Uebermacht über ihn. Sie war noch eben so sicqer wie früher und hielt das Haus gut instand._ Die kleine Marie hatte sie nicht mehr bei sich. Ihre beiden Jungens hielt sie gut gekleidet und schickte sie in eine Kleinkinderschule, wo sie für sie bezahlte. Sie war allerliebst anzusehen und verstand es. sich zu kleiden, gönnte aber andern nichts Gutes. Pelle w x ihr nicht fein genug: sie rümpfte die Nase über seine gewöhnlichen Kleider, und um ihn zu verhöhnen, sprach sie immer von Alfreds feiner Verlobung mit Kaufmann Laus Tochter.Der bummelt nicht herum und schlägt seine Zeit tot und schnüffelt nicht an anderer Leute Türen, um einen Teller Essen zu bekommen,"