Nnterhaltuttgsblatt des vorwärts

Nr. 166.

Dienstag, den 15. August.

1911

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pelle der Gröberer. Lehrjahre. Noman von M. Andersen Nexo.

Während sie darauf los redete, arbeitete sie fleißig an feiner Wäsche und warf ihm ein Stück nach dem andern an den Kopf. Tann bügelte sie ihm seinen Anzug auf.Jetzt bist Du ja ganz fein," sagte sie, als er wieder in die Kleider gekommen war und betrachtete ihn warm.Es ist, als wärst Du ein neuer Mensch geworden. Wäre ich nur zehn oder fünfzehn Jahre jünger, ging- ich gern Arm in Arm mit Dir die Straße hinauf. Aber einen Kuß sollst Du mir geben. !Jch habe Dich ja in Ordnung gebracht, als wenn Du mein Kind wärst." Sie küßte ihn heftig und wandte sich dann nach dem Ofen um. Und nun weiß ich keinen besseren Rat, als daß wir kaltes Mittagessen essen müssen, und dann.geht jeder seiner Wege," sagte sie abgewandt.All meine Feuerung ist über Nacht beim Trocknen Deiner Sachen draufgegangen, und hier in der Kälte können wir nicht bleiben. Ich denke, ich kann irgend jemand besuchen, dann geht dieser Tag auch hin, und Du findest auch wohl irgendeinen Ort, wo Du sein kannst." Es ist ganz einerlei, wo ich bin," sagte Pelle gleich- gültig. Sie sah ihn mit einem eigentümlichen Lächeln an.Willst Du eigentlich immer herumbummeln?" fragte sie.Ihr Männer seid doch merkwürdige Geschöpfe I Wenn Euch nur irgend etwas verquer geht, so müßt Ihr Euch gleich be- trinken oder Euch auf irgendeine andere Weise ins Unglück stürzen. Ihr seid nicht besser als Wickelkinderl Wir müssen ruhig weiter arbeiten, ob es' uns so geht oder so!" Sie stand schon in Hut und Mantel, dg und zögerte noch.Hier bast Du fünfundzwanzig Oere," sagte sie,das ist immer für eine Tasse Kaffee, daß Tu Dich wärmen kannst!" .- Pelle wollte es nicht annehmen.Was soll ich mit Deinem Geld?" murmelte er,behalt das nur selbst!" Ach, nimm es man! Ich weiß ja selbst, daß es nur wenig ist, aber ich Hab nicht mehr, und wir beide brauchen uns doch wohl nicht voreinander zu schämen." Sic steckte ihm das Geldstück in die Jackentasche und eilte davon. Pelle schlenderte in den Wald hinaus. Er hatte keine Lust, nach Hause zu gehen und einen zwecklosen Kampf mit Ström aufzunehmen. Er trieb sich auf den öden Steigen umher und empfand ein schwaches Gefühl des Wohlseins, als «r merkte, daß der Frühling sich hindurchrang. Drinnen bnter den alten, moosgrauen Tannen lag der Schnee noch, aber unten in den Tannennadeln steckten schon die Pilze ihre Köpfe hervor, und wenn man auf dem Boden ging, so hatte man ein Gefühl, als trete man auf einen Teig, der anfing, sich zu heben. Er ertappte sich dabei, daß er begann, sich mit seinen eigenen Angelegenheiten zu beschäftigen und plötzlich aus feinem Halbtraum erwachte. Irgend etwas hatte ihm als ganz traulich vorgeschwebt. Ja, das war der Gedanke, doch zu ihr zu ziehen und sich so einzurichten, wie Jens und sein Mädchen. Er konnte sich ja ein paar Leisten anschaffen und zu Hause sitzen und arbeiten, so konnte er sich einstweilen durchschlagen, bis bessere Zeiten kamen. Sie verdiente ja auch etwas und hatte einen mildtätigen Sinn. Aber als er erst gründlicher darüber nachdachte, erhielt das Ganze einen bitteren Anstrich für ihn. Er hatte ihre Armut und ihr gutes Herz genug mißbraucht. Ihr letztes Stück Feuerung hatte er genommen, so daß sie jetzt ausgehen mußte, um etwas Warmes und Abendbrot zu betteln. Das bedrückte ihn. Dies Gefühl der Beschämung konnte er nicht wieder loswerden, als ihm erst einmal die Augen dafür ge- öffnet waren. Es begleitete ihn nach.Hause und ins Bett, und hinter all ihrer Güte spürte er ihre Verachtung, weil er seinem Elend nicht mit Arbeit entgegentrat wie ein ordent- licher Mensch. Am nächsten Morgen war er früh auf und meldete sich zur Arbeit unten am Hafen. Er sah die Notwendigkeit davon an und für sich nicht ein, wollte aber einer Frau nichts schuldig sein. Am Sonnabend sollte sie ihre Auslagen wieder zurück- erhalten.

24. Pelle stand unten am Boden des Hafenbassins und lud Steinbrocken auf die Kippwagen. Wenn ein Wagen voll war, schob er und sein Kumpan ihn auf die Hauptspur, sie hingen sich dann an den leeren Wagen und rutschten zurück. Hin und wieder ließen die andern das Werkzeug sinken und sahen zu ihm hinüber. Er arbeitete wirklich gut für einen Schuh- macher. Er hatte einen guten Griff, wenn er den Stein aufnahm! Wollte er einen großen Brocken auf den Wagen laden, so hob er ihn erst bis ans Knie, stieß einen Fluch aus und stemmte sich dann mit dem ganzen Körper dagegen, dann trocknete er den Schlveiß von der Stirn und nahm einen Schnaps oder einen Schluck Bier. Er stand hinter keinem von den andern zurück. Mit Gedanken gab er sich nicht ab, er ließ fünf gerade sein und genoß die Tätigkeit und die Müdigkeit. Die Arbeit zerbrach etwas in seinem Körper und erfüllte ihn mit einein reinen tierischen Wohlsein.'Ob mein Bier wohl heute nach- mittag noch ausreicht?" konnte er denken: darüber hinaus gab es nichts. Die Zukunft existierte nicht und auch kein peinliches Gefühl, daß sie nicht da war: es regte sich keine Reue in ihm über etwas, was er verloren hatte oder lvas er versäumt hatte: die harte Arbeit fraß das Ganze. Da war nur dieser Steiif, der fortgeschafft werden mußte und dann der nächste: dieser Wagen, der voll geladen werden mußte und dann der nächste! Wenn der Stein sich auf den ersten Raick nicht heben wollte, knirschte er mit den Zähnen. Er war wie besessen von der Arbeit.Er ist noch so jung in den Sielen," sagten die andern,er läuft sich schon die Hörner abl" Aber Pelle wollte seine Kräfte zeigen, das war sein einziger Ehrgeiz. Der Kumpan ließ ihn ruhig darauf losgehen und strengte sich selbst nicht weiter an. Von Zeit zu Zeit lobte er ihn, um sein Feuer in ihm wach zu halten.. Es war die elendeste Arbeit im Hafen, jeder konnte ohne weitere Voraussetzung dazu gelangen. Die meisten von Pelles Kameraden waren Leute, die mit der Welt fertig waren und sich dahin treiben ließen, wohin der Strom sie trug: er fühlte sich wohl unter ihnen. Bis auf. den Grund gelangten hier keine Worte, die tote Vorstellungen wieder ins Leben rufen oder auch nur in einem leeren Gehirn spuken konnten. Vor der Zukunft war der eiserne Vorhang herab- gelassen, und das Glück lag hier auf der Hand, die Mühe des Tages ließ sich sofort in fröhliches Trinken umsetzen. Seine freie Zeit verbrachte er mit den Gefährten. Es waren lose Existenzen, die das'Gerücht, daß hier eine große 'Arbeit auszuführen sei, herbeigelockt hatte. Die meisten waren .unverheiratet einige hatten wohl irgenlüvo Frau und Kinder, verschwiegen es aber oder wußten es wohl auch selbst nicht. Sie hatten kein rechtes Logis, sondern hausten in Fuhrmann Köllers verlassener Scheune, die dicht beim Hafen lag. Sie kamen nie aus den Kleidern, sondern schliefen im Stroh und wuschen sich in einem Eimer Wasser, der nur selten ge- wechselt wurde. Ihre hauptsächliche Nahrung bestand aus Brotknacken und Spiegeleiern, die sie auf einem Feuer zwischen zwei Steinen brieten. Pelle fand Gefallen an diesem Da, ein und war gern unter ihnen. Am Sonntag aßen und tranken sie abwechselnd den ganzen Tag. lagen in der raucherfüllten Scheune, tief in das Stroh hineingebohrt und erzählten Geschichten, tra- gjsche Geschichten von jüngsten Söhnen, die die Art nahmen lind Vater und Mutter und alle Geschwister totschlugen, weil sie sich bei der Erbschaft übervorteilt glaubten! Von Kindern. die zum Einsegnungsunterricht gingen und sich liebten und Kinder haben sollten und darum geköpft wurden! Und von Frauen, die nicht die Kinder zur Welt bringen wollten, wie es die Bestimmung der Welt sei, und denen deswegen als Strafe der Bauch verschlossen wurde! Seit er hier zu arbeiten angefangen hatte, war er Nicht: mehr draußen bei Marie Nilsen gewesen.Sie hält_Dich zum Narren," sagte die andern, wenn er von ihr erzählte. Sie will die Anständige spicleir, damit Du anbeißen sollst. Frauen haben immer Hintergedanken. Da gilt es auf seinem Posten zu sein. Diese jungen Witwen nehnien lieber zwer als einen, das sind die allerschlinunsten. Man muß schon em strammer Teufel sein, wenn man denen widerstehen kankh